Werk der Woche – Christian Jost: Konzert für Vibraphon und Orchester
- 04.05.2026
Es gibt Begegnungen in der Musikgeschichte, die weit über das bloße Zitieren hinausgehen. Wenn Christian Jost sein neues Konzert für Vibraphon und Orchester am 7. Mai 2026 in Salzburg zur Uraufführung bringt, geschieht dies im direkten Dialog mit einem der bekenntnisreichsten Werke Wolfgang Amadeus Mozarts: der Maurerischen Trauermusik. Jost nutzt den Mozart’schen Cantus Firmus als musikalische Keimzelle und begibt sich auf eine kompositorische Reise, die den Blick weit zurückwirft, um im Heute anzukommen.
Der Kern dieses Werks ist eine radikale Transformation. Was als konduktartige Strenge und Klage beginnt, löst sich im Verlauf des Stücks in die ästhetische Freiheit von Jazz-Idiomen und groovigen Rhythmen auf. Das Vibraphon übernimmt dabei eine fast chirurgische Rolle: Der Solist agiert wie ein Zeitreisender, der sich mit der Präzision einer Klinge – Jost spricht treffend von einem „Blade“ – in die historische DNA der Vorlage einschneidet. Es ist ein Aufbrechen alter Strukturen, um Raum für Neues zu schaffen.
Eine musikalische Zeitreise mit der Schärfe einer Klinge: Konzert für Vibraphon und Orchester von Christian Jost
Hinter den Tönen steht zudem eine gewichtige gesellschaftliche Ebene. Die Bezugnahme auf die Logenbrüderschaft der Freimaurer ist kein Zufall. Jost erinnert daran, dass deren freiheitlich-humanistische Ideale in totalitären Systemen stets verboten waren, da sie sich nicht mit diktatorischer Willkür vereinbaren lassen. So wird das Konzert auch zu einem Plädoyer für eine europäische Geschichte der Aufklärung und der Freiheit.
Für diese anspruchsvolle Uraufführung steht mit Christoph Sietzen ein Solist auf der Bühne, der die nötige klangliche Schärfe und rhythmische Energie für diesen „Zeitschnitt“ besitzt. Unter der Leitung von Roberto González-Monjas wird das Mozarteumorchester Salzburg zum Partner in diesem Transformationsprozess. Besonders reizvoll ist die Empfehlung des Komponisten für die Programmgestaltung: Das Mozart’sche Original soll idealerweise direkt im Anschluss an das neue Konzert erklingen, um den Kreis der Inspiration unmittelbar zu schließen.
Mehr erfahren:
Fotos: Stefan Sietzen (Christoph Sietzen), Kartal Karadegik (Christian Jost)