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Werk der Woche – Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis

Schwarzweiß-Poträt des Komponisten Viktor Ullmann vor dem Gemälde "Tripumph des Todes" von Felix Nussbaum als Hintergrund

Die Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung ist ein erschütterndes Zeugnis menschlicher Kreativität und Widerstandskraft. Am 28. Dezember 2025 erlebt das einaktige Werk seine Japanische Erstaufführung in der Tokyo Opera City Recital Hall, präsentiert vom Ensemble NOMAD.

Ein zeitloses Plädoyer: Viktor Ullmanns Kammeroper Der Kaiser von Atlantis 

Der Ursprung dieses Werkes liegt an einem der dunkelsten Orte der europäischen Geschichte: Die Oper wurde von Viktor Ullmann (1898–1944) und seinem Librettisten Peter Kien im Konzentrationslager Theresienstadt im Jahr 1943 komponiert. Ullmann, ein Schüler von Arnold Schönberg, schuf hier ein Werk von großer musikalischer Dichte.

Die Partitur des Werkes konnte dort, trotz erfolgreicher Proben, nicht mehr zur Aufführung gebracht werden, da die Verantwortlichen die dünne Parallele zwischen dem tyrannischen Kaiser Overall und dem nationalsozialistischen Regime erkannten. Kurz darauf wurden Ullmann und Kien in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Parabel im Angesicht der Bedrohung

Der Kaiser von Atlantis ist eine politische Parabel mit einem stark allegorischen Charakter. Sie handelt vom tyrannischen Kaiser Overall, der den Krieg zum Dauerzustand erklärt und den Tod selbst (eine der Figuren) verbietet. Aus Empörung über die menschliche Tyrannei verweigert der Tod daraufhin seinen Dienst. Die Folge ist Chaos: Niemand kann mehr sterben. Der Kaiser erkennt, dass das Leben seinen Sinn verliert, wenn es kein Ende gibt. Nur als Overall schließlich bereit ist, als erster zu sterben, kehrt der Tod zurück und beendet das Grauen. Musikalisch verbindet Ullmann die traditionelle Opernform mit zeitgenössischen Strömungen seiner Zeit, darunter Zitate von Bach und dissonanter Jazz.

Wiederentdeckung und Ullmanns Vermächtnis

Der Kaiser von Atlantis gehört zu den bedeutendsten Werken der sogenannten "Theresienstädter Komponisten". Die Partitur wurde gerettet und 1975, über dreißig Jahre nach seiner Entstehung, in Amsterdam uraufgeführt. Die Oper ist ein zentrales Dokument für die musikwissenschaftliche Aufarbeitung der verfolgten und ermordeten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sie zeugt von Ullmanns unerschütterlichem Glauben an die Macht der Kunst selbst unter extremster Unterdrückung. Ullmann schrieb kurz vor seiner Deportation, er habe seinen Platz im musikalischen Leben der Welt in voller Klarheit erkannt.

Nach der Japanischen Erstaufführung durch das Ensemble NOMAD in Tokio ist die Oper auch 2026 international präsent: Im Februar steht die Premiere am Staatstheater Mainz an, gefolgt von Aufführungen im März in La Comédie Genf. Im April folgt eine Aufführung in der Reaktorhalle München mit Studierenden der Hochschule für Musik und Theater München.

Mehr erfahren

Viktor Ullmann: Composer Profile  

Der Kaiser von Atlantis: Werkdetails und Online-Partitur 

Veranstaltungsseite Tokyo Opera City

 

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