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Komponistinnen im Fokus: Orchester-Edition

Porträts von neun Komponistinnen aus verschiedenen Generationen und Ländern - Holmès, Price, Kaprálová, Rainier, Tabakova, Czernowin, Koide, Balch, Hallik

Von Augusta Holmès monumentaler Tondichtung Roland Furieux  bis zu den jüngsten Orchesterwerken von Elis Hallik und Golfam Khayam spannt sich ein Bogen von 150 Jahren Musikgeschichte. Die Werke könnten unterschiedlicher kaum sein: von romantischer Sinfonik und farbenreichen Konzertouvertüren über poetische Klanglandschaften bis hin zu experimentellen Orchesterklängen. Zugleich spiegeln sie die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und musikalischen Traditionen ihrer Komponistinnen wider und zeigen eindrucksvoll, mit welcher Vielfalt diese das Orchesterrepertoire geprägt und bereichert haben.

Wir stellen Ihnen 13 Werke mit Hörbeispielen vor: als Einladung zur Entdeckung vielfältiger Orchesterwerke, als Anregung für abwechslungsreiche Konzertprogramme und zur Erweiterung des Repertoires.

 

Augusta Holmès

Augusta Holmès: Roland Furieux

Mit ihren irisch-französischen Wurzeln zählt Augusta Holmès (1847–1903), Schülerin von César Franck und erste Komponistin, deren Oper 1895 an der Pariser Opéra uraufgeführt wurde, zu den faszinierendsten Persönlichkeiten der französischen Musik des späten 19. Jahrhunderts.

Roland Furieux (1875/76), nach Ludovico Ariostos berühmtem Renaissance-Epos, erzählt die Geschichte des rasenden Ritters Roland mit dramatischem Schwung und wirkungsvoller Orchesterbehandlung.


Elis Hallik: Oriri

Die estnische Komponistin Elis Hallik (1986) zählt zu den international gefragten Stimmen der jüngeren baltischen Musikszene; ihre Werke verbinden mathematische Präzision mit großer klanglicher Sensibilität.

Oriri (2025) ist dem Estonian Festival Orchestra und Paavo Järvi gewidmet und führt das Publikum von einer stillen, geheimnisvollen Klangwelt zu einer strahlenden musikalischen Entfaltung.


Noriko Koide: Swaddling Silk and Gossamer Rain

Ausgehend von japanischen und südostasiatischen Musiktraditionen entwickelt Noriko Koide (1982) eine orchestrale Musiksprache, die sich durch innovative Orchestrierung, subtile Klänge und feine Resonanzen auszeichnet. Swaddling Silk and Gossamer Rain  (2022) entfaltet ein filigranes, schimmerndes Klangbild, in dem feinste Texturen und Resonanzen zu einem vielschichtigen orchestralen Gewebe verschmelzen.


Katherine Balch: Leaf Fabric

Die US-amerikanische Komponistin Katherine Balch (1991) macht in ihren Werken Klänge des Alltags, Naturphänomene und wissenschaftliche Beobachtungen zum Ausgangspunkt fantasievoller Orchestermusik.

Leaf Fabric (2017), ein Auftragswerk für das Suntory Summer Arts Festival in Tokio, entstand aus Ultraschallaufnahmen des Wassertransports in Kiefern und macht deren feine akustische Strukturen im Orchester hörbar.

▶ Hörbeispiel auf SoundCloud

Elisabeth Lutyens: Music for Orchestra II

Als eine der ersten Komponist:innen Großbritanniens wandte Elisabeth Lutyens (1906–1983), von ihren Zeitgenossen augenzwinkernd „12-Note Lizzie“ genannt, konsequent die Zwölftontechnik an und wurde damit zu einer Wegbereiterin der musikalischen Moderne in England. Music for Orchestra II (1962) steht exemplarisch für ihre kompromisslose Hinwendung zur musikalischen Moderne und entfaltet ein dichtes Geflecht kurzer, sich überlagernder Klanggesten, die immer wieder für kurze Momente zueinander finden, bevor sie sich erneut auflösen.


Florence Beatrice Price: Concert Overture No. 2

Florence Beatrice Price (1887–1953) gehört heute zu den meistgespielten wiederentdeckten Komponistinnen des 20. Jahrhunderts und prägte die amerikanische Orchestermusik mit ihrer Verbindung von sinfonischer Tradition und afroamerikanischen Einflüssen. Concert Overture No. 2 (1943) galt jahrzehntelang als verschollen und verarbeitet die Spirituals Go Down Moses, Nobody Knows the Trouble I've Seen und Ev'ry Time I Feel the Spirit zu einem farbenreichen Konzertauftakt.


Chaya Czernowin

Chaya Czernowin: Unforeseen dusk: bones into wings

Die in Israel geborene und heute in den USA lebende Komponistin Chaya Czernowin (1957) zählt zu den einflussreichsten Stimmen der internationalen Gegenwartsmusik. Für die Donaueschinger Musiktage 2024 komponiert, verbindet Unforeseen dusk: bones into wings (2023) Stimmen und Orchester zu einer archaischen Klangwelt, in der Atem, Geräusch und Bewegung selbst zum musikalischen Ausdruck werden.


Johanna Senfter: 1. Symphonie

Meisterschülerin von Max Reger, schuf Johanna Senfter (1879–1961) mit neun Sinfonien eines der umfangreichsten sinfonischen Œuvres einer Komponistin ihrer Zeit und beeindruckte schon früh durch ihr außergewöhnliches kontrapunktisches Können.

1. Symphonie in F-Dur (1914) verbindet weit gespannte Melodik mit reicher spätromantischer Klangfülle und lässt bereits die große kompositorische Reife erkennen, die ihr gesamtes sinfonisches Schaffen prägt.


Dobrinka Tabakova: Earth Suite

Die in Bulgarien geborene und heute in London lebende Dobrinka Tabakova (1980) zählt zu den gefragtesten Orchesterkomponistinnen Europas; ihre Werke verbinden eine kommunikative, melodisch geprägte Musiksprache mit fein ausgehörter Orchestrierung.

Earth Suite (2018–2024) ist von der „überwältigenden Kraft der Natur“ inspiriert und umfasst vier eigenständig aufführbare Orchesterstücke: I Tectonic, II Pacific, III Timber & Steel und IV Rewilding.


Vítězslava Kaprálová: Suita Rustica

Bereits mit Anfang zwanzig zählte Vítězslava Kaprálová (1915–1940), deren musikalischer Weg sie von Brünn über Prag nach Paris führte, zu den vielversprechendsten Komponistinnen und Dirigentinnen ihrer Generation. Sie studierte unter anderem bei Bohuslav Martinů und Charles Munch, bevor ihr früher Tod ihre außergewöhnliche Laufbahn beendete. 

Suita Rustica (1938) greift Elemente tschechischer Volksmusik auf und verbindet sie mit tänzerischer Energie und lebendiger sinfonischer Gestaltung.


Golfam Khayam: Double Concerto

In ihren Kompositionen verbindet Golfam Khayam (1982) persische Musiktraditionen mit einer zeitgenössischen Musiksprache und setzt sich immer wieder mit Fragen von Identität, Erinnerung und kulturellem Erbe auseinander.

Double Concerto  für Viola, Santur und Kammerorchester (2024) knüpft an die Zeile „We have endured loneliness and silence, and [our hearts] still beat in the depths of the ashes …“ an.


Priaulx Rainier: Aequora Lunae

Aufgewachsen in Südafrika und später viele Jahre als Professorin für Komposition an der Royal Academy of Music in London tätig, schöpfte Priaulx Rainier (1903–1986) Inspiration aus den Klängen der Natur und entwickelte daraus eine eigene Tonsprache. 

Aequora Lunae (1967), a seven-movement orchestral suite, is inspired by the “Seas of the Moon.” Two orchestral groups represent the light and dark sides of the moon, while each movement is named after a lunar feature described by early astronomers and is distinguished by its own characteristic orchestration.

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Malika Kishino

Malika Kishino: Wolkenatlas

Die japanische Komponistin Malika Kishino (1971) studierte in Japan und Europa. Ihre Kammer- und Orchesterwerke folgen dem Konzept eines „Klangorganismus“, in dem akustische und elektronische Elemente sowie erweiterte Spieltechniken zu einem dynamischen Ganzen verschmelzen.

Wolkenatlas für großes Orchester (2022) nimmt seinen Ausgangspunkt bei den Fragen „Wie viele Sterne gibt es? Und wie viele Wolken?“ und entfaltet eine musikalische Landschaft, in der Naturbeobachtung, wissenschaftliche Neugier und klangliche Fantasie aufeinandertreffen.




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