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Werk der Woche - Peter Eötvös: Secret Kiss

In das Japan des 19. Jahrhunderts reist Peter Eötvös mit Secret Kiss, das am 27. Januar 2019 in Göteborg seine Uraufführung erlebt. Die japanische Sängerin und Schauspielerin Ryoko Aoki übernimmt die Sprecherrolle, begleitet von fünf Musikerinnen und Musikern des schwedischen Ensembles Gageego!. Kurz nach seinem 75. Geburtstag am 2. Januar dirigiert Eötvös selbst die Uraufführung.

Ein junger Mann verliebt sich auf einer Reise nach Japan am Hof des Provinzfürsten unsterblich in eine geheimnisvolle Frau. Diese Begegnung geht nicht über Blickkontakte und zierliche Gesten hinaus. Dennoch entwickelt sich eine zarte und tiefe Verbindung zwischen den beiden Liebenden. Die drückt sich im namensgebenden "geheimen Kuss" aus: Beide trinken nacheinander an der exakt gleichen Stelle aus einer Teetasse.

Die 1997 erschienene Kurzgeschichte Seide des italienischen Autors Alessandro Baricco ist die Vorlage für Secret Kiss. Klare und kurze Sätze prägen die Sprache der Geschichte und eine skizzenhafte Anlage mit sehr vielen Auslassungen lässt Spielraum für Interpretationen. So verwundert es nicht, dass Eötvös sich schon zum zweiten Mal nach Senza sangue auf einen Text von Baricco bezieht und diesen zur Grundlage für seine Musik macht. Eötvös' Ehefrau Mari Mezei stellte aus der Kurzgeschichte das Libretto für das neue Melodram zusammen.

Peter Eötvös - Secret Kiss: zeitgenössische Musik und traditionelle Nō-Kunst


Sprecherin bei der Uraufführung ist die japanische Nō-Schauspielerin und -Sängerin Ryoko Aoki. Ausgebildet an der Kanze-Schule in Tokio, einer von nur fünf Schulen für die traditionelle japanische Schauspielkunst, ist Aoki heute eine der renommiertesten Nō-Künstlerinnen. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht Aoki in der Verbindung der traditionellen Nō-Kunst mit zeitgenössischer Musik. So wurde auch Secret Kiss auf ihre Initiative hin komponiert.

Neben der Sprecherin musiziert eine fünfköpfige Besetzung von Gageego!, einem profilierten schwedischen Ensemble für zeitgenössische Musik. Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Schlagwerk schaffen für die ungewöhnliche Liebesgeschichte die passende Klangatmosphäre. So müssen die beiden Holzblasinstrumente vor allem in tiefen Lagen spielen, um den starken, jedoch unterdrückten Gefühlen der Liebenden Ausdruck zu verleihen. Außerdem haben szenische Gesten der Instrumentalisten beim Musizieren einen direkten Bezug zur Handlung.
Then he rose and bowed.
The last thing he saw before he left were her eyes, staring mutely into his.
Perfectly mute.
Her eyes were not the eyes of a Japanese, and her face was the face of a young girl.
(8. Szene aus Secret Kiss)

Nach der Uraufführung geht Aoki mit Secret Kiss auf Welttournee. Am 9. März gastiert sie in Tokio und spielt mit einem Ensemble aus Japan, am 24. März in Porto mit dem Remix Ensemble, am 17. April in Madrid mit dem Plural Ensemble, sowie am 8. September in Berlin, am 15. September in Köln und am 17. September in Budapest jeweils mit dem Ensemble Musikfabrik.

 

Fotos:
Adobe Stock / tenglao
The New York Times Style Magazine / Masanori Akao / http://ryokoaoki.net/e/

Werk der Woche - Richard Strauss: Elektra

Eine außergewöhnliche Symbiose von Musikwissenschaft und künstlerischer Praxis suchen die Herausgeber und Forscher der aktuell entstehenden kritischen Ausgabe Richard Strauss Werke (RSW). Anstatt die Ausgabe nur für die musikwissenschaftliche Forschung zu erstellen wird von Anfang an der Bezug zur Aufführungspraxis gesucht. Denn angelehnt an die Gesamtausgabe werden Aufführungsmaterialien erstellt, die die neuen Erkenntnisse aufgreifen. Ein vorläufiges Aufführungsmaterial zur Oper Elektra wird nun erstmals für eine Opernproduktion verwendet: Am 19. Januar 2019 ist Premiere mit neu ediertem Notenmaterial am Landestheater Linz. Die musikalische Leitung übernimmt Markus Poschner, Michael Schulz führt Regie. Die Sopranistin Miina-Liisa Värelä singt die namensgebende Elektra. In weiteren Rollen sind Katherine Lerner als Klytämnestra, Brigitte Geller als Chrysothemis, Matthäus Schmidlechner als Ägisth und Michael Wagner als Orest zu sehen.

Die RSW stellt die erste wissenschaftlich-kritische Ausgabe zum Œuvre des Komponisten dar und wird mehr als 60 Bände umfassen. Die gesamte Edition wird seit 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeitet und von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München in Zusammenarbeit mit dem Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen herausgegeben. Nachdem bereits drei Bände mit Liedern und sinfonischen Dichtungen erschienen sind, wird im April 2019 als erstes Bühnenwerk der Band zu Salome veröffentlicht; darauf folgt dann Elektra.

Eine Vielzahl von Quellen, von der ersten Partiturniederschrift über verschiedene Notenausgaben bis hin zu Briefen, werden im Entstehungsprozess gesichtet, so fließen die neuesten Forschungsergebnisse mit in die Werkausgabe ein. Parallel dazu entsteht Aufführungsmaterial, das seinen Fokus auf die Musikpraxis legt, sich aber dennoch an den Ergebnissen der Werkausgabe orientiert. Das ist bisher einmalig bei der Entstehung von wissenschaftlichen Komponisten-Werkausgaben. Bislang wurde, wenn überhaupt, erst nach der Fertigstellung der gesamten Werkausgabe Aufführungsmaterial dazu veröffentlicht. Neue Erkenntnisse und auch Fehler, die erst bei der Aufführung ausfindig gemacht wurden, konnten dann nicht mehr auf die Werkausgabe übertragen werden. Deshalb wird das Aufführungsmaterial zu Elektra in Linz nun erstmals genutzt und anschließend nochmals überarbeitet, bevor der entsprechende Band zur Oper veröffentlicht werden kann.

Richard Strauss - Elektra: weltbekannte Oper mit neuem Notenmaterial


Das Libretto der Oper von Hugo von Hofmannsthal basiert auf dem gleichnamigen antiken Drama von Sophokles. Protagonistin ist die Außenseiterin Elektra, die den Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen will. Der wurde von seiner Frau Klytämnestra und ihrem Geliebten ermordet. Als Elektras tot geglaubter Bruder Orest auftaucht, sieht sie den Zeitpunkt zur Rache gekommen. Strauss setzt die Handlung mit den extremsten musikalischen Mitteln seiner Zeit um und dringt damit ins Innerste der Gefühlswelten seiner Figuren vor. Die Rachsucht Elektras kennt keine Skrupel und scheut nicht davor zurück, die eigene Mutter Klytämnestra zu töten. Diese wiederum ist dem Wahnsinn verfallen und leidet an Albträumen. Der Mord am Gatten scheint sie nicht loszulassen. Und dann ist da noch Elektras Schwester Chrysothemis, die sich nicht in den Strudel von Schuld und Gewalt ziehen lassen will. Richard Strauss beschreibt seine Motivation zur Komposition von Elektra in seinen "Betrachtungen und Erinnerungen":
„Jedoch der Wunsch, dieses dämonische, ekstatische Griechentum des 6. Jahrhunderts Winckelmannschen Römerkopien und Goethescher Humanität entgegenzustellen, gewann das Übergewicht über die Bedenken, und so ist "Elektra"  [gegenüber der "Salome" - d.Red.] sogar noch eine Steigerung geworden in der Geschlossenheit des Aufbaus, in der Gewalt der Steigerungen.“

Diese Ansichten manifestieren sich in einer ausdrucksstarken Musik, die die Tonalität bis an ihre Grenzen erweitert. Zusammen mit einem groß besetzten Orchester und einer differenzierten Instrumentation schuf Strauss so ein klanggewaltiges Meisterwerk, das nun erstmals mit historisch-kritischem Aufführungsmaterial auf die Bühne kommt. Die Oper Elektra wird am Landestheater Linz noch an elf weiteren Abenden bis April 2019 aufgeführt.

Foto: Staatstheater Nürnberg / Ludwig Olah

Werk der Woche – Kurt Weill: Street Scene

Am 22. Dezember 2018 zeigt das Theater Münster die Premiere von Kurt Weills Oper Street Scene. Hendrik Müller übernimmt die Regie für die Inszenierung, in deren Hauptrollen Kristi Anna Isene (Anna), Gregor Dalal (Frank), Cedrik Runde (Willie), Kathrin Filip (Rose) und Garrie Davislim (Sam) zu sehen sein werden. Die musikalische Leitung übernimmt Stefan Veselka.

Weill sah eine Aufführung des gleichnamigen Theaterstücks von Elmer Rice in Berlin und wollte sofort ein Musikstück daraus machen. Ihm schwebte dabei eine „American Opera“ vor, doch Rice stimmte dieser Idee erst zehn Jahre später zu. Es entstand eine Synthese von europäischer Oper und amerikanischer Broadway-Musik. Rice beteiligte sich an dem Stück nicht nur durch seine Textvorlage, sondern auch durch Songtexte die er zusammen mit James Hughes schrieb. Am 9. Januar 1947 wurde die Oper  Street Scene im New Yorker Adelphi Theatre unter der Regie von Charles Friedman und unter der musikalischen Leitung von Maurice Abravanel uraufgeführt.

Kurt Weill – Street Scene: eine amerikanische Oper


Die Handlung von Street Scene führt den Zuschauer zu den Bewohnern eines armseligen Mietshauses in einer New Yorker Straße gegen Ende der 1920er Jahre. Deren Leben voller Hoffnungen, Gewalt, Liebe und Enttäuschung spielt sich an einem Abend und dem folgenden Morgen eines sehr heißen Junitages vor allem auf dem Bürgersteig ab. Anna Maurrant hat eine Affäre mit dem Milchmann und die ganze Nachbarschaft ist darüber im Bilde. Nur ihr Mann Frank scheint nichts von der Affäre zu wissen, ahnt jedoch etwas. Ihre Tochter Rose ist in den Nachbarssohn Sam verliebt und zusammen träumen sie von einer Flucht aus den ärmlichen Verhältnissen. Als Frank unerwartet nach Hause kommt und seine Frau mit ihrem Liebhaber vorfindet, erschießt er beide. Geschockt lässt Rose daraufhin ihren Freund Sam zurück, um mit ihrem Bruder Willie ein neues und besseres Leben zu beginnen.
Die amerikanische Oper wurde endlich realisiert… Weills Musik ist dissonant, melodisch, kakophon, brutal, kraftvoll und emotional, mit einem unglaublichen Höhepunkt, wenn das Orchester und die Sänger lieben, weinen, jammern und die Freuden und Sorgen des Lebens heraus schreien vor dem harten, schmutzigen Hintergrund einer großen dramatischen Geschichte Amerikas. - Musical Digest, 1947

Weills Oper wird bis zum 23. April 2019 an neun weiteren Abenden in Münster gespielt. Mehr von Kurt Weill ist ab dem 2. Februar 2019 in Stuttgart zu sehen, wenn das Schauspielhaus Stuttgart sein satirisches Ballett mit Gesang Die sieben Todsünden auf die Bühne bringt.

 

© Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Werk der Woche – Wilfried Hiller: Momo

Am 16. Dezember 2018 wird die Uraufführung von Wilfried Hillers Momo im Staatstheater am Gärtnerplatz in München gezeigt. Dabei wird die Schauspielerin Anna Woll in der Titelpartie der Momo zu sehen sein. Mit ihr auf der Bühne stehen die Gesangssolisten Maximilian Mayer als Gigi und Holger Ohlmann als Beppo sowie weitere Solisten, der Opern- und der Kinderchor des Hauses. Michael Brandstätter übernimmt die musikalische Leitung, Regie führt Nicole Claudia Weber.

Wolfgang Adenberg entwickelte aus dem gleichnamigen Kinder- und Jugendroman von Michael Ende das Libretto zu  Hillers Musiktheaterstück Momo, ein Auftragswerk für das Münchner Gärtnerplatztheater. Hiller pflegte eine langjährige künstlerische Partnerschaft mit Ende und notierte bei Arbeitstreffen immer wieder gesungene Melodien des Schriftstellers. In seiner neuen Familienoper versucht er nun Michael Ende in der Figur des Gigi zu porträtieren, indem er diese Melodien in seine Komposition mitaufnimmt. Beispielsweise zitiert Hiller in  den Pizzicati der Celli und Bässe die Gitarre, die der Schriftsteller mit zwei Fingern zupfen konnte. Auch die Figur des Meister Hora legt Hiller in besonderer Weise an: Meister Hora ist keine Einzelperson, sondern wird vom gesamten Chor verkörpert. In der Musik verwendet Hiller außerdem zu Beginn eine spärliche, aber gezielte Instrumentierung und lässt nur kleine Teilensembles im Orchester spielen. Erst in der Mitte der Handlung, wenn die Spannung zunimmt, kommt erstmals das Orchester im Tutti zum Einsatz.

Wilfried Hiller – Momo: ein Musiktheaterstück für Kinder in 18 Bildern

Momo ist arm und lebt in einer bescheidenen Behausung vor den Toren der Stadt. Dennoch hat sie viele Freunde, da sie die Gabe besitzt, den Menschen besonders gut zuzuhören. In der Stadt tauchen eines Tages die grauen Herren der Zeitsparkasse auf, die die Menschen dazu bringen, Zeit für später aufzusparen. Die Menschen vergessen durch das Sparen ihr Leben zu genießen und werden in Wahrheit um ihre Zeit betrogen. Nur Momo erkennt die Machenschaften der grauen Herren und versucht den Menschen durch ihr Zuhören die Augen zu öffnen. Mit der Hilfe von Meister Hora und dessen Schildkröte Kassiopeia sagt Momo den grauen Herren und der Zeitsparkasse den Kampf an. Durch einen Trick schafft sie es den geraubten Zeitvorrat zu befreien. Die grauen Herren lösen sich daraufhin in Luft auf und alle Menschen erhalten ihre Zeit zurück.
Momo: Was ist die Zeit?                                                                                                    Meister Hora: Die Zeit ist immer da, ist wie Musik, die wir nicht hören, weil sie ständig in uns klingt. Manchmal hörst du sie, so wie Wellen auf dem Wasser durch Wind entstehen. Und hier aus dem Nirgendhaus in der Niemalsgasse kommt die Zeit aller Menschen.

Hillers Musiktheaterstück wird im Gärtnerplatztheater noch bis zum 18. Januar 2019 noch an neun weiteren Terminen gezeigt. Des Weiteren ist  sein Singspiel Das Traumfresserchen bis zum 27. Dezember 2018 noch im Staatstheater Cottbus zu sehen.

© Christian POGO Zach

Werk der Woche – Bernd Alois Zimmermann: Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott

Das Jahr 2018 stand bei vielen Theatern und Orchestern im Zeichen des 100. Geburtstags von Bernd Alois Zimmermann. Zu diesem Anlass zeigt die Volksbühne Berlin am 26. November 2018 zum ersten Mal eine szenische Umsetzung seines Funkoratoriums Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott. Durch die Mitwirkung zahlreicher Ensembles werden 130 Chorsängerinnen und Chorsänger, 50 Musikerinnen und Musiker sowie und 12 Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne vertreten sein. Es musizieren die Kammersymphonie Berlin, der Haupt- und Mädchenchors der Sing-Akademie zu Berlin, der Männer des Staats- und Domchors Berlin und des Ensembles PHØNIX16, sowie Mitglieder der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und der Neuen Nachbarschaft Moabit. Regie führt Christian Filips, die musikalische Leitung übernimmt Kai-Uwe Jirka.

Zimmermann komponierte Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott nach Ende des 2. Weltkrieges im ausgebombten Köln. Die Textvorlage dazu bildete Pedro Calderón de la Barcas traditionelles Fronleichnamsspiel Les alimentos del hombre, das von Hubert Rüttger ins Deutsche übertragen wurde. In Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk wurde das Oratorium an Fronleichnam 1952 erstmals im Radio gesendet und danach fast gänzlich vergessen. Im Werk vermischen sich die Genres des Melodrams und der Oper, sowie frühe Versuche zur elektronischen Musik. Außerdem scheinen in ihm Einflüsse der Besatzungsmächte im Nachkriegsdeutschland vereint zu sein: Der Jazz der Amerikaner, französisches Klangfarbenspiel wie bei Debussy und Zitate der Ballets Russes sind Stil-Elemente von Zimmermanns Musik.

Bernd Alois Zimmermann – Des Menschen Unterhaltsprozess gegen Gott: ein Funkoratorium


Nachdem Adam gegen das Gebot Gottes verstößt, wird er aus dem Paradies verbannt. Er muss nun als normaler Mensch auf der Erde leben und landwirtschaftliche Arbeit verrichten. Daran findet Adam jedoch keinen Gefallen und auch seine Kameraden Deckmann und Freßmann können ihm nicht weiterhelfen. Wenig später trifft der unzufriedene Adam auf den Teufel, der ihm rät Gott auf Unterhalt zu verklagen. So beginnt ein großer metaphysischer Gerichtsprozess.

Eigenart und Bedeutung dieses Weihespieles zur Verherrlichung der heiligen Eucharistie lassen in ihrer innigen Verbindung von Wort und Musik einzig und allein die Form des Funkoratoriums als entsprechend erscheinen.[…] Ich freue mich sehr auf diese grosse und schöne Aufgabe, vor allem deshalb, weil damit ein bisher fast völlig unbekanntes Werk Calderons der unverdienten Vergessenheit entrissen wird. – Bernd Alois Zimmermann

Im Zuge des Zimmermann-Jahres 2018 werden außerdem am  14. Dezember Zimmermanns Werke Dialoge, Sinfonie in einem Satz und Monologe vom Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Münchner Herkulessaal gespielt. Auch das WDR Sinfonieorchester zeigt in der Kölner Philharmonie an diesem und dem darauffolgenden Abend Musik von Zimmermann, nämlich sein Konzert für Violine und Orchester.

Werk der Woche – Anton Bruckner: Requiem in D und Libera in F

Der RIAS Kammerchor zeigt am 22. November 2018 Anton Bruckners Reqiuem in D und sein Libera in F im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin. Łukasz Borowicz wird den Kammerchor sowie die Solisten Johanna Winkel, Sophie Harmsen, Michael Feyfar und Ludwig Mittelhammer und das Orchester der Akademie für Alte Musik Berlin dirigieren. Die Grundlage für das verwendete Aufführungsmaterial bildet die neue von Benjamin-Gunnar Cohrs herausgegebene Anton Bruckner Urtext Gesamtausgabe.



Bruckner vollendete mit dem Requiem in d-Moll 1849 sein erstes großes geistliches Werk. Es wurde am Ort seiner Komposition, im österreichischen Stift St. Florian am 15. September desselben Jahres uraufgeführt. Anlass war der Tod des Familienfreundes und Förderers Franz Seiler. Nach neuesten Erkenntnissen der Anton Bruckner Urtext Gesamtausgabe soll das Werk Libera in f-Moll zeitgleich mit dem Requiem entstanden sein, obwohl es erst fünf Jahre später uraufgeführt wurde. Daher vereint die neue Gesamtausgabe von Benjamin-Gunnar Cohrs beide Kompositionen in einem Band. Anders als ihre Vorgänger stützt sich die Gesamtausgabe auf Bruckners Autograph und eine bisher nicht verwendete Abschrift aus Kremsmünster.

Anton Bruckner – Requiem in D und Libera in F: zum Tode Franz Seilers


Bruckners Requiem ist hörbar von Mozarts Requiem inspiriert. Auch das Libera weist stilistische Ähnlichkeiten dazu auf, sodass sich die Vermutung einer inneren Verbindung zwischen ihnen erhärtet. Das Requiem selbst ist in die fünf großen Abschnitte IntroitusSequentiaOffertorium - Sanctus & Benedictus Communio gegliedert und entspricht so dem Ablauf der lateinischen Totenmesse. Aus diesem Grund wurden auch die choraliter zu singenden Teile Graduale und Tractus (nach dem Introitus) sowie  die Antiphon In Paradisum mit in die Neuausgabe aufgenommen. Diese Teile werde auch am Konzertabend des RIAS Kammerchores aufgeführt.
Stiftertag. Es wurde ein Requiem von dem Schulgehilfen zu St. Florian - Bruckner aufgeführt. Es fiel sehr gut aus. Der 25jährige junge Mann ist ein Virtuos auf der Orgel. Nach der Vesper produzierte er sich. Er und sein Begleiter waren zur Tafel geladen.- P. Beda Piringer (11. Dezember 1849)

Der RIAS Kammerchor wird sein Konzertprogramm mit Bruckners Trauergesängen am 25. November 2018 bei einem Gastspiel in der Philharmonie Essen wiederholen.

Werk der Woche - Peter Ilyich Tschaikowsky: Concerto No. 1 in b-Moll

Die Česká filharmonie zeigt als Teil ihrer Konzert-Tour Tschaikowskys Concerto No. 1 in b-Moll am 12. November 2018 im Mondavi Center im US-amerikanischen Davis. Der Solo-Pianist Kirill Gerstein und das Orchester spielen unter der Leitung von Semyon Bychkov. Dabei ist die zweite Fassung des Werkes von 1879 zu hören, die kürzlich als neues Aufführungsmaterial auf Grundlage der neuen akademischen Ausgabe sämtlicher Werke von Peter Iljitsch Tschaikowsky erschienen ist.

Nachdem Tschaikowsky 1874 sein Concerto No. 1 in b-Moll fertiggestellt hatte, legte er es seinem Mentor Nikolai Rubinstein vor, um Hinweise und pianistische Verbesserungsvorschläge für die Soloklavier-Stimme zu erhalten, denn Tschaikowsky selbst war kein Konzertpianist. Rubinstein stand dem Werk ablehnend gegenüber und bezeichnete es als unspielbar. Tschaikowsky weigerte sich jedoch, etwas Gravierendes daran zu verändern und ließ es wie vorgesehen abdrucken. Er widmete das Konzert Hans von Bülow, der im Oktober 1875 in Boston dessen Uraufführung übernahm. 1879 erstellte er dann aber doch jene Fassung, die nun in Davis gespielt wird. Die Änderungen für diese Fassung waren Tschaikowsky von einigen Pianisten, die das Werk bereits gespielt hatten, vorgeschlagen worden. Die einzelnen Fassungen unterscheiden sich, außer in einer geringen Kürzung des Finales, weder in der formalen Gestaltung des Konzerts noch in der musikalischen Substanz oder in der Länge. Nur in der Gestaltung des Soloparts und in vereinzelten Änderungen von Tempo- und Dynamik-Angaben gibt es Abweichungen. Die neue akademische Gesamtausgabe von Tschaikowskys gesammelten Werken beleuchtet jeder der insgesamt vier Werkfassungen kritisch.

Peter Ilyich Tschaikowsky - Concerto No. 1 in b-Moll: eine Frage der Fassung


Tschaikowskys erstes Klavierkonzert besteht aus den üblichen drei Sätzen, weicht aber von einer starren Sonatenhauptsatzform ab, indem es in der Parallel-Tonart Des-Dur beginnt. So täuscht es dem Hörer vor zunächst eine andere Grundtonart vor. Der erste Satz Allegro non troppo e molto maestoso mit seiner ausladenden Einleitung nimmt über die Hälfte  der gesamten Länge des Konzertes ein. Es folgt ein Andantino semplice im zweiten Satz, das mit einer solistischen Melodie in der Querflöte beginnt, die anschließend vom Klavier übernommen wird. Klassisch in Rondoform ist der dritte Satz Allegro con fuoco angelegt, dessen Themen ihren Ursprung in ukrainischen Volkstänzen haben.
Es handelt sich um das Klavierkonzert, das ich ganze zwei Monate lang mit großer Mühe komponiert habe; aber diesem unglücklichen Werk wurde nicht die Ehre zuteil, den Herren Rubinstein und Gubert zu gefallen, welche ihre Missbilligung in sehr unfreundschaftlicher und beleidigender Weise äußerten. Nichtsdestoweniger will ich es drucken lassen. - Peter Ilyich Tchaikovsky

Neben dem Concerto No. 1 in b-Moll werden an diesem Abend auch Tschaikowskys Serenade für Streicher op. 43 und Francesca da Rimini zu hören sein.

Werk der Woche - Mark-Anthony Turnage: The Silver Tassie

Das BBC Symphony Orchestra führt in seiner Reihe "In Remembrance World War I" am 10. November 2018 Mark-Anthony Turnages Oper The Silver Tassie konzertant auf. Im Barbican Centre London singt Ashley Riches die Hauptrolle des Harry, weitere Solisten sind Sally Matthews, John Tomlinson, Claire Booth, Marcus Farnsworth, Louise Alder und Susan Bickley. Es digiert Ryan Wigglesworth.

The Silver Tassie spielt während des Ersten Weltkriegs in Dublin und ist eine Vertonung von Sean O'Caseys gleichnamigen Theaterstück von 1928. Die Oper wurde von der Dallas Opera und der English National Opera in Auftrag gegeben und im Jahr 2000 uraufgeführt. Der Titel, der sich auf einen Fußballpokal bezieht, stammt aus einem schottischen Songtext von Robert Burns: "Go fetch to me a pint o' wine, an' fill it in a silver tassie; that I may drink before I go, a service to my bonnie lassie".

Mark-Anthony Turnage – The Silver Tassie: Die Tragödie des Krieges


The Silver Tassie handelt von Harry Heagen, einem gutaussehenden bekannten Fussballspieler und Soldaten auf Heimaturlaub. Nachdem Harry den Pokal "The Silver Tassie" für sein Team gewonnen hat, verlässt er seine Familie und seine Freundin Jessie, um an die Front zu ziehen. Dort wird er von seinem besten Freund Barney vor dem Tod gerettet, ist aber fortan querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Harry findet daraufhin heraus, dass Jessie ihn für Barney verlassen hat. Der letzte Akt zeigt einen ergreifenden Abschluss, als Harry sich aufmacht, um sich seiner unsicheren Zukunft zu stellen.
Es sind nicht nur die Worte, sondern auch die Gefühle, die mit schillernder Theatralik anschaulich transportiert werden. Turnage weiß genau, wie er das Interesse des Publikums aufrechterhält, indem er das Timing für jede Szene perfekt trifft ist und eindringliche Melodien wie auch große Operngesten liefert. - Rupert Christiansen, The Telegraph

Bis zum Ende des Jahres ist außerdem Turnages erste Oper Greek vom 5. bis zum 9. Dezember 2018 in der Brooklyn Academy of Music in New York zu sehen.

 

© Foto: Keith Saunders

Werk der Woche – Paul Hindemith: Theme with four Variations

Der neue Ballettabend “Labyrinth” des Semperoper Balletts zeigt ab  3. November 2018 Paul Hindemiths Theme with four Variations (according to the Four Temperaments) in Dresden. Getanzt wird die originale Choreographie der Uraufführung von George Balanchine, deren Einstudierung Nanette Glushak übernimmt. Unter der Leitung von Nathan Fifield übernehmen der Solopianist Alfredo Miglionico und die Sächsische Staatskapelle den musikalischen Part des Balletts.

Theme with four Varations sollte ursprünglich Ende Mai 1941 als Auftakt einer Südamerika-Tournee des American Ballet uraufgeführt werden. Den Auftrag für das Stück gab George Balanchine als Leiter der Kompanie. Man sah sich jedoch aufgrund von Kriegsgeschehnissen und damit zusammenhängenden Pressestimmen dazu gezwungen, das Ballett-Werk des „feindlichen Ausländers“ Hindemith vom Programm zu nehmen, obwohl dieser von den Nationalsozialisten längst ebenfalls mit einem Aufführungsverbot belegt worden war. So wurde Theme with four Variations 1943 im schweizerischen Winterthur zunächst nur konzertant uraufgeführt, erst 1946 folgte die szenische Uraufführung durch die von Balanchine neu gegründete Ballet Society in New York.

Paul Hindemith – Theme with four Variations: die vier Temperamente des antiken Menschen


Als thematische Idee für  Theme with four Variations ließ sich Hindemith von der antiken Temperamentenlehre inspirieren. Nach dieser können Menschen in vier Charaktertypen eingeteilt werden: in den Melancholiker, den Sanguiniker, den Phlegmatiker und den Choleriker. Nach dem Vorbild dieser Einteilung konzipierte Hindemith sein Werk in fünf Abschnitten. Im ersten Abschnitt wird das zentrale aber schlichte Thema vorgestellt, das in den vier folgenden Abschnitten jeweils in Hinblick auf eines der vier antiken Temperamente variiert wird.  Einen Teil der musikalischen Gestaltung der Variationen präzisierte Hindemith folgendermaßen: „C ist eine Art Walzer, D ein kürzeres Stück, und E wird eine sehr wilde Sache.“
Ich habe versucht, Hindemiths strenges Notenbild in meiner Choreographie gleichsam körperlich darzustellen; meine Tänze geben das Negativ seines Positivfilmes. [...] Obwohl die Partitur auf dieser Idee der vier Temperamente basiert, ist weder die Musik noch die Choreographie selbst eine spezifische oder literarische Interpretation dieser Idee. Das Verständnis der griechischen medizinischen Vorstellungen von den Temperamenten war bloß der Ausgangspunkt für Komponisten und Choreograph.  – George Balanchine

Der Ballettabend „Labyrinth“ ist bis zum 21. November 2018 noch fünf weitere Male in der Semperoper Dresden zu erleben.

 

© Staatstheater Stuttgart / Foto: Ulrich Beuttenmüller (Jelena Bushuyeva, Ami Morita, Marijn Rademaker, Alessandra Tognoloni und Miriam Kacerova in Phlegmatisch)

Werk der Woche – Lei Liang: Inheritance

Das Department of Music der University of California und die Organisation ArtPower präsentieren am 24. Oktober 2018 die Uraufführung von Lei Liangs neuer Kammeroper Inheritance. Die Produktion wird im Conrad Prebys Music Center in San Diego zu sehen sein. Die Sopranistin Susan Narucki singt die Titelrolle der Sarah Winchester, ihr werden in weiteren Partien Josueì Cerón, Kirsten Ashley Wiest und Hillary Jean Young an die Seite gestellt. Von Cara Consilvio stammt die Regie, Steven Schick wird die Gesangs- und Instrumentalensembles dirigieren.

Inheritance wurde von Susan Narucki in Auftrag gegeben und produziert. Das von Matt Donovan geschriebene Libretto und Liangs Musik stellen in der Kammeroper die Biographie von Sarah Winchester den zeitgenössischen Gewaltereignissen in den USA gegenüber. Sie werfen Fragen zu Mittäterschaft, Sühne und Waffenkontrolle auf und erforschen Amerikas komplexe Beziehung zu Schusswaffen und der damit verbundenen Gewalt.

Lei Liang – Inheritance: politische Aktualität trifft auf Legende


Das Stück erzählt das Leben der exzentrischen Witwe Sarah Winchester, Erbin eines Millionen-Vermögens und eines Waffenunternehmens. Einer Legende zufolge, sperrte sie sich in ihrer labyrinthartigen Villa ein, die sie zu ihrer Zuflucht  immer weiter ausbauen ließ. Sie suchte dort Schutz vor den geisterhaften Stimmen der durch Winchester-Waffen gestorben Menschen, von denen sie sich heimgesucht fühlte. Dass ihr Reichtum auf der Herstellung und dem Verkauf der Waffen fußte, trieb Winchester in den Wahnsinn.
Durch die Erforschung von Sarah Winchester, die in ihren vererbten Umständen gefangen ist, durch die Befragung einer weitreichenden Geschichte, die von Massakern an Indianern im 19. Jahrhundert bis hin zu gegenwärtigen Schießereien an Schulen reicht, wirft Inheritance Fragen über Mittäterschaft, Sühne und Waffengewalt in Amerika auf. – Lei Liang

Liangs Kammeroper ist täglich bis zum 29. Oktober 2018 im Conrad Prebys Music Center San Diego zu erleben.