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Werk der Woche: Krzysztof Penderecki – Ein feste Burg ist unser Gott

In diesem Jahr jährt sich Martin Luthers Thesenanschlag und damit der Beginn der Reformation zum 500. Mal: Anlass genug für viele Veranstalter sich dieses Themas anzunehmen. Am 26. Mai 2017 führt die Staatskapelle Weimar mit dem Chor des Deutschen Nationaltheaters Krzysztof Pendereckis Ein feste Burg ist unser Gott nach Luthers gleichnamigem Choral im Nationaltheater Weimar auf. Es dirigiert Kirill Karabits.



Penderecki komponierte Ein feste Burg ist unser Gott 2010 für gemischten Chor, Blechbläser, Schlagwerk und Streichorchester. Das verhältnismäßig kurze Werk war eine Komposition anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt Cieszyn in Pendereckis Heimatland Polen.  Penderecki ist bei weitem nicht der erste, der Luthers Material in seiner Komposition verwendete; auch Komponisten wie Max Reger, Felix Mendelssohn-Bartholdy oder Georg Friedrich Händel griffen schon darauf zurück. Zu den bekanntesten Bearbeitungen gehört jedoch Bachs Choralkantate BWV 80, deren Schlusschoral Penderecki in seinem Werk zitiert. Penderecki verwendet daher nicht den gesamten lutherischen Text, sondern lediglich die letzte der vier Strophen.

Pendereckis Ein feste Burg ist unser Gott: Bekenntnis zur Ökumene


Es mag verwundern, dass der katholische Penderecki ausgerechnet einen Choral wählte, der zu einem musikalischen Sinnbild der Reformation geworden ist. Der Aufführungsort seiner Komposition war jedoch die evangelische Jesuskirche in Cieszyn. Penderecki entschied sich, einen dazu passenden Titel zu wählen. Auch die musikalische Gestaltung ist wohl überlegt. Die Besetzung ohne Holzbläser dafür mit romantisch-starkem Blech verleiht dem Werk in D-Dur den Charakter einer Fanfare und unterstreicht den festlichen Anlass der Jubiläumsfeier, zu dem es komponiert wurde. Die Blechbläser beginnen zunächst allein in einem feierlichen Anfangsteil, der sich sukzessive durch das Einsetzen von immer mehr Bläsern und Schlagwerk aufbaut. Erst dann setzen Streichorchester und  Chor zum Choral ein.
Ich habe Jahrzehnte damit verbracht, neue Klänge zu suchen und zu finden. Gleichzeitig habe ich mich mit Formen, Stilen und Harmonien der Vergangenheit auseinandergesetzt. Beiden Prinzipien bin ich treu geblieben… Mein derzeitiges Schaffen ist eine Synthese. - Krzysztof Penderecki

Weitere Aufführungen des Werkes im Nationaltheater Weimar finden am 4. und 30. Juni statt.

 

Foto: © Marek Beblot (Krzysztof Penderecki)

Werk der Woche: Thomas Larcher – A Padmore Cycle

In der Philharmonie im Gasteig in München findet am 18. Mai die deutsche Erstaufführung von Thomas Larchers A Padmore Cycle für Tenor und Orchester statt. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielt unter der Leitung des Dirigenten Mariss Jansons zusammen mit dem namensgebenden Tenor Mark Padmore (Foto). Zwischen 2010 und 2011 ursprünglich für Tenor und Klavier komponiert, erweiterte Larcher sein Werk 2014 zu einer Orchesterfassung, die durch Padmore und das BBC Symphony Orchestra unter Edward Gardner aufgeführt wurde.



A Padmore Cycle besteht aus elf Liedern mit kurzen, geheimnisvollen Texten von Alois Hotschnig und Hans Aschenwald. Die Dichtungen handeln von der Bergwelt und der ländlichen Umgebung aus Larchers Tiroler Heimat. Ein wesentliches Thema ist auch die sich wandelnde Beziehung zur Natur. Larcher illustriert diese Bilder mit transparenter Musik, deren Fragilität durch geschickten Einsatz des Schlagwerks unterstrichen wird.

Lachers A Padmore Cycle: Ein musikalischer Bogen zwischen heterogenen Texten


Trotz der fragmentarischen Anlage der kurzen Sätze schafft Larcher mit jedem  Lied eine nahtlose Verbindung zum jeweils nächsten. Die Gesangslinie bleibt der schlichten Struktur der Gedichte treu; es entsteht ein klarer Klang mit schnörkelloser Phrasierung und Silbengestaltung. So verleiht der Komponist dem Orchester Raum, den Text instrumental zu reflektieren, nachdem er gesungen wurde. Obwohl das musikalische Material der Orchesterversion dem der originalen Klavierfassung gleicht, sieht Larcher in dieser Fassung mehr als eine bloße Neuinstrumentierung. Für ihn ist es eine enorme Ausweitung der Klangwelt und der resultierenden Ausdrucksmöglichkeiten.
Schon bei der Komposition der Version für Tenor und Klavier dachte ich an eine Fassung für Tenor und Orchester, bei der der Klang des Klaviers (die „Reflexionen“) explodiert … als würden die Gedanken und Gefühle in einem menschlichen Gehirn auf eine sehr große Leinwand projiziert und dadurch alle Details und das Ausmaß der Empfindungen fühlbar. – Thomas Larcher

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks führt A Padmore Cycle am 18. und 19. Mai in München auf und spielt ihn am 20. Mai in der Elbphilharmonie Hamburg. Eine neue Bearbeitung für Tenor und Klaviertrio wird am 20. Juni im Wiener Konzerthaus von Mark Padmore und dem Wiener Klaviertrio uraufgeführt, weitere Aufführungen dieser neuen Fassung folgen im Juni in Ludwigsburg, London und Amsterdam.

 

Foto: © Marco Borggreve (Mark Padmore)

Werk der Woche – Peter Eötvös: Alle vittime senza nome

Das neue Orchesterwerk Alle vittime senza nome von Peter Eötvös setzt den unzähligen arabischen und afrikanischen Menschen, die im Mittelmeer ertrunken sind, ein musikalisches Denkmal. Die Uraufführung findet am 8. Mai 2017 im Teatro alla Scala in Mailand statt. Das Stück wird von der Filarmonica della Scala aufgeführt und vom Komponisten selbst dirigiert.



Die Komposition entstand als gemeinsames Auftragswerk der vier größten italienischen Orchester. In dem dreisätzigen Werk greift Eötvös eine allgegenwärtige Thematik unserer Zeit auf. Tausende Flüchtlinge versuchen regelmäßig in viel zu kleinen Booten vor Krieg und Verfolgung über das Meer zu fliehen. Doch nicht alle erreichen ihr Ziel: Immer wieder kentern ihre Boote; viele können nicht gerettet werden und ertrinken unerkannt im Meer. Ebendiesen „vittime senza nome“ – den „namenlosen Opfern“ – widmet Eötvös sein Werk. Während die Bilder der Flüchtlinge und ihrer Schicksale zu Anfang noch um die Welt gingen, nehmen diese Nachrichten heute kaum mehr als Randnotizen ein. Eötvös verschafft den Flüchtenden damit eine neue Art der medialen Präsenz und ruft in Erinnerung, dass die Problematik nach wie vor ungelöst ist.

Eötvös‘ Alle vittime senza nome: Ein interkulturelles Requiem


Der Hintergrund der Komposition macht sie zu einer Art Requiem. Eötvös verzichtet jedoch bewusst auf diesen Titel, um Rücksicht auf die verschiedenen Kulturen und Religionen der Flüchtlinge zu nehmen. Musikalisch zeichnet er den Weg der Schutzsuchenden nach. Seine Gestaltung ist dabei ebenso vielseitig wie die Unbeständigkeit des Meeres. Eötvös schöpft aus der vollen Bandbreite der dynamischen und besetzungstechnischen Möglichkeiten, von leisen Soloparts einzelner Instrumente über Wellenfiguren verschiedener Instrumentengruppen bis zu ausdrucksstarken Tutti-Passagen. Auch der Rhythmus ist ein zentrales Element in Alle vittime senza nome, so dass der Komponist sich durchaus vorstellen kann, dass das Orchesterwerk auch mit einer Choreographie  verbunden werden kann.
Während des Komponierens sah ich die ergreifenden Bilder; sowohl die Gesichter von einzelnen Personen als auch die unvorstellbare Masse von dicht im Boot stehenden Menschen. Dieses Bild transformiert sich in der Komposition zu zarten Melodien der Soloinstrumente und zu dichten Klangmassen, bei denen das ganze Orchester spielt.  – Peter Eötvös

Nach der Uraufführung in Mailand wird Alle vittime senza nome in der kommenden Spielzeit auch von den anderen Auftraggebern – dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, dem Orchestra Sinfonica dell'Opera di Firenze und dem Orchestra Nazionale della RAI in Turin – aufgeführt.

 

Foto: © Klaus Rudolph (Peter Eötvös)

Werk der Woche - Karl-Birger Blomdahl: Aniara

Die Opernrevue Aniara von Karl-Birger Blomdahl feiert am 6. Mai in der Inszenierung von Stefan Johannson an der Malmö Opera Premiere. Tobias Ringborg leitet das Orchester, die Choreographie stammt von Patrik Sörling. Das Theater präsentiert damit eine echte Wiederentdeckung, nachdem das Stück in den vergangenen 50 Jahren nur einmal inszeniert wurde.



Auf der Erde startet das Raumschiff "Aniara" mit achttausend Menschen an Bord. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge, die eine neue Zukunft in den kalten Tundren des Mars suchen, da ihr Planet radioaktiv verseucht wurde. Hierbei stellt die Reise der Aniara zunächst nichts Besonderes dar, sie ist eines von tausenden Raumschiffen, die im ständigen Pendelverkehr zwischen Erde und Mars stehen. Doch das Unglück geschieht: Das Steuer des Schiffes ist bei der Begegnung mit einem Asteroidenschwarm unrettbar beschädigt worden, die Aniara kommt unwiderruflich vom Kurs ab. Alle an Bord müssen jetzt einer Reise entgegensehen, von der jeder weiß, wie sie enden wird: in der Leere des Raums und im Tod. Die Jahre vergehen und die ausweglose Situation auf dem Schiff hat ihre Spuren hinterlassen. Sektenbildung, Opiumkonsum, Menschenopfer und sexuelle Perversion prägen den Alltag. Bei der trostlosen Jubiläumsfeier des Schiffes dann das Wunder: Eine blinde Poetin tritt hervor und verkündet, sie habe die Himmelsstadt erblickt, die alle retten werde. Der Schiffsdiktator lässt sie für diese Aussage daraufhin einsperren. In der letzten Nacht der Aniara tanzt die mittlerweile überflüssig gewordene Pilotin vor dem Kerker der Poetin. Als die Inhaftierte schließlich stirbt, wandert ein gespenstisches Licht über die ebenfalls zur Leblosigkeit erstarrten Passagiere.

Blohmdahls Aniara: Eine Oper als zeitgeschichtlicher Querschnitt


Die  zwischen 1957 und 1959  komponierte Aniara fußt auf dem gleichnamigen Epos des Dichters Harry Martinson und ist von der damals aufkommenden Entwicklung und den Gefahren der Atomenergie geprägt. Musikalisch ist die Opernrevue ein polystilistischer Mikrokosmos: Chansons, Spiegelformen, punktueller Orchestersatz, Chorpolyphonie, überspitzte Jazzform, Zwölftonmusik, Geräuschrhythmus - in einer Mischung aus elektronischer und akustischer Musik. Keimzelle der Partitur ist ein Grundakkord, der zu einer Urreihe von zwölf Tönen und Intervallen weiterentwickelt wird. Blomdahls Musik arbeitet hierbei vor allem mit kleinen Intervallen, die sich im Affekt zu Sprüngen erweitern.
Aniara ist weder eine Personen- noch eine Handlungsoper, sondern kann am ehesten als ‚Situationsoper‘, als ein kollektives Drama der Menschheit im Zeitalter des Weltraums, bezeichnet werden. - Karl-Birger Blomdahl

Nach der Premiere wird Aniara auch am 11., 14., 18., 21. und 30. Mai sowie am 2. und 7. Juni  in Malmö zu sehen sein.

 

Foto: © Malmö Opera (Inszenierung der Malmö Opera 2017)

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Umarmung

Toshio Hosokawas neues Werk Umarmung für Orgel und Orchester wird am 27. April von den Bamberger Symphonikern uraufgeführt. Die Komposition ist dem Organisten Christian Schmitt gewidmet, der den Solo-Part übernimmt. Es dirigiert Jakub  Hrůša.



Der japanische Komponist Toshio Hosokawa ist ein Wanderer zwischen den Kulturen. Er schöpft seine Musiksprache aus dem Spannungsverhältnis zwischen westlicher Avantgarde und traditioneller japanischer Kultur. Umarmung ist geprägt von der Lehre des Chi, das den Ursprung allen Lebens darstellt. Yin und Yang als seine Erscheinungsformen erschaffen und beleben alles in ihrem Zusammenspiel.

Hosokawas Umarmung: Die Orgel im Fokus


Toshio Hosokawa stellt in Umarmung die große Konzertorgel in den Mittelpunkt. Ihr Part ist geprägt von einer hohen und einer tiefen Melodie, die das Zusammenwirken von Yin und Yang symbolisieren. Die Klangfarben der verschiedenen Orchesterinstrumente fließen in die Melodien der Orgel ein. Hierbei symbolisiert die Orgel den menschlichen Gesang, das Orchester versinnbildlicht die Natur und das Universum. Es gibt einen Moment der Auflösung, dann verschmelzen Orchester und Orgel miteinander.
Ich sehe dieses Verschmelzen als Metapher für eine Umarmung zweier Menschen, daher der Titel des Werks. – Toshio Hosokawa

Am 30. April spielen die Bamberger Symphoniker Umarmung erneut im Rahmen des Festivals ACHT BRÜCKEN in Köln. Mitauftraggeber des neuen Werks sind auch die Philharmonie Luxembourg und die Wiener Konzerthausgesellschaft. Dort steht das Stück in der kommenden Spielzeit auf dem Programm.

 

Foto: © Michael Trippel (Christian Schmitt an der Konzertorgel der Bamberger Symphoniker)

Werk der Woche - Chaya Czernowin: Infinite now

Chaya Czernowins neue Oper Infinite now wird am 18. April in der Opera Vlaanderen in Gent uraufgeführt. Die Regie übernimmt Luk Perceval, das Orchester leitet Titus Engel. Infinite now entstand als Kooperationsprojekt des Nationaltheaters Mannheim, der Opera Vlaanderen und des IRCAM Paris.



Das Libretto stammt von der Komponistin in Zusammenarbeit mit Luk Perceval und basiert sowohl auf der Kurzgeschichte Homecoming der chinesischen Autorin Can Xue als auch auf dem Theaterstück Front von Luk Perceval, einer Dramatisierung von Erich Maria Remarques Antikriegsroman Im Westen nichts Neues. Sie vereint das Thema des „Verharrens“: In Front liegen die Soldaten im Graben, und sind einem scheinbar nicht endenden Kampf ausgeliefert. Sie rücken einige Kilometer vor, um dann wieder auf ihre ursprüngliche Position zurückzukehren. In Homecoming glaubt eine Frau, auf ihrer Reise ein Haus zu durchqueren, bis sie merkt, dass es unmöglich ist, das Haus zu verlassen. So verschmelzen in der Oper zwei scheinbar fremde Welten, deren Gemeinsamkeit ist, Hoffnung im einfachsten Element des Lebens zu finden.

 

Czernowins Infinite now: Die Existenz im Hier und Jetzt


Infinite now liegt eine Struktur zugrunde, die von immer wiederkehrenden und wachsenden Formen geprägt ist. Jeder Akt beginnt mit dem Klang eines Eisentors. Es sind immer Variationen desselben Klangs, auch wenn er oft kaum wiedererkennbar ist. Darauf folgt eine kleine rein musikalische Szene, erst danach setzt der Text ein. Auch die sechs Sänger folgen einer klaren Struktur: Sie sind in zwei Trios untergliedert, die jeweils einer der beiden Textschichten zugeteilt sind. So wird das Front-Material von einem Trio aus Alt, Sopran und Bass interpretiert, die Homecoming-Geschichte hingegen von Mezzosopran, Bariton und Countertenor. Die Hauptfiguren der zwei Geschichten verkörpern Alt und Countertenor. Wenn diese beiden zusammen singen, verschmelzen sie gewissermaßen zu einer androgynen Stimme.
In diesem Sinne geht es in der Oper nicht nur um das „nach Hause kommen“ oder den 1. Weltkrieg. Sie handelt von unserer Existenz im Hier und Jetzt. Wie wir überleben, wie wir zum Überleben bestimmt sind und wie selbst der kleinste Funken Lebenskraft unser Überleben und damit vielleicht Hoffnung ermöglicht. – Chaya Czernowin

Nach der Uraufführung von Infinite now folgen am 20., 22. und 23. April weitere Aufführungen in Gent. Danach finden am 30. April und 3. und 6. Mai Aufführungen in Antwerpen statt. Am 26. Mai folgt die deutsche Erstaufführung am Nationaltheater Mannheim, am 14. Juni die französische Erstaufführung in der Cité de la Musique in Paris.

 

Photo: Frühe Infinite now-Skizze der Komponistin Chaya Czernowin

Werk der Woche - Paul Hindemith: Symphonie "Mathis der Maler"

Die Symphonie "Mathis der Maler" entstand im Zuge von Paul Hindemiths Arbeit an seiner gleichnamigen Oper. Als Sujet wählte der Komponist den Isenheimer Altar des Malers Matthias Grünewald, ein Meisterwerk der deutschen Renaissance. Die Filharmonica della Scala spielt das Stück am 10. April unter der Leitung von Daniele Gatti. Daneben spielt die Philharmonie des Nordharzer Städtebundtheaters die Symphonie in ihrem Osterkonzert am 14. und 15. April in Halberstadt und Quedlinburg unter der Leitung von Johannes Rieger. Am 15. April kann man das Stück darüber hinaus bei der Colorado Springs Philharmony unter der Leitung von Thomas Wilson hören.



Jeder Satz der Symphonie beschreibt ein Gemälde des Isenheimer Altars: Der erste Satz Engelkonzert wird in doppelter Funktion auch als Vorspiel für die Oper verwendet. Musikalisch bezieht sich der Komponist auf drei Engel, die für Maria und das Jesuskind musizieren. Der kurze zweite Satz Grablegung basiert auf dem Altarflügel, der die Beisetzung Jesu zeigt. Die Musik setzt mit ihrer sanften, würdevollen Trauer einen Gegenpunkt zu der Gewalt der Kreuzigung. Das Finale Versuchung des Heiligen Antonius orientiert sich in der musikalischen Gestaltung an der wilden und bizarren Natur des Gezeigten: Der Heilige wird von Dämonen und grotesken Figuren im Schlaf geplagt und in Versuchung geführt. Die langsame Eröffnung des Satzes wird hierbei von einer plötzlich einbrechenden Schlagzeug-Attacke unterbrochen und durch ein schnelles Ostinato abgelöst. Eine mittelalterliche Gesangsmelodie verbildlicht den Sieg von Antonius über die Versucher und führt zum Engelkonzert zurück, welches den Satz beschließt.

 

Hindemiths Symphonie "Mathis der Maler“: Ein tönendes Triptychon


 

Die Symphonie "Mathis der Maler“ markiert den Beginn von Hindemiths Stilwandel. Neu ist das Zielen auf außergewöhnliche Klangfarben; so hört man in diesem Werk verstärkt Bläser. Elemente seiner früheren Tonsprache wie die polyphone Grundhaltung und die rhapsodische Melodik sind aber durchaus noch vorhanden. Für das Material seiner Symphonie griff Hindemith auf musikalische Formvorbilder wie das Volkslied Es sungen drei Engel ein'n süßen Gesang zurück. Dieses Lied prägt die Sinfonie, da es sich wie ein Cantus firmus durch das Stück zieht und von Stimme zu Stimme wandert. So orientiert sich Hindemith an alten Formen, die er durch eigene Kompositionen mit neuem Leben füllt:
Was das Orchester spielt, ist nicht durchweg freie Erfindung. Alte Volkslieder, Streitgesänge aus der Reformationszeit und der gregorianische Choral bilden den nährenden Boden für die Mathis-Musik. – Paul Hindemith

Die Badische Philharmonie Pforzheim spielt die Symphonie "Mathis der Maler" darüber hinaus am 30. April unter der Leitung von Markus Huber. Am 12. und 14. Mai wird sie vom Philharmonischen Orchester Cottbus unter der Leitung von Ivo Hentschel gegeben. Parallel hierzu ist die Oper Mathis der Maler noch bis zum 7. Mai am Staatstheater Mainz zu hören.

 

Foto: Jörgens.mi (CC BY-SA 3.0)

Werk der Woche - Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten

2019 feiert die Märchenoper Die Frau ohne Schatten ihren hundertsten Geburtstag. Sie gilt als ein Hauptwerk des Komponisten-Librettisten Duos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Am 9. April ist sie in einer Inszenierung von Claus Guth an der Staatsoper Berlin zu sehen. Zubin Metha übernimmt die musikalische Leitung in dieser Koproduktion des Teatro alla Scala di Milano und des Royal Opera House Covent Garden London. Nur eine Woche später folgt die Premiere der Inszenierung von Andreas Kriegenburg an der Staatsoper Hamburg, dort dirigiert Kent Nagano.



Das Glück des Kaiserpaares ist in Gefahr: Binnen eines Jahres muss die aus der Geisterwelt stammende Kaiserin ein Kind gebären, da sonst der Kaiser zu Stein erstarren wird. Doch seine Frau ist unfruchtbar, "sie hat keinen Schatten". In der Welt der einfachen Menschen sind der Färber Barak und seine Frau ebenfalls unglücklich. Beide Welten und Frauen werden zusammengeführt; die Amme der Kaiserin bietet der Färberfrau einen Pakt an: Für Reichtum und Schönheit soll sie ihren Schatten und damit ihre ungeborenen Kinder eintauschen. Die Färberfrau lässt sich verführen und geht auf den Handel ein. Im Traum meldet sich das Gewissen der Kaiserin: Sie fühlt sich schuldig gegenüber ihrem Mann, der zu versteinern droht, aber auch gegenüber dem Färberpaar, dessen Glück sie durch den Schattenhandel gefährdet. Währenddessen verhöhnt die Färberin ihren Mann und gesteht den Verkauf ihres Schattens. Als der Färber feststellt, dass sie tatsächlich keinen Schatten mehr wirft, will er seine Frau töten. Die Kaiserin indes wartet in der Geisterwelt auf ihr Gericht, kann sich aber aus Mitleid mit dem mittlerweile wieder vereinten Färberpaar nicht dazu durchringen, den freigewordenen Schatten anzunehmen. So muss sie mit ansehen, wie ihr Gatte zu Stein erstarrt. Doch das Schicksal meint es gut mit ihr, ihr Mann wird wieder befreit und das Färberpaar kann zurück in die Welt der Menschen kehren.

Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten: Zwei Welten, zwei Paare, zwei Konflikte


Die Frau ohne Schatten gilt musikalisch als eine der anspruchsvollsten Straussopern. Das Sinfonieorchester wird um Schlagzeug, Orgel, Donner- und Windmaschine sowie Glasharmonika erweitert. Geprägt ist das ganze Werk von Leitmotiven, wie dem prägnanten Motiv der Kaiserin, welches mit den reinen Intervallen Quarte, Quinte und Oktave tonal unbestimmt bleibt und so ihren Schwebezustand zwischen Mensch und Geist unterstreicht. Hofmannsthal orientierte sich für das Libretto an Mozarts Die Zauberflöte. Er wollte ebenfalls ein Märchen mit einer starken moralischen Dimension und zwei kontrastierenden Paaren schaffen. Doch auch aktuelles Zeitgeschehen, wie das Aufkommen der Psychoanalyse und der 1. Weltkrieg prägen das Sujet. Die Arbeit an Text und Musik lief parallel und Librettist und Komponist inspirierten sich gegenseitig. Strauss war glücklich über Hofmannsthals hervorragenden Text:
Soeben verlässt mich Hofmannsthal, der mir einen wundervollen neuen Stoff unterbreitet, das Schönste vom Schönen, edel, fantastisch, du wirst entzückt sein. – Richard Strauss an seine Frau Pauline Strauss-de Ahna

Die Frau ohne Schatten wird in Berlin im Rahmen der Festtage 2017 auch am 13. und 16. April gespielt.  In Hamburg ist sie in fünf Vorstellungen bis zum 7. Mai zu sehen. An der Oper Leipzig wird das Stück am 23. April wiederaufgenommen und bei den Münchner Opernfestspielen kommt es im Juli zweimal auf die Bühne.

 

Foto: Brescia/Amisano (Koproduktion des Teatro alla Scala di Milano 2012)

Werk der Woche - Fazil Say: Istanbul-Sinfonie

Meeresrauschen eröffnet und schließt die großformatige Istanbul-Sinfonie von Fazil Say. Dazwischen begegnet dem Hörer das Portrait einer Stadt, die so vielfältig ist wie die sieben Sätze, die der Komponist ihr widmet. Am 29. März spielt das SWR Symphonieorchester Says erste Sinfonie in Stuttgart unter der Leitung von Gregor Mayrhofer.



Die Istanbul-Sinfonie  ist in sieben Sätze gegliedert, angelehnt an die sieben Hügel auf denen die Stadt erbaut wurde. Jeder Satz repräsentiert hierbei einen Aspekt des Lebens in Istanbul. Nostalgie, der erste Satz beschreibt das historische Istanbul und weckt Assoziationen an die Eroberung 1453 durch die Osmanen. Die beiden folgenden Sätze Der Orden und Blaue Moschee zeigen die verschiedenen Seiten von Religion: Während der zweite Satz die negativen Aspekte, den Fanatismus, die Radikalisierung und die Sektenbildung anprangert, zeigt der dritte Satz die lichte Seite, verkörpert durch ein Wahrzeichen der Stadt.

Says Istanbul-Sinfonie: Ein vielschichtiges Portrait einer vielschichtigen Stadt


Neben dem klassischen Sinfonieorchester verwendet Say Instrumente der traditionellen türkischen Musik, darunter Nay, Kanun, Kudüm, Bendir und Darbuk. Gemessen an ihrer programmatischen Bildsprache könnte man die  Istanbul-Sinfonie durchaus auch als Sinfonische Dichtung bezeichnen. So durchbricht etwa die Tuba mehrmals den vierten Satz Hübsch gekleidete junge Mädchen auf dem Schiff zu den Prinzeninseln, um als Schiffshorn auf sich aufmerksam zu machen. Vor dem sechsten Satz Orientalische Nacht wiederum steht eine Improvisation. Hier kehrt Ruhe ein, bevor der eigentliche Satz mit seinen Tänzen wieder Fahrt aufnimmt. Er wirft einen Blick hinaus über die Grenzen der Stadt und eröffnet den Zugang zum Orient. Im Finale schließlich begegnet uns das moderne Istanbul, eine hektische Metropole mit 15 Millionen Einwohnern. Ganz am Ende steht allerdings wieder die Rückbesinnung auf das alte Istanbul des Eröffnungssatzes, bevor das Meeresrauschen das Werk beschließt.
Istanbul kann man nicht erzählen mit Clustern, Atonalität oder Zwölftontechnik. Istanbul muss man zum Teil romantisch oder nostalgisch erzählen. Es kommt nichts Avantgardistisches vor, aber dennoch Neues, denke ich, um diesem Brückenbau von Westen nach Osten gerecht zu werden. – Fazil Say

Im Rahmen des Kinderkonzertes „Musik, Kultur, Sprache“ spielt das SWR Symphonieorchester die Istanbul-Sinfonie auch am 30. März im Konzerthaus Karlsruhe und am 31. März im Mannheimer Rosengarten. Weitere Möglichkeiten die Sinfonie live zu erleben, bietet kurz darauf das Philharmonische Orchester Bremerhaven, das sie 3., 4. und 5. April aufführt.

 

Foto: Ben Morlok (CC by-sa 2.0)

Werk der Woche - Richard Ayres: Die Grille

Richard Ayres Fabel-Oper Die Grille feiert am 22. März am Theater Basel Premiere und wird damit zum ersten Mal in der Schweiz gespielt. Die Inszenierung stammt von Daniela Kranz und Stephen Delaney leitet das Orchester. Seit der Uraufführung 2005 beim Aldeburgh Festival wurde Die Grille bereits an vielen europäischen Häusern gespielt, so unter anderem an der Staatsoper Stuttgart und beim Holland Festival.



Die Grille basiert auf einer Sammlung von Kindergeschichten des holländischen Autors Toon Tellgen. Rozalie Hirs formte daraus das Libretto für Ayres' Kammeroper. In der Geschichte begegnen sehr unterschiedliche Tiere alltäglichen Problemen, während das Orchester den sie umgebenden Wald mimt.

 

Ayres Die Grille: Tierische Charaktere mit allzu menschlichen Eigenschaften


Ayres nimmt uns mit auf eine Reise in den ungewöhnlichen Wald, in dem die Grille lebt. Ihre sich in der Geschichte entwickelnde Selbstfindung und das Ringen mit Depressionen wird von den übrigen Waldbewohnern begleitet und stellt ein sowohl unterhaltsames wie bewegendes Sujet dar. Als die Sonne am nächsten Morgen wieder aufgeht, verschwinden die Erinnerungen an das große Abenteuer langsam. Nur eine weise Eule hinterfragt das Geschehene und die Welt in der wir heute leben.

Die Kammeroper ist sowohl für Kinder als auch Erwachsene geeignet und spricht in einer sehr einfachen und direkten Weise den Umgang mit Depressionen an. Durch das magische Umfeld des Waldes werden die menschlichen Emotionen und Wünsche der Protagonisten ans Licht geholt:
Ich gebe zu, diese Oper zu schreiben war eine echte Herausforderung. Als ich anfing wusste ich nichts über Opern, also musste ich mich vorbereiten: Ich habe mir Duzende Aufführung angeschaut und eine Menge DVDs. All dies hat mir gezeigt, wie der Gesang die Emotionen der Worte freisetzen kann. Auf der klanglichen Seite strebe ich einen rauen Sound  an den man mit Folk-Bands vom Balkan assoziiert. – Richard Ayres

Die Grille wird noch bis zum 21. Mai am Theater Basel gespielt. Im Sommer folgt ein weiteres Ayres-Bühnenwerk, die szenische Kantate In the Alps in Großbritannien. Das Aurora Orchestra mit der Sopranistin Mary Bevan spielt es am 3. Juni im St John’s Smith Square in London und am 4. Juni in der Symphony Hall in Birmingham unter der Leitung von Nicholas Collon.

 

Foto: Stefan Odry (Produktion des Staatstheaters Braunschweig 2009)