Werk der Woche – Hans Werner Henze: Die englische Katze
- By Christopher Peter
- 02.11.2025
Henzes satirische Oper Die englische Katze als Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper zum Auftakt des Jubiläumsjahrs "Henze 100".
Henzes satirische Oper Die englische Katze als Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper zum Auftakt des Jubiläumsjahrs "Henze 100".
Schiffbruch im Flughafen: Das Oratorium Das Floß der Medusa von Hans Werner Henze eröffnet die neue Spielzeit der Komischen Oper Berlin. Im Hangar 1 des Flughafen Tempelhof inszeniert Tobias Kratzer die groß angelegte Frage nach der Menschlichkeit, die sich um das berechnende Ertrinkenlassen von unterprivelligierten Menschen auf hoher See dreht. Die Premiere findet am 16. September 2023 statt, musikalisch geleitet von Titus Engel.
La piccola Cubana von Hans Werner Henze erzählt die turbulente Geschichte der Varietésängerin Rachel vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Umbrüche im vorrevolutionären Kuba. Es war Henzes Wunsch, dieses ihm so wichtige Stück auch kleinen Bühnen und Ensembles zugänglich zu machen, daher plante er noch selbst eine „Piccola Cubana“. 10 Jahre nach dem Tod des Komponisten liegt die ursprüngliche Fernsehoper La Cubana oder Ein Leben für die Kunst mit Texten von Hans Magnus Enzensberger nach Miguel Barnet in einer Einrichtung für Kammerorchester von Jobst Liebrecht vor. In der Staatsoper Unter den Linden Berlin wird sie von Mitgliedern der Staatskapelle und Gästen unter musikalischer Leitung von Adrian Heger zur Uraufführung gebracht. Vom 27. Oktober bis zum 6. Dezember sind insgesamt 6 Vorstellungen der Inszenierung von Pauline Beaulieu geplant.
Hans Werner Henze (rechts) mit Regisseur Gustav Rudolf Sellner (links) und den Librettisten Chester Kallman und W. H. Auden bei der Uraufführung von "Die Bassariden" 1966 in Salzburg [Foto: Heinz Köster][/caption]Die Bassariden, die ich heute viel besser verstehe und die ich viel mehr liebe als damals, als ich sie schrieb, für mich bedeuten sie heute mein wichtigstes Theaterwerk. Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt. Die Vielzahl, der Reichtum der Beziehungen, der greifbar-sensuellen Beziehungen zwischen dieser Antike, dieser Archais, und uns wird durch den Auden’schen Text hergestellt, und Euripides wird herangezogen in unsere Zeit, und zwar in einer Weise, wie es auch die brillanteste Regie mit dem griechischen Original nicht machen könnte, bei dem eben immer die Distanz zu einer anderen und lang zurückliegenden Zivilisation sich manifestiert. – Hans Werner Henze
„Im „Prinz von Homburg“ handelt es sich um die Verherrlichung eines Träumers, um die Zerstörung des Begriffs vom klassischen Helden, es geht gegen die blinde, phantasielose Anwendung der Gesetze und um die Verherrlichung menschlicher Güte, deren Verständnis auch in tiefere und kompliziertere Bezirke hineinreicht, als es „normal“ wäre, und die einem Menschen seinen Platz in dieser Welt einräumen will, obwohl er ein Schwärmer ist und ein Träumer, oder vielleicht gerade deswegen.“
Hans Werner Henze
Besseres, als diese Lieder, habe ich nie gemacht, und nur sehr weniges von meinen Werken wird ihnen zur Seite gestellt werden können. – Wagner in einem Brief an Mathilde
Le Radeau de la Meduse, das große im Louvre zu bewundernde Gemälde von Théodore Géricault, hatte ich deutlich vor Augen, als ich anfing, mir Gedanken über die Musik zu machen. Die Menschenpyramide auf dem Gemälde, an deren Spitze unser Held, der Mulatte Jean-Charles, erkennbar ist, wie er den roten Fetzen einem in großer Entfernung dahersegelnden Boot zuschwenkt, das poetisch die Hoffnung bedeutet und in der Tat vielleicht sogar die Rettung - die ist gleich zu Anfang unseres Stücks präsent. – Hans Werner Henze
Ich sage, ich hätte gern ein kleines Sängerensemble und ein kleines Instrumentalensemble von nicht mehr als zwanzig Leuten. Diese Instrumente würden womöglich in der Dramaturgie des Stücks eine gewisse personengebundene Rolle spielen können. Ich sage, ich möchte gern ein Psychodrama, ein Kammerdrama, das ganz allgemein mit Schuld und Sühne, das heißt also mit subtilen und komplexen Dingen zu tun haben muss. Ich war glücklich mit diesem Entwurf, hörte beim Lesen sogleich die künstliche Luft des Hammerhorns in den Ohren sirren, hörte schon erste Noten für die Musik der Liebenden: zarte Blumen, Herbstzeitlosen, Violen und das wotanesk-groteske Schnauben und Donnern Mittenhofers, des kaltherzigen Dichters, der seiner Muse Menschenopfer bringt. Es handelte sich um Menschen, moderne Menschen, mit Schwächen und Stärken, um Sterbliche, nicht um Götter oder Helden oder sonstige übernatürliche Wesen. – Hans Werner Henze