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Werk der Woche - Ludger Vollmer: Tschick

In den Sommerferien fährt der 14-jährige Maik mit seinem Freund Tschick in einem geklauten Lada quer durch Ostdeutschland in Richtung Walachei. Zwar werden sie diese niemals erreichen, aber es wird eine Reise in die Freiheit, voller Abenteuer und skurriler Begegnungen. Ludger Vollmer hat den Erfolgsroman Tschick von Wolfgang Herrndorf für die Oper adaptiert. Am 18. März 2017 wird Tschick - Road Opera im Theater Hagen uraufgeführt.



Vollmer, der mit Gegen die Wand und Lola rennt bereits wichtige Stoffe für ein jugendliches Publikum auf die Opernbühne gebracht hat, legt mit der Vertonung des Coming of Age-Romans Tschick eine weitere Jugendoper vor. Passend zur Reise der Jungs findet keine klassische Unterteilung in Akte statt, sondern "Abfahrten" gliedern das Werk; sie orientieren sich an der Fahrt des Lada. Schauplätze wie eine Müllkippe, ein Baggersee und ein umgekippter Schweine-Transporter bilden die Szenerie. Auch gesanglich geht Vollmer an die Grenze der Oper und hat rasende Stimmspreizungen, schnellen Punk und Gesang im Stil von Nina Hagen eingearbeitet:
Durch die außerordentlich dynamische Musik bekommt der Stoff noch einen emotionalen, manchmal sehr komischen Drive. Viele der tieferen, psychologischen Schichten des Herrndorf-Stoffes, der ja trotz seiner punkigen Oberfläche auch faszinierende philosophische Aspekte hat, werden durch die Musik erst sichtbar. – Ludger Vollmer

Nach der Uraufführung am 18. März ist das Werk an neun weiteren Termin in der Inszenierung von Roman Hovenbitzer und unter der musikalischen Leitung von Florian Ludwig zu erleben. Dernière in Hagen ist am 8. Juli. Die wilde Fahrt geht aber schon bald weiter, denn die nächste Premiere der "Road Opera" Tschick an einem deutschen Opernhaus ist bereits für Januar 2018 geplant.

Foto: Iakov Kalinin / Adobe Stock

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: The Adventures of Robin Hood

The Adventures of Robin Hood mit Musik von Erich Wolfgang Korngold gilt als Klassiker der Filmgeschichte. In seinem Filmmusik-Konzert spielt das Bournemouth Symphony Orchestra am 9. März 2017 die Symphonische Suite aus diesem mit drei Oscars ausgezeichneten  Abenteuerfilm.



Zu insgesamt 18 Filmen steuerte Korngold die Musik bei. Er avancierte zu einem der gefragtesten Filmmusikkomponisten aller Zeiten und perfektionierte als Hauskomponist der Warner Brothers Studios die Gattung der symphonischen Filmmusik. Dafür wurde er fünfmal für den Oscar nominiert. 1936 erhielt er den begehrten Preis für seine Musik zu Anthony Adverse und 1938 auch fürThe Adventures of Robin Hood. Korngold läutete mit seinem Schaffen eine neue Ära in Hollywood ein. Anstelle des bloßen Begleitens bildet Musik eine eigenständige Ebene und kommentiert, widerlegt oder intensiviert das visuelle Geschehen. Gleichzeitig stattet Korngold mit wagnerischer Leitmotiv-Technik Charaktere oder Szenen mit individueller Klanglichkeit aus.

Korngolds The Adventures of Robin Hood: Ein Wiener in Hollywood


Als Korngold die Arbeit an der Filmmusik zu The Adventures of Robin Hood aufnahm, galt er in Hollywood bereits als gefragt Komponist, der mit Werken wie Captain Blood von sich reden machte. The Adventures of Robin Hood stellte mit dem für die damalige Zeit ungeheuren Budget von zwei Millionen US-Dollar die vorigen Produktionen des Studios in den Schatten. Da ihm anfangs noch kein Skript vorlag, recherchierte Korngold in Wiener Bibliotheken über den Robin Hood-Stoff. Auch verwendete er in dieser Filmmusik Elemente eines seiner früheren Werke, der Symphonischen Ouvertüre ("Sursum Corda!").

Seit 2015 vertreibt Schott Music exklusiv die "Erich Wolfgang Korngold – Warner Chappell Library". Hier finden sich neben der Filmmusik zu The Adventures of Robin Hood auch weitere Klassiker der Filmgeschichte, wie Captain Blood, The Prince and the Pauper und The Sea Hawk.

Weitere Konzerte des Bournemouth Symphony Orchestra unter dem Motto "Heroes & Legends. More Music from the Movies" folgen am 10. und 11. März, sowie am 22. April. Bei den Hofer Symphonikern steht am 16. März Korngolds Musik aus The Sea Hawk auf dem Programm.

 

Foto: Warner Bros. / Deutsches Filminstitut - DIF e.V., Wiesbaden

Werk der Woche - Ryan Wigglesworth: The Winter's Tale

Ryan Wigglesworths erste Oper The Winter’s Tale wird am 27. Februar in der English National Opera uraufgeführt. Die Regie übernimmt der Schauspieler Rory Kinnear, es singen Iain Paterson, Sophie Bevan und Leigh Melrose. Der Komponist persönlich wird die Aufführung dirigieren.



Wigglesworths The Winter’s Tale ist eine neue Interpretation des gleichnamigen Shakespeare-Stoffes. In seinem Eifersuchtswahn sperrt König Leontes seine eigene Frau Hermione ein, da er glaubt, seine neu geborene Tochter sei das Ergebnis eines Seitensprungs. Nach Leontes Anweisung wird das Kind an eine einsame Küste gebracht und dort alleine zurückgelassen. Die scheinbare Tragödie wandelt sich allerdings im Verlauf in eine Liebesgeschichte, an deren Ende die Versöhnung von Vater und Tochter steht. Shakespeares Schauspiel eignet sich besonders für eine Oper, findet Wigglesworth:
Als ich zu komponieren begann, erstellte ich zuerst ein grobes Gerüst, das ich nach und nach mit Leben füllte. So konnte ich immer deutlicher sehen, was das Stück brauchte…Das Bemerkenswerte an diesem Stoff sind die dramatischen Pfeiler, auf die er sich stützt: Der Prozess der Hermione, der Sturm, das Vergehen von sechzehn Jahren und natürlich das Finale. All diese Szenen sind unglaublich kraftvoll und von starker Struktur, so wie eine Oper es benötigt. – Ryan Wigglesworth

The Winter’s Tale ist noch bis zum 14. März in der English National Opera zu sehen.

 

Foto: ENO

Büste: Jess Riva Cooper

Werk der Woche - Richard Wagner: Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

Die Opéra Monte-Carlo gibt zum 19. Februar 2017 die Pariser Fassung des Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg von Richard Wagner. Erstmals in seiner Karriere wird hierbei der argentinische Tenor José Cura die Titelpartie singen. Die musikalische Leitung übernimmt Nathalie Stutzmann, Regie führt Jean-Louis Grinda.



Die hier verwendete französischsprachige Pariser Fassung von 1861 entwickelte Wagner aus seiner Dresdner Fassung der Uraufführung von 1845. Sie unterscheidet sich sowohl im Libretto als auch in der Partitur. Die Übersetzung des Librettos übernahm hierbei Charles Nuitter, in enger Zusammenarbeit mit Wagner selbst. Musikalisch versuchte der Komponist nicht nur sein Werk an die Konventionen der Pariser Opernhäuser anzupassen; viel eher noch ist die Pariser Fassung von der kompositorischen Entwicklung Wagners geprägt, der zu diesem Zeitpunkt bereits Tristan und Isolde vollendet hatte. Auch wenn die Pariser Uraufführung zunächst nicht von Erfolg gekrönt war, so löste sie doch im Folgenden eine Wagner-Verehrung in Frankreich aus. Noch heute stehen die Dresdner und die Pariser Fassung gleichberechtigt nebeneinander. Wagner selbst äußerte sich zu seiner Pariser Fassung:
Ich werde also eine ganz neue, bei weitem reicher entwickelte Musik zur 1. Szene (nenne es Ballet) schreiben, um die Venus, mit Beibehaltung der besten Motive, sehr bedeutend umarbeiten und namentlich auch erweitern, zu welchem Zwecke ich neue Verse am Schluss der Scene gedichtet habe. – Richard Wagner

Der die Oper bestimmende Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe wird in der Pariser Fassung besonders deutlich. So wird das Bacchanal nach der Ouvertüre um weitere Rollen ergänzt und in seiner orgienhaften Gestalt ausgedehnt. Das Duett am Ende der Venusberg-Szene ist in seiner harmonischen Gestalt und der Instrumentierung wiederum stark von Tristan und Isolde beeinflusst.

Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg: Drei Fassungen auf einen Blick


Im Rahmen der Richard Wagner-Gesamtausgabe haben die Herausgeber Egon Voss, Peter Jost und Reinhard Strohm in mehr als 30 Jahren die Entstehungsgeschichte von Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg wissenschaftlich aufgearbeitet. Auf dieser Grundlage sind bei Schott Music Partitur, Orchestermaterial und Klavierauszug erschienen. Diese erlauben alle Stadien der Werkgestalt zu vergleichen und stellen eine übersichtliche Form der Dresdner, Pariser und Wiener Fassungen dar. Da Wagner nie eine abschließende Werkgestalt vorgelegt hat, bietet das neue Aufführungsmaterial auch die Möglichkeit, Mischfassungen zu erarbeiten.
Abends Plauderei, welche Richard mit dem Hirtengesang und Pilgerchor aus Tannhäuser beschließt. Er sagt, er sei der Welt noch den Tannhäuser schuldig. – Tagebucheintrag von Cosima Wagner

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg feierte am 19.02. Premiere und ist  in weiteren Aufführungen am 22., 25. und 28.02. an der Opéra Monte-Carlo zu sehen.

Foto: Alain Hanel

Werk der Woche - György Ligeti: Le Grand Macabre

Vom 17. bis 19. Februar präsentieren die Berliner Philharmoniker spektakuläre Aufführungen von György Ligetis Le Grand Macabre unter der Leitung von Sir Simon Rattle. Die Regie der halbszenischen Inszenierung übernimmt Peter Sellars, dessen Interpretation bereits im Januar mit Rattle und dem London Symphony Orchestra zu sehen war.



Das fiktive Fürstentum Breughelland, vor dessen Kulisse die Oper spielt, wird bei Sellars durch das moderne Europa ersetzt. Doch auch hier ist der Hauptakteur der zwielichtige Nekrotzar, ein Demagoge mit unerschütterlichem Sendungsbewusstsein. Er, der Große Makabre, verkündet den Weltuntergang. Die wenigsten seiner Mitmenschen scheinen sich allerdings für diese Drohung zu interessieren: Statt Angst und Schrecken zu verbreiten, wird er zum Saufkumpanen der Breughelländer degradiert. Als die Erde tatsächlich unterzugehen droht, wähnen sich die Betrunkenen bereits im Himmel, nur um am Ende doch zu überleben. Allein Nekrotzar stirbt aus Gram – er hat sein heiliges Ziel verfehlt.

https://youtu.be/X9NMdfajdwI

 

Ligetis Le Grand Macabre: Weltuntergang im Vollrausch


Musikalisch bedient sich Ligeti an einem großen Steinbruch aus Kunst- und Popularmusik, verzichtet aber auf direkte Zitate. Vielmehr deformiert er das Material, fügt es in Montagen zusammen und lässt es als Anspielung erklingen. So meint man Stile von Monteverdis Orfeo, Beethovens Eroica und auch Pink Floyd zu erkennen. Ligeti selbst bezeichnet Le Grand Macabre als "Anti-Anti-Oper". Die doppelte Verneinung steht für das Aufgreifen traditioneller Opernelemente in einer Zeit der Verneinung des Theatralischen und des experimentellen Musiktheaters. Hier erreicht er eine Vereinigung von traditioneller Oper und Avantgarde. Als Vorlage des Librettos von Michael Meschke dient das Theaterstück La Balade du Grand Macabre von Michel de Ghelderode. Durch absurde Szenen und vulgäre Sprache entsteht ein eigenwilliger Humor, der die Oper prägt:
Meine Oper ist eine Art schwarze Farce, ein lächerliches Stück, humoristisch und doch zugleich auch absolut tragisch […]. Im Zentrum des Stücks stehen die Angst vor dem Sterben, die Unmöglichkeit, das Schicksal zu ändern, und die Handlungen und Anstrengungen, die man vergeblich unternimmt, um dem Faktum des Todes zu entkommen. Eine der Strategien (oder Träume), die eingesetzt werden, um diesem Geschick zu entgehen, ist der Versuch, den Tod ins Lächerliche zu ziehen. – György Ligeti

Nach den drei Aufführungen von Le Grand Macabre in Berlin präsentieren die Berliner Philharmoniker das Stück im Rahmen ihrer RuhrResidenz: Vom 23. bis 25. Februar sind sie im Konzerthaus Dortmund und in der Philharmonie Essen zu Gast, wo sie zusätzlich auch Konzertwerke von Ligeti spielen.

Foto: Tristram Kenton (Aufführung des London Symphony Orchestra)

Werk der Woche: Gerald Barry – Humiliated and Insulted

Am 10. Februar findet in Dublin die Uraufführung von Gerald Barrys Humiliated and Insulted für Chor und Orchester statt. Es spielt das RTÉ National Symphony Orchestra und der RTÉ Philharmonic Choir unter der Leitung von Hans Graf.



Diese Bearbeitung von Humiliated and Insulted gilt als eines der interessantesten Werke in seiner Zeit als Composer-in-Residence beim RTÉ. Original wurde das Werk 2013 für Klavier komponiert. Nun wird der Klavierpart durch ein Orchester ersetzt, dass das Werk durch einen groß angelegten Ausdruck des Leides, der Hingabe und der Verzweiflung erweitert. Ergänzt wird der Klangkörper um eine neu komponierte Melodie im Chor. Das Konzert folgt einer Reihe vorangegangener Aufführungen, u.a. der irischen Erstaufführung seines Piano Concertos 2015, das in Auftrag gegebene Midday-Werk für Oktett und das überarbeitete String Quartet No. 1.

Humiliated and Insulted: Ein Kirchenchoral


Barry vergleicht Humiliated and Insulted mit einem Kirchenchoral. Allerdings weist das Werk einen entscheidenden Unterschied zum Choral auf: Der Chor wiederholt die Worte „Humiliated and Insulted“ mehrfach, ohne dabei das Fortissimo des Beginns zu verlieren. Gleichzeitig treibt die Musik voran. Die Worte des Werktitels entstammen Dostojewskis gleichnamigem Roman:
Der Titel amüsiert mich. Die Übertreibung ist typisch für Dostojewski: Erniedrigung ist nicht genug, man muss auch beleidigt werden. Der Roman wurde 1861 veröffentlicht; Oscar Wilde liebte das Buch. Da existiert eine forensische, eindeutige Gewalt bei Dostojewski, die mich anspricht. - Gerald Barry

Humiliated and Insulted wird seine schottische Erstaufführung am 5. Mai in Edinburgh geben, aufgeführt durch das Scottish National Orchestra and Chorus, die dieses Werk auch in Auftrag gaben. Weitere Aufführungen Gerald Barrys Musik folgen im Rahmen des Dublin New Music Festival vom 2. – 4. März. Hier erfolgt auch die irische Erstaufführung seiner neuen Oper Alice’s Adventures Under Ground, dirigiert von Thomas Adès.

Werk der Woche: Erich Wolfgang Korngold – Das Wunder der Heliane

Im Mai 2017 wäre Erich Wolfgang Korngold 120 Jahre alt geworden. Als Würdigung seines musikalischen Schaffens wird in der Volksoper Wien seine Oper Das Wunder der Heliane konzertant aufgeführt. Die musikalische Leitung hat Jac van Steen.



Die Oper handelt von einem tyrannischen Herrscher, der seinem Volk jegliche Freude untersagt. Ein Mann aus der Fremde tritt auf  und versetzt das Volk mit seiner Friedensbotschaft in Unruhe. Doch noch bevor es zu einem Aufstand kommt, wird der Fremde gefangen genommen und zum Tode verurteilt. Heliane, die Gattin des Herrschers, erscheint, um ihn zu trösten. Dabei entwickeln die beiden Gefühle füreinander. Als Heliane sich zum Gebet zurückziehen will, kehrt der Herrscher noch einmal zurück zu dem Gefangenen und entdeckt Heliane bei ihm. Der Herrscher vermutet, sie beim Ehebruch erwischt zu haben und stellt sie vor Gericht, wo auch auf sie ein Todesurteil wartet. Wahrend des Prozesses ersticht sich der Fremde jedoch und kann nun nicht mehr gegen Heliane aussagen. Wutentbrannt beschließt der Herrscher, dass nur noch ein Gottesurteil Heliane vor dem Tod bewahren kann: Wenn sie es schafft, den Fremden von den Toten auferstehen zu lassen und somit ihre Unschuld beweist, soll Helianes Todesurteil aufgehoben werden. Durch ihr Liebesgeständnis zu dem Fremden geschieht das Wunder: Der Fremde kehrt tatsächlich zu den Lebenden zurück. Der Herrscher bleibt alleine in der Welt der Freudlosigkeit zurück, denn Heliane und der Fremde vereinen sich im gemeinsamen Tod.

Korngolds Das Wunder der Heliane: Selig sind die Liebenden


Das Wunder der Heliane hat Korngold nach einer längeren Schaffenspause geschrieben. Er befand es später für seine größte Komposition. Er habe in diese Oper alles hineingelegt, was ihn bewegte. So herrscht im Orchester eine große Klangfülle, die sich durch die vielen Klangfarben ständig erweitert. Das Werk ist von Korngolds typisch wienerisch-lyrischer Melodik geprägt und weist dazu Einflüsse der Musik von Richard Strauss auf.
Ich verschließe mich keineswegs gegen die harmonischen Bereicherungen, die wir etwa Schönberg verdanken, aber ich verzichte deshalb nicht auf die eminenten Ausdrucksmöglichkeiten der „alten Musik“. Mein Glaubensbekenntnis heißt: Der Einfall. Wie könnte wohl auf die Dauer auch die künstlichste Konstruktion, die exakteste Musikmathematik triumphieren über die Urkraft des Einfalls! - Erich Wolfgang Korngold

Das Wunder der Heliane wurde bereits am Samstag, dem 28. Januar in Wien aufgeführt. Es folgen zwei weitere Konzerte am Donnerstag, dem 2., und Sonntag, dem 5. Februar. Ebenfalls konzertant wird die Oper im Juli  noch in Freiburg aufgeführt. In der kommenden Spielzeit ist sie szenisch unter anderem in Antwerpen zu sehen.

 

Foto: Hans-Jürgen Brehm-Seufert, Pfalztheater Kaiserslautern 2010

Werk der Woche: Peter Eötvös – Love and Other Demons

Am 27. Januar 2017 feiert die Oper Love and Other Demons von Peter Eötvös an der Ungarischen Staatsoper Budapest Premiere. Das Libretto basiert auf dem gleichnamigen Roman Del amor y otros demonios von Gabriel García Márquez. Regisseur ist Silviu Purcãrete, der bereits die Uraufführung 2008 beim Glyndebourne Festival inszenierte. Die musikalische Leitung übernimmt Eötvös selbst.



Die Handlung spielt in Kolumbien im 18. Jahrhundert und erzählt von der 12-jährigen Sierva Maria, die von einem tollwütigen Hund gebissen wird. Obwohl keine Krankheitssymptome auftreten, hat Sierva Maria dennoch in der von Aberglaube und religiösem Wahn bestimmten Stadt bald den Ruf, besessen zu sein. Daraufhin lässt ihr Vater sie im Kloster St. Clare gefangen setzen. Dort soll Cayetano Delaura, der Exorzist des Bischofs, den Dämon austreiben. Bald darauf jedoch ist es Delaura selbst, der besessen ist: und zwar vom "wildesten aller Dämonen", von einer überwältigenden Liebe zu Sierva Maria.

Das herausragende Merkmal von Love and Other Demons ist die konsequente Mehrsprachigkeit. Eötvös und sein Librettist Kornél Hamvai haben den verschiedenen Erzähl- und Handlungsebenen der Geschichte ihre jeweils charakteristische Sprache gegeben: Englisch ist die Amtssprache und Alltagssprache der Adligen, Latein ist die Sprache der kirchlichen Riten, Spanisch wird immer dann von Delaura benutzt, wenn seine Gespräche mit Sierva Maria persönliche Empfindungen berühren und Yoruba ist die Geheimsprache der Sklaven. Auch in seiner Musik zitiert Eötvös Stile verschiedener Kulturen.

Peter Eötvös‘ Love and Other Demons: Theater in sich


Das Orchester ist in diesem Werk zweigeteilt und sitzt sich im Orchestergraben gegenüber. Dadurch entsteht oftmals eine Dialogstruktur zwischen den Orchestern und auch mit den Sängern. Auf faszinierende Art „malt“ die Musik die Atmosphäre durch den hin- und herwandernden Klang. Die Phrasen der Sänger entwickeln sich aus den orchestralen Klangflächen und lassen die Gesangslinien entstehen. Oftmals übernimmt das Orchester unbemerkt gehaltene Töne der Sänger und formt daraus ein Klangereignis. Dieses räumliche Wandern der Töne verstärkt die entstehenden Dialoge.
Meine Musik ist Theatermusik – es ist keine Begleitmusik, sondern Theater in sich. – Peter Eötvös

Love and Other Demons wird einschließlich bis zum 27. Mai neun Mal in Budapest gespielt.

 

Foto: Paul Leclaire, Oper Köln 2010

 

Werk der Woche – Enjott Schneider: "Ein feste Burg"

Anlässlich zum 500. Jahrestag der Reformation präsentiert das Bundesjugendballett sein Projekt "Gipfeltreffen – Reformation". Teil davon ist die Choreografie von Zhang Disha auf die symphonische Dichtung Ein feste Burg von Enjott Schneider. Es spielt das Bundesjugendorchester unter der Leitung von Alexander Shelley.



Ein feste Burg aus dem Jahr 2010 basiert auf dem gleichnamigen Choral von Martin Luther. Es ist unklar, ob Luther neben dem Text auch die Melodie dazu geschrieben hat. Doch unbestritten ist es das Lied, dass den Protestantismus verkörpert wie kein anderes. In Schneiders Komposition stellt sich der Beginn düster dar. Nach und nach bildet sich der Cantus firmus heraus. Dieser wird inmitten des zunehmend stürmischeren Orchestersatzes mit Gegenthemen verwoben, bis man schließlich Anklänge an ein Kampflied vernimmt, das historisch gesehen mit dem Kirchenlied verbunden war. Ein friedlicher Epilog mit unschuldig zwitschernden Vogelstimmen bildet den Abschluss des Werkes.

Enjott Schneiders "Ein feste Burg" – ein Kampflied?


Am 31. Oktober 2017 jährt sich Martin Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Er soll 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben, die damals gewissermaßen das Schwarze Brett der Universität Wittenberg war. Darin wies Luther auf die Missstände in der Kirche hin, die unter anderem den Ablasshandel und die Entfernung vom Wort Gottes betrafen.

Im Laufe der Geschichte spielte das Kirchenlied Ein feste Burg ist unser Gott immer in Zeiten der Bedrängnis eine wichtige Rolle: Sie wurde als die "Marseillaise der Bauernkriege" bezeichnet, im Ersten Weltkrieg auf Ansichtskarten gedruckt und evangelische Vertriebene sangen es im Zweiten Weltkrieg, als ihnen Zuflucht in einer katholischen Kirche gewährt wurde. So stand das Lied für das Selbstbild von Deutschland, das im Vertrauen auf Gott alle Nöte überstehen würde. Auch Schneider formuliert mit dem Epilog seiner Komposition eine Hoffnung:
Gottes Schöpfung, die wir zunehmend mit Füßen treten, zerstören, verschmutzen und verwüsten, ist der wahre Ort eines tiefen Glaubens und der Erscheinung Gottes. Eine Schöpfung, die allen Religionen gemeinsam ist und allen gleichermaßen gehört, ob protestantisch, katholisch, jüdisch oder muslimisch. – Enjott Schneider

Im Rahmen des Reformationsjubiläums zeigen das Bundesjugendorchester und das Bundesjugendballett mit ihrem zweiten Kooperationsprojekt, wie die Reformation bis heute junge Künstler inspirieren kann: Beide Ensembles sind in einer deutschlandweiten Tournee seit einigen Tagen zu sehen. In dieser Woche gastieren sie in folgenden Städten: Berlin (16.01.), Dresden (18.01.), Marburg (19.01.; konzertant), Ludwigsburg (20.01.) und in Schweinfurt (21.01.; konzertant).

 

Foto: Silvano Ballone

Werk der Woche – Jörg Widmann: ARCHE

Am 13. Januar 2017 findet das erste öffentliche Konzert in der neuen Elbphilharmonie in Hamburg statt. Zu diesem besonderen Anlass wird das Oratorium ARCHE von Jörg Widmann uraufgeführt. Die abendfüllende Auftragskomposition ist für Soli, Chöre, Orgel und Orchester geschrieben. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kent Nagano. Solisten sind Marlis Petersen (Sopran) und Thomas E. Bauer (Bariton), dazu singen der Staatsopernchor, der Chor der AUDI Jugendchorakademie sowie die Hamburger Alsterspatzen.

ARCHE beschäftigt sich mit der zweifelnden Hinwendung der Menschen zu Gott, von dem keine Antworten mehr zu kommen scheinen. Im gesamten Werk stehen sich Gut und Böse gegenüber.  Es ist ein Weltendrama, in dem sich der Mensch ungeschützt mit seinen Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und seiner Utopie einer möglich besseren Welt zeigt. Dazu hat Widmann Texte aus unterschiedlichen Jahrhunderten ausgewählt: Sie stammen unter anderem von Dichtern wie Matthias Claudius und Friedrich Schiller, von Philosophen wie Friedrich Nietzsche und aus der Bibel. Ebenso vielfältig sind die musikalischen Formen, die vom einfachen Klavierlied bis hin zum großen Tutti mit Chören reichen.

Jörg Widmanns ARCHE – Es werde Klang


Das Oratorium beginnt mit dem ersten Akt "Fiat Lux / Es werde Licht", in dem zwei Kinder als Sprecher vom Schöpfungsakt berichten. Gleich darauf, im zweiten Akt "Die Sintflut" ertönen gewaltige Klangmassen, die geradezu physisch die Gewalt dieses Vernichtungsaktes spürbar werden lassen. Es folgt eine Art Traum im dritten Akt "Liebe", aber noch bevor das Lob der Liebe verklingt, wird von einem Doppelmord aus Eifersucht berichtet: Sogar die Liebe weiß sich nicht vor dem Bösen zu schützen. Mit der Vertonung des "Dies Irae" in Verbindung mit Schillers "Ode an die Freude" lenkt Widmann im vierten Akt den Blick auf das Leben, den Tod und die Hoffnung auf Erlösung. Das "Dona eis requiem" wandelt sich im letzten Akt zu "Dona nobis pacem". Doch eine alleinige Ausflucht zu Gott lässt der Kinderchor nicht zu: Er fordert, dass zunächst der Mensch die Verantwortung für sein Fortbestehen selber übernehmen müsse. Dann erst wird Frieden unter den Menschen möglich – nun mit einem liebenden Gott, nicht mehr unter dem strafenden Gott der Sintflut.

Die Elbphilharmonie mit ihrer Lage am Wasser und ihrer an Schiffe und Segel erinnernden Architektur hat Widmann zu ARCHE inspiriert:
Das ist eine Kultur-Arche, wo wir Menschen mit unserem Glück, aber auch mit unseren Nöten – gerade in dieser sehr bewegten, heftigen Zeit – einen Zufluchtsort finden. Wo Kunst stattfindet, wo Musik stattfindet. Eine Arche in politisch stürmischster See. Ich find's fantastisch, dass das gebaut wurde. Es hat auch etwas Sakrales. – Jörg Widmann

Im Rahmen des dreiwöchigen Festprogrammes gelangt mit der Sonatina facile beim Klavierabend von Mitsuko Uchida am 18. Januar ein weiteres Werk von Widmann zur Uraufführung.

 

Fotos:
- Elbphilharmonie Hamburg: Maxim Schulz, 2016.
- Jörg Widmann (rechts) mit Kent Nagano: Hannes Rathjen, 2016.