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Aktuelles

Peter Eötvös (1944-2024)

Der Komponist und Dirigent Peter Eötvös ist tot, er starb am 24.03.2024 im Alter von 80 Jahren in Budapest. Dies teilte seine Familie am Sonntag mit. Mit ihm verliert die Musikwelt einen der meistgespielten Opernkomponisten unserer Zeit. 

 „Man wird durch jede Form von Kultur geprägt. Und ich wäre glücklich, wenn ich am Ende meines Lebens das Gefühl hätte, die Welt durch mich hindurchgelassen zu haben und dass etwas hängen geblieben ist in mir wie in einem Sieb.“  (Peter Eötvös) 

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Aribert Reimann 1936–2024

"Ich wusste, ich werde ein Außenseiter sein"

Zum Tod des Komponisten Aribert Reimann

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Aribert Reimann, einer der profiliertesten Komponisten der Nachkriegsgeneration, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. 

Reimann entstammte einer Berliner Musikerfamilie. Die Mutter war Sängerin, der Vater Professor für Kirchenmusik und Leiter des Berliner Domchores. Ein protestantisch geprägtes Elternhaus mit besten Verbindungen, in dem früh der Grundstein für eine Karriere als Liedbegleiter gelegt wurde. Bei einem Hauskonzert hatte Reimann, der die Schüler der Mutter begleitete, den Pianisten Michael Raucheisen kennengelernt, der ihm wichtige Impulse gab. An der Berliner Hochschule hörte der junge Student später Kontrapunkt bei Ernst Pepping, sein Kompositionslehrer wurde Boris Blacher. Der gehörte einer sachlichen Moderne an, bestärkte aber seinen Schüler bald darin, eine "eigene Sprache" zu finden.

Aribert Reimann fand sie schon früh, seine eigene Sprache. Sie war anders als die Sprache der Generation Blachers, anders aber auch als die strikte Linie, die damals aus Darmstadt vorgegeben wurde. Zehn Jahre jünger als z.B. Hans Werner Henze, konnte Reimann sich aus den direkten Auseinandersetzungen zwar heraushalten, die Entscheidung, sich nicht einer Schule anzuschließen, war indes auch für ihn alles andere als leicht. Aribert Reimann wurde zum Einzelgänger, dessen konsequenter Weg über Jahrzehnte hinweg eine ganz eigene Individualität ausprägte.

Als einer der ersten vertonte Aribert Reimann Texte Paul Celans, den er 1957 in Paris kennenlernen durfte. Dem hohen artifiziellen, vor allem aber auch moralischen Anspruch dieser Gedichte "nach Auschwitz" wurde Reimann kongenial gerecht. Eine Scheu vor dem hohen Ton dieser und anderer Texte der großen Literatur, die Reimann mit Vorliebe heranzog, kannte er nicht, – ging es ihm doch keinesfalls um ein unbedachtes bloßes Vertonen, sondern um ein selbstkritisches Ringen um eine authentische musikalische Sprache als Reflexion ihrer eigenen Geschichtlichkeit.

Reimann war grundsätzlich kein politischer Komponist, dennoch fehlt auch in seinem Oeuvre nicht die Auseinandersetzung mit brennenden Fragen, wie das 1974 zu Zeiten des Vietnamkrieges entstandene Requiem Wolkenloses Christfest eindrucksvoll beweist. Dennoch war es eine zeitlose Aktualität, die Reimann anstrebte, keine vermeintliche Teilhabe am Tagesgeschehen. Seine Stoffe, die Opernsujets zumal, entnahm er daher meist dem Kanon der Weltliteratur.

Allen vermeintlichen Unmöglichkeiten der Gattung zum Trotz, schrieb Reimann Opern: er erzählte Geschichten, vertraute auf die unzerstörbare Magie des Wortes und vor allem der menschlichen Stimme. Mit Melusine (1970), Troades (1985), Bernarda Albas Haus (1998/2000) und Medea (2007/09) brachte er große tragische Frauenfiguren auf die Bühne. Die ehrliche Empathie und Humanität seines musiktheatralischen Ansatzes zog das Publikum dabei immer wieder in den Bann.

Der große Durchbruch gelang Reimann 1978 mit seiner Oper Lear. Dietrich Fischer-Dieskau hatte sie angeregt und bei der Uraufführung in München auch die Titelrolle verkörpert. Das Werk hat danach einen exzeptionellen Siegeszug über die Bühnen der Welt angetreten und erscheint uns heute frischer denn je. Von gewaltigen Klangballungen bis hin zu filigransten Ruhemomenten reicht Reimanns Palette, der eine höchst eindrückliche musikalische Sprache für das abgründige Thema des Werks findet: "die Isolation des Menschen in totaler Einsamkeit, der Brutalität und Fragwürdigkeit allen Lebens ausgesetzt".

Reimanns Werke, die seit 1960 exklusiv bei Schott Music erscheinen, waren im Laufe der Jahre immer auch eine Anregung für jüngere Komponisten-Kollegen, wie Wolfgang Rihm in seiner Laudatio zu Reimanns 80. Geburtstag in der Deutschen Oper Berlin freimütig bekannte. So für die Stimme schreiben, das könne eben nur Reimann, dessen Gespür für "Kantabilität und Ökonomie" ohnehin vorbildlich seien.

In der Tat ist Reimanns musikalische Sprache geprägt von dieser Dialektik. In ihr herrscht absolute Kontrolle des Materials bei gleichzeitigem Streben nach größtmöglicher Freiheit und Öffnung. Reimann beherrschte selbstverständlich serielle und dodekaphone Techniken, nutzte Mikropolyphonie und Clusterbildungen als Kompositionsmittel, doch erwuchs auf dem handwerklich stets untadeligen Fundament immer ein individuelles Werk im emphatischen Sinne, das weit über seine Konstruktion hinausweist. Reimann blieb einem strengen Werk- und Formbegriff treu, doch wo linear entwickelte Verläufe und logische Strukturen einerseits Halt geben, suchte der Komponist gleichzeitig nach größtmöglicher Freiheit z.B. im Metrum und der Notation.

Die Bandbreite seines instrumentalen Komponierens reicht vom unbegleiteten Solo (z.B. für Cello, Klarinette, Oboe) über Kammermusik und Solokonzerten, wie z.B. den zwei Klavierkonzerten (1961, 1972) und dem Violinkonzert für Gideon Kremer (1995/96) bis hin zu großen orchestralen Formen, wie den Variationen für Orchester (1975) oder den Zeit-Inseln (2004). Traditionsbeladene Gattungen wie die Sinfonie oder das Streichquartett vermied Reimann hingegen.

Seine Meisterschaft im Umgang mit der menschlichen Stimme hatte sich Reimann in der Zusammenarbeit mit berühmten Sängern wie Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Grümmer und Brigitte Fassbaender erarbeitet. Als Liedpianist spielte er zahllose Aufnahmen ein, die seine ungewöhnliche Repertoire-Breite dokumentieren, als äußerst produktiver Lied- und Opernkomponist schrieb Reimann seinen oft jungen Sängern virtuose aber nie unsangliche Partien auf den Leib, und nicht zuletzt hat Reimann als Hochschullehrer in Hamburg und Berlin regelrecht eine neue Sängergeneration geprägt, für die zeitgenössische Musik von Anfang an einen festen Platz im Repertoire hat.

Aribert Reimann verstarb am 13.03.2024 in Berlin, wie wir aus dem Kreis seiner Familie erfuhren. Den Deutschen Musikautor:innenpreis der GEMA für sein Lebenswerk konnte er bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am 8. Februar 2024 entgegennehmen. Dankbar nehmen wir Abschied von einem großen Künstler, dessen empathische Menschlichkeit in seinen Werken fortleben wird.

100 Jahre Luigi Nono

Portrait Luigi Nono

Schott gedenkt dem großen venezianischen Komponisten der Nachkriegs-Avantgarde Luigi Nono. Von Gian Francesco Malipiero und Bruno Maderna in Komposition unterrichtet und von Hermann Scherchen ans Dirigieren herangeführt, nahm Nono 1950 erstmals an den Darmstädter Ferienkursen teil. Durch wegweisende Werke wie PolifonicaMonodia –  Ritmica“ entwickelte er sich schnell zu einem führenden Vertreter der neuen seriellen Musik.

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Aribert Reimann: Preis für das Lebenswerk

Aribert Reimann mit GEMA-Preis (photo: Daniel Mayer)

Aribert Reimann wird mit dem Deutschen Musikautor:innenpreis der GEMA für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 8. Februar 2024 in Berlin statt. Die Jury würdigt damit "seine anhaltende künstlerische Brillanz, sein einzigartiges Werk und seinen bedeutenden Beitrag zur zeitgenössischen Musikkultur."

Weiter heißt es in der Jury-Begründung:

"Aribert Reimann hat kompromisslos seine eigene musikalische Sprache entwickelt, die die Hörer:innen in ihrer Verbindung von Expressivität und Klarheit emotional und intellektuell erreicht, aufrüttelt und anrührt. Die Nähe zur menschlichen Stimme macht die Vokalmusik und das Musiktheater zu einem Schwerpunkt seines umfassenden Schaffens. Aribert Reimann konfrontiert uns darin mit den Bedingungen der menschlichen Existenz und ihren Gefährdungen und eröffnet damit einen Raum für Empathie."

Der Deutsche Musikautor:innenpreis wurde 2009 von der GEMA ins Leben gerufen, um die Komponist:innen und Textdichter:innen der deutschen Musikbranche für ihre herausragenden Leistungen zu würdigen.  

"Trilogie" von Nobelpreisträger Jon Fosse in der Oper: "Sleepless" von Peter Eötvös

Sleepless an der Staatsoper Berlin, Foto: Gianmarco Bresadola

Der norwegische Autor Jon Fosse erhält den Literatur-Nobelpreis 2023. Im Zentrum seines Schaffens steht der Roman "Trilogie" von 2016, mit dem er nach längerer Pause zum Schreiben zurückgefunden hat.

Lange Zeit war die Musik das einzige, was mich interessierte. Dann habe ich aufgehört, Musik zu hören, und mit dem Schreiben begonnen. (Jon Fosse)

Der erste der drei Teile, "Schlaflos", bildet die Vorlage für Peter Eötvös' Oper Sleepless, die in der Spielzeit 2021/2022 an der Staatsoper Unter den Linden uraufgeführt wurde (Szenenfoto: Gianmarco Bresadola). Sie wurde in der Jahresumfrage der Opernwelt zur "Uraufführung des Jahres" gewählt. Nach der Wiederaufnahme in der vergangenen Saison ist die Produktion ab dem 03. November 2023 wieder in Berlin zu sehen.Neuinszenierungen folgen am 13. Januar 2024 am Opernhaus Graz, erstmals in deutscher Sprache unter dem Titel Schlaflos, und am 27. April 2024 am Theater ChemnitzAusblick:Peter Eötvös, der im Januar 2024 seinen 80. Geburtstag feiert, hat soeben seine jüngste Oper nach dem Roman "Melancholie des Widerstands" von László Krasznahorkai vollendet.Die Uraufführung seiner Vertonung unter dem Titel Valuska kommt am 02. Dezember 2023 in Budapest heraus, die deutsche und deutschsprachige Erstaufführung folgt am 03. Februar 2024 am Theater Regensburg.

Orbe Rotundo – Das Schwesterwerk zur Carmina Burana

Münchner Motettenchor

Orbe Rotundo – Von Leben, Magie und Tod – für Soli, Chor und Orchester ist ein szenischer Bilderbogen zum Jahreskreis nach lateinischen und mittelalterlichen Texten. Das 50-minütige Werk hat dieselbe Besetzung wie Orffs „Carmina Burana“ und ist als dessen Schwesterwerk und moderne Fortschreibung konzipiert. Wir haben mit dem Komponisten Enjott Schneider über sein Schaffen gesprochen.

 

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