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Werk der Woche – Hans Werner Henze: Fantasia für Streicher

Schwarz-Weiß-Porträt des jungen Hans Werner Henze in hellem Hemd. Er steht vor hohen Gräsern; das Sonnenlicht wirft Schatten der Halme auf sein Gesicht.

Am 1. Juli 2026 wäre Hans Werner Henze einhundert Jahre alt geworden. Henze prägte die europäische Musiklandschaft des 20. und 21. Jahrhunderts wie kaum ein zweiter Komponist. Das Jubiläumsjahr #henze100 wird weltweit mit Retrospektiven, Opernaufführungen und Festivals gefeiert. Einen frühen Akzent setzen zwei Konzerte im Januar 2026, die die Fantasia für Streicher (1966) in den Mittelpunkt rücken – ein Werk, das Henzes Leidenschaft für Literatur, Film und Musik perfekt bündelt.   

Die Aufführungen finden am 10. und 11. Januar 2026 durch die Camerata Bern unter der Leitung von Lawrence Power im Zentrum Paul Klee statt. Am 25. Januar 2026 folgt das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim unter Douglas Bostock im CongressCentrum Pforzheim .   

Eine filmische Keimzelle

Die Fantasia für Streicher hat ihre Wurzeln im Kino: Sie basiert auf Henzes Filmmusik zu Volker Schlöndorffs Regiedebüt „Der junge Törless“ nach Robert Musil. Für den Film wählte Henze ursprünglich ein archaisches Ensemble aus Renaissance-Instrumenten wie Blockflöten, Laute und Gamben. Deren ungeschliffener, „unreifer“ Klang diente ihm als Metapher für die emotionale Kälte und die moralische Orientierungslosigkeit der jugendlichen Protagonisten in einer Kadettenanstalt.   

Später arbeitete Henze dieses Material für ein reines Streichorchester um. Die etwa 15-minütige Fantasie ist in sieben Sätze gegliedert, die von einem melancholischen Adagio über einen strengen Trauermarsch bis hin zu lyrischen Passagen und einem nervösen Allegro reichen. Ein barock inspiriertes Air und ein groteskes Vivace führen schließlich in einen resignativen Epilog. Die suggestive Kraft dieser Musik ist so groß, dass Teile davon sogar im Abspann des Horror-Klassikers „Der Exorzist“ (1973) verwendet wurden.   

Der Komponist als Universalgelehrter

Henze, 1926 in Gütersloh geboren, war ein Künstler von immenser politischer und sozialer Wachheit. Um dem ästhetischen Dogmatismus und der politischen Enge der Nachkriegs-Bundesrepublik zu entfliehen, siedelte er 1953 nach Italien über . Dort entwickelte er seinen unverwechselbaren Stil, der Moderne und Tradition, Pathos und Melodie vereinte .   

Sein Werkkatalog umfasst zehn Sinfonien, über 40 Bühnenwerke – darunter Meilensteine wie „Der junge Lord“ oder „Die Bassariden“ – sowie bedeutende politische Oratorien wie „Das Floß der Medusa“. Henze war jedoch weit mehr als ein Komponist: Er wirkte als Dirigent, Autor („Reiselieder mit böhmischen Quinten“), einflussreicher Pädagoge und visionärer Kulturorganisator. Er gründete 1976 das Cantiere Internazionale d'Arte in Montepulciano und 1988 die Münchener Biennale für neues Musiktheater. 

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