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Werk der Woche – Georges Bizet: Carmen

Vom ersten Ton an hält die Musik in ihrer Klarheit und tragischen Magie den Zuhörer gefangen: Nicht zuletzt deswegen ist Carmen von Georges Bizet bis heute eine der beliebtesten und meistgespielten Opern überhaupt. Ihre nächste Premiere  erlebt sie am 14. September 2019 am Königlichen Dänischen Theater in Kopenhagen. Die musikalische Leitung übernimmt Alexander Vedernikov, die Inszenierung stammt von Barrie Kosky.



Grundlage der Produktion ist das Aufführungsmaterial der „Edition Meisterwerke – comprehensive & selected“ der Verlagsgruppe Hermann, Wien. Dabei werden alle Fassungen von Carmen in einer einzigen kritischen Neuausgabe gegenübergestellt und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fassungen aufgezeigt. Das Libretto, zu dem Bizet die Musik komponierte, wurde von Henri Meilhac und Ludovic Halévy auf Grundlage der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée verfasst. Bei der Uraufführung der Oper im März 1875 in Paris reagierte das Publikum eher ablehnend auf die für damalige Zeiten doch sehr kompromittierende Thematik. Erst Jahre später erlangte das Stück den Erfolg, für den es auch heute noch bekannt ist. George Bizet erlebte das nicht mehr mit. Er starb nur drei Monate nach der Uraufführung.

Die Handlung beginnt damit, dass vor einer Zigarrenfabrik in Sevilla einige Soldaten auf die Wachablösung warten, unter ihnen auch Don José. Als die Arbeiterin Carmen dazu kommt, beachtet sie keinen der Männer bis auf ihn und wirft ihm im Weggehen eine Blume zu. Kurz darauf entsteht ein Tumult, weil Carmen eine Kollegin verletzt hat. Don José soll sie verhaften, lässt sich aber durch ein Liebesversprechen davon abbringen. Er lässt sie laufen, wird dafür aber selber mit Arrest bestraft.

Georges Bizet – Carmen: Bühnenklassiker in kritischer Neuausgabe


Einige Zeit später tanzt Carmen mit zwei Freundinnen in der Taverne und trifft dort auf den berühmten Torero Escamillo, was für beide eine schicksalhafte Begegnung darstellt. Carmen lässt ihn jedoch zunächst abblitzen, da sie sich in Don José verliebt hat. Als sie diesen wiedertrifft, ist sie schnell enttäuscht von seinem wiedergefundenen Pflichtbewusstsein, das so gar nicht zu ihrer Freiheitsliebe passen will. Die Situation eskaliert, als der Offizier Zuniga hinzukommt und Interesse an Carmen zeigt. Sie ruft die Schmugglerbande, der sie sich angeschlossen hat, zur Hilfe. Don José bleibt nach der Konfrontation mit seinem Offizier nichts anderes übrig, als sich den Schmugglern anzuschließen.

Auf dem Weg zur Grenze treffen die Schmuggler auf Escamillo, der auf der Suche nach Carmen ist. Statt ihrer begegnet er Don José, welcher ihn zu einem Messerkampf auffordert. Als der eigentlich überlegene Escamillo in einem Moment der Unachtsamkeit zu unterliegen droht, rettet Carmen ihm das Leben. Daraufhin lädt Escamillo sie und alle ihre Gefährten zu seinem nächsten Stierkampf in die Arena von Sevilla ein. Don José warnt sie, doch sie bleibt unbeeindruckt. Während des Stierkampfs lehnt Carmen erneut alle Versuche Don Josés ab, ihr seine Liebe zu beweisen, woraufhin er sie ersticht und verzweifelt zusammenbricht.
Carmen ist vor allem eine sich ihrer Weiblichkeit vollbewusste Frau. Mehr noch: Ich bin überzeugt, dass Mérimée mit dieser Gestalt einen Frauentyp geschaffen hat, in dem sich das Weibliche als vollkommen verwirklicht darstellt – und daher ihr universeller Wert als literarische Schöpfung. Modern gesprochen könnte man sagen, dass Carmen einen Idealtyp der echt emanzipierten Frau verkörpert, das heißt, dass sie frei, sicher und Herrin ihrer Entschlüsse ist. Teresa Berganza

Carmen wird in Kopenhagen noch bis Mitte Februar an vierzehn Terminen gespielt. Im weiteren Verlauf der Spielzeit ist das Werk in kritischen Fassungen auch an den Opernhäusern in Mannheim, Meiningen und Chemnitz zu sehen.

Foto: Det Kongelige Teater

Werk der Woche - Ryan Wigglesworth: Piano Concerto

Bei der berühmten Sommerkonzertreihe BBC Proms hat Ryan Wigglesworth in diesem Jahr gleich drei Auftritte als Dirigent. Unter anderem leitet er am 28. August 2019 die Uraufführung seines Piano Concerto. Marc-André Hamelin spielt den Solopart an der Seite der Britten Sinfonia. Das Klavierkonzert wurde von BBC Radio 3 und dem Melbourne Symphony Orchestra in Auftrag gegeben.



Von den choralartigen Figuren im einleitenden Arioso über ein kontrapunktisches Scherzo mit Trio hin zu einem fugierten Finale zeichnet sich Wigglesworths Piano Concerto durch die Integration von klassischen Formen und Stilmitteln in seine eigene zeitgenössische Klangsprache aus.
Der Solopart, weder bravourös noch besonders virtuos, weist oft einen poetischen und intimen Charakter auf. Die vier Sätze des Konzerts sind Charakterstudien. Der erste Satz ist von innig-sanglicher Natur, der zweite ein schnelles Scherzo mit einem zentralen, sanften Trio, der dritte eine Nocturne, die auf einer Volksmelodie beruht und der letzte Satz eine lebhafte, kontrapunktische Gigue. – Ryan Wigglesworth

Im zarten Notturno begleiten nur Harfe und Streicher den Solisten bei einer kleinen Variationsreihe über ein polnisches Volkslied. Wigglesworth hörte dieses Lied zum ersten Mal an einem Lagerfeuer und verbindet die Melodie seither mit einer nächtlichen Stimmung, die er in den träumerischen und manchmal albtraumhaften Passagen des Satzes einfängt.

Ryan Wigglesworth: Piano Concerto – Klassische Form mit zeitgenössischer Klangsprache

In der kommenden Saison erwarten uns weltweit Konzerte mit seinem Piano Concerto, darunter drei Aufführungen mit dem Seattle Symphony Orchestra 27., 28. und 29. Februar 2020.

 

 

Foto: Benjamin Ealovega

 

Werk der Woche – Henri Dutilleux: L'arbre des songes

L’arbre des songes, der Baum der Träume – was für ein passender Abschluss für ein Konzert, das mit Rêverie et Caprice von Hector Berlioz beginnt. Mit einem buchstäblich traumhaften Programm schlägt das Orchestre national de Lyon am 21. August in La Côte-Saint-André einen Bogen von Berlioz über Ravel und Debussy bis zu Dutilleux. Kristiina Poska dirigiert und an der Violine bildet Renaud Capuçon den Konterpart zum Orchester.

Den Solisten verbindet einiges mit dem Widmungsträger von L’arbre des songes, Isaac Stern: Capuçon war nicht nur dessen Schüler, sondern spielt seit 2005 auch die Guarneri ‘del Gesù’-Geige ‘Panette’, die zuvor 50 Jahre in Sterns Händen war. L’arbre des songes entstand im Auftrag von Radio France für Isaac Stern und gehört wohl zu den meistgespielten zeitgenössischen Violinkonzerten.


 L'arbre des songes - Klangbaum frei von Konventionen


An die Stelle konventioneller Mehrsätzigkeit treten Orchesterzwischenspiele, damit die „Bezauberung“ durch das Werk sich nicht in den Pausen zwischen den Sätzen verflüchtigt. Das dritte Zwischenspiel ist in zweierlei Hinsicht besonders: Es erinnert an das Stimmen der Instrumente vor dem Konzert. Und es ist das einzige Mal, das Dutilleux aleatorisch komponiert hat. Zufällig treten nach und nach mehr Instrumente zum Duett von Klarinette und Oboe hinzu, ausgehend von frei notierten Klangfolgen.

Neben der Losgelöstheit von einem vorgeformten Rahmen beschreibt der Komponist selbst auch seine Vorliebe für Klang als charakteristisch für seine Hauptwerke. In L’arbre des songes ist dies einerseits der Dialog zwischen Solovioline und Orchester, andererseits zwischen Solovioline und Oboe d’amore, die bisweilen als Spiegelbild der Solovioline oder quasi als Stellvertreter des Orchesters fungiert. Außerdem ist der metallische Klang von Glockenspiel, Vibraphon, Harfe, Celesta, Klavier und Crotales über das ganze Stück hinweg ein strukturierendes Element: Er variiert motivisches Material aus der Solostimme und ist am Ende einzelner Formteile Gegenpol zu melodischem Netz von Streichern und Holzbläsern.
Das Werk entfaltet sich wie ein Baum, dessen Äste sich stets verzweigen und erneuern. Diese Symbolik zusammen mit der Vorstellung von einer periodischen Wiederkehr haben mich bewogen, dem Werk seinen eigentlichen Titel „L’arbre des songes“ (Der Baum der Träume) zu geben. – Henri Dutilleux

Das Konzert beim Festival Berlioz in La Côte-Saint-André wird von Radio France ausgestrahlt und auch auf www.francemusique.fr gestreamt.

 

Werk der Woche – Giuseppe Verdi: Nabucco

Die alttestamentarische Erzählung von der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel ist die Vorlage für die Oper Nabucco von Giuseppe Verdi. Am 17. August 2019 wird sie in Braunschweig im Rahmen des Burgplatz Open Air neu inszeniert.

Die Erstausgabe von Verdis handschriftlicher Partitur ist an vielen Stellen nicht sehr detailliert und wurde seinem Originalverleger nur sporadisch mit Korrekturen versehen. Deshalb war es erforderlich, diese Partitur mit einer späteren, revidierten Notenausgabe zu vergleichen und zu verbessern. Das Notenmaterial dieser revidierten Neuauflage der Verlagsgruppe Hermann ist bei Schott Music erhältlich und gelangt bei der Open Air-Produktion des Staatstheaters Braunschweig zum Einsatz.

Die Komposition der Oper fiel in eine schwere Zeit für den jungen Komponisten. Der Tod seiner Ehefrau war nur der letzte in einer Reihe privater Schicksalsschläge und auch die vorausgehende Oper Un giorno di regno war ein katastrophaler Misserfolg gewesen. Doch Nabucco, 1842 in Mailand uraufgeführt, bedeutete die Wende für Verdi. Mehr als 50 Aufführungen an der Scala in der auf die Uraufführung folgende Saison und Inszenierungen an internationalen Opernbühnen im unmittelbaren Anschluss bedeuteten für Verdi den endgültigen Durchbruch als Opernkomponist.
So sprach der Herr: Siehe, ich übergebe diese Stadt dem babylonischen König. Er wird sie mit Feuer verbrennen. – nach Jeremias 32, 28 – 29, Überschrift über dem ersten Teil von Nabucco

Nabucco ist die Abkürzung des italienischen Namens des babylonischen Königs Nebukadnezar II. Unter seiner Herrschaft eroberte Babylon die Stadt Jerusalem und versklavte die Hebräer. Vor diesem Hintergrund spielt Handlung. In ihrem Zentrum: Nebukadnezar, seine leibliche Tochter Fenena und seine adoptierte Tochter Abigaille. Fenena liebt den Hebräer Ismaele, nimmt dessen Glauben an und wird gemeinsam mit ihm versklavt. Abigaille fürchtet als Ziehtochter um ihre Macht und plant deshalb den Sturz ihres Vaters, um selbst auf den Thron zu steigen. Nebukadnezar schließlich will seine Macht festigen, indem er sich selbst zum einzig wahren Gott der Babylonier und der Hebräer erklärt. In diesem brodelnden Gemisch aus Liebe, Hass, Hybris und Machtgier entspinnt sich das Opern-Epos.

Giuseppe Verdi: Nabucco – Biblischer Opernstoff mit zeitlosem Sujet


Viele der Melodien aus Nabucco sind heute weit bekannt, allen voran der Gefangenenchor „Va pensiero“, der nachträglich zur politischen Hymne der italienischen Unabhängigkeitsbewegung stilisiert wurde und von vielen Italienern als die wirklich wahre Hymne ihres Landes angesehen wird. Bis heute sind die Themen der Oper von Relevanz, führt das Streben nach Macht und Vorherrschaft doch nach wie vor zu Gewalt, Leid und Unterdrückung.

Für den Erfolg von Nabucco ist auch die mitreißende Musik verantwortlich. Mit einem feinen Gespür für die Wirkung von Melodien, Rhythmen und Harmonik drückt Verdi in vielen Chören die Ängste und Hoffnungen der verfeindeten Völker aus. Seine besondere Instrumentierung stützt die Expressivität gerade in den solistischen Passagen, etwa wenn der hebräische Hohepriester Zaccaria in seinem Gebet erst nur von einem Cello, später von tiefen, warmen Streicherstimmen begleitet wird.

Nabucco wird in Braunschweig auf dem Burgplatz noch bis Anfang September gespielt. Regie führt Klaus Christian Schreiber, Srba Dinić obliegt die musikalische Leitung von Staatsorchester, Chor und Extrachor des Staatstheaters Braunschweig. In den Hauptrollen sind am Premierenabend Ivan Krutikov, Yulianna Bawarska, Kwonsoo Jeon, Dorothea Spilger und Jisang Ryu zu erleben. Ab November 2019 steht die Oper außerdem an der Semperoper in Dresden auf dem Spielplan.

 

 

Foto: © Semperoper Dresden/Ludwig Olah

 

Werk der Woche - Huw Watkins: The Moon

Die erste bemannte Mondlandung vom 20. Juli 1969 feierte vor wenigen Tagen ihr 50. Jubiläum. Der britische Komponist Huw Watkins ließ sich davon für sein neues Werk The Moon inspirieren, das BBC Radio 3 bei ihm in Auftrag gegeben hatte. Am 8. August findet die Uraufführung bei den BBC Proms in London statt: Tadaaki Otaka dirigiert das BBC National Orchestra und den National Chorus of Wales, dazu tritt die Orgel der Royal Albert Hall.


Das Stück verleiht unserer Empfindung Ausdruck, wenn wir den Mond von der Erde aus betrachten und umgekehrt, wenn man von dort oben zu uns hinuntersieht. - Huw Watkins

The Moon ist eine etwa 20-minütige, durchkomponierter Kantate. Sie handelt nicht konkret von der Mondlandung, sondern erkundet vielmehr das kollektive Gefühl des Erstaunens und auch des unterschwelligen Unbehagens, das mit dem Mond und dem Weltall verbunden wird. Gedichte von Percy B. Shelley, Philip Larkin und Walt Whitman geben dieser Erkundung den textlichen Rahmen.

Huw Watkins: The Moon – Inspiriert von der Mondlandung


Watkins ist Composer in Residence des BBC National Orchestra of Wales. The Moon ist das dritte Stück, das in diesem Rahmen entstand. Bei den BBC Proms 2016 spielte das Orchester unter der Leitung von Thomas Søndergård bereits die Uraufführung von seinem Cello Concerto, das für seinen Bruder Paul Watkins geschrieben wurde. Ein Jahr später führte es zum ersten Mal Spring für Orchester auf.

The Moon
ist nicht Watkins' einziges Werk, das in diesem Monat uraufgeführt wird. Am 30. August 2019 singt der National Youth Choir of Wales unter der Leitung von Tim Rhys Evans die Uraufführung des Chorstücks Hedd Wyn im walisischen Bangor.

 

 

Foto: © B Ealovega

Werk der Woche - Carl Orff: Carmina Burana

„O Fortuna“ – diese Anrufung der Schicksalsgöttin steht am Beginn der weltbekannten Carmina Burana von Carl Orff. Wohl jeder hat sie schon einmal gehört, entweder im Konzertsaal oder in Film, Fernsehen und Werbung. Gerade jetzt in der Sommerzeit mit vielen Open-Air-Konzerten und Festivals finden zahlreiche Aufführungen des Werkes statt, unter anderem am 2. August 2019 in Neumünster beim Schleswig-Holstein Musik Festival und am 4. August 2019 in Eltville beim Rheingau Musik Festival. Beide Male spielt die Philharmonie der Nationen unter der Leitung von Justus Frantz. Im Metropolitan Theatre in Tokio findet am 4. August 2019 eine weitere Aufführung mit dem Hitachi Philharmonic Orchestra und Dirigent Hideaki Muto statt.



Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in der Bibliothek des bayerischen Klosters Benediktbeuern eine Sammlung von etwa 250 mittelalterlichen Gedichten, Liedern und Dramen gefunden – die Carmina Burana, also die „Beurer Lieder“. Die Texte sind in verschiedenen mittelalterlichen Sprachen verfasst und drehen sich um ganz unterschiedliche Themen. Liebes- und Trinklieder stehen neben Klagegesängen und geistlichen Hymnen. Carl Orff lernte diese Sammlung 1934 kennen und war fasziniert von den Texten und ihrer Sprache.
Bild und Worte überfielen mich. Obwohl ich mich fürs erste nur in großen Zügen mit dem Inhalt der Gedichtsammlung vertraut machen konnte, stand sofort ein neues Werk, ein Bühnenwerk mit Sing- und Tanzchören, nur den Bildern und Texten folgend, in Gedanken vor mir. – Carl Orff

Orff setzte aus 24 Texten der Sammlung ein Libretto für sein neues Werk zusammen. Dabei ging er frei mit den in mittellateinisch, mittelhochdeutsch und altfranzösisch verfassten Vorlagen um, wählte zum Teil nur einzelne Strophen aus und ordnete sie neu.

Carl Orff: Carmina Burana – Szenische Kantate mit mittelalterlichen Texten


Obwohl in der Gedichtsammlung auch Hinweise auf die musikalische Gestaltung der Texte zu finden sind, komponierte Orff die Musik zu seiner Carmina Burana komplett neu. Dennoch finden sich in der musikalischen Gestaltung Anklänge an die Musik des Mittelalters, etwa wenn Orff Kirchentonarten nutzt und die Harmonien über einen langen Zeitraum stehen lässt. Außerdem verzichtet er auf eine musikalische Entwicklung seiner Themen und Melodien und setzt stattdessen auf eine Strophenform mit wiederkehrenden Elementen.

Heute werden die Carmina Burana in erster Linie konzertant aufgeführt. Als szenische Kantate sind sie aber auch für tänzerische oder szenische Umsetzungen konzipiert. Anknüpfungspunkte dafür finden sich in der dreiteiligen Dramaturgie des Stückes. Der erste Teil „Primo vere“ handelt von Frühlingsgefühlen in der Natur und in zwischenmenschlichen Beziehungen. „In Taberna“ schildert das bunte Treiben in einer Taverne und die Freuden und Wirren der Liebe sind Thema des letzten Teils, „Cours d´amour“. Die monumentale Anrufung der Fortuna rahmt die drei Teile ein und stellt die irdischen Gefühle und Geschichten unter die Fügung der Schicksalsgöttin.

Nicht nur die Carmina Burana, sondern auch zwei von Orffs Opern werden in der kommenden Zeit in neuen Inszenierungen zu erleben sein. Gisei, Orffs erste Oper, feiert am 8. August 2019 im Rahmen des Carl Orff Fests Premiere in Andechs. Und am 2. Oktober 2019 wird im Gärtnerplatztheater München eine neue, reduzierte Fassung von Die Kluge uraufgeführt.

 

 

Foto: Bühnenbildentwurf der Uraufführung von Ludwig Sievert

Werk der Woche - Erich Wolfgang Korngold: Das Wunder der Heliane

Erich Wolfgang Korngolds lange vergessene Oper Das Wunder der Heliane wird seit einigen Jahren wiederentdeckt. Das belegen Aufführungen unter anderem in Brno, Gent und Freiburg. Die letztjährige Produktion der Deutschen Oper Berlin wurde von der Zeitschrift Opernwelt sogar als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet und ist seit kurzem auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Der nächste Höhepunkt in der Rezeptionsgeschichte der Oper ist nun ihre amerikanische Erstaufführung am 26. Juli 2019 beim Bard Music Festival in Annadale-on-Hudson im Bundesstaat New York, das unter dem Motto „Korngold and His World“ steht. Es spielt The American Symphony Orchestra unter der Leitung von Leon Botstein, Regie führt Christian Räth.



Mit Das Wunder der Heliane wollte Korngold an seinen Erfolgsoper Die tote Stadt anschließen, die 1920 uraufgeführt wurde und in den Folgejahren viele Aufführungen im euroamerikanischen Raum erlebte. Die Heliane-Uraufführung 1927 in Hamburg war ein Erfolg, jedoch wurden weitere Aufführungen sehr gemischt aufgenommen. Nachdem Korngolds Musik in Deutschland von den Nationalsozialisten mit einem Aufführungsverbot belegt wurde, geriet sie schnell in Vergessenheit.

Heliane ist die Frau eines tyrannischen Herrschers, den sie jedoch nicht liebt. Als sie einen Fremden in der Nacht vor dessen Hinrichtung seiner Todeszelle trösten will, verliebt sie sich in den Gefangenen. Doch diese Liebe wird publik und man verurteilt auch Heliane zum Tod, woraufhin der Fremde Suizid begeht. Heliane wird vor die Wahl gestellt: Sie kann ihre Hinrichtung umgehen, wenn sie ihre Liebe zum Fremden leugnet und ihn als Zeichen dafür zum Leben erweckt. Doch Heliane bleibt bei der Wahrheit und verleugnet ihre Liebe nicht. Als das Volk sie schließlich töten will, erwacht der Fremde mit einem Donnerschlag zum Leben und erlöst fahren beide gemeinsam in den Himmel auf – die Liebe siegt über den Tod und die Herrschaft des Tyrannen ist gebrochen.

Die Figur der Heliane wird in der Oper als Heilige stilisiert, was schon im Titel Die Heilige des der Oper zugrunde liegenden Dramas von Hans Kaltneker angelegt ist. Zusammen mit ihrem Geliebten symbolisiert sie die wahrhaftige, reine Liebe, die in der Lage ist, die Schreckensherrschaft ihres Mannes zu brechen. Zwar ist keines der in der Oper verwendeten Symbole neu auf der Opernbühne, aber mit ihrer mystisch überladenen Handlung bricht Das Wunder der Heliane mit den Konventionen ihrer Entstehungszeit, in der realistische Sujets bevorzugt wurden.

Erich Wolfgang Korngold: Das Wunder der Heliane – Spätromantische Huldigung der Liebe


Orgel, Gitarre und Fanfarentrompeten sind nur einige der selten genutzten Instrumente, die Korngold in die sehr große Orchesterbesetzung eingebaut hat. Diese benötigt er in seiner Oper für eine expressive und hochemotionale Klangsprache, die mit ihren Effekten auf Filmmusik vorausdeutet – Korngolds spätere Karriere in Hollywood mag hier schon vorgezeichnet sein.
Das glaubhafte „Wunder der Heliane“ ist ihre Musik. Sie überflutet das Textbuch, wogt durch die Akte, reißt die Szene mit sich und das Gerümpel der Dramaturgie. Sie schüttet Melodien in die Figuren, dass sie an Gesang überquellen. - Kritikerin Elsa Bienenfeld nach der Wiener Erstaufführung 1927

Nicht zuletzt hat auch Korngolds vielfältige Orchestrierung einen großen Anteil an der Sogwirkung, die das Stück entfaltet. So sind die unterschiedlichen Charaktere und Stimmungen schon in der Orchestrierung abgebildet, die wechselnd hart, schroff und dramatisch oder weich und warm erscheint. Die Harmonik bewegt sich an den Grenzen der Tonalität, etwa wenn Korngold weit entfernte Tonarten verbindet und mit den entstehenden Klangwirkungen arbeitet oder wenn er bitonal mehrere musikalische Ebenen schichtet.

Beim Bard Music Festival des Fisher Center for the Performing Arts wird Das Wunder der Heliane noch an vier weiteren Abenden gespielt. Außerdem werden bei „Korngold and His World“ viele andere Werke des Komponisten zu hören sein, unter anderem Filmmusik, Die tote Stadt, die Symphonie in Fis, das Cello Concerto in C und das Klavierkonzert in Cis. Dazu gibt es Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionsrunden.

 

 

Foto: Uraufführung 1927 an der Hamburgischen Staatsoper

Werk der Woche – George Gershwin: Rhapsody in Blue

Die Rhapsody in Blue von George Gershwin ist eines der bekanntesten sinfonischen Werke des 20. Jahrhunderts. Die Verbindung von klassischen Orchesterfarben mit Einflüssen und Melodien aus der Welt des Jazz übt seit der Uraufführung des Werkes im Jahr 1924 eine große Faszination aus, die sich in einer Vielzahl von Aufführungen widerspiegelt. So wie beim Klassik Open Air im Luitpoldhain in Nürnberg am 21. Juli 2019. Joana Mallwitz dirigiert die Staatsphilharmonie Nürnberg und den Pianisten Michail Lifits.



Ende 1923 bat der berühmte Bandleader Paul Whiteman Gershwin, der bis dahin hauptsächlich Werke für den Broadway geschrieben hatte, um die Komposition eines sinfonischen Jazz-Werkes. Es sollte ein zentrales Stück für das Konzert „An Experiment in Modern Music“ werden, bei dem Whiteman mit seinem Orchester Jazz und klassische Musik verbinden wollte. Gershwin lehnte zuerst ab. Nachdem Whiteman die Presse aber dennoch über das neue Werk informierte, begann Gershwin dann doch mit der Komposition, die für ihn den Durchbruch bedeuten sollte.

In kurzer Zeit schrieb Gershwin eine Fassung für zwei Klaviere mit Angaben zur Instrumentation, die dann von Whitemans Arrangeur Ferde Grofé orchestriert wurde. Bei der Uraufführung der Rhapsody in Blue am 12. Februar 1924 spielte Gershwin selbst den Solopart am Klavier. Beim Publikum, in dem unter anderem die Komponisten Igor Strawinsky, Sergej Rachmaninow und Fritz Kreisler saßen, fand das Werk großen Anklang – und das, obwohl vorher schon über 20 andere Stücke erklungen waren.

Da das Orchester von Paul Whiteman in wechselnden Besetzungen spielte, arrangierte Grofé die Rhapsody in Blue für weitere Aufführungen regelmäßig neu, sodass die Originalfassung des Werkes heute nicht mehr rekonstruiert werden kann. Ihr sehr nahe kommt die bei Schott erhältliche Fassung für Jazz-Band, die auf der George and Ira Gershwin Critical Edition basiert. Aufgrund des großen Erfolges der Rhapsody wurden bald noch weitere Bearbeitungen für größere Besetzungen angefertigt, wie bald nach der Uraufführung eine Fassung für Theaterorchester und 1942 eine für großes Sinfonieorchester und Klavier. All diese und noch weitere Fassungen sind bei Schott Music erhältlich. 

George Gershwin: Rhapsody in Blue – Sinfonischer Jazz für den Konzertsaal


 Jazz und Blues sah Gershwin als die amerikanische Volksmusik schlechthin an. So verwundert es nicht, dass er seine Rhapsody mit ihren Einflüssen aus dem Jazz sehr eng mit seinem Heimatland verband und sie ursprünglich gar als American Rhapsody bezeichnen wollte.
Ich verstehe es als ein Art musikalisches Kaleidoskop dieses schnelllebigen Schmelztiegels namens Amerika, als unseren Blues, als unsere verrückte Großstadt – George Gershwin

Dieses Kaleidoskop zeigt Gershwin, indem er ganz unterschiedlichen Melodien in einer rhapsodisch offenen Reihung miteinander in Beziehung treten lässt, immer wieder unterbrochen von solistischen Klavierpassagen. Viele chromatische Vorschlagnoten und akzentuierte Synkopen sind nur einige Merkmale des Jazz, die er dabei in die Orchestersprache einbettet.

Neben der Aufführung beim Klassik Open Air in Nürnberg wird die Rhapsody in Blue am 21. Juli 2019 von Studierenden des Royal Northern College of Music Manchester auf dem Piazza Grande im italienischen Montepulciano aufgeführt. Auch Gershwins weitere Orchesterwerke wie An American in Paris und die Cuban Overture erleben dieser Tage viele Aufführungen, unter anderem beim Open Air Konzert „Oper für alle“ im Rahmen der Münchner Opernfestspiele am 20. Juli 2019.

 

 

Werk der Woche - Peter Eötvös: Alhambra

Die mittelalterliche Burganlage Alhambra thront, malerisch gelegen, auf einem Berg über der südspanischen Stadt Granada. Für sein 3. Violinkonzert Alhambra ließ sich der Komponist Peter Eötvös von der Festung inspirieren. Am 12. Juli 2019 findet nun die Uraufführung des Werkes statt. Im prächtigen Palast Karls des V. im Zentrum der Alhambra übernimmt Isabelle Faust den Solopart, mit ihr spielt das Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Pablo Heras-Casado.


In der Festung Alhambra zeigt sich mustergültig die Verschränkung von spanischer und arabischer Kultur, die dank Komponisten wie Manuel de Falla, Claude Debussy, Maurice Ravel und vielen anderen Eingang in die westliche Kunstmusik gefunden hat. Die zahlreichen Brunnen, die sich in der Burganlage finden, die umgebenden Berge, der unglaubliche andalusische Sonnenuntergang – all das wurde Teil meines Stückes. - Peter Eötvös

Die Alhambra ist ganz konkret im Violinkonzert zu finden: Eötvös lässt das Wort „Alhambra“ als musikalisches Kryptogramm zum Hauptmotiv des Stückes werden. Dazu greift er sowohl auf die Notenbezeichnungen in Buchstaben als auch auf die spanischen Bezeichnungen zurück, die auf der Solmisation beruhen. So entsteht ein Motiv, das von den Intervallen Quinte und Tritonus geprägt ist. Gleichzeitig hat auch der Ton g, als Symbol für die Stadt Granada, einen zentralen Platz im Stück.

In dem einsätzigen Konzert reiht Eötvös die verschiedenen Formteile im Stile eines Rondos aneinander. Dabei weisen die Abschnitte ganz unterschiedliche Stimmungen auf, sind mal gestisch und aufregend, mal lyrisch und geheimnisvoll.

Peter Eötvös: Alhambra – Violinkonzert als Entdeckungsreise durch die spanische Festung


Der Solovioline weist der Komponist nicht nur einstimmige Linien zu, sondern auch zahlreiche Doppelgriffe und Akkorde, die oft zart und fragil wirken. Außerdem prägen erweiterte Spieltechniken wie ein lautloses Spiel mit dem Bogen knapp über den Saiten die Ausgestaltung der Solostimme.

Aus der Besetzung des Orchesters sticht eine Mandoline hervor, die in Skortadur gestimmt ist und die Solovioline oft begleitet. In dieser Instrumentenkombination spiegelt sich die Geschichte der Burg wider, die sowohl von maurischen als auch von europäischen Einflüssen geprägt. In Verbindung mit den klanglichen Möglichkeiten eines groß besetzten Orchesters lässt Eötvös die Geschichte der Festung auf vielfältige Weise erklingen.

Nach der Uraufführung wird das Violinkonzert Alhambra in diesem Jahr noch weitere Male aufgeführt: am 24. Juli 2019 in der Londoner Royal Albert Hall und am 7. und 8. September 2019 in der Philharmonie Berlin, jeweils unter der Leitung des Komponisten und mit Isabelle Faust als Solistin.

 

 

Werk der Woche – Joaquín Rodrigo: Dos danzas españolas

Feurige Rhythmen für einen heißen Sommer halten die Dos danzas españolas von Joaquín Rodrigo bereit. Der treibende Rhythmus von Kastagnetten prägt die zwei Tänze und sorgt für spanisches Flair. Damit eignet sich die kurzweilige Suite para castañuelas y orquesta, wie das Stück im Untertitel heißt, besonders gut für sommerliche Konzertveranstaltungen wie das diesjährigen Festival „Meckproms“ der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin. Unter dem Motto „Y Viva España“ präsentiert das Orchester gemeinsam mit Generalmusikdirektor Daniel Huppert Musik aus dem südeuropäischen Land, unter anderem am 2. Juli 2019 auf der Freilichtbühne Schwerin und am 7. Juli 2019 im Garten des Schloss Bothmer in Klütz nicht weit entfernt von der Ostseeküste.



Rodrigo schrieb das 1966 entstandene Werk für die bekannte mexikanische Flamenco-Tänzerin und Kastagnetten-Virtuosin Lucero Tena. Sie hat einen Anteil daran, dass die Kastagnetten heute im klassischen Orchester etabliert sind, spielte sie doch an der Seite großer Orchester und berühmter Dirigenten. Bis heute gibt die 1938 geborene Tena Konzerte.

In den Dos danzas españolas haben die Kastagnetten mit ihrem klackenden Geräusch eine zentrale Rolle und prägen die Rhythmen und die Motivik des ganzen Orchesters. Daneben ist dem Stück ein farbenreicher Klang eigen, unter anderem durch eine Instrumentation, die die Klanglichkeit der einzelnen Instrumente gezielt herausstellt. Zusammen mit den mal sehnsüchtigen, mal freudigen Melodien, die ihren Tonvorrat aus andalusischen Skalen beziehen, entsteht ein kurzweiliges Werk, das vielfältige Eindrücke evoziert.

Joaquín Rodrigo: Dos danzas españolas – Sommerliches Orchesterwerk


Rodrigo schafft in seinen Dos danzas españolas eine Atmosphäre, die an das Spanien des späten 18. Jahrhunderts erinnert. Diese Zeitspanne faszinierte den Komponisten sehr und fand in Melodien, Rhythmen, Harmonien und Instrumenten immer wieder Eingang in seine Werke.
Diese zwei kurzen Danzas wurden in einem leuchtenden und unmittelbaren Stil geschrieben und weisen die Handschrift des Komponisten auf. Sie lassen spanische Rhythmen und Themen sowie die stilisierte Atmosphäre der Maja- und Stierkampftradition aus dem späten 18. Jahrhundert wieder aufleben. - Cecilia Rodrigo über Dos danzas españolas

Neben den Dos danzas españolas werden in diesen Sommertagen auch Rodrigos bekanntere Werke vielfach und weltweit aufgeführt. Das Concierto de Aranjuez wird am 6. Juli 2019 im britischen Hastings und einen Tag später in Tokio gespielt. Im spanischen Alicante präsentiert die ADDA Simfònica am 6. Juli 2019 das Concierto andaluz und das Concierto Madrigal. Und die Fantasía para un gentilhombre wird am 4. Juli 2019 in Eltville am Rhein von der Amsterdam Sinfonietta aufgeführt.

 

 

Foto: Raimund Germela, Spanische Tänzerin mit Kastagnetten