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Werk der Woche – Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis

Viktor Ullmanns einaktige Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung feiert in dieser Woche an gleich zwei Theatern Premiere: Ab dem 26. September 2020 ist sie am Landestheater Neustrelitz zu sehen, ab dem 27. September an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf. Mit seiner kleinen Besetzung und der erschütternden Thematik ist Ullmanns Meisterwerk das Stück der Stunde.

Ein grausamer Herrscher kündigt den Krieg aller gegen alle an. Doch der Tod setzt dem Massenmorden ein Ende, indem er seinen Dienst verweigert: Nun leben alle Menschen ewig. So ist der Kaiser zwar entmachtet, aber die Menschen sehnen sich nach Erlösung vom Schmerz des Lebens. Nur der freiwillige Tod des Kaisers kann dem Tod seine eigentliche Bestimmung zurückgeben.

Viktor Ullmann – Der Kaiser von Atlantis: ein szenisches Mahnmal


Ullmann komponierte diese Oper 1943 während seiner Internierung im KZ Theresienstadt. Das Kammerensemble des Lagers sollte das Werk spielen, die Uraufführung wurde jedoch nach der Generalprobe verboten. Ein Jahr später übergab der Komponist sein Autograph und das Textbuch einem Freund, bevor er nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. So konnte Ullmanns Musik gerettet werden.
Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, meist um den Bedürfnissen und Wünschen von Dirigenten, Regisseuren, Pianisten, Sängern und damit den Bedürfnissen der Freizeitgestaltung des Ghettos zu genügen […]. Zu betonen ist nur, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war; und ich bin überzeugt davon, dass alle, die bestrebt waren, in Leben und Kunst die Form dem widerstrebenden Stoffe abzuringen, mir Recht geben werden. – Viktor Ullmann

In Neustrelitz sind zunächst drei Aufführungen von Der Kaiser von Atlantis bis zum 24. Oktober geplant, in Düsseldorf ist das Stück neun Mal bis zum 19. November zu sehen. Von dieser Kammeroper sind mehrere Fassungen und Manuskripte erhalten, die das Werk in unterschiedlichen Stadien vor und nach der Zensur dokumentieren. Bei Schott ist vor Kurzem eine Studienpartitur der Edition Eulenburg (ETP 8067) erschienen, in der alle überlieferten Varianten des Werkes enthalten und einander gegenübergestellt sind.

Foto: Deutsche Oper am Rhein / Hans Jörg Michel

Werk der Woche – Nikolaj Rimskij-Korsakow: Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronia

So ambitioniert, wie der ausufernde Titel vermuten lässt, war die vorletzte Opernkomposition von Nikolaj Rimskij-Korsakow. Zu sehen ist Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und von der Jungfrau Fewronia ab dem 15. Mai in der Produktion der Dutch National Opera Amsterdam über den Video on Demand-Anbieter OperaVision. Regisseur Dmitri Tcherniakov, auch für das Bühnenbild verantwortlich, fand eine realistische und doch magische Bildsprache. Die musikalische Leitung der in der Presse hervorragend aufgenommenen Produktion hat Marc Albrecht. 

Die vieraktige Oper spielt in der sagenumwobenen Stadt Kitesch, die vermutlich auf eine Fürstenresidenz an der Wolga im 13. Jahrhundert zurückgeht. Der Legende nach verschwand Kitesch einst bei einem Angriff feindlicher Truppen. Rimski-Korsakow verknüpfte diese russische Version des Atlantis-Mythos nun mit einem blutrünstigen historischen Ereignis: dem Einfall mongolischer Truppen im 13. Jahrhundert in weiten Teilen Nord- und Mittelasiens.

Nikolaj Rimskij-Korsakow: Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch – “Das russische Atlantis”


Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Liebesgeschichte zwischen der tugendhaften Bauerntochter Fewronija und dem Fürsten Wsewolod. Die Hochzeit der beiden wird durch den Angriff der feindlichen Truppen verhindert, bei dem Wsewolod stirbt. Auf Fewronijas Gebet hin umhüllt goldener Nebel die Stadt Kitesch, die daraufhin für das feindliche Heer unsichtbar wird und verschont bleibt. Am Ende stirbt auch Fewronija, doch ihr verstorbener Geliebter holt sie zurück in die unsichtbare Stadt, und die Oper endet mit einer verklärten Himmelfahrt. 

Noch vor der Uraufführung erlebte Rimski-Korsakow sein persönliches Kitesch: Als es 1905 landesweit zu Protesten gegen den Zaren kam, unterstützte er demonstrierende Studenten und wurde prompt seines Amtes enthoben. Glücklicherweise setzte man ihn unter dem Druck öffentlicher Solidaritätsbekundungen bald wieder in sein Amt ein und die Oper konnte endlich über die Bühne gehen.
Marc Albrecht am Pult des engagiert und klangschön aufspielenden Nederlands Philharmonisch Orkest hielt nicht nur über drei lange, ungekürzt erklingende Akte die musikalische Spannung der durchkomponierten, meisterhaft instrumentierten Partitur aufrecht. Ihm gelang auch das Kunststück, die epische Theatralik der beiden Binnenakte und die lyrische Epiphanie der Außenakte miteinander auszugleichen, sodass - selten genug - zwischen dem Geschehen auf der Bühne und im Graben volle Übereinstimmung herrschte. Die Inszenierung, die von der Pariser Opéra Bastille, von Barcelona und der Mailänder Scala übernommen wird, hat eine Lanze für das sperrige Meisterwerk Rimskij-Korsakows gebrochen, die hoffentlich zu einer neuen Einschätzung aus seiner übrigen musiktheatralischen Werke führen wird. - Uwe Schweikert (Rezension in “Opernwelt”)

Die Produktion ist noch bis August im Streaming-Angebot von Opera Vision zu sehen. Außerdem ist sie weiterhin auf DVD und Blu-ray erhältlich. Das Aufführungsmaterial ist Teil des Verlagskatalogs von M.P. Belaieff und wird von Schott weltweit exklusiv vertrieben.

Werk der Woche – Krzysztof Penderecki: Die Teufel von Loudun

Erst vor wenigen Tagen ist der Komponist Krzysztof Penderecki verstorben. Nun zeigt die Hamburgische Staatsoper ihm zu Ehren ab dem 13. April mit Die Teufel von Loudun einen seiner größten Opernerfolge als Video on Demand. Die Produktion der Uraufführung von 1969 ist Teil einer Reihe von Videos aus der Ära des Intendanten Rolf Liebermann, die das Opernhaus während der vorstellungsfreien Zeit online zeigt. Henryk Czyz dirigiert in der Inszenierung von Konrad Swinarski mit der Ausstattung von Lidia und Jerzy Skarzynski.

Die Handlung berichtet von der französischen Stadt Loudun. Sie war in den Jahren 1633–64 Schauplatz von Vorfällen, die in ganz Europa Aufsehen erregten, in einer Mischung aus religiös eiferndem Abscheu und Voyeurismus von den Zeitgenossen verfolgt und umfänglich dokumentiert wurden. Urbain Grandier, der Ortsgeistliche von Loudun, wurde 1633 beschuldigt, die Nonnen des gerade neu gegründeten Ursulinenklosters, allen voran die Priorin Jeanne, verhext zu haben. Unter der Folter bereute er zwar seinen lockeren Lebenswandel – er hatte Verhältnisse mit zwei Frauen, von denen eine ein Kind von ihm erwartete – weigerte sich aber standhaft trotz vorgelegter “Beweise”, ein Geständnis über sein Teufelswerk abzulegen. Im Sommer 1634 wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Noch jahrelang beschäftigte die Besessenheit der Nonnen Exorzisten und Ärzte; ihr Ende fanden die Ereignisse erst, als Kardinal Richelieu die finanzielle Unterstützung des Klosters einstellte.

Krzysztof Penderecki: Die Teufel von Loudun – eine Oper über Toleranz


Der Prozess gegen Urbain Grandier wurde von François de Pitaval in seine Sammlung berühmter Kriminalfälle aufgenommen; diese Quelle sowie die autobiografischen Erzählungen der Priorin Jeanne aus dem Jahr 1644 und zwei 1634 und 1693 erschienene Berichte über den Prozess standen Aldous Huxley zur Verfügung, als er sich 1952 in The Devils of Loudun mit dem Thema auseinandersetzte. Acht Jahre später dramatisierte John Whiting Huxleys Dokumentation; diese Fassung in der deutschen Übersetzung von Erich Fried diente Penderecki als Ausgangspunkt für sein Libretto, in dem er den Akzent deutlich auf die politische Ebene verlegte. 
Für Penderecki ist die Teufel von Loudun ein Stück über Toleranz und Intoleranz. Grandier fällt einer politischen Intrige zum Opfer, aber auch Jeanne ist nicht eigentlich seine Kontrahentin, sondern ein Opfer religiös-politischer Fanatiker; ihre erotischen Wahnvorstellungen werden von Richelieus Handlangern zur benötigten Teufelsbesessenheit aufgeputscht. – Wolfram Schwinger 

Die Produktion der Uraufführung ist noch bis zum 27. April im Streaming-Angebot der Staatsoper Hamburg zu sehen. Abgesehen von Die Teufel von Loudun werden dort in diesem Zeitraum La Passione und Fidelio gezeigt.

Werk der Woche – Hans Werner Henze: The Bassarids (Die Bassariden)

Da zurzeit nahezu alle Opern- und Konzerthäuser der Welt geschlossen sind, richten wir in dieser Woche den Blick auf eine aktuelle Inszenierung von Hans Werner Henzes The Bassarids – Die Bassariden. Die Produktion der Komischen Oper Berlin ist als kostenloses Video on Demand bei OperaVision zu sehen. Die Kritiken zur Inszenierung von Barry Kosky und musikalischen Umsetzung durch Vladimir Jurowski waren herausragend; es ist also eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Tiefen dieses epochalen Meisterwerks ausgiebig zu erkunden.  Das Video finden Sie am Ende dieser Seite. 

Die Handlung orientiert sich an den Bakchen des Euripides. Das Libretto entstammt der Feder von W. H. Auden und Chester Kallman. Bei seinem Antritt der Herrschaft über Theben spricht Pentheus zuallererst ein Verbot des Dionysos-Kultes aus. Wie sich später herausstellt, hat Pentheus diese Rechnung jedoch ohne Dionysos gemacht. Dieser kommt nämlich in Gestalt eines Fremden nach Theben und stiftet Pentheus zur heimlichen Beobachtung der nächtlichen Riten an. Dabei wird der Herrscher Thebens in Frauenkleidung durch seine eigene Mutter, Agaue, erschlagen, die ihn für ein wildes Tier hält. Das grausame Erwachen folgt am nächsten Morgen: Erst jetzt realisiert Agaue ihre Tat. Dionysos zeigt seine wahre Identität, enthüllt den vollzogenen Plan als Racheakt an Pentheus und verlangt die bedingungslose Verehrung durch das Volk von Theben.

[caption id="attachment_70475" align="aligncenter" width="600"] Hans Werner Henze (rechts) mit Regisseur Gustav Rudolf Sellner (links) und den Librettisten Chester Kallman und W. H. Auden bei der Uraufführung von "Die Bassariden" 1966 in Salzburg [Foto: Heinz Köster][/caption]

Hans Werner Henze: The Bassarids – Pole der menschlichen Existenz


Der Einakter besteht aus zwei Teilen und ist formal an eine viersätzige Symphonie angelehnt. Die große Besetzung, Komplexität des Librettos und vielschichtige musikalische Faktur machen die Aufführung von The Bassarids zu einem ambitionierten Projekt. Mit Dionysos und Pentheus stehen sich zwei Pole der menschlichen Existenz gegenüber, die auf der Grundlage des antiken Stoffes zahlreiche Bezüge zur Gegenwart zulassen.
Die Bassariden, die ich heute viel besser verstehe und die ich viel mehr liebe als damals, als ich sie schrieb, für mich bedeuten sie heute mein wichtigstes Theaterwerk. Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt. Die Vielzahl, der Reichtum der Beziehungen, der greifbar-sensuellen Beziehungen zwischen dieser Antike, dieser Archais, und uns wird durch den Auden’schen Text hergestellt, und Euripides wird herangezogen in unsere Zeit, und zwar in einer Weise, wie es auch die brillanteste Regie mit dem griechischen Original nicht machen könnte, bei dem eben immer die Distanz zu einer anderen und lang zurückliegenden Zivilisation sich manifestiert. – Hans Werner Henze

Das Video on Demand ist noch bis zum 13. April zu sehen, eine letzte Aufführung der Produktion an der Komischen Oper Berlin ist für den 26. Juni geplant.     

Foto: © Komische Oper Berlin / Monika Rittershaus

Werk der Woche – Christian Jost: Egmont

Am 17. Februar findet die Uraufführung der neuen Oper von Christian Jost, Egmont, in Wien statt. Zum Beethoven-Jahr 2020 hat der Intendant des Theaters an der Wien, Roland Geyer, das Werk in Auftrag gegeben. Michael Boder wird die Oper dirigieren, Regie führt Keith Warner und auf der Bühne stehen neben anderen Angelika Kirchschlager, Maria Bengtsson, Edgaras Montvida und Bo Skovhus. 

Egmont basiert auf dem gleichnamigen Trauerspiel von Goethe, zu dem Beethoven seine berühmte Egmont-Ouvertüre schrieb. Christoph Klimke und Jost haben ein neues Libretto verfasst und die Besetzung gegenüber dem Drama sechs Personen reduziert.

Die Handlung schildert den Aufstand der Niederländer gegen die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert. Prinz Egmont von Gaure wird darin als Verfechter von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit gezeigt. Diese Themen haben Beethoven ein Leben lang beschäftig. Trotzdem werden in der Oper auch aktuelle Fragen und Konflikte verhandelt: Jost geht der Frage nach, inwieweit eine Gesellschaft manipulierbar ist und ab wann ein System unabhängig von seinen moralisch-ideologischen Werten zum Kippen gelangt. Das musikalische Material seiner Oper hat Jost in komplexer Dichte und mit vorwärts drängenden Rhythmen gestaltet.

 Christian Jost – Egmont: Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit

 In meiner Oper kommt auch ein ganz anderer Teil Beethovens vor: Ausschnitte aus seinem berührenden Brief „An die unsterbliche Geliebte“. In einem fragil ziselierten Stimmensatz führt uns der konstant sechsstimmige Chor ins Innere der Figuren und hinter die Masken ihrer gesellschaftlichen Funktionen. – Christian Jost

Vier weitere Aufführungen von Egmont werden bis zum 26. Februar im Theater an der Wien folgen. Am 30. März, sechs Wochen später, wird das Gran Théâtre de Genève eine weitere Oper von Jost zur Uraufführung bringen: Voyage vers l’espoir (Reise der Hoffnung). Die deutsche Erstaufführung von Egmont wird in der Spielzeit 2020/2021 am Theater Bielefeld zu sehen sein.

Werk der Woche – Gerald Barry: Alice’s Adventures Under Ground

Am 3. Februar wird die Oper Alice’s Adventures Under Ground von Gerald Barry im Royal Opera House ihre szenische Uraufführung erleben. Bei der Produktion dirigiert Thomas Adès, Antony McDonald führt Regie. Barry komponierte die Oper zwischen 2013 und 2015 für eine konzertante Uraufführung mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra.

Alice’s Adventures Under Ground ist Barrys sechste Oper. Vorausgegangen war The Importance of Being Earnest nach Oscar Wilde wird seit seiner Uraufführung 2011 regelmäßig auf der ganzen Welt aufgeführt. Die Handlung von Alice’s Adventures Under Ground basiert auf den bekannten Büchern Alice’s Adventures in Wonderland und Through the Looking-Glass von Lewis Carroll. Der Komponist schrieb das Libretto selbst. Wie in der vorhergehenden Oper entkernt Barry die Handlung gründlich und zerlegt sie in ein einstündiges surreal-witziges Kondensat mit zugkräftiger Musik.

Gerald Barry – Alice’s Adventures Under Ground: eine surreale und witzige Geschichte

Der Roman ist von seiner Anlage her bereits dramatisch und ein ideales Vehikel für eine Diva, männlich oder weiblich. Er liefert mir einen großartiges Material-Steinbruch für Angeberei und nimmt das Unglaubliche als gegeben, als selbstverständlich an. – Gerald Barry

Alice’s Adventures Under Ground wird am 4., 6., 8., und 9. Februar zweimal pro Tag von einer Doppelbesetzung aufgeführt. Die Koproduktion mit der Netherlands Opera und der Irish National Opera wird zu einem späteren Zeitpunkt in Amsterdam und Irland gespielt.

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Violanta

Am 21. Januar 2020 wird die Oper Violanta von Erich Wolfgang Korngold erstmals in Italien aufgeführt werden. Bei der Produktion am Teatro Regio Torino dirigiert Pinchas Steinberg, Pier Luigi Pizzi führt Regie.

Korngold komponierte die Oper in einem Akt im Alter von 17 Jahren und stellte sie 1915 fertig. Zu den ersten Hörern des Werkes im privaten Rahmen gehörte der Intendant des Münchener Hoftheaters, Clemens von Franckenstein, der 1916 die Uraufführung an der renommierten Bühne der Bayerischen Landeshauptstadt initiierte. Die Handlung der Oper nach dem Libretto von Hans Müller-Einigen spielt im Venedig des 15. Jahrhunderts. Es ist Karneval. Simone Trovai, der Hauptmann der Venezianischen Republik, ruft seine Soldaten zur Ordnung und schickt seine Mägde auf die Suche nach seiner Gemahlin Violanta, die sich in das bunte Treiben gestürzt hat…

Erich Wolfgang Korngold – Violanta: Karneval in Venedig

Die Verbindung zwischen Liebe und Tod kommt im Karnevalslied zum Ausdruck, das sich wie ein Leitmotiv durch das gesamte Stück zieht. Die Feiernden singen es ausgelassen, aus Violantas Mund klingt es hingegen bedrohlich. Und kündet es mit den Worten „aus den Gräbern selbst die Toten tanzen heute Brust an Brust“ nicht schon zu Beginn von einer Bluttat?

Musik ist Musik, ob sie für die Bühne, das Dirigentenpult oder fürs Kino ist. Die Form mag sich ändern, die Art, sie zu notieren, mag unterschiedlich sein, aber der Komponist darf keinerlei Zugeständnisse machen in Bezug auf das, was er für seine eigene musikalische Überzeugung hält. – Erich Wolfgang Korngold

Bis zum 28. Januar werden vier weitere Aufführungen von Violanta im Teatro Regio Torino (Italien) folgen. Die nächsten Korngold-Opernpremieren werden im April zwei Produktionen von Die tote Stadt in Schwerin und Ostrava sein.

Werk der Woche – Anno Schreier: Der Zauberer von Oz

Am 8. Dezember wird das Theater Aachen Der Zauberer von Oz von Anno Schreier zur Uraufführung bringen. Die Leitung des Sinfonieorchesters Aachen übernimmt Generalmusikdirektor Christopher Ward. Es inszeniert Ute M. Engelhardt.

Ein Wirbelsturm weht die kleine Dorothy aus Kansas in das fantastische Land von Oz. Zusammen mit ihren Freunden – dem  Blechmann, der Vogelscheuche und dem Löwen – sucht sie den Zauberer, der ihr helfen soll, nach Hause zu kommen. Dafür braucht es weniger Magie als die Fähigkeit, an sich selbst zu glauben.

Die Familienoper erzählt die berühmte Geschichte nach dem Roman von Lyman Frank Baum in einer neuen Version, in der sich der Komponist frei beweget. Genau wie auf Dorothys Reise fantastische und unvorhersehbare Dinge passieren, ist auch die Musik voller Überraschungen. So vereinen sich im Zauberland von Oz verschiedenartige Stile von Barockmusik, über Country bis Reggae. Der Zauberer von Oz ist ein Stück über das Erwachsenwerden und darüber, wie mit Fantasie Probleme gelöst werden können.

Anno Schreier – Der Zauberer von Oz: Ein Zauberer nimmt seine Zuhörer auf eine wunderbare Reise
Wenn ich mich selbst mit einer der agierenden Figuren beschreiben müsste, würde ich mich zunächst als mutlosen Löwen bezeichnen, der am Anfang eines Projekts nicht auf seine eigenen Kräfte vertraut. Doch dann werde ich zu Dorothy, die nach Verbündeten sucht und es mit Hexen und Hammerköpfen aufnehmen kann. Als Komponist versuche ich auch ein Zauberer zu sein, der seine Zuhörer mit auf eine wunderbare Reise nimmt.  – Anno Schreier

Am Theater Aachen werden bis zum 12. März 2020 noch neun weitere Aufführungen von Der Zauberer von Oz folgen.

 

Werk der Woche – Hannah Lash: Desire

Am 16. Oktober wird das Miller Theatre in New York zusammen mit dem JACK Quartet die Uraufführung der Kammeroper Desire von Hannah Lash zeigen. Musikalische Leiterin der Produktion ist Daniela Candillari, Regie führt Rachel Dickstein.
Desire ist eine Oper über die Reise der Künstlerin durch Inspiration und Zweifel. Das Stück ist eine Art Metapher, die in einen magischen Garten gesetzt wurde. Darin erntet die Hauptfigur, eine Künstlerin, ihre Pflanzen auf wunderbare Weise, doch genauso schnell können sie sterben und zu Asche werden, wenn die Weltanschauung der Künstlerin ins Wanken gerät.
Wir werden Zeugen davon, wie die Künstlerin sich selbst und das Vertrauen in sich findet, mit ihrem Verhältnis zu Zweifel und Inspiration hadert und letztendlich beides aus ihrer Welt heraus aufbaut und gänzlich selbstsicher wird. Hannah Lash

Eine weitere Aufführung von Desire folgt am 17. Oktober im Miller Theatre. Am 14. November wird ein weiteres Stück von Hannah Lash uraufgeführt: Das Naples Philharmonic Orchestra präsentiert das neue Double Concerto für Klavier, Harfe und Orchester. Soli sind Jeremy Denk und Hannah Lash – die Komponistin tritt regelmäßig als Harfenistin in Erscheinung.

Werk der Woche - Rodion Shchedrin: Lolita

Ab dem 3. Oktober 2019 ist am Prager Ständetheater (Stavovské divadlo) die erste tschechische Produktion von Rodion Shchedrins Oper Lolita zu sehen. Die musikalische Leitung übernimmt dabei Sergey Neller, Regie führte die bekannte slowakische Regisseurin und Performancekünstlerin Sláva Daubnerová, deren Markenzeichen es ist, Opern visuell provokativ zu inszenieren. Gesungen wird auf Russisch; es wird tschechische und englische Übertitel geben.

Lolita ist das bekannteste Werk des russischen Schriftstellers Vladimir Nabokov und Shchedrins fünftes Bühnenwerk, das von der Literatur seines Heimatlandes inspiriert ist. Der Komponist verfasste das Libretto zu der Oper selbst. Eine große Qualität des Werks liegt darin, durch geschickte Dramaturgie und raffinierte Musik – unter anderem mit der Einbeziehung von russisch-orthodoxen Gesängen – die vielen Beziehungsebenen und Reaktionsmöglichkeiten zwischen Kindfrau und reifem Mann zu ergründen.

Rodion Shechdrin – Lolita: Von russischer Literatur inspirierte Oper


Der Literaturprofessor und Feingeist Humbert Humbert verfällt der gerade 12-jährigen vaterlosen Lolita. Er verführt das Mädchen und lebt mit ihm einige Zeit zusammen, nachdem er pro forma dessen Mutter geheiratet hat; diese kommt jedoch bald ums Leben. Nach dem Ende der zunehmend problematischen Beziehung trifft Humbert drei Jahre später erneut auf Lolita, die inzwischen mit einem anderen Mann verheiratet ist und ein Kind erwartet. Humberts Eifersucht wendet sich jedoch nicht gegen Lolita oder ihren Mann, sondern gegen den mephistophelischen Filmregisseur Quilty, der Lolita für Pornofilme missbraucht hat. Humbert nimmt blutige Rache an Quilty – und wird dafür zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt.
Nur zu wiederholen, was andere schon geschaffen haben, wird für den Zuhörer langweilig. Man muss den Zuhörer im Griff behalten, ihm etwas Neues, Frisches bieten. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, sollte aber im Idealfall für den, der sich heute dem Komponieren widmet, das Ziel sein. Rodion Shchedrin

Nach der Premiere werden acht weitere Aufführungen bis zum 10. Januar 2020 folgen. Shchedrins Musik ist in nächster Zeit unter anderem in der Philharmonie Berlin und der Philharmonic Hall in Hradec Králové (jeweils Beethovens Heiligenstädter Testament) sowie im Kennedy Center Washington, DC (Two Tangos by Albéniz) zu hören.

Foto: Royal Opera Stockholm

 
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