Hans Werner Henze zum 100. Geburtstag – Leben, Werke und Vermächtnis
- By Joscha Schaback
- 23.02.2026
Hans Werner Henze: Ein Komponist prägt die Musik nach 1945
Am 1. Juli 2026 wäre Hans Werner Henze (*1. Juli 1926 – 27. Oktober 2012) 100 Jahre alt geworden. Mit einem Musikschaffen von außerordentlicher Vielfalt und Tiefe zählt er zu den prägenden Stimmen der internationalen Musik nach 1945 – als Komponist, Lehrer, Festivalgründer und politisch engagierter Künstler.
Biografie: Leben und Werdegang des Komponisten Hans Werner Henze
Hans Werner Henze wurde 1926 in Gütersloh geboren und begann früh mit seiner musikalischen Ausbildung. Nach dem Krieg studierte er zunächst in Deutschland, bevor er 1953 dauerhaft nach Italien übersiedelte, wo er über 59 Jahre lebte.
Henzes Jugend und frühe Jahre waren stark von den historischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts geprägt: Der Nationalsozialismus wirkte als scharfe Zäsur und prägte sein politisches Bewusstsein nachhaltig.
Seine internationale Wirkung zeigt sich nicht nur in seinen Kompositionen, sondern auch in seiner Lehrtätigkeit und als Initiator wegweisender Festivals:
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Der Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano,
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Die Münchener Biennale – Internationales Festival für Neues Musiktheater.

Hans Werner Henze mit Ingeborg Bachmann
Die wichtigsten Werke von Hans Werner Henze: Opern, Balette und Sinfonien
Henzes Werk umfasst nahezu alle Gattungen – von Opern über Sinfonien, Ballette und Oratorien bis zu Kammermusik und Liedern.
Zu den bedeutendsten Kompositionen zählen unter anderem:
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Opern wie Boulevard Solitude (1951), Der Prinz von Homburg (1960 mit Texten von Ingeborg Bachmann, einer engen künstlerischen Weggefährtin) und Die Bassariden (1965)
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Ballette wie Undine (1956/57).
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Oratorien wie Das Floß der Medusa (1968), ein politisch aufgeladenes Werk, das Henze als Statement gegen soziale Ungerechtigkeit komponierte.
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Sinfonien, darunter die Sinfonia Nr. 9 für Chor und Orchester (1997) – ein eindringliches Werk in Anlehnung an den Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers.
Henze als politischer Komponist
Henze verstand Musik nie als ästhetisches Kunstprodukt allein, sondern stets auch als Stellungnahme zur Gegenwart. Viele seiner Werke reflektieren soziale Konflikte, politische Kämpfe oder humanistische Ideale.
Politische Themen wie Freiheit, Antifaschismus, Utopie und soziale Gerechtigkeit ziehen sich als roter Faden durch sein Œuvre und sein öffentliches Wirken – Aspekte, die auch im Rahmen des Jubiläumsjahres 2026 aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet werden.

Engagement über das Komponieren hinaus
Die Hans Werner Henze-Stiftung, gegründet 2007, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk und die Wirkung Henzes zu erhalten, zu erforschen und zu vermitteln – etwa durch Publikationen, Veranstaltungen und Förderung junger Komponist:innen.
Das Jubiläumsjahr umfasst ein vielfältiges Programm internationaler Konzerte, Opern- und Festivalveranstaltungen, darunter Aufführungen seiner Sinfonien, Kammermusik und selten gespielter Werke.
Auszeichnungen und Vermächtnis
Henze erhielt zahlreiche internationale Ehrungen, darunter den Ernst-von-Siemens-Musikpreis (1990) und den Praemium Imperiale (2000).
Bis heute beeindruckt sein Œuvre durch eine unverwechselbare Balance zwischen musikalischer Innovation und humanistischen Werten. Es ist genau diese Verbindung, die Henze zu einem Komponisten unserer Zeit macht und sein Werk im Konzert- und Opernleben lebendig hält.
Hans Werner Henze entdecken: Jubiläumsmaterialien und Werke
Ob Sie sich erstmals mit seinem Schaffen beschäftigen oder alte Favoriten wiederentdecken möchten: Das Jubiläumsjahr lädt dazu ein, in die Welt eines der großen Komponisten einzutauchen. Entdecken Sie die Jubiläumsbroschüre „Discovering Henze“ und weitere Materialien auf Schott Music.
Entdecken Sie das Interview des Henze-Schülers Jörg Widmann über seinen Lehrer.