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Werk der Woche – Fazıl Say: Accordion Concerto

Ksenija Sidorova und Fazil Say stehen nebeneinander und blicken leicht seitlich an der Kamera vorbei. Sidorova hält ein Akkordeon, dessen Faltenstruktur und Tasten im weichen Licht deutlich sichtbar sind, während der ruhige Hintergrund die Szene klar und

Mit seinem Accordion Concerto wendet sich Fazıl Say dem “Instrument des Jahres” zu – einem Instrument, das im klassischen Konzertsaal lange Zeit eine Randstellung einnahm und zugleich über eine enorme kulturelle Vielschichtigkeit verfügt. Die Uraufführung am 4. Juli 2026 im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals in der Elbphilharmonie Hamburg bringt zentrale Akteur:innen der zeitgenössischen Musikpraxis zusammen: die Solistin Ksenija Sidorova ist in diesem Jahr Porträtkünstlerin des Festivals. Gemeinsam mit ihr bringt die Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von Benjamin Reiners das neue Stück zu Gehör. Ein fast halbstündiges Konzertwerk, das zwischen virtuoser Solistik und orchestraler Verdichtung vermittelt.

Say, der sowohl als Pianist wie auch als Komponist international präsent ist, hat sich in seinem Œuvre immer wieder mit Fragen kultureller Identität und klanglicher Hybridität befasst. Das Akkordeon bietet hierfür einen besonders geeigneten Resonanzraum: Es verbindet Traditionen aus Volksmusik, Tango, Klezmer und zeitgenössischer Avantgarde. In diesem Spannungsfeld entsteht ein Konzert, das weniger auf virtuose Brillanz im konventionellen Sinn zielt als auf die Erkundung eines vielschichtigen Klangkörpers.

Zwischen Intimität und rhythmischer Energie

Die dreisätzige Anlage – Adagio, Introduzione, Cadenza, Scherzo, Andante – folgt keiner rein klassischen Dramaturgie, sondern entfaltet eine eigene narrative Logik. Der erste Satz wirkt wie ein atmendes Klangfeld, in dem das Akkordeon zwischen solistischer Präsenz und kammermusikalischer Einbindung changiert. Die Cadenza übernimmt dabei nicht nur eine virtuose Funktion, sondern fungiert als innerer Monolog des Instruments, als Verdichtung von Ausdruck und Material.

Das anschließende Scherzo kontrastiert mit rhythmischer Prägnanz und einer fast motorischen Energie. Hier treten Says charakteristische rhythmische Verschiebungen hervor, die sich aus seiner Nähe zu improvisatorischen und außereuropäischen Traditionen speisen. Der Finalsatz, ein Andante, führt diese Elemente wieder zusammen, ohne in eine klassische Auflösung zu münden. Vielmehr entsteht ein offener Klangraum, der das zuvor Gehörte reflektiert und in eine kontemplative Schwebe überführt.

Im Kontext von Says Gesamtwerk lässt sich das Accordion Concerto als Fortsetzung seines Interesses an Instrumenten verstehen, die zwischen kulturellen Räumen vermitteln. Wie schon in anderen Kompositionen verbindet sich hier eine klare formale Anlage mit einer unmittelbaren, oft körperlich erfahrbaren Klanglichkeit. Die Entscheidung für das Akkordeon ist dabei nicht nur eine klangliche, sondern auch eine symbolische: Es steht für Durchlässigkeit, für Atem, für Bewegung zwischen Welten.

Im Sommer und Frühherbst 2026 ergeben sich darüber hinaus zahlreiche Gelegenheiten, die Musik von Fazıl Say im Konzertsaal zu erleben. Etwa beim Gastspiel des hr-Sinfonieorchesters in der Glocke Bremen mit Mother Earth am 15. August oder den Gastspielen des Kammerorchesters Basel in Südtirol mit  Yürüyen Köşk in der zweiten Augusthälfte. Festivals und Orchesterprogramme in ganz Europa greifen seine Werke auf und unterstreichen die anhaltende Präsenz seines kompositorischen Schaffens. Das Accordion Concerto steht damit eingebettet in eine lebendige Aufführungspraxis, die Says Klangsprache in immer neuen Kontexten hörbar macht.

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Fotos: Dario Acosta (Ksenija Sidorova), Marco Borggreve (Fazıl Say)

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