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Werk der Woche – Johann Strauss: Die Fledermaus

Die Nanyang Academy of Fine Arts (NAFA) in Singapur bringt zu ihrem 80. Jubiläum erstmals eine vollständige Operette auf die Bühne: Am 21. Oktober 2018 wird Die Fledermaus von Johann Strauss im Lee Foundation Theatre gezeigt. Die Regie übernimmt David Edwards, die musikalische Leitung des Abends Lim Yau. Die Sänger und Sprecher, sowie die Mitglieder des Orchesters sind Studierende, Lehrende und Alumni der NAFA. Gesungen wird die Operette auf Deutsch, die Dialoge werden auf Englisch und Mandarin gesprochen.



Als Aufführungsmaterial liegt dieser Produktion von Die Fledermaus die Neue Johann Strauss Gesamtausgabe zu Grunde, die von Michael Rot herausgegeben wurde. In dieser verbesserten Fassung wurde eine neue, verlässlich korrekte Abschrift der Partitur eingearbeitet. So stehen mit dieser Ausgabe nun auch die von Strauss vorgesehenen Finali des ersten und dritten Aktes, sowie die Nr. 1 des zweiten Aktes zur Verfügung. Die Neuedition und Ergänzung bisheriger Ausgaben enthält auch Richtigstellungen bei Phrasierungen, Tempoangaben und dynamischen Bezeichnungen, sowie Korrekturen in der Melodieführung der Singstimmen und in der Instrumentation. Außerdem wurden falsch überlieferte Textpassagen in Prosa und Gesang korrigiert. Das früher abgerundete Bild der Operette zeigt sich nun mit deutlich scharfkantigeren musikalischen Konturen.

Johann Strauss – Die Fledermaus: von Wien nach Singapur


Der Schauplatz der Operette wird  von der NAFA in das heutige Singapur verlegt. Hier kommt der wohlhabende Kunsthändler Gabriel von Eisenstein mit dem Gesetz in Konflikt und wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Er lässt seine Frau Rosalinde und das Hausmädchen Adele zurück. Rosalinde erwartet jedoch schon ihre Jugendliebe Alfred, der kurz danach vom Gefängniswärter fälschlicherweise abgeführt wird. Dr. Falk überredet seinen Freund Eisenstein dazu, mit ihm zu einer Party von Prinz Orlofsky zu gehen, statt seine Haftstrafe anzutreten. Auf der Party erscheinen auch Adele und die als Gräfin verkleidete Rosalinde, bei der Eisenstein einen letzten Flirt-Versuch unternimmt. Rund um einen Schabernack von Dr. Falk entwickelt sich eine komische Farce.
Vielleicht ist die „Fledermaus“ grade deshalb ein Meisterwerk, weil die Musik als dramaturgische Drehscheibe fungiert und so eine untrennbare Einheit mit dem Text bildet, wo ein jedes erst im Spiegel des anderen seine Identität erfährt. – Michael Rot

Auch an den folgenden zwei Abenden wird Die Fledermaus der NAFA noch einmal im Lee Foundation Theatre Singapur zu sehen sein. Bis zum Ende des Jahres folgen zwei weitere Premieren nach der Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe: am 10. November 2018 im Theater Freiburg und am 21. Dezember 2018 an der Opéra de Lausanne.

 

©  Nanyang Academy of Fine Arts

 

Werk der Woche – Anno Schreier: Atlantis

Die Opera Factory Freiburg schafft in ihrer diesjährigen Opernproduktion aus Viktor Ullmanns 60-minütiger Kammeroper Der Kaiser von Atlantis ein abendfüllendes Programm. Am 13. Oktober 2018 wird dabei ergänzend der von Anno Schreier komponierte Prolog und Epilog Atlantis im E-Werk in Freiburg im Breisgau uraufgeführt. Regie führt Joachim Rathke, Klaus Simon dirigiert das Ensemble rund um die Solisten Ekkehard Abele, Nikolaus Meer, Keith Bernhard Stonum, Lena Kiepenheuer und Sybille Fischer sowie die Holst-Sinfonietta.

Schreier komponierte Atlantis im Auftrag der Opera Factory für dieses Projekt. Um die Eigenständigkeit seiner Komposition zu erhalten, verzichtet Schreier darin fast vollständig auf motivische Bezüge zur Musik von Ullmann. So kann der Prolog als eigenständiges konzertantes Werk gespielt werden, während der Epilog untrennbar mit Der Kaiser von Atlantis verbunden ist. Als künstlerischer Leiter der Opera Factory nutzt auch Klaus Simon selbst die Gelegenheit und steuert für diesen Abend vier neu für die Orchesterbesetzung der  Kammeroper bearbeitete Ullmann-Lieder bei.

Anno Schreier – Atlantis: zwischen Geheimnis und Bedrohung


In Der Kaiser von Atlantis ruft Kaiser Overall den Krieg Aller gegen Alle aus. Der Tod fühlt sich übergangen und beschließt, seine Arbeit nieder zu legen. Die kriegerischen Handlungen verlaufen im Nichts, da ohnehin niemand stirbt. Ein Soldat und ein Soldatenmädchen begegnen sich und verlieben sich ineinander. Ein Harlekin weckt im Kaiser Kindheitserinnerungen, woraufhin dieser verrückt wird. Damit der Kaiser Erlösung findet, verspricht ihm der Tod, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Bedingung dafür ist, dass der Kaiser das erste Opfer des Todes wird. Der Kaiser willigt ein.
Ich habe mir bei dem Begriff "Atlantis" langsame, aus der Tiefe aufsteigende Klänge vorgestellt, die eine geheimnisvolle, aber auch bedrohliche Atmosphäre schaffen. Nur an zwei Stellen taucht ein charakteristisches Fanfarenmotiv aus der Oper auf, wie eine plötzliche Erinnerung ... oder Vorausahnung. – Anno Schreier

An vier weiteren Terminen bis zum 21. Oktober 2018 wird der Ullmann-Abend mit seinen neu komponierten bzw. arrangierten Bestandteilen im Freiburger E-Werk zu sehen sein.

 

© Holst-Sinfonietta / Foto: Anke Nevermann

Werk der Woche - Pēteris Vasks: Konzert für Oboe und Orchester

Zur Feier der 100-jährigen Unabhängigkeit Lettlands eröffnet das  Latvijas Nacionālais simfoniskais orķestris am 5. Oktober 2018 seine Spielzeit mit der Uraufführung von Pēteris Vasks´ Konzert für Oboe und Orchester in der Gildenhalle Riga. Solist ist der international erfolgreiche Oboist Albrecht Mayer. Die Leitung des Festkonzerts übernimmt Andris Poga.

Das Konzert für Oboe und Orchester wurde zum lettischen Jubiläum vom Orchester in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee der Feierlichkeiten in Auftrag gegeben. Vasks versucht mit diesem Oboenkonzert eine Hymne auf seine Heimat, ihre Natur und die Menschen des Landes zu verfassen. Außerdem schafft er damit ein langersehntes Solostück für den Oboisten Albrecht Mayer, der sich seit vielen Jahren ein Werk von Vasks gewünscht hatte.

Pēteris Vasks - Konzert für Oboe und Orchester: zwischen friedlicher Natur und feurigem Volkstanz


Das Konzert für Oboe und Orchester ist von zwei Pastoral-Sätzen eingerahmt, die jeweils den Beginn und das Ende eines Tages symbolisieren. Der erste besteht aus langgezogenen Kantilenen der Oboe, unterlegt mit Streichertremoli und Holzbläsern, die Vogelstimmen imitieren. Dieser Satz erinnert an eine morgendliche Szene in der lettischen Natur. Der Mittelsatz bildet zum vorhergehenden und folgenden Satz einen starken Kontrast, da er neben Arioso-Passagen und einer ausgedehnten Kadenz vor allem an feurige Volkstänze erinnert. Den Abschluss des Konzerts für Oboe und Orchester bildet ein weiterer Pastoralsatz, dessen dramatische Stimmung sich gegen Ende wieder in die friedlichen Naturbilder des ersten Satzes verwandelt.
Mein Konzert besteht zwar klassisch aus drei Sätzen, sie folgen aber keiner klassischen Idee: Der erste Satz ist ein Morgenpastoral, der zweite eine feierliche Szene, der dritte ein Abendpastoral… Ich habe versucht, das Werk mit meiner Idee und meinem Gefühl der unerschöpflichen Natur und dem festen Glauben meines Volks zu verbinden. –  Peteris Vasks

Nach der Uraufführung  wird das Latvijas Nacionālais simfoniskais orķestris das Konzert für Oboe und Orchester am 6. Oktober 2018 ein weiteres Mal spielen, wenn es in der spektakulären Konzerthalle "Großer Bernstein" im westlettischen Liepâja gastiert. An beiden Abenden wird Vasks' neue Komposition in Verbindung mit Musica appassionata für Streichorchester gespielt.

Werk der Woche – Arnold Schönberg: Moses und Aron

Zu Beginn der neuen Intendanz von Peter Theiler an der Sächsischen Staatsoper interpretiert der Regisseur Calixto Bieito die Oper Moses und Aron neu. Am 29. September 2018 wird die Premiere von Arnold Schönbergs Meisterwerk in der Semperoper Dresden gefeiert. In den Titelrollen werden John Tomlinson als Moses und Lance Ryan als Aron zu sehen sein. Mit ihnen auf der Bühne stehen das Vocalconsort Berlin, der Sächsische Staatsopernchor und der Sinfoniechor Dresden, es spielt die Sächsische Staatskapelle unter der Leitung von Alan Gilbert.

Nach Fertigstellung des Librettos komponierte Schönberg bis 1937 die ersten beiden Akte von Moses und Aron, am dritten Akt arbeitete er zunächst nicht. Viel später, am 6. Juni 1957, wurde das Werk am Opernhaus Zürich unter der Leitung von Hans Rosbaud ohne den 3. Akt szenisch uraufgeführt. Schönberg hatte den Plan für den dritten Akt in seinem Todesjahr 1951 verworfen und vorgeschlagen, dass man diesen auch nur gesprochen und ohne Musik aufführen könne.

Arnold Schönberg – Moses und Aron: zwei Brüder als Führer eines Volkes


Moses wird an einem glühenden Dornenbusch von Gott beauftragt, dem Volk Israel von seiner Begegnung mit Gott zu berichten. Er soll das Volk außerdem von fremden Göttern befreien und aus der Knechtschaft führen. Doch sieht er sich zunächst nicht in der Lage, diesen Auftrag auszuführen, und ruft aus: „Meine Zunge ist ungelenk“.  Deshalb wird ihm sein Bruder Aron an die Seite gestellt, der es versteht die Botschaft Gottes zu vermitteln. Schönberg begegnet den ungleichen Ausdrucksfähigkeiten und Vorstellungen der beiden Brüder, indem er die Partie des Moses fast ausschließlich als schlichten Sprachgesang anlegt, während Aron durchgehend im Belcanto singt und mit tänzelnder Musik in das Stück eingeführt wird. Hauptakteur ist aber vermeintlich der Chor, der die eigentliche Aussage von Moses und Aron für den Zuschauer zu ergründen scheint.
Es geht um die Schwierigkeit oder die Unmöglichkeit Wörter oder Bilder für den Sinn des Lebens zu finden. Diese Unmöglichkeit erzeugt die gesamte Spannung des Stückes. Es ist Musik die ich sehr gerne höre und  mein Ohr hat sich an diese Musik gewöhnt. Die Oper ist perfekt, sie erinnert an „Wozzeck“ oder „Salome“. Es ist eine perfekte Oper, perfekt! - Calixto Bieito

Nach der Premiere am 29. September 2018 spielt die Sächsische Staatsoper vier weitere Vorstellungen von Schönbergs Moses und Aron zwischen dem 3. und 15. Oktober 2018.

 

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©Semperoper Dresden/ Foto: Ludwig Olah

 

Werk der Woche – Dieter Schnebel: Schicksalslied

Schon einige Komponisten wie etwa Johannes Brahms vertonten das Schicksalslied von Friedrich Hölderlin. So auch Dieter Schnebel in einer seiner letzten Kompositionen. Am 21. September wird sein  Schicksalslied  für Sprecher, Altstimme, Kammerchor, Kammerensemble und Zuspiel beim Beethovenfest Bonn uraufgeführt. Jan Latham-Koenig dirigiert den Prager Philharmonischen Chor und das Sinfonieorchester Flandern, Solisten sind Franz Mazura (Sprecher) und Markéta Cukrová (Alt).

Schnebels Schicksalslied ist ein Auftragswerk des Beethovenfests Bonn, und die Komposition folgt dem diesjährigen Motto „Schicksal“. In dem Stück setzt sich der Komponist mit verschiedenen Vorstellungen vom Wirken des Schicksals auseinander, das einerseits Glück und Freude bewirken, andererseits aber auch große Trauer bedeuten kann. Schnebel greift dabei nicht nur Hölderlins Schicksalslied auf, sondern bezieht sich mithilfe von Zuspielungen auch direkt auf Werke Beethovens.

Dieter Schnebel – Schicksalslied: Zwischen Hölderlin und Beethoven


In Schicksalslied beginnt der Sprecher mit Beethovens Umschreibung seines Schicksalsmotivs („so pocht das Schicksal an die Pforte“), bevor der Anfang der berühmten Fünften zugespielt wird. Die Chorstimmen skandieren dabei das Wort „Schicksal“ in verschiedenen Sprachen. Schnebel setzt, wie auch schon in früheren Werken, die menschliche Stimmen auf verschiedene Weise ein: Sie reicht vom lautlosen Blasen bis hin zum geräuschhaften Husten. Im Verlauf des Stücks wechseln sich Hölderlin-Strophen mit Einschüben von weiteren Werken Beethovens (Appassionata, Streichquartett op. 135) ab. In einem seiner letzten Interviews sagte Schnebel:
„Die Musik ist ein Medium, in der das Gefühl eine wichtige Rolle spielt, und Musik kann Freude ausdrücken wie keine andere Kunst, aber auch abgrundtiefe Trauer. Der Tod ist das eine Extrem, das überschäumende Leben das andere, und dazwischen gibt es abertausend Möglichkeiten.“ – Dieter Schnebel

Bereits am 11. September 2018 gelangte Schnebels Variationen über das Heidenröslein nach Goethe in der Fassung für Singstimme und Ensemble in Frankfurt a. M. zur Uraufführung. Die Fassung für Singstimme und Kammerorchester wird am 9. November zusammen mit Trauermusik für großes Orchester und Zuspiel an selber Stelle uraufgeführt. Schnebels Oratorium für Sprecher, Stimmen und Instrumente Luther 500 erlebt am 17. November seine Uraufführung in der Petrikirche Mühlheim.

 

Werk der Woche – Gavin Bryars: Lauda 47 (Faciamo laude a tutt’i sancti)

Am 14. September 2018 wird Gavin Bryars’ neues Werk Lauda 47 (Faciamo laude a tutt’i sancti) für Sopran, Tenor und mittelalterliches Ensemble in einem Mitternachtskonzert in der Kathedrale der schwedischen Stadt Uppsala uraufgeführt. Sopranistin Anna Maria Friman und der Tenor John Potter musizieren gemeinsam mit dem Serikon Ensemble.

Seit 2001 schrieb Bryars eine Vielzahl an kurzen Vokalkompositionen, die insgesamt als „Laude“ bekannt sind. Sie basieren auf einer Sammlung von mittelalterlichen Andachtsgesängen des 13. Jahrhunderts aus Italien. Die Laude behalten trotz ihrer Neuerfindung in der Gegenwart die lyrische Reinheit und Strenge des Originals. Da Bryars' Stücke oft recht kurz gehalten sind, werden sie - wie auch Gesänge vergangener Jahrhunderte - in Sammlungen publiziert.

Gavin Bryars – Lauda 47 (Faciamo laude a tutt’i sancti): Lasst uns Loblieder für alle Heiligen singen


Die auf diese Weise bis heute entstandenen Laude sind für sehr verschiedene Besetzungen geschrieben: für Sologesang, für Gesang und Ensemble oder auch für Chor. Fast alle enthalten eine Sopranpartie, die Bryars immer für die schwedische Sopranistin Anna Maria Friman schreibt – und Lauda 47 bildet hier keine Ausnahme. Das Instrumentalensemble für das Werk ist jedoch mit zwei Tenorblockflöten, Kofferharmonium und Zugtrompete ungewöhnlich besetzt und wurde zuvor in keiner der Laude verwendet. Auch in anderen Gattungen, für die Bryars komponiert, hat er sich von alter italienischer Musik inspirieren lassen, so hat er bislang sechs Madrigalbücher im Geiste Monteverdis oder Gesualdos geschrieben:
„Die Madrigale meines sechsten Buchs verarbeiten Texte von Francesco Petrarca, einem Gelehrten und Dichter der italienischen Renaissance. Seine Sonette haben mich aus mehreren Gründen fasziniert, nicht zuletzt wegen ihrer Bedeutung in der italienischen Madrigalmusik, sondern auch wegen ihrer herzzerreißenden Schönheit und ihrer technischen Brillianz.“ – Gavin Bryars 

Mit The Sinking of the Titanic wird am 23. September 2018 an der Musikhochschule Lübeck ein weiteres Werk von Bryars mit einer ungewöhnlichen Besetzung zu sehen sein. Das Werk ist für Tonband und Ensemble komponiert, das Landesjugendensemble Neue Musik Schleswig-Holstein wird das Stück unter der Leitung von Johannes Fischer spielen.

 

© Foto: Gautier Deblonde

 

Werk der Woche – Richard Ayres: No. 50 (The Garden)

Am 5. September 2018 wird Richard Ayres‘ neues Werk No. 50 (The Garden) für Bass solo und Ensemble beim Eröffnungskonzert der Gaudeamus Muziekweek in Utrecht uraufgeführt. Das Asko|Schönberg Ensemble spielt unter Leitung von Dirigent Bass Wiegers mit Joshua Bloom als Solisten. Zusätzlich begleiten Animationen der Videokünstlerin Martha Colburn die Aufführung.

The Garden ist ein Auftragswerk des Asko|Schönberg Ensembles und der London Sinfonietta, gefördert durch The Royal Opera. Inspiriert von Dantes Göttliche Komödie, bezieht sich Ayres auch auf Texte von Edgar Allan Poe, Christina Rossetti, William Shakespeare und Giacomo Leopardi. Wie schon in seinem populären früheren Werk No. 42 (In the Alps), gestaltet Ayres so ein theatralisches Konzert.

Richard Ayres – No. 50 (The Garden): Auf der Suche nach Sinn


The Garden ist eine schwarzhumoristische zyklische Erzählung über einen unzufriedenen Mann auf der Suche nach Sinn. Er gräbt in seinem Garten bis zum Mittelpunkt der Erde, um die Unterwelt zu finden. Dann gräbt er sich den ganzen Weg wieder nach oben in den Himmel, doch er befindet sich nur wieder in seinem Garten. Gesampelte elektronische Musik spielt in dem Stück eine wichtige Rolle und spiegelt dabei Ayres‘ momentane Faszination von elektronischen Klängen wieder. Diese hat er schon in seinen letzten Werken No. 48 (night studio) (2015) und No. 51 (resting songs) (2017) eingesetzt.
„Der Bass wird während der Aufführung die Stimmen aller Figuren singen, so als würde er zu sich selbst singen. Das lässt einen an der Realität zweifeln, und erweckt den Eindruck, dass man die Gedanken der Hauptfigur hören kann. Sehen wir als Publikum die Realität, oder beobachten wir einen Traum und eine Fantasiewelt? Ist der Mann wirklich wach, schläft er, oder ist er sogar tot? Das möchte ich mehrdeutig halten.“ – Richard Ayres

Das Asko|Schönberg Ensemble spielt The Garden zusätzlich am 13. September 2018 in Amsterdams Muziekgebouw aan’t IJ und am 10. November in Den Bosch. Im April 2019 folgt die britische Erstaufführung der London Sinfonietta. Ein zweites neues Werk von Ayres, No. 49 for brass quintet and soundtrack, gelangt in der Saison 2018/19 zur Uraufführung.

 

 

 

Werk der Woche - Peter Eötvös: Reading Malevich

Am 1. September 2018 gelangt Peter Eötvös‘ Orchesterwerk Reading Malevich zur Uraufführung beim Lucerne Festival. Es entstand im Auftrag des Kulturprogramms Roche Commissions. Matthias Pintscher dirigiert das Lucerne Festival Academy Orchestra.

An die Auftragswerke der Roche Commissions werden besondere Forderungen gestellt: Sie sollen sich nicht nach populären Moden richten, sondern den Komponisten vor eine Herausforderung stellen. Eötvös hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bild Suprematismus No. 56 von Kasimir Malewitsch zu vertonen. Dabei werden die Form, die Dichte und die Klangfarben durch die Vorlage bestimmt, die Struktur seines Stücks wird von außen durch das Bild vorgegeben.

Peter Eötvös – Reading Malevich: Horizontal und Vertikal


Die beiden Sätze von Reading Malevich sind mit Horizontal und Vertikal betitelt. Eötvös meint damit die Blickrichtungen eines Betrachters auf Malewitschs Gemälde. Der Komponist setzt die Tonhöhen und Längen vor allem mit Farben des Bildes in Beziehung und richtet sich weniger nach den Funktionen von traditionellen musikalischen Formen. Neben den Farben stellt er durch Tonhöhen und die aus ihnen gebildeten Intervalle auch Proportionen und Entfernungen der erkennbaren Formen des Bildes dar. Einzelne Abschnitte der beiden Sätze beziehen sich zusätzlich auf markante visuelle Elemente.
„Hier habe ich viele Aufgaben bekommen, die ich mir selbst nie stellen würde. Ich habe mich oft gezwungen, manchmal wochenlang, eine Lösung zu finden. In der kompositorischen Realisierung der strukturierten Planung entstand dann immer wieder auch freie, ‚malerisch‘ erzählende Gestaltung.“ – Peter Eötvös

Bereits drei Tage zuvor, am 29. August 2018, erfolgt eine weitere Uraufführung eines Orchesterwerks von Eötvös, nämlich Per Luciano Berio. In der Semperoper stellt sich Dirigent Alan Gilbert mit dem 4-Minüter dem Publikum zur Spielzeiteröffnung als Gastdirigent und Peter Eötvös als "Capell-Compositeur" der neuen Saison vor.

 

© Foto: Marco Borggreve

 

Werk der Woche - Fazil Say: Umut Senfonisi

Symphonien gehören meist zu den zentralen Werken eines Komponisten, doch heutzutage komponieren diese immer seltener in der Gattung. Am 25. August 2018 gelangt nun Fazil Says vierte Symphonie Umut Senfonisi im Kulturpalast Dresden zur Uraufführung. Michael Sanderling dirigiert die Dresdner Philharmonie, die gleichzeitig auch Auftraggeber des Werks ist. Say ist bei dem Orchester in der neuen Spielzeit "Composer in Residence".

Umut Senfonisi trägt wie die drei vorausgehenden Symphonien einen programmatischen Titel –  "Umut" ist das türkische Wort für "Hoffnung".  Zuvor schrieb er die Symphonien Istanbul, Mesopotamia und Universe. In diesen Werken fängt er die Stimmungen und Bilder der Werk- und Satzbezeichnungen sehr illustrativ ein. Dazu verwendet der türkische Komponist immer wieder musikalische Idiome seiner Heimat. Der Titel Umut Senfonisi ist etwas abstrakter gefasst, zeigt aber ebenfalls wie die Vorgängerwerke typische traditionell-türkische Taktarten im 2. und 3. Satz mit 7/8- und 9/8-Takten.

Fazil Say – Umut Senfonisi: Zerstörung und Hoffnung


Die Symphonie besteht klassisch aus vier Sätzen: Largo espressivo, danach Allegro energico, gefolgt von Andante tranquillo – Swinging und das Finale  Adagio, drammatico – Moderato. Während der ersten drei Sätze durchbricht Say die Komposition durch Maschinengewehr-ähnliche Salven im Schlagzeug. Diese Teile nennt er „terrorism“ und stellt mit ihnen in unmittelbarer Weise Zerstörung dar. Dies wird im dritten Satz am deutlichsten, wenn die „Maschinengewehre“ einen mit „Party“ betitelten Swing-Teil abrupt beenden. Im direkt anschließenden Finalsatz unterbricht Say die Komposition nicht mehr mit einer „terrorism“-Passage, sodass die Symphonie mit einem Hoffnungsschimmer endet.
„Meine Musik basiert oft auf türkischer Rhythmik, auf der besonderen Gestik, dem Tanz. Wenn ich einen japanischen Komponisten höre, muss er mir aus Japan etwas mitbringen, das ist mir wichtig. Auch die russischen Komponisten, Korsakow oder Rachmaninow, verwenden Volkslieder und Tänze ihrer Heimat.  Man sagt, Sibelius hätte an die 30 Volkslieder alleine in seinem Violinkonzert verwendet. Aber ich möchte nicht, dass das Türkische oder das Orientalische etwas Außergewöhnliches ist, etwas Exotisches.“ – Fazil Say

Fazil Say ergänzt das Uraufführungskonzert, in dem auch Beethovens 2. Symphonie gespielt wird, durch eine Aufführung von Beethovens Klaviersonate "Der Sturm" als Pianist. Das Konzert wird folgenden Tag an gleicher Stelle wiederholt. Im Februar 2019 gelangt die Umut Senfonisi in Bordeaux mit dem Co-Auftraggeber, dem Orchestre National Bordeaux-Aquitaine, zu ihrer französischen Erstaufführung.

Update: Aufgrund eines Trauerfalls in der Familie konnte Fazil Say nicht an dem Konzert in Dresden teilnehmen.

 

 

© Foto: Marco Borggreve

Werk der Woche - Thomas Larcher: Das Jagdgewehr

Am 15. August 2018 wird Thomas Larchers erste Oper Das Jagdgewehr bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt. Die Regie übernimmt der erfolgreiche Schauspieler und Filmregisseur Karl Markovics. Michael Boder leitet das Ensemble Modern und die Schola Heidelberg. Solisten sind Robin Tritschler als Dichter, Andrè Schuen als Josuke Misugi, Sarah Aristidou​ als Shoko, Giulia Peri​ als Midori und Olivia Vermeulen als Saiko. 

Das Libretto zu Das Jagdgewehr, dem Yasushi Inoues gleichnamiger Kurzroman von 1949 als Vorlage dient, stammt von Friederike Gösweiner. Die Oper erzählt in drei Akten die Geschichte einer geheimen Liebschaft in Form von drei Briefen.

Thomas Larcher: Das Jagdgewehr: eine zeitlose Geschichte


Das Stück beginnt mit einem vom Chor gesungenen Gedicht über einen einsamen Jäger. In dem Glauben, dass er die Figur des Gedichtes darstellt, schreibt der Jäger Josuke Misugi dem Dichter, um ihm den Grund seiner Traurigkeit zu erklären. Dazu schickt er ihm drei Briefe von drei Frauen, die in einer engen Verbindung zu ihm stehen: Von seiner Frau Midori, seiner Nichte Shoko und seiner Geliebten Saiko. Durch diese Briefe entfaltet sich eine Geschichte von Betrug und Geheimnissen, die schließlich in einer Tragödie endet.
„Als ich Das Jagdgewehr zum ersten Mal las, war ich sofort von seiner Zeitlosigkeit gefesselt. Die zentralen Aspekte des Werks sind die Illusionen, die wir in fast jeder Beziehung aufrechterhalten, aber auch die tiefe Einsamkeit, die jedem Menschen eigen ist. Unter der scheinbar ruhigen Handlung übernimmt es die Musik zu sagen, welche Stürme in den handelnden Personen toben, mikroskopisch fein leuchtet sie deren Empfindungen aus. Wie so viele japanische Texte besitzt auch Das Jagdgewehr eine ritualhafte Seite, der ich in meiner Oper mit einer an Passionen erinnernden Anlage folge. Der Klang der solistisch besetzten Instrumente wird durch die sieben Choristen in den Raum hinein erweitert." – Thomas Larcher

Zwei weitere Aufführungen werden am 17. und 18. August zu sehen sein. Die Inszenierung wird außerdem aufgezeichnet und auf DVD und Blu-ray veröffentlicht. Im Sommer 2019 erlebt Das Jagdgewehr seine Britische Erstaufführung und gelangt in Aldeburgh und London auf die Bühne.

 

©Illustration: Bregenzer Festspiele GmbH / moodley brand identity