Werk der Woche – Huw Watkins: Octet
- By Christopher Peter
- 28.09.2025
Der renommierte britische Komponist Huw Watkins, eine der führenden Stimmen seiner Generation, hat ein neues Werk geschaffen: das Octet. Die Uraufführung dieses festlichen Stücks findet am 3. Oktober 2025 im Center for the Arts in Fairfax, Virginia, statt. Es ist ein Auftragswerk für die Musiker:innen der weltberühmten Academy of St Martin in the Fields und bildet den fulminanten Höhepunkt ihrer Herbsttournee in den USA.
Watkins ist nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist von Rang bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch eine große Bandbreite aus, von intimen Kammermusikstücken bis zu großangelegten Orchesterwerken. Sein neues Oktett wurde speziell für die Instrumentation von Schuberts monumentalem Oktett D 803 von 1824 geschrieben. Dies macht es zu einem spannenden Begleitstück, auch wenn es musikalisch keine direkten Bezüge oder thematischen Anleihen gibt. Vielmehr geht es um die klanglichen Möglichkeiten, die diese Besetzung bietet: Sie kann wie ein Miniaturorchester mit kraftvollen Tutti-Passagen klingen, aber auch intime, zarte Kammermusik-Texturen entfalten.
Das Octet ist in einem einzigen Satz komponiert, der in vier nahtlose Abschnitte unterteilt ist. Die ungeraden Teile (eins und drei) sind langsam, majestätisch und feierlich, während die geraden Teile (zwei und vier) schnell, virtuos und ausgelassen sind und das Stück zu einem strahlenden, übermütigen Ende führen.
Die Academy of St Martin in the Fields, bekannt für ihren frischen und zugleich klassischen Ansatz, ist die ideale Interpretin für dieses Werk. Das 1958 von Sir Neville Marriner gegründete Ensemble hat die Kammermusik und das Orchesterrepertoire entscheidend geprägt und ist für seine makellose Präzision und musikalische Lebendigkeit weltweit gefeiert. Watkins, der selbst als Pianist mit dem Orchester zusammengearbeitet hat, ist mit dem Ensemble bestens vertraut. Nach der Uraufführung in Fairfax reist die Tournee weiter, mit Aufführungen am 4. Oktober in Kennesaw, am 5. Oktober in Athens, am 6. Oktober in Augusta, am 9. Oktober in La Jolla, am 11. Oktober in Los Alamos und am 12. Oktober in San Antonio.
Interview mit Huw Watkins zu seinem neuen Octet:
Dein Octet hat die gleiche Besetzung wie Schuberts monumentales Werk. Hattest du Ehrfurcht vor der musikalischen Geschichte?
Watkins: Absolut. Schuberts Oktett ist ein gewaltiges Werk, das ich sehr schätze. Es war eine faszinierende Herausforderung, für diese Besetzung zu schreiben, die so viele klangliche Möglichkeiten bietet – von der Kraft eines kleinen Orchesters bis hin zu sehr intimen Kammermusikpassagen.
Wie unterscheidet sich dein Oktett von Schuberts Stück?
Watkins: Während wir die gleiche Instrumentation teilen, sind unsere Stücke musikalisch nicht miteinander verwandt. Mein Oktett ist ein eigenständiges Werk, das aus einer anderen Zeit und einem anderen musikalischen Geist stammt. Es hat seine eigene narrative Struktur und ich habe mich nicht von Schuberts Themen inspirieren lassen.
Du beschreibst dein Stück als "festlich und ausgelassen". Welche musikalischen Ideen stecken dahinter?
Watkins: Ich wollte ein Stück schreiben, das Fröhlichkeit und Virtuosität ausstrahlt. Die schnellen Abschnitte sind voller Energie und führen zu einem triumphalen Ende. Sie stehen im Kontrast zu den langsamen, majestätischen Teilen, die eine gewisse Melancholie enthalten können.
Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit der Academy of St Martin in the Fields?
Watkins: Es ist eine große Ehre, für sie zu schreiben. Ihre Musiker:innen sind nicht nur technisch brillant, sondern haben auch eine unglaubliche musikalische Sensibilität für Kammermusik. Ich bin zuversichtlich, dass sie die verschiedenen Texturen und Stimmungen des Stücks perfekt zum Ausdruck bringen werden.
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Foto Huw Watkins: Benjamin Ealovega