Werk der Woche – Elisabeth Naske: Zack bumm!
- 25.05.2026
Wenn Sprache versagt, beginnt Musik zu erzählen. Mit Zack bumm! hat Elisabeth Naske ein Musiktheater geschaffen, das ohne gesprochene Worte auskommt und dennoch eine vielschichtige Geschichte entfaltet. Ausgehend vom gleichnamigen Kinderbuch von Heinz Janisch und Helga Bansch formt sie eine Bühnenarbeit, in der Klang, Bewegung und Figurenspiel zu einer eigenständigen Erzählweise verschmelzen. Die Uraufführung findet am 30. Mai im Wiener Konzerthaus statt, inszeniert von Ela Baumann.
Im Zentrum steht der kleine Vogel Sigmund, der nach einem Sturz nur noch „Zack bumm“ sagen kann. Seine eingeschränkte Ausdrucksfähigkeit wird nicht als Defizit, sondern als Ausgangspunkt einer neuen Wahrnehmung verstanden. Sigmunds Begegnung mit dem Hasen Carl Gustav eröffnet einen Raum, in dem Anderssein nicht erklärt, sondern erlebt wird. Die Handlung entwickelt sich aus Gesten, Situationen und musikalischen Impulsen, die sich unmittelbar an ein junges Publikum wenden, ohne es zu vereinfachen.
Klang als Handlungsträger
Die musikalische Besetzung – Oboe, Klarinette, Fagott und Marimba – ist bewusst überschaubar gehalten. Sie erlaubt eine präzise Zuordnung von Klangfarben zu Figuren und Stimmungen. Naske nutzt das Instrumentarium nicht illustrativ, sondern dramaturgisch: Musik übernimmt die Funktion von Sprache, strukturiert Zeit, markiert Beziehungen und trägt Emotionen. Das Zusammenspiel mit dem Puppenspiel schafft eine Ebene, in der Sehen und Hören gleichberechtigt wirken.
Im Kontext von Naskes Gesamtwerk fügt sich Zack bumm! konsequent ein. Seit vielen Jahren entwickelt sie Formen des Musiktheaters für junges Publikum, die musikalische Qualität und gesellschaftliche Sensibilität verbinden. Der Verzicht auf Text ist dabei kein formales Experiment, sondern eine ästhetische Entscheidung mit klarer Wirkung: Das Stück ist unabhängig von sprachlichen oder kulturellen Voraussetzungen zugänglich und öffnet einen inklusiven Erfahrungsraum.
So wird Zack bumm! zu einem Musiktheater, das weniger erklärt als ermöglicht. Es lädt dazu ein, Kommunikation neu zu denken – als offenes Zusammenspiel von Klang, Bewegung und Aufmerksamkeit. Gerade darin liegt seine Aktualität.
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Foto Elisabeth Naske: Hanna Naske; Hintergrund erstellt mithilfe künstlicher Intelligenz