NEU BEI WERGO – ZUM 90. GEBURTSTAG VON ARIBERT REIMANN
- By Charlotte Schmitt
- 02.03.2026
Foto: Schott Promotion/Gaby Gerster
In seinem Lebenswerk hat Aribert Reimann ein reiches OEuvre geschaffen, dessen Einfluss auf das zeitgenössische Musiktheater unbestritten ist. Sein unverwechselbarer Personalstil ist von strenger Logik, von hochkomplexen und bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Klangstrukturen geprägt. Zugleich wohnt seiner Musik eine eindringliche Emotionalität inne, die das Publikum unmittelbar ergreift. Dies gilt für seine Instrumental- und Vokalwerke gleichermaßen, insbesondere für sein Opernschaffen, das zu dem bedeutendsten in der zeitgenössischen Musik zählt. Seine Stoffe entnimmt Reimann meist der Weltliteratur, um sie in einzigartiger Weise seiner eigenen Musiksprache anzuverwandeln.
REIMANNS VERTONUNG VON AUGUST STRINDBERGS „EIN TRAUMSPIEL“
1963 komponierte Aribert Reimann seine erste Oper „Ein Traumspiel“ nach der Vorlage von August Strindberg. Bereits als Junge kam Reimann das erste Mal mit der Welt des Dichters in Berührung. Im Gespräch mit seinem Biografen Wolfgang Burde bekennt Reimann, dass er „völlig verrückt auf Strindberg“ gewesen sei. Und auch wenn er im Anschluss Strindbergs Stücke nur in Teilen gelesen habe, sei damit die Saat für seine spätere, intensive Beschäftigung mit dessen Texten ausgebracht worden.
DIE HOFER AUFFÜHRUNG
Nach der Kieler Uraufführung 1965 erlebte das „Traumspiel“ lediglich zwei weitere Neuproduktionen. Reinhardt Friese, Intendant am Hofer Theater von 2012 bis 2024, setzte das Stück am dortigen Theater an, wo es am 17. März 2018 in einer Inszenierung Lothar Krauses herauskam. Im Rahmen der dortigen Produktion unter der musikalischen Leitung von Walter E. Gugerbauer entstand die vorliegende Einspielung, ein Live-Mitschnitt.
„Nach 54 Jahren habe ich das ‚Traumspiel‘ so gehört, wie ich es mir vorgestellt habe!“
(Aribert Reimann über die Hofer Aufführung)
Die Inszenierung des Hofer Theaters wurde von der Kritik und dem Opernpublikum nachdrücklich gefeiert.
VON STRINDBERG ZU RILKE
Neben August Strindberg inspirierten Reimann auch die Dichtungen von Rainer Maria Rilke, mit dessen erster „Duineser Elegie“ er jedoch musikalisch ganz anders umgeht: In seiner Komposition „Denn Bleiben ist nirgends“ verbindet er den von einer Sprechstimme vorgetragenen Text mit einem flächig gesetzten Sinfonieorchester zu einem Melodram.
