Hans-Günter Heumann wird 70 - Ein Interview
- By Patrick Hinsberger
- 29.12.2025
Seit Jahrzehnten prägen seine Klavierschulen und Spielbücher den Einstieg ins Klavierspiel – für Kinder, Erwachsene und Wiedereinsteiger gleichermaßen. Werke wie die Hobbyschule sind längst Klassiker und gehören zu den meistgenutzten Klavierausgaben im deutschsprachigen Raum.
Anlässlich seines runden Geburtstags sprechen wir mit Hans-Günter Heumann über die Anfänge seiner Arbeit mit dem Schott Music Verlag, über pädagogische Überzeugungen, persönliche Highlights – und über aktuelle Projekte. Denn die Zusammenarbeit geht weiter: Die Hobbyschule wird derzeit grundlegend überarbeitet, und auch die erfolgreiche Best of-Reihe wächst weiter, unter anderem mit einem neuen Tschaikowsky-Band. Ein Gespräch über Musik, Motivation und die Frage, was gutes Klavierlernen wirklich ausmacht.
Einstieg & Werdegang
Wie alles begann: Hans-Günter Heumanns Weg zur Musik und zum Klavier
Herr Heumann, Sie feiern im Dezember Ihren 70. Geburtstag. Was hat Sie ursprünglich zur Musik – und schließlich zum Klavier – geführt?
Begonnen hat alles mit der Gitarre. Der entscheidende Wendepunkt kam jedoch durch eine zufällige Begegnung mit einer älteren Dame, die eine außergewöhnliche Klavier- und Musikpädagogin war. Durch sie habe ich das Klavier entdeckt – und sofort gespürt, dass ich dort angekommen bin. Seitdem ist das Klavier nicht nur ein Instrument, sondern der Mittelpunkt meines Lebens.
Gab es einen Moment oder eine Person, die Ihren Weg besonders geprägt hat?
Ja, eindeutig. Es gab eine Zeit, in der Musik mein gesamtes Denken und Handeln bestimmt hat. Ein prägender Moment war die Aufnahmeprüfung an einem Konservatorium. Die Einschätzung von Prof. Kämmerling hat mich tief beeinflusst. Dass er mich später auch an der Musikhochschule weiter begleitete, war für meinen Weg von großer Bedeutung.
Die Anfänge bei Schott Music
Von der ersten Absage zur Erfolgsstory: Die Anfänge bei Schott Music
Wie kam es zur ersten Zusammenarbeit mit dem Schott Music Verlag?
Der erste Kontakt mit Schott Music war zunächst ernüchternd: Ein Manuskript wurde mit dem Hinweis abgelehnt, es sei „zu kommerziell“. Ironischerweise wurde genau dieses Werk bei einem anderen Verlag danach ein Bestseller. Umso schöner war es, dass Schott später doch auf mich zukam – der Beginn einer langen, erfolgreichen und sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit.
Was war Ihnen bei der Entwicklung Ihrer Klavierschulen von Anfang an wichtig?
Meine Materialien sind vollständig aus der Unterrichtspraxis entstanden. Die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen hat mir gezeigt, was motiviert und was wirklich funktioniert. Mir war immer wichtig, Inhalte klar, verständlich und praxisnah aufzubereiten – ohne unnötige Umwege.
Die Hobbyschule zählt zu den erfolgreichsten Klavierlehrwerken. Worin liegt ihr Erfolgsgeheimnis?
In der Klarheit des Konzepts. Technische Grundlagen, verständliche Erklärungen, gezielte Fingerübungen und passende Literatur greifen ineinander. Die Lernenden verstehen jederzeit, warum sie etwas üben und wofür es gut ist. Genau dieses Verständnis schafft Motivation – und langfristigen Lernerfolg.
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Klavierpädagogik & Lehrwerke
Praxisnah und motivierend: Die pädagogische Haltung von Hans-Günter Heumann
Sie stehen seit Jahrzehnten für einen motivierenden Zugang zum Klavierlernen. Hat sich Ihr pädagogischer Ansatz im Laufe der Jahre verändert?
Der Kern ist gleichgeblieben: Motivation steht an erster Stelle. Entscheidend ist für mich eine kluge Auswahl an interessanter, essenzieller Spielliteratur und die verständliche Vermittlung von theoretischem Hintergrundwissen. Wer versteht, was er spielt, bleibt neugierig – und motiviert.
Welche Rolle spielt die Freude am Musizieren, gerade bei erwachsenen Anfängerinnen und Anfängern?
Eine zentrale. Ohne Freude gibt es kein nachhaltiges Lernen. Besonders bei Erwachsenen ist es wichtig, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und verschiedene Stilrichtungen einzubeziehen. Wer sich musikalisch wiederfindet, bleibt am Instrument – und entwickelt echte Begeisterung.
Wenn Sie heute auf den Markt für Klavierunterricht und Klaviernoten blicken: Was hat sich am stärksten gewandelt?
Das Angebot ist enorm gewachsen und heute global verfügbar – nahezu jede Klaviernote der Welt ist nur einen Klick entfernt. Das ist eine große Chance, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Nicht jedes internationale pädagogische Konzept passt zu unserem Markt. Zudem hat das Online-Lernen neue Wege eröffnet, aber auch ein Überangebot geschaffen. Zu viel Auswahl führt oft zu schnellem Wechsel – und manchmal zu weniger Aufmerksamkeit fürs Detail.
Persönliche Highlights & Meilensteine
Gibt es ein Projekt aus Ihrer Arbeit mit Schott Music, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ja, ganz klar die Best of-Reihe. Sie vereint die schönsten Originalkompositionen für Klavier – zwei- und vierhändig, in leichter und mittelschwerer Fassung – aus mehreren Jahrhunderten. Inzwischen umfasst die Reihe 15 Bände, darunter auch Komponisten-Porträts der Klassik. Sie begleitet Schülerinnen und Schüler durch ihre ersten Unterrichtsjahre und bietet neben den Werken auch Fingersätze, Tempovorschläge und Hinweise zur stilgerechten Ausführung.
Welche Rückmeldungen sind Ihnen über die Jahre besonders im Gedächtnis geblieben?
Am meisten berühren mich Rückmeldungen von Menschen, die langfristig beim Klavierspielen geblieben sind – oder nach vielen Jahren Pause wieder zum Instrument zurückgefunden haben. Wenn jemand sagt: „Ich habe die Freude am Klavier wiederentdeckt“, dann weiß ich, warum ich diese Arbeit mache.
Erfolgsgeheimnis der Hobbyschule
Warum die Hobbyschule Klavier zu den erfolgreichsten Klavierschulen zählt
Derzeit arbeiten Sie mit Schott Music an der Revision der Hobbyschule. Was dürfen sich die Lernenden von der neuen Ausgabe erwarten?
Mehr abwechslungsreiche Spielstücke, zusätzliche Übetipps und ein zeitgemäßes, motivierendes Erscheinungsbild – ohne den bewährten Kern des Konzepts zu verlieren.
Warum war Ihnen gerade jetzt eine Überarbeitung dieses Klassikers wichtig?
Weil auch ein Klassiker mit der Zeit gehen muss. Mir war wichtig, die Hobbyschule so weiterzuentwickeln, dass sie auch die nächste Generation von Klavierschülerinnen und -schülern anspricht.
Im Januar erscheint ein neuer Tschaikowsky-Band in der Best of-Reihe. Was reizt Sie daran, große Komponisten für den Unterricht neu aufzubereiten?
Diese Komponisten sind zeitlos und aus dem Klavierunterricht nicht wegzudenken. Ihre Musik ist bis heute präsent – auch als Inspirationsquelle für Pop, Rock oder Jazz. Wer sie früh kennenlernt, bekommt ein tiefes musikalisches Fundament.
Blick nach vorn
Mit 70 Jahren kein Stillstand
Worauf freuen Sie sich in der weiteren Zusammenarbeit mit Schott Music besonders?
Auf die Fortführung bewährter Reihen – und auf neue Projekte, über die ich heute noch nicht zu viel verraten möchte. Es bleibt also spannend.
Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die heute mit dem Klavierspielen beginnen möchten – egal in welchem Alter?
Folgen Sie Ihrem Herzen und Ihrem eigenen Musikgeschmack – und bleiben Sie zugleich offen für die Vielfalt der Stilrichtungen. Ob Klassik, Pop, Rock oder Jazz: Jede Musik verdient eine ernsthafte, liebevolle Interpretation. Anspruch und Ausdruck sind in jedem Genre möglich.

