Werk der Woche – Gavin Bryars: Marilyn Forever
- By Christopher Peter
- 01.03.2026
Manche Legenden gewinnen mit jedem Jahrzehnt an Rätselhaftigkeit. Marilyn Monroe ist eine solche Gestalt, deren Präsenz weit über das Hollywood-Klischee hinausweist. Wenn am 07. März 2026 der Vorhang am Staatstheater Braunschweig für Gavin Bryars’ Kammeroper Marilyn Forever aufgeht, steht die Produktion unter einem besonderen Stern: Es ist das Jahr, in dem die unter dem Namen Norma Jeane Mortenson geborene Ikone 100 Jahre alt geworden wäre. Unter der musikalischen Leitung von Christine Strubel und in der Regie von Marie Gedicke entfaltet sich eine Inszenierung, die das Wesen einer Frau sucht, die im gleißenden Licht der Öffentlichkeit oft unsichtbar blieb.
Norma Jeane Mortenson: Einhundert Jahre einer Fragilität
Die Komposition nähert sich der Protagonistin nicht über die äußere Oberfläche, sondern durch eine klangliche Ausleuchtung der inneren Risse. Basierend auf persönlichen Aufzeichnungen der Monroe, entwirft Bryars ein Bild, das zwischen Exhibitionismus und einer fast schmerzhaften Empfindsamkeit schwankt. Die instrumentale Besetzung von Marilyn Forever ist dabei der Schlüssel zur Seele: Ein Jazztrio bricht die Strenge des kleinen Opernorchesters auf. Es ist ein meisterhaftes Spiel mit den Identitäten – die Eleganz der Arie verschmilzt mit der rauchigen Freiheit des Jazz, ganz so, wie Norma Jeane zeit ihres Lebens zwischen den Rollen der Diva und des verletzlichen Menschen mäandert.
Gavin Bryars, dessen Werke bei Schott Music verlegt sind, beweist hier erneut sein Gespür für das Transzendente. Dass das Werk im Jubiläumsjahr 2026 zudem am 13. Juni eine weitere Premiere am Theater Hof feiern wird, unterstreicht die ungebrochene Kraft dieses Stoffes. Es ist das Porträt einer Suchenden, deren Sehnsucht nach Aufrichtigkeit in Bryars’ Musik ein würdevolles Echo findet. Ein Jahrhundert nach ihrer Geburt wird Marilyn Monroe hier nicht als Maske, sondern als Mensch erfahrbar.
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