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Werk der Woche – Bernd Alois Zimmermann: Trompetenkonzert "Nobody knows de trouble I see"

Am 20. März jährt sich der Geburtstag von Bernd Alois Zimmermann zum 100. Mal. Zu diesem Anlass werden in diesem Jahr weltweit viele Konzerte mit seinen Kompositionen aufgeführt. So auch eines seiner bekanntesten Werke, das Konzert "Nobody knows de trouble I see" für Trompete in C und Orchester, das diese Woche das Helsinki Philharmonic Orchestra unter Leitung von Fabien Gabel und dem Solisten Håkan Hardenberger am 23. März und am nächsten Tag Paul Hübner zusammen mit dem WDR Sinfonieorchester dirigiert von Brad Lubman im Funkhaus Köln spielt.

Ursprünglich erteilte der NDR Zimmermann den Auftrag ein Klavierkonzert zu komponieren. Mit Verweis auf die große Anzahl an Klavierkonzerten konnte Zimmermann den NDR davon überzeugen, das vernachlässigte Soloinstrument Trompete zu fördern. Damit sei auch eine mögliche Wiederaufführung des Werkes wahrscheinlicher. Skizzen eines Trompetenkonzertes hatte er schon 3 Jahre zuvor angefertigt und führte sie nach Erteilung des Auftrags aus. Die Uraufführung folgte am 11. Oktober 1955 im Studio X in Hamburg mit dem Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks mit dem Trompeter Adolf Scherbaum unter dem Dirigat von Ernest Bour. Bei der Uraufführung hieß das Werk noch "Darkey’s darkness" – ein Wortspiel, das Zimmermann als Titel bevorzugte. Einige Jahre später wurde Zimmermann darauf hingewiesen, dass er unwissentlich mit der Bezeichnung "Darkey" eine poetisch überhöhte Form für einen Schwarzen gewählt hatte und so betitelte er sein Werk fortan "Nobody knows de trouble I see", angelehnt an das Spiritual, das in der Komposition als cantus firmus verwendet wird.

Bernd Alois Zimmermann – Trompetenkonzert: Mit Crossover zur Versöhnung


Das Spiritual ist das Zentrum des Konzerts, das vom Aufbau an ein Choralvorspiel angelehnt ist. Neben dieser modernen Art des cantus firmus werden Elemente des Jazz und eine Zwölftonreihe, die vage an eine c-Moll-Tonleiter erinnert, als Kompositionsgrundlagen verwendet. Diese spezielle Reihe zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk von Zimmermann: Sie findet unter anderem Verwendung in seinem Konzert für Oboe, seiner Filmmusik zu "Methamorphose" und in seinem Ballett Alagoana. Mit der Verschmelzung dieser drei heterogenen Gestaltungsprinzipien wollte Zimmermann nach eigener Aussage einen Weg der brüderlichen Verbindung aufzeigen. Dies lässt sich auf die politischen Gegebenheiten seiner Zeit zurückführen: Als Soldat erlebte er das menschenverachtende NS-Regime und während der Komposition des Werkes den Kampf der unterdrückten schwarzen Bevölkerung in den USA. Dies spiegelt sich auch in der veränderten Benennung des Spirituals. Statt "the" greift er im Titel "Nobody knows de trouble I see" zu der typischen "schwarzen" Schreibweise "de".
„Ich habe übrigens vor kurzem ein Trompetenkonzert mit dem Titel „Darkey´s darkness“ beendet. Dem Werk liegt der Negrospiritual „Nobody knows de trouble I see“ zugrunde, und es ist in seiner ganzen Faktur durch den Charakter dieses Negrospirituals mit der ganzen dumpfen und hoffnungslosen Trauer der schwarzen Rasse.“ – Bernd Alois Zimmermann 1954

Nach den Konzerten in dieser Woche ist das Trompetenkonzert auch in der kommenden Zeit regelmäßig zu hören. Am 6. April führt es das ORF Radio-Symphonieorchester Wien mit Håkan Hardenberger als Solist unter der Leitung von John Storgårds auf. Im Rahmen der Konzertreihe „Zeitinsel Bernd Alois Zimmermann“ (27.-29. April) stellt das SWR Sinfonieorchester unter der Leitung von Ingo Metzmacher die Werke Zimmermanns in den Fokus. Dort wird am 28. April das Trompetenkonzert erklingen. Solist ist bei dieser Aufführung ist auch Håkan Hardenberger.

Die aktuelle Ausgabe des Schott Journals ist dem 100. Geburtstag von Bernd Alois Zimmermanns gewidmet. Darin finden Sie viele aktuelle Veranstaltungen rund um das Jubiläum und einen Einblick in seine wichtigsten Werke.

Werk der Woche - Thomas Larcher: Chiasma

Im Rahmen der Festwochen zum Amtsantritt des neuen Gewandhauskapellmeisters Andris Nelsons und dem 275. Geburtstag des Orchesters erwartet uns am 15. März in Leipzig ein ganz besonderes Konzert: Unter der Leitung ihres neuen Dirigenten spielt das Gewandhausorchester die Uraufführung von Thomas Larchers Chiasma.

Das Stück wurde für diesen Anlass vom Gewandhausorchester in Auftrag gegeben. Larcher sollte eine etwa 10-minütige Komposition schreiben, die die Entwicklung einer kompletten Welt beinhaltet. So entstand dieses vom Komponisten selbst als „komprimierte Mikrosymphonie“ beschriebene kurze Orchesterwerk. Larcher zeigt hier die Welt mit ihren mörderischen Amplituden, mit ihrer Zartheit und Schönheit, ihrer Grausamkeit und Sinnlosigkeit.

Thomas Larcher – Chiasma: Die Biologie als Vorbild für eine Kompositionsmethode

Mit dem Titel des Werks bezieht sich Larcher auf das Zeichen in der Form des griechischen Buchstaben X (=Chi). Dieses bezeichnet zum einen die räumlich überkreuzte Anordnung von anatomischen Strukturen, wie zum Beispiel die Sehnervkreuzung. Zum anderen wird der Begriff in der Genetik verwendet, um die Überkreuzung zweier Nicht-Schwesterchromatiden von gepaarten Chromosomen zu bennen. Larcher fühlte sich durch diese Bedeutung an die Urelementen des Komponierens, vor allem der Symphonie, erinnert: Konfrontation, Entwicklung und Synthese. Auch mit dem Aufbau des Werkes Chiasma lehnt sich der Komponist an dieses ursprünglich biologische Prinzip an:
„Das Stück entsteht aus einigen sehr einfachen Motiven, entwickelt sich durch deren Gegenüberstellung und Konfrontation sehr schnell in ganz andere, disparate Richtungen, und gelangt dann zu einem eindeutigen, dramatischen „Doppelgipfelhöhepunkt“, nur um danach in sich zusammenzufallen.“ – Thomas Larcher

Nach den insgesamt zwei Aufführungen in Leipzig werden Nelsons und das Gewandhausorchester das Werk auf ihrer Tour durch Europa präsentieren: In sieben weiteren Aufführungen vom 15. März bis zum 6. Mai ist es in Deutschland auch in der Elbphilarmonie in Hamburg, in Baden-Baden und in Köln, und weiterhin Amsterdam, Brüssel, Paris und Madrid zu hören.

Werk der Woche – Gavin Bryars: The Collected Works of Billy the Kid

Billy the Kid als Opernheld? Den legendären Schurken zeigt Gavin Bryars' neue Kammeroper The Collected Works of Billy the Kid , die am am 6. März 2018 am Théâtre de la Croix-Rousse in Lyon ihre Uraufführung feiert. In der Titelrolle wird der Bariton Bertrand Belin zu hören sein, die Rolle der Erzählerin übernimmt Claron McFadden. Die Produktion ist ein gemeinschaftliches Projekt zweier Lyoner Theater, dem Théâtre du Croix Rousse und Théâtre de la Renaissance.

Die Oper basiert auf Michael Ondaatjes Buch The Collected Works of Billy the Kid: Left Handed Poems und wurde von Gérad Lecointe für das Libretto adaptiert. Bryars schrieb seine Musik für ein kleines Ensemble von nur sechs Instrumentalisten; es spielen nicht mehr als vier Schlagzeuger, ein Pianist und ein Violinist. In Lyion wird das Ensemble Les Percussions Claviers de Lyon unter der Leitung von Gérard Lecointe zu hören sein.

Garvin Bryars: Billy the Kid - ein kaltblütiger Killer

William H. Bonney, gemeinhin bekannt unter dem Namen Billy the Kid, war ein amerikanischer Wild-West-Revolverheld. Er spielte eine wichtige Rolle im Lincoln-Country-Rinderkrieg in New Mexico und ist dafür bekannt, dort acht Menschen getötet zu haben. Ondaatje stellt in seinem Buch die letzten Lebensjahre des Gesetzlosen dar, beschreibt jedoch keine lineare Abfolge von Ereignissen. Vielmehr zeichnet der Text sowohl durch Berichte von Augenzeugen, als auch durch phantastische Gedichte des Autors selbst den Charakter eines kaltblütigen Killers, der zu Legende wurde. In der Oper wird die Geschichte von zwei Personen erzählt: Billy, gesungen von einem Bariton, und einer Erzählerin, die an bestimmten Stellen auch als Sopran in die Rolle der weiblichen Charaktere Sally Chinsum und Angela Dickinson schlüpft.

Nach der Premiere am 6. März werden vom 7. bis 9. März drei weitere Aufführungen von The Collected Works of Billy the Kid folgen, bevor die Produktion vom 10. bis 25. März auf einer Tour auch in weiteren Städten in Frankreich und im Anschluss in Belgien, der Schweiz und den Niederlanden zu sehen ist.

Anmerkung zum Bild: Das Foto zeigt vermutlich Billy the Kid, was aber nicht eindeutig bewiesen werden kann.

Werk der Woche: Heinz Holliger – Lunea

Diese Woche erwartet uns eine besondere Premiere: Am 4. März wird Heinz Holligers neue Oper Lunea am Opernhaus Zürich unter seiner eigenen musikalischen Leitung und in der Inszenierung von Andreas Homoki uraufgeführt. In der Aufführung wird Christian Gerhaher in der Hauptrolle als Nikolaus Lenau zusammen mit der ebenfalls aus früherer Zusammenarbeit mit Holliger bekannten Sarah Maria Sun zu hören sein.

Mit Lunea vollendete Holliger gut 20 Jahre nach seiner Oper Schneewittchen sein zweites abendfüllendes Bühnenwerk für das Opernhaus Zürich. Das Libretto stammt von Händl Klaus und stützt sich auf Texte des romantischen Dichters Nikolaus Lenau. Vorgänger der Oper ist ein gleichnamiger Liederzyklus, der in seiner Klavierfassung 2013 ebenfalls von Christian Gerhaher in Zürich uraufgeführt wurde. Dessen Orchesterfassung von 2014 bildet den Kern der neuen Oper über das Leben des Lyrikers Lenau. Dabei zielt das Libretto nicht auf eine lineare biographische Schilderung ab, sondern lässt in 23 aphoristischen Gedankenströmen und Traumbildern die schillernde Persönlichkeit des Dichters manifest werden.

Heinz Holliger – Lunea: Hommage an einen faszinierenden Lyriker


Nach seinem Violinkonzert „Hommage à Louis Soutter“, dem Friedrich Hölderlin gewidmeten Scardanelli-Zyklus oder der Robert Schumann-Hommage Romancenderes spiegelt auch Lunea Holligers Faszination für Künstlerpersönlichkeiten wider, die gegen Ende ihres Lebens in geistige Umnachtung fielen: Lenau galt nach einem Schlaganfall bis zu seinem Tod im Jahr 1850 als psychisch krank. Durch die konzentrierten, zum Teil nur wenige Worte langen Texte des Lyrikers, die auch in das Libretto eingeflossen sind, kommt besonders die Empfindung des „Weltschmerzes“ zum Tragen. Der expressive und zerrissene Charakter dieser Texte wird von Holliger in seiner Oper musikalisch überhöht. Dabei kommt der Solovioline eine besondere Bedeutung zu, da Lenau selbst Geiger und Gitarrist war.
„Von Lenau hat mich nicht so sehr die todtraurige Wortmusik seiner dunklen Gedichte fasziniert als vielmehr die Kühnheit seiner wie Blitze rasch hingeworfenen Zettel*-Sätze. Sie sind von einer weit in die Zukunft weisenden, ebenso zerstörerischen wie mitreißenden Sprachgewalt, höchstens vergleichbar den 80 Jahren später entstandenen Fragmenten Kafkas.“ – Heinz Holliger

Der Premiere am 4. März folgen sechs weitere Aufführungen bis zum 25. März. Außerdem findet am Premierentag ein Brunchkonzert mit Kammermusik von Holliger, Veress, Schumann und Koechlin statt.

* kurze Liebesbriefe an Sophie Löwenthal

Werk der Woche – Igor Strawinsky: Circus Polka

Das Werk dieser Woche führt uns an einen ungewöhnlichen Aufführungsort: Am 23. Februar wird Igor Strawinskys Circus Polka im Zoo Amnéville, unweit der französischen Stadt Metz aufgeführt. Gespielt wird das Stück vom Orchestre National de Lorraine unter der Leitung von Jacques Mercier.

Wie der Untertitel „komponiert für einen jungen Elefanten“ schon andeutet, entstand die Circus Polka für ein Elefantenballett. Es war ein Auftragswerk des Choreographen George Balanchine für den Barney & Bailey Circus, in dem es eine Elefantenkuh mit besonderem Zirkustalent gab. Strawinsky komponierte das Stück zunächst nur für Klavier. Die für die Circus-Band orchestrierte Fassung stammt von David Raksin. Diese wurde 1942 im Madison Square Garden in New York mit der Elefantendame Old Modoc, dem aus 50 Tieren bestehenden Elefantenballett Corps des Eléphants und dem großen Zirkus-Ballett uraufgeführt. Strawinskys eigene, nachträglich angefertigte Orchesterfassung kam 1944 am Sanders Theater von Massachusetts mit dem Boston Symphony Orchestra unter seinem eigenen Dirigat zur Uraufführung.

Igor Strawinsky - Circus Polka: Eine groteske Zirkusnummer mit musikalischem Witz


Trotz der Bezeichnung als „Polka“ finden sich in dem einsätzigen, etwa 4-minütigen Werk nur zwei Takte im Polka-Rhythmus. Dabei wird der Zweck des Stückes als Zirkus-Nummer durch die Struktur berücksichtigt: Während der Introduktion können die Darsteller in die Manege einlaufen. Danach folgt die eigentliche Tanznummer mit einem kurzen Höhepunkt, in dem Strawinsky einen Militärmarsch Schuberts zitiert. In der kurzen Tanzgroteske zeigt sich deutlich die Vorliebe des Komponisten für extreme Rhythmuswechsel. Dies soll bei der Umsetzung als Elefantenballett zu Schwierigkeiten geführt haben, da die Tiere sensibel auf einen ungleichmäßigen Rhythmus reagieren. Trotzdem gab es 425 Vorstellungen, was die Circus Polka zu einem äußerst erfolgreichen und liebenswürdigen Kurzstück Strawinskys macht.
Belanchine: „Ich wollte dich fragen, ob du ein kleines Ballett mit mir zusammen machen willst“

Strawinsky: „Für wen?“

Belanchine:„Für einige Elefanten.“

Strawinsky: „Wie alt?“

Belanchine: „Sehr jung.“

Strawinsky (nach einer Pause mit ernster Stimme): „In Ordnung. Wenn die Elefanten sehr jung sind, dann mache ich es.“

Werk der Woche – Fazil Say: Violinkonzert

Am 16. Februar 2018 wird Fazil Says Violinkonzert im Ballet Theatre in Astana als in choreographierter Form präsentiert. Es ist Teil des Ballett-Abends Salome mit dem Astana Ballet und wird vom Symphony Orchestra of Astana Opera unter der Leitung von Arman Urazgaliyev als kasachische Erstaufführung aufgeführt.

Das Violinkonzert  mit dem Untertitel „1001 Nacht im Harem" entstand 2007 als Auftragswerk für das Luzerner Sinfonierochester und seinen Chefdirigenten John Axelrod. Say komponierte es für die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die es 2008 in Luzern zur Uraufführung brachte. Bereits 2016 war das Violinkonzert erstmals in einer Ballett-Produktion zu erleben. In der Produktion Scheherazade zeigte es das Mainfranken Theater Würzburg gemeinsam mit Nikolaj Rimskij-Korsakows gleichnamiger sinfonischer Suite.

Fazil Say: Violinkonzert „1001 Nacht im Harem“ – orientalische Musik als Tanzvorlage


Durch die Anlehnung an die türkisch-orientalische Musiktradition und die anatolischen Einflüsse eignet sich Says Musik besonders gut für Vertanzungen. So eröffnen die stark akzentuierte Tanzrhythmik und die ungeraden Taktarten der orientalischen Tanzstile, sowie die Begleitung mit türkischem Schlagzeug  viele Möglichkeiten für Choreographien. Say selbst bezeichnet den zweiten Satz des Violinkonzerts als „Party-Nacht mit unterschiedlichsten Arten von Tanzmusik“. Als Vorlage diente dem Werk die bekannten "Märchen aus 1001 Nacht", an deren Stimmung und Struktur sich Say orientierte. Denn genauso, wie die Geschichten von der Figur Scheherazade erzählt werden, nimmt die Sologeige eine erzählende Position ein.
„Der orientalischen Klangwelt entsprechend ist die Orchesterbesetzung mit mehreren türkischen Schlaginstrumenten bestückt. Doch es ist die Solovioline, welche die Geschichten erzählt und solcherart durch das ganze Werk führt. Der Geigenpart ist durchaus virtuos, und er verbindet die vier Sätze zu einer stimmungsintensiven Einheit, indem die Sologeige jeweils zwischen den einzelnen Sätzen zu Solokadenzen ausholt, zuweilen von einem der Schlaginstrumente begleitet.“ - Fazil Say

Mehr Instrumentalwerke, die ursprünglich nicht als Ballettmusik komponiert wurden, sich aber besonders als Grundlage für szenische Vertanzungen eignen, finden Sie in unserem Ballettkatalog. Dieser ist durch den untenstehenden Link als Download erhältlich.

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Der Ring des Polykrates

Am 9. Februar ist Erich Wolfgang Korngolds Oper Der Ring des Polykrates erstmals in den Vereinigten Staaten zu sehen. Der Einakter wird im Winspear Opera House in Dallas, TX, in der Inszenierung von Peter Kazaras und unter der musikalischen Leitung von Emmanuel Villaume aufgeführt. Den Abend vervollständigt Korngolds berühmtes Konzert D-Dur für Violine und Orchester.

Mit Der Ring des Polykrates vollendete Korngold 1914 im Alter von nur 16 Jahren seine erste Oper. Bereits mit 10 Jahren hatte er mit der Suche nach einem geeigneten Opernstoff begonnen und war auf Heinrich Tewels gleichnamiges Lustspiel gestoßen, das die Grundlage für die heitere Spieloper bilden sollte. Das Libretto verfassten Leo Hirschfeld und Julius Korngold, der Vater des Komponisten und zu dieser Zeit angesehener Musikkritiker in Wien. Da der ca. 50-minütige Einakter allein nicht abendfüllend ist, kam das Werk erst 1916 zusammen mit Korngolds tragischer Oper Violanta am Hoftheater München zur Uraufführung.

Erich Wolfgang Korngold – Der Ring des Polykrates: Parodie eines antiken Stoffes


Teweles Lustspiel, auf dem die Oper basiert, ist eine ins 18. Jahrhundert verlegte Parodie auf die antike Geschichte des König Polykrates. Dessen maßloses Glück forderte den Neid der Götter heraus und sollte durch ein Opfer aufgewogen werden. Überliefert ist der antike Stoff durch eine Ballade Schillers. Diese bildet in Korngolds Lustspiel den Auslöser für den Streit zwischen zwei Eheleuten: Dem sächsischen Hofkapellmeister Wilhelm wird von seinem Freund Peter Vogel geraten, ebenso wie Polykrates ein Opfer zu bringen, um sein Glück zu bewahren. Dies hat nicht nur Folgen für dessen Ehe, sondern auch für die Liebesbeziehung zwischen zwei seiner Bediensteten. Der heitere Einakter stellte im 20. Jahrhundert eine beliebte deutsche Spieloper dar, die mehrmals im Zusammenhang mit Violanta aufgeführt wurde.
Sofort schritt, sprang auch Erich mit aller Arbeitslust an die Komposition […]. Merkwürdig sichere Gebilde in freiem, leichtem, witzig charakterisierendem Lustspielton entstanden da, mit kunstreicher Harmonik und Melodik, mit lebensvollen Scherzi, beschwingten Ensembles wie auch Stimmungen gemütvoller Lyrik. – Julius Korngold

Neben Korngolds berühmter Oper Die tote Stadt sind nun auch seine unbekannteren, jedoch nicht minder wertvollen Bühnenwerke immer häufiger auf den Spielplänen zu finden: Nach den Aufführungen von Der Ring des Polykrates in Dallas ist ab dem 18. März seine große Oper Das Wunder der Heliane an der Deutschen Oper Berlin zu sehen.

Werk der Woche – Michael Tippett: Symphony in B-flat

Am 1. Februar 2018 wird Michael Tippetts Symphony in B-flat vom BBC Scottish Symphony Orchestra unter der Leitung von Martyn Brabbins in der City Hall in Glasgow gespielt. Mit diesem Konzert vollenden sie die die über mehrere Spielzeiten hinweg dauernde Aufführungsreihe von Tippetts gesamten Symphonie-Zyklus.

Der Komponist schrieb die Symphonie in B-flat 1934 noch vor seiner Symphonie No. 1, zog diese jedoch nach nur fünf Aufführungen zurück. Das Manuskript mit den nachträglichen Revisionen, die Tippett nach den wenigen Aufführungen vornahm, wurde erst kürzlich entdeckt. Somit stellt die Aufführung des Scottish Symphony Orchestra nicht nur die erste nach über 80 Jahren dar, sondern auch die erste, die das Manuskript mit den letzten Änderungen Tippetts miteinbezieht.
 „Es wird faszinierend sein, diese frühe Symphonie in dem Bewusstsein zu hören, was für ein großartiger Komponist Tippett später wurde. Das Bild Tippetts als Sinfoniker nun endlich vollständig zu offenbaren ist, als würde man das lang gesuchte letzte Teil eines Puzzelspiels finden“ (Martyn Brabbins)

Eine neue Aufnahme des BBC Scottish Symphony Orchestra und Martyn Brabbins von den Symphonien No. 1 und 2 ist im vergangenen Monat von Hyperion erschienen. Eine zweite CD mit den Symphonien No. 3 und 4, sowie auch der Symphony in B-flat wird ebenfalls in diesem Jahr folgen.

Werk der Woche – Pedro Halffter: Thank you Mr. Joyce

Mit dem Orchesterwerk Thank you Mr. Joyce verlegt Schott nach drei Bearbeitungen von Werken Viktor Ullmanns erstmalig ein eigenes Werk des spanischen Komponisten Pedro Halffters. Am 27. Januar 2018 wird es in Dortmund uraufgeführt.

Als Inspiration diente dem Komponisten der  Roman Ulysses von James Joyce, den der passionierte Bewunderer dieses Schriftstellers während eines dreimonatigen Aufenthalts in Triest erneut las. Ebenso, wie darin die Gedankenwelt des Protagonisten im Zentrum der Erzählweise steht, spielt auch in Halffters Stück, das den Untertitel "Anamorphose für großes Orchester" trägt, der Bewusstseinsstrom eine zentrale Rolle.

Pedro Halffter – Thank you Mr. Joyce: Eine musikalische Anamorphose

Halffter bedient sich dabei einer Technik aus der bildenden Kunst: Als Anamorphose bezeichnet man hier eine Bildtechnik, bei der ein Motiv erst aus einem bestimmten Blickwinkel zu erkennen ist. Dieses Prinzip überträgt der Komponist nun auf seine Musik: Deren Geheimnis wird erst durch das Erklingen im Raum und den veränderten Blickwinkel, beziehungsweise die Subjektivität des Zuschauers ersichtlich.

Die Uraufführung ist unter Halffters Dirigat am 27. Januar 2018 mit dem Sinfonieorchester des Orchesterzentrum|NRW im Konzerthaus Dortmund zu hören.

Werk der Woche - Paul Hindemith: When lilacs last in the door-yard bloom‘d

2019 feiert die Welt den 200. Geburtstag des großen amerikanische Dichters Walt Whitman. Von ihm stammen die Worte für Paul Hindemiths Requiem When lilacmay s last in the door-yard bloom‘d. Das Werk  ist am 18. und 19. Januar 2018 in der Elbphilharmonie Hamburg mit Gerhild Romberger und Matthias Goerne als Soli sowie dem RIAS Kammerchor, dem NDR Chor und dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung  von Christoph Eschenbach zu hören.

Hindemith komponierte das Werk  für Mezzosopran, Bariton, gemischten Chor und Orchester im amerikanischen Exil kurz nach seiner Einbürgerung. Er verneigt sich damit vor dem Land, das ihn so bereitwillig aufnahm. Grundlage bildet Whitmans gleichnamiges Gedicht. Hindemiths Bewunderung für diese Dichtung drückte sich jedoch schon in früheren Kompositionen aus:  Bereits 1919 vertonte er die neunte Strophe in seinen 3 Hymnen von Walt Withman und in einem Lied der 9 English Songs in den frühen 1940er Jahren. Letzteres verwendete er auch in seinem 1946 vollendeten  Requiem, das im gleichen Jahr noch in New York uraufgeführt wurde. Die selbst angefertigte deutsche Fassung  kam erstmals 1948 in Perugia zur Aufführung.

Paul Hindemith: A Requiem ‚for those we love‘ – Gedenken an die Opfer des Krieges


Das Requiem war eine Auftragskomposition zum Tod des Amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, wodurch eine geschichtliche Parallele zu Whitmans Gedicht entsteht: In diesem drückt der Dichter seine Betroffenheit angesichts des Todes Abraham Lincolns aus. Durch Hindemiths zusätzliche Bezeichnung „for those we love“ erlangt das Requiem jedoch über diesen Kontext hinaus größere Bedeutung. So bezieht er den in Whitmans Text thematisierten Frieden und die Verbrüderung der Feinde auf den ausgehenden Krieg und drückt seine Verzweiflung und Anteilnahme über das Schicksal der Juden während der NS-Zeit aus. Hierbei verarbeitet er musikalisch die poetisch-symbolischen Bildmotive Flieder, Vogel und Stern, die für Liebe, Gesang und Persönlichkeit stehen.
In jungen Jahren mag Landschaft, Stimmung, Erziehung und persönliche Verbundenheit zu Dingen und Ereignissen ein wichtiger Stimulus für die künstlerische Arbeit sein. Ich finde aber nun, dass die Geschichte von Personen, Ereignissen und Erlebnissen sowie ihre Interpretation und Gestaltung durch künstlerische Mittel gar nicht so sehr mit diesen Äußerlichkeiten verbunden ist. Es kommt darauf an, wie einer seine Erfahrungen verarbeitet und nicht darauf, immer wieder neue an Ort und Stelle zu sammeln… - Paul Hindemith

Besonders in der Aufnahme mit Cornelia Kallisch, Krister St. Hill, dem Rundfunkchor Berlin und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Lothar Zagrosek kommt Hindemiths Werk zur Geltung. Zu den bevorstehenden 200. Geburtstagen der Dichter Walt Whitman und Herman Melville im Jahr 2019 haben wir in der neuen Ausgabe von Schott Journal Repertoire zum Thema "American Romantics" zusammengestellt. Unten können Sie das Heft als PDF-Datei herunterladen und diese besondere Farbe der Weltliteratur in musikalischer Form entdecken.