Werk der Woche – Huang Ruo: The Monkey King
- By Christopher Peter
- 09.11.2025
Am 14. November 2025 blickt die Opernwelt gespannt nach San Francisco: Mit der Uraufführung von The Monkey King (猴王悟空) präsentiert die San Francisco Opera ein gigantisches Auftragswerk, das Chinas ikonischsten Helden, den Affenkönig Sun Wukong, auf die westliche Opernbühne hebt. Für Schott Music markiert dieses interdisziplinäre Spektakel den Beginn einer neuen Ära: Es ist das erste „Werk der Woche“ unseres Partners Huang Ruo.
Wenn der asiatische Superheld zum Opernstar wird
Huang Ruos neunte Oper The Monkey King, komponiert zu einem Libretto seines langjährigen Weggefährten David Henry Hwang , adaptiert die Anfangsepisoden des chinesischen Epos Die Reise nach Westen (Xī Yóu Jì) , eines der Vier Großen Klassischen Romane Chinas. Die San Francisco Opera (SFO), unterstützt durch die Chinese Heritage Foundation of Minnesota , hat die Produktion von Grund auf als interkulturellen und genreübergreifenden Publikumsmagneten konzipiert, der im War Memorial Opera House Premiere feiert.
Die Produktion ist eine bewusste Fusion: Hier trifft das moderne westliche Orchester auf Elemente der traditionellen Peking-Oper, auf anspruchsvollen Tanz und transformatives Puppenspiel. Diese Synthese ist nicht nur ästhetischer Natur; sie ist eine dramaturgische Notwendigkeit, um die Geschichte von Sun Wukong angemessen zu erzählen – jenem unzähmbaren Affen, der aus einem Stein geboren wird, Unsterblichkeit erlangt und in seinem grenzenlosen Hochmut das gesamte Himmelreich herausfordert.
Von der Rebellion zur Erleuchtung: Die Botschaft des Superhelden
Der Affenkönig ist mehr als nur eine mythologische Figur; er ist der asiatische Superheld schlechthin. Er ist bekannt für seinen Witz, seine List und eine fast unerschöpfliche Macht. Die Oper konzentriert sich auf seinen Aufstieg und Fall: Nachdem Monkey die Götter herausfordert – darunter den Jade-Kaiser und Lord Erlang – und in spektakulären Schlachten himmlische Krieger besiegt , wird er schließlich von Buddha besiegt und für 500 Jahre unter dem Berg der Fünf Elemente eingekerkert.
Doch die eigentliche Geschichte beginnt in dieser Gefangenschaft. Unter der sanften, aber festen Führung von Guanyin, der Göttin der Barmherzigkeit, beginnt Monkey eine spirituelle Reise. Die zentrale Botschaft, die sich in seine Seele brennt, lautet: „Macht allein ist nicht genug“ (“power alone is not enough”). Erst als er sein Herz öffnet und erkennt, dass wahre Stärke im Dienen und der Selbsterkenntnis liegt, wird er aus seiner steinernen Zelle befreit.
Huang Ruo und David Henry Hwang positionieren ihr Werk explizit als Quelle der Inspiration in turbulenten Zeiten. Angesichts der weltweiten Debatten um kulturelle Identität und des steigenden Interesses an asiatischen Erzählungen (wie dem Blockbuster-Videospiel Black Myth: Wukong ) bietet The Monkey King eine dringend benötigte, positive kulturelle Affirmation.
Dimensionalism: Die musikalische Sprache der grenzenlosen Fusion
Hinter diesem gigantischen Stoff steht Huang Ruo, dessen Musik selbst eine Rebellion gegen starre stilistische Grenzen darstellt. Der 1976 in China geborene Komponist erlebte eine einmalige musikalische Sozialisation: Von Bach und Stravinsky über Peking-Oper bis hin zu den Beatles, Rock ’n’ Roll und Jazz – all diese Einflüsse flossen ungefiltert in seine Ausbildung ein.
Aus dieser Weite heraus entwickelte er seine eigene kompositorische Philosophie, die er „Dimensionalism“ nennt. Dimensionalism geht über die einfache Zusammenführung von Ost und West hinaus; es ist die Kunst, disparate musikalische Quellen – von uralter chinesischer Volksmusik bis zu westlicher Avantgarde – zu einer nahtlosen, organischen Einheit zu verschmelzen. The New Yorker feierte Huang Ruo dafür als „einen der weltweit führenden jungen Komponisten“.
Zu Ruos gefeierten Opern gehören An American Soldier (von The New York Times als eines der besten Klassikevents des Jahres 2018 gelobt ) und M. Butterfly (2022). The Monkey King bildet nun den aktuellen Höhepunkt dieses einzigartigen Opernschaffens.
Ein All-Star-Ensemble für ein episches Werk
Die San Francisco Opera hat für The Monkey King ein All-Star-Ensemble versammelt, das die ambitionierte Vision des Werks unterstreicht. Die Inszenierung übernimmt die renommierte Tony Award-Gewinnerin Diane Paulus. Paulus, bekannt für ihre Fähigkeit, klassische Stoffe (wie Pippin oder The Gershwins’ Porgy and Bess ) mit modernem Theaterspektakel zu verschmelzen, gibt ihr SFO-Debüt. Ihre Verpflichtung signalisiert das Ziel, ein Werk von globaler Zugkraft zu schaffen. Am Pult des San Francisco Opera Orchestra steht Carolyn Kuan, Musikdirektorin des Hartford Symphony Orchestra, die ebenfalls ihr SFO-Debüt feiert. Entscheidend für die Umsetzung der fantastischen Welt des Affenkönigs ist Basil Twist, MacArthur Genius und preisgekrönter Puppenspiel-Direktor und Designer. Twists visionäre Entwürfe und sein meisterhaftes Puppenspiel werden die Götter, Dämonen und die wundersamen Transformationen Sun Wukongs zum Leben erwecken. Die Titelrolle des rebellischen Monkey King übernimmt der international gefeierte Tenor Kang Wang. Unterstützt wird das Team durch einen Peking Opera Specialist, Jamie Guan, um die Authentizität der chinesischen Performance-Elemente zu gewährleisten.
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The Monkey King ist weit mehr als nur eine spektakuläre Oper. Es ist ein kultureller Brückenbauer und ein zeitgenössischer Kommentar, der die ewige Frage nach der Natur wahrer Macht stellt. Als erstes „Werk der Woche“-Feature markiert es einen strategischen Meilenstein für die Partnerschaft zwischen Huang Ruo und Schott Music.
Wir laden Sie herzlich dazu ein, Huang Ruo, diesen Vordenker der zeitgenössischen Musik, und die faszinierende Welt seines Schaffens tiefer kennenzulernen.
Veranstaltungsseite San Francisco Opera
Foto Huang Ruo: Wenjun Miakoda Liang