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Werk der Woche – Hans Werner Henze: Die englische Katze

Der Komponist Hans Werner Henze mit gefalteten Händen auf einem Stuhl, er blickt ernsthaft und leicht nach oben schauend in die Kamera. In der linken Bildhälfte im Hintergrund ein stilisierter Dolch, um den sich der Schwanz einer schwarzen Katze windet.

Die Premiere von Hans Werner Henzes (1926–2012) Oper Die englische Katze am 5. November 2025 an der Bayerischen Staatsoper in München markiert einen frühen Höhepunkt im Vorfeld des 100. Geburtstages des Komponisten im Juli 2026. Diese Neuproduktion im Cuvilliés-Theater, musikalisch geleitet von Katharina Wincor und inszeniert von Christiane Lutz, führt die Geschichte in der deutschen Sprachfassung nach München zurück.

Viktorianische Intrige im Katzenpelz: Henzes bissige Balzac-Oper kehrt zurück

Hans Werner Henze gilt als einer der bedeutendsten und politisch engagiertesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine Opern, darunter Schlüsselwerke wie "Die Bassariden" und "Der junge Lord", thematisieren oft den Konflikt zwischen individuellem Glück und gesellschaftlicher Repression.

Die englische Katze (The English Cat), 1983 in Schwetzingen uraufgeführt, scheint auf den ersten Blick harmlos: Es ist eine Tierfabel in zwei Akten, die in der feinen Londoner Gesellschaft um 1900 spielt. Doch dahinter verbirgt sich eine scharfe Satire auf die prüde, heuchlerische Moral des Viktorianischen Zeitalters.

Das Libretto stammt von dem renommierten britischen Dramatiker Edward Bond, der Henze als Vorlage Honoré de Balzacs Erzählung "Peines de cœur d'une chatte anglaise" (Herzeleid einer englischen Katze) aus den 1840er Jahren anbot.

Korrupte Katzen und malträtierte Mäuse: kritischer Blick auf die wilhelminische Moral

Die Handlung dreht sich um die "Königliche Gesellschaft für den Schutz der Ratten" (K.G.S.R.) – eine Organisation, deren moralische Fassade schnell bröckelt. Der ältliche Präsident, Lord Puff (ein Kater), muss heiraten. Seine Wahl fällt auf die junge, mittellose Katze Minette, die schnell feststellen muss, dass sie in dieser steifen Gesellschaft unglücklich ist.

Minette verliebt sich in den draufgängerischen Kater Tom, der als Soldat desertiert, um bei ihr zu sein. Was als liebenswerte Tierparabel beginnt, entwickelt sich zu einem Drama von Verrat, Gier und Scheinheiligkeit. Der Idealismus von Minette und Tom scheitert an den skrupellosen Intrigen der K.G.S.R., was die Gesellschaftsordnung und falsch verstandenes Christentum karikiert.

Henze nutzt dafür eine Musik, die zwischen eleganten, neoklassizistischen Klängen und bissigen, satirischen Passagen pendelt. Die englische Katze ist eines seiner bedeutenderen Werke aus der mittleren bis späten Schaffenszeit, das oft als schwarzhumorige Kammeroper wahrgenommen wird, die besonders gut in kleineren, intimen Theatern wie dem Cuvilliés-Theater funktioniert. Die Existenz beider Sprachfassungen – Deutsch (Die englische Katze) und Englisch (The English Cat) – unterstreicht die internationale Bedeutung des Werks.

Die Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper, die größtenteils vom Opernstudio getragen wird, ist damit ein vielversprechender Auftakt zu den Feierlichkeiten rund um den 100. Geburtstag von Hans Werner Henze am 1. Juli 2026.

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Werkseite Die englische Katze

Veranstaltungsseite Bayerische Staatsoper

Henze 100: den Komponisten Hans Werner Henze entdecken

 

photo Hans Werner Henze: Yoichi Ohira, Hintergrund: Bayerische Staatsoper

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