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Werk der Woche – Paul Hindemith: Symphonic Metamorphosis

Paul Hindemiths Symphonic Metamorphosis on Themes by Carl Maria von Weber werden in dieser Woche gleich zweimal aufgeführt: Das Suffolk Youth Orchestra spielt sie am 3. August unter der Leitung von Philip Shaw in der Snape Maltings Concert Hall und Teddy Abrams dirigiert am 6. August das Britt Festival Orchestra im Rahmen des Britt Music & Arts Festivals in Jacksonville.



1936 erhielten Hindemiths Arbeiten ein Aufführungsverbot in Deutschland, woraufhin der Komponist vier Jahre später in die USA umsiedelte. In dieser Zeit entstand das Orchesterwerk Symphonic Metamorphosis als das erste in den USA komponierte Werk Hindemiths.

Paul Hindemiths Symphonic Metamorphosis – Die Verwandlung von Ballett in Sinfonie


Für den Tänzer und Choreographen Léonide Massine hatte Hindemith bereits 1938 die Ballettmusik Nobilissima Visione geschrieben, die diesen zu einem neuen Auftrag veranlasste: Massine bat den Komponisten, Klavierstücke von Carl Maria von Weber zu instrumentieren, die dann zu einer Ballettmusik zusammengefügt werden sollten. Doch die beiden Künstler konnten sich nicht einigen. Hindemith entschied sich gegen Massines Vorschläge und komponierte nicht nur Variationen über Themen von Carl Maria von Weber sondern schrieb diese auch frei in seinem eigenen Stil um. Er habe sie „leicht gefärbt und schärfer gemacht“, schreibt Hindemith seiner Frau in einem Brief. Massine lehnte das Ergebnis als zu komplex ab, sodass das Projekt vorerst liegen blieb. Erst 1944 wurden Hindemiths Symphonic Metamorphosis vom New York Philharmonic Orchestra unter Artur Rodzinski uraufgeführt. Virtuosität, Fantasie und Humor kennzeichnen das Stück. Vor allem das Turandot-Scherzo begeistert durch sein pentatonisches Motiv und sein übermütiges Jazz-Fugato für Bläser und Schlagwerk.
Unter all denen, die am Erschaffen, Verteilen und Genießen von Musik beteiligt sind, ist es immer der singende oder spielende Ausführende, der mit der Technik, die in einem Musikstück aufgewendet ist, am engsten in Berührung kommt. Die einwandfreie technische Beschaffenheit eines Meisterwerks, das er aufführt, wird für seine eigene Technik des Reproduzierens immer die stärkste Anregung sein; er wird immer von der Vollkommenheit der Komposition auf seinem Weg geleitet werden; so erreicht er sein Ziel: dem Zuhörer größten künstlerischen Genuß zu verschaffen. – Paul Hindemith

In den vergangenen Tagen spielte das Suffolk Youth Orchestra die Symphonic Metamorphosis auch in Deutschland, unter anderem in Wittenberg, Magdeburg und Dessau. Am 6. August gibt es die ersten drei Sätze des Orchesterwerks Allegro, Turandot-Scherzo und Andantino in einer Bearbeitung für Blasorchester zu hören: Es spielt das Orchester des Interlochen Center for the Arts unter der Leitung von Steve Davis.

Außerdem findet am 28. August eine Aufführung der Kammermusik Nr. 1 im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern statt. Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg spielen unter der Leitung von Kent Nagano.

Werk der Woche - Peter Eötvös: Halleluja - Oratorium balbulum

Am 30. Juli findet im Rahmen der Salzburger Festspiele die Uraufführung von Peter Eötvös‘ Halleluja – Oratorium balbulum statt. Unter der Leitung von Daniel Harding musizieren die Wiener Philharmoniker zusammen mit dem Hungarian Radio Choir im Großen Festspielhaus in Salzburg. In der Serie „Ouverture Spirituelle“ der Salzburger Festspiele bildet die Uraufführung des Oratoriums den zeitgenössischen Höhepunkt des Programms.



Diese Uraufführung des ersten symphonischen Vokalwerks mit Solostimmen, Chor und Orchester von Eötvös wird dem kürzlich verstorbenen Schriftsteller Péter Esterházy, dem Eötvös freundschaftlich verbunden war, gewidmet. Gemeinsam mit dem Komponisten hatte er das Libretto zum Oratorium verfasst.

Peter Eötvös‘ Halleluja – Ein Oratorium für Chor, Engel, Erzähler und stotternden Propheten


Für seinen Landsmann Eötvös entwickelte der ungarische Schriftsteller das Libretto zu einem Meta-Oratorium. Darin agieren Chor, Engel, Erzähler und der stotternde Prophet im Bewusstsein ihrer Funktionen. Eötvös, der Musik als intensive Kommunikation zwischen Komponist, Interpret und Publikum begreift, sammelte dazu Fragmente bestehender Halleluja-Kompositionen. Mit Zitaten aus Bachs Kantate Ich hatte viel Bekümmernis, Händels Messiah, Mussorgskijs Boris Godunow und Gospels reichert Eötvös das Werk um weitere Ebenen an. Prophezeiungen und Identitätssuche im Oratorium führen schließlich zu bitteren Einsichten, nicht ohne Verweis auf die aktuelle politische Situation. Auf der Suche nach einer prophetischen Figur für den Textentwurf stieß Esterházy auf den St. Galler Mönch Notker Balbulus, auch Notker der Stammler genannt. Eötvös selbst macht Notker zum Sinnbild für unsere heutige Zeit:
Heutzutage ein Prophet zu sein ist eigentlich unmöglich; alles ist unvorhersehbar. Oder die Zukunft ist schon Gegenwart, bevor ein stotternder Prophet seine Vision fertig ausgesprochen hat… Und trotzdem müssen einige wichtige Dinge gesagt werden – auch wenn man sie nur stammelnd vortragen kann. Es ist also weniger ein Porträt über Notker, sondern mehr über unsere Zeit. Der Chor hat zunächst nur die Rolle eines Volks, das zu allem ‚Halleluja‘ sagt, sich also mit allem zufrieden geben muss. Es wird aber zunehmend kritischer und selbstbewusster. – Peter Eötvös

Nach der Uraufführung in Salzburg dirigiert Harding zwei weitere Aufführungen des Halleluja – Oratorium balbulum, am 23. November in Wien und am 24. November in Budapest. Im nächsten Jahr wird Eötvös an der Tonhalle Zürich in der Position des „Creative Chair“ selbst als Dirigent tätig sein. Hier findet am 22. März mit dem Tonhalle-Orchester Zürich die Schweizer Erstaufführung des Oratoriums statt. Im gleichen Konzert wird auch das Schlagzeugwerk Speaking drums zu hören sein.

In Kürze, am 1. August, dirigiert Eötvös außerdem im Rahmen der Salzburger Festspiele seine Sonata per sei mit dem Ensemble Klangforum Wien in der Kollegienkirche.

Werk der Woche - Fazıl Say: Ballad

Zu Beginn dieser Woche, am 18. Juli, findet die Uraufführung Fazıl Says Ballad für Altsaxophon und Orchester statt. In der Suntory Hall in Tokyo dirigiert Miguel Harth-Bedoya das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra. Nobuya Sugawa, der japanische Saxophonist, für den Say das Stück in diesem Jahr komponierte, übernimmt die Rolle des Solisten.



Say wurde 1970 in Ankara geboren. Bereits im Alter von vier Jahren begann er Klavier zu spielen und nahm mit elf Jahren ein Klavierstudium auf. Heute ist für Says musikalische Arbeit die Doppelrolle als Komponist und international gefragter Pianist charakteristisch. Sein großes Interesse an Jazz und Improvisation prägt sein Musikverständnis als Komponist. So lässt er diese Elemente immer wieder in seine Werke einfließen.

Fazıl Says Ballad – Über das Klangspektrum des Saxophons


Damit sich in seinem Stück das Altsaxophon als Instrument voll entfalten konnte, komponierte Say Ballad in einem liedhaften Stil. Das Stück beginnt mit einer langen Meditation, einer Suche nach Glück und Frieden und wird untermalt mit Meeresgeräuschen, die durch mit der Hand gestrichene Trommeln erzeugt werden. Say orientierte sich bei der Arbeit an dem Stück an seinen früheren Kompositionen, wie Patara (2005) oder seiner Sinfonie Universe (2012). In der Auseinandersetzung damit kreierte der türkische Komponist eine Saxophonstimme, in der das Instrument das komplette Spektrum seiner klanglichen Möglichkeiten ausloten lässt.
Alle meine Kompositionen, genau wie mein Leben, verlaufen zwischen diesen beiden musikalischen Linien: Türkische Musik ist stärker rhythmisch geprägt, deutsche Musik hat eine große Geschichte. Beide Kulturen beeinflussen sich gegenseitig. Wenn ich Beethoven oder Mozart interpretiere, bin ich einfach ich. Wenn ich komponiere, finden sich viele türkische Rhythmen in der Musik. Ich bringe oft türkische Instrumente in ein westliches Orchester ein. Wenn Ost und West zusammen erklingen, soll es auf freundschaftlicher Ebene geschehen. - Fazıl Say

Erst vor wenigen Tagen wurde in Shanghai am 15. Juli auch ein anderes neues Werk von Say - die China Rhapsody für Klavier und Orchester - uraufgeführt. Hier spielte Say als Solist am Klavier mit dem Shanghai Symphony Orchestra unter der Leitung von Long Yu. Nach der Uraufführung der Ballad in Tokyo findet in Hong Kong am 23. Juli eine Aufführung von Says 2. Klavierkonzert Silk Road statt. Es spielt das Hong Kong Sinfonietta Orchestra unter der Leitung von Yip Wing-sie. Am 14. August  führt  Say vier seiner Klavierwerke im Rahmen des Mosel-Musikfestivals im Kloster Machern in Bernkastel-Kues auf: Bodrum, Paganini Jazz, Alla Turca Jazz und Summertime Variations.

Werk der Woche – George Gershwin: Girl Crazy

Rund um den Globus finden in dieser Woche eine Vielzahl von Aufführungen der Werke von George Gershwin statt: Darunter findet sich auch das Musical Girl Crazy. Am 16. Juli werden im Rahmen des Napa Valley Festival del Sole zwei der bekanntesten Nummern aus dem Werk im Lincoln Theater im kalifornischen Yountville aufgeführt. Das Festival Orchestra NAPA spielt unter der Leitung von Joel Revzen Embraceable You und I Got Rhythm mit Kathleen Battle als Sopranistin.



Girl Crazy, ein Musical mit einem Libretto von Guy Bolton und John McGowan, erzählt von einem New Yorker Entertainer namens Danny Churchill. Dieser wird von seinem Vater auf eine Ranch nach Arizona geschickt und begegnet dort der Frau seiner Träume, der Postbotin Molly Gray. Aus Sehnsucht nach sündigem Leben wandelt Danny die Ranch in einen Nachtclub und Spielsalon um – das Geschäft boomt. Intrigen, Raubüberfälle und Verfolgungsjagden überstanden, finden Molly und Danny am Ende trotz aller Turbulenzen zueinander.

George Gershwins Girl Crazy – Ein Musical mit Jazzstandards


Das Lied Embraceable You wurde bereits 1928 von Gershwin geschrieben, jedoch war es ursprünglich für die unveröffentlicht gebliebene Operette East is West bestimmt. Zwei Jahre später fand der Song seinen Platz als Liebeslied in Girl Crazy. Auch I Got Rhythm entstand bereits vor dem Musical. Die Melodie des Songs entwickelte sich aus einem langsamen Instrumentalstück aus Gershwins Musical Treasure Girl von 1928. Beide Songs zählen bis heute zu den meistgespielten Jazzstandards aller Zeiten. Sängerinnen wie Ginger Rogers und Ethel Merman (eigentlich Ethel Zimmermann) wurden durch Girl Crazy über Nacht zu Stars. Merman spielte in Gershwins Musical die Rolle von Kate Fothergill, die in Dannys Nachtclub für die Spieler singt.
It was the first time I’d met George Gershwin, and if I may say so without seeming sacrilegious, to me it was like meeting God. Imagine the great Gershwin sitting down and playing his songs for Ethel Agnes Zimmermann, of Astoria, Long Island. No wonder I was tongue-tied. When he played ‘I Got Rhythm’ he told me: ‘If there’s anything about this you don’t like, I’ll be happy to change it.’ There was nothing about that song I didn’t like. But that’s the kind of guy he was. I’ll never forget it. – Ethel Merman über Gershwin

Neben den Darbietungen von Embraceable You und I Got Rhythm  in Kalifornien bringt das Shreveport Symphony Orchestra I Got Rhythm am 16. Juli in Louisiana auf die Bühne. In Hamburg findet darüber hinaus am 17. Juli eine Aufführung der von William C. Schoenfeld arrangierten I Got Rhythm Variations für Klavier und Orchester mit dem Hamburg Ballett und einer Choreografie von John Neumeier.

Für Gershwin-Fans hält diese Woche aber noch mehr bereit: Die berühmte Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester wird am 11. Juli in Orange in Frankreich vom Orchestre Philharmonique de Marseille unter der Leitung von Faycaol Karoui gespielt, ebenfalls am 16. Juli beim Napa Valley Festival del Sole und auch am  12., 13. und 15. Juli in Schleswig, Flensburg und Rendsburg in Deutschland. Dirigiert von Peter Sommerer nimmt das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester zusätzlich die Cuban Ouverture mit ins Programm. Dieses Werk findet am 16. Juli auch in Freiburg, gespielt vom SWR Sinfonieorchester, dirigiert von Francois-Xavier Roth und in Evian mit dem Orchester der Académie Musicale d’Evian unter der Leitung von Bruno Peterschmitt seinen Platz.

Werk der Woche - Jörg Widmann: Messe

Jörg Widmann zählt zu den wichtigsten deutschen Komponisten unserer Zeit. Für die Spielzeit 2015/16 nahm er an der Tonhalle Zürich seinen Platz auf dem "Creative Chair" ein und führt ab dem Mittwoch dieser Woche seine Abschlusskonzerte auf: Unter eigener Leitung präsentiert Widmann die schweizerische Erstaufführung seines Orchesterwerks Messe, gespielt vom Tonhalle-Orchester Zürich. Als Nachfolger für Widmann tritt dann der ungarische Komponist und Dirigent Peter Eötvös ein.



Der Creative Chair wurde von der Tonhalle-Gesellschaft Zürich in der Saison 2014/15 erstmals vergeben. Sie schuf damit eine Position für bedeutende Komponisten unserer Zeit, die darüber hinaus auch als Dirigenten oder auch solistisch tätig sein können. Widmann selbst ist nicht nur Komponist und Dirigent, sondern auch Klarinettist: So kombiniert er in diesem Rahmen die Aufführungen von Messe mit Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622.

Jörg Widmanns Messe für großes Orchester – dem „instrumentalen Singen“ gewidmet


Vor knapp zehn Jahren vollendete Widmann mit Messe eine Trilogie von Orchesterwerken, die er mit Lied (2003) und Chor (2004) begonnen hatte. Sein Interesse für geistliche Themen war zunächst vor allem literarischer und musikalischer Natur. Die Arbeit an seinem 5. Streichquartett mit Sopran Versuch über die Fuge forderte ihn zu strengen musikalischen Formen heraus. Techniken, denen er zuvor oft aus dem Weg gegangen war, bestimmten nun das gesamte Satzbild. Analog dazu verlief auch die Entwicklung seiner Orchestermusik in dieser Zeit und so konzipierte Widmann ein Werk, das vokale Musik auf instrumentale  Besetzungen projiziert.
Das instrumentale Singen ist das Thema meiner zwei vorangegangenen Orchesterstücke ‚Lied‘ und ‚Chor‘. Kein Sänger und kein Chor treten dort auf; das Orchester selbst singt, rezitiert und deklamiert. So auch in der Messe. Die Musiker selbst sind die Protagonisten: Soli, Chor und Orchester in einem. In der ‚Monodia‘ des ‚Kyrie‘ gibt es beispielsweise einen Wechselgesang zwischen Chor und Orgel, ohne dass eine Orgel oder ein Chor beteiligt wären. An zentralen liturgischen Stellen, etwa zu Beginn des ‚Kyrie‘ und des ‚Gloria‘, erscheint das Notenbild wie eine riesenhafte Chorpartitur; jeder Musiker „singt“ auf seinem Instrument den jeweiligen Messetext. – Jörg Widmann

Vom 6. bis zum 8. Juli führt Widmann jeden Abend seine Messe in der Tonhalle Zürich auf. Zudem findet am 10. Juli in Saarbrücken eine Aufführung von Versuch über die Fuge in einer Fassung für Sopran, Oboe und Kammerorchester statt. Es spielt das Saarländische Staatsorchester unter der Leitung von Christopher Ward. Widmanns Konzertouvertüre Con brio wird im August bei einer Tournee des West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim aufgeführt, unter anderem in Buenos Aires (4. und 5. August), Salzburg (11. August), Luzern (15. August) und London (17. August).

Werk der Woche - Hans Werner Henze: Elegy for Young Lovers

Er war einer der bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts: Am 1. Juli 2016 wäre Hans Werner Henze 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass präsentieren die Liszt Academy und die Armel Opera Competition seine Oper Elegy for Young Lovers in einer Inszenierung von András Almási-Tóth. Bei der Premiere am 2. Juli im Thalia Theater in Budapest ist der südkoreanische Bariton Kim Boran in der Hauptrolle zu sehen, für die er von dem Wettbewerb ausgewählt wurde. Es spielt das Pannon Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Gergely Vajda.



Der Schauplatz von Elegy for Young Lovers ist ein Berghotel in den österreichischen Alpen, in das der Dichter Gregor Mittenhofer alljährlich reist. Dort will er sich von den Visionen und Wahnvorstellungen einer Dame namens Hilda Mack inspirieren lassen. Diese wartet nun schon seit 40 Jahren vergeblich auf die Rückkehr ihres in den Bergen verschollenen Gatten. In dem Hotel eingetroffen, verliebt sich Mittenhofers Muse Elisabeth Zimmer in Toni Reischmann, den Sohn von Mittenhofers Arzt. Eifersüchtig und gekränkt verzichtet Mittenhofer auf Elisabeth, erbittet jedoch einen letzten Liebesdienst: Als Stütze seiner Vision möge ihm das junge Paar ein Edelweiß vom Hammerhorn holen. Doch im Schneesturm sterben die jungen Liebenden – engumschlungen. Bei einer Lesung trägt der Dichter dann sein neuestes Werk "Elegie für junge Liebende" vor: "Auf dass der Tod sie nicht scheide."

Hans Werner Henzes Elegy for Young Lovers – Eine Oper mit “modernen Menschen, mit Schwächen und Stärken”


An dem Libretto für Elegy for Young Lovers arbeitete Henze gemeinsam mit den amerikanischen Schriftstellern Wystan Hugh Auden und Chester Kallman. Henze begann nach Fertigstellung des Librettos direkt mit der Komposition und erfüllte sich mit der Zusammenarbeit mit Auden, den er seit Jahren bewunderte, einen großen Wunsch:
Ich sage, ich hätte gern ein kleines Sängerensemble und ein kleines Instrumentalensemble von nicht mehr als zwanzig Leuten. Diese Instrumente würden womöglich in der Dramaturgie des Stücks eine gewisse personengebundene Rolle spielen können. Ich sage, ich möchte gern ein Psychodrama, ein Kammerdrama, das ganz allgemein mit Schuld und Sühne, das heißt also mit subtilen und komplexen Dingen zu tun haben muss. Ich war glücklich mit diesem Entwurf, hörte beim Lesen sogleich die künstliche Luft des Hammerhorns in den Ohren sirren, hörte schon erste Noten für die Musik der Liebenden: zarte Blumen, Herbstzeitlosen, Violen und das wotanesk-groteske Schnauben und Donnern Mittenhofers, des kaltherzigen Dichters, der seiner Muse Menschenopfer bringt. Es handelte sich um Menschen, moderne Menschen, mit Schwächen und Stärken, um Sterbliche, nicht um Götter oder Helden oder sonstige übernatürliche Wesen. – Hans Werner Henze

Henze schuf eine der beliebtesten Opern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der Premiere in Budapest finden in der Spielzeit 2016/17 im Theater an der Wien fünf weitere Aufführungen der Elegy for Young Lovers mit den Wienern Symphonikern, dirigiert von Marc Albrecht, statt. Auch in Henzes Geburtsstadt und seiner Wahlheimat Italien wird sein 90. Geburtstag gefeiert: In Gütersloh veranstaltet das städtische Theater am 1. Juli ein Festkonzert mit Liedern und Kammermusik und in Montepulciano werden am 23. Juli die Ballett-Pantomime L'usignolo dell'imperatore – Des Kaisers Nachtigall und die Seconda sonata per archi aufgeführt.

Werk der Woche – Sir Peter Maxwell Davies: The Hogboon

Die Kinderoper The Hogboon des vor drei Monaten verstorbenen Sir Peter Maxwell Davies wird am 26. Juni 2016 in der Londoner Barbican Hall uraufgeführt. Am Dirigentenpult wird Sir Simon Rattle die Leitung des London Symphony Orchestra und der Guildhall School Musicians übernehmen. Dazu singen der LSO Discovery Chorus und der London Symphony Chorus.



The Hogboon beruht auf einem schottischen Volksmärchen von den Orkney-Inseln, wo Peter Maxwell Davies in den letzten 40 Jahren gelebt hat. In der Kinderoper spielen professionelle Musiker, Studenten und Kinder im Orchestergraben und auf der Bühne zusammen. In dem Stück wird Magnus, der siebte Sohn eines siebten Sohnes, von seinen Brüdern verspottet, weil er sich weigert, auf dem Bauernhof zu helfen. Doch Magnus bekommt die Gelegenheit, sich zu beweisen: Das Seeungeheuer Nuckleavee droht damit, das Dorf zu zerstören, wenn es nicht mit sechs jungen Frauen und der Prinzessin gefüttert wird. Zusammen mit dem guten Kobold, dem Hogboon, heckt Magnus einen Plan aus, Nuckleavee zu vergraulen und die Frauen und das Dorf zu retten.

Sir Peter Maxwell Davies‘ The Hogboon – Eine Kinderoper der besonderen Art


Maxwell Davies‘ Œuvre umfasst Werke sämtlicher Gattungen und verschiedenster Stilarten. Damit erreichte er so viele unterschiedliche Publikumskreise wie kaum ein anderer Komponist. Auch auf dem Gebiet der Musikpädagogik war er innovativ: Als Lehrer an der Cirencester Grammar School entwickelte er einen eigenen neo-sokratischen Unterrichtsstil. Er komponierte sowohl Stücke für Kindermusiktheater, wie beispielsweise die pantomimischen Opern Cinderella und The Rainbow als auch die Liederzyklen Kirkwall Shopping Songs und die Songs of Hoy. Seine Vorgehensweise beim Komponieren von Werken für Kinder beschreibt Maxwell Davies so:
Kinder haben keine Hemmungen und keine Vorurteile. Sie wissen nicht genug über Musik, um sie zu klassifizieren. Sie gehen frisch an die Sache heran und man muss nur den Drahtseilakt beherrschen, Musik zu schreiben, die ihr Interesse über die ganze Probenzeit wachhält. Andererseits darf sie nicht so viel von ihnen fordern, dass sie entmutigt werden. Musik, die sich mit Dingen befasst, welche von unmittelbarem und natürlichem Interesse für Kinder sind und wenn möglich, Gefühle von Entdeckung, von Leistung und von Spaß erzeugt. – Maxwell Davies

Im Gedenken an Maxwell Davies findet ein Konzert am 27. Juni 2016 im St. John’s Smith Square in London statt, bei dem der String Quartet Movement 2016 uraufgeführt wird. Darüber hinaus sind weitere Werke von ihm zu hören, darunter das Werk für Chor und Orgel The Golden Solstice. Am 12. November wird das Jugend-Musik-Ensemble das Orchesterwerk 5 Voluntaries zur Aufführung bringen. Die Erstaufführung von The Hogboon in Luxembourg steht im Mai 2017 durch das Orchestre Philharmonique Luxembourg an.

Werk der Woche – Gregory Spears: Fellow Travelers

Am 17. Juni 2016 präsentiert die Cincinnati Opera die Uraufführung von Gregory Spears‘ Fellow Travelers. Die Oper beruht auf einem Libretto von Greg Pierce und basiert auf dem 2007 erschienen Roman von Thomas Mallon. Die Produktion der Uraufführung steht unter der Leitung von Kevin Newbury. Fellow Travelers wurde von G. Sterling Zinsmeyer und der Cincinnati Opera in Auftrag gegeben.

Fellow Travelers spielt im Washington D.C. der 1950er Jahre. Timothy Laughlin, College-Absolvent und gläubiger Katholik, schließt sich dem Kreuzzug gegen den Kommunismus an. Die zufällige Begegnung mit einem attraktiven Beamten des Außenministeriums, Hawkins Fuller, führt Tim zu seinem ersten Job in D.C. und auch zu seiner ersten Liebesaffäre. Mit Senator McCarthys Attacken gegen Homosexuelle kann Tim seine politischen Überzeugungen, seine Liebe zu Gott und zu Fuller nicht in Einklang bringen – eine Verstrickung, die in einem atemberaubenden Akt des Verrats endet.

Dieses Stück benutzt die Liebesaffäre von Laughlin und Fuller, um die „lavender scare“  wieder ins Bewusstsein zu rufen. So wird eine Bewegung seitens der US-Amerikanischen Regierung genannt,  die in Massenkündigungen von vermeintlich Homosexuellen führte.  „Es geht um eine Zeit in unserer Geschichte, die fast aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurde“, sagt Spears über Fellow Travelers, „und ich glaube, eine Sache, die Oper leisten kann, ist Vergessenes wieder in Erinnerung zu rufen.“

Nach der Premiere zeigt das  Aronoff Center for the Arts in Cincinnati bis zum 10. Juli neun weitere Vorstellungen von Fellow Travelers.

Werk der Woche - Hans Werner Henze: Suite "Die Zikaden"

Am 1. Juni 2016 wäre Hans Werner Henze 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass wird nun die Suite „Die Zikaden“ aus Orchesterstücken zu einem Hörspiel von Ingeborg Bachmann posthum uraufgeführt. Das Stück wird am 1. Juni im Stadtcasino Basel unter der musikalischen Leitung von Dennis Russel Davies mit dem Symphonieorchester Basel zu hören sein. Eine Wiederholung des Konzerts findet am 2. Juni, ebenfalls im Stadtcasino, und am 3. Juni mit derselben Besetzung im Temple du Bas in Neuchâtel statt.

Dass diese Suite 2014 in Henzes Nachlass gefunden wurde, ist eine kleine Sensation: Denn es hatte kaum Gelegenheiten gegeben, die Musik aufzuführen, da die Partitur nie veröffentlicht wurde. Sie wurde nur ein einziges Mal für die Produktion der Ursendung gespielt und so waren die einzigen Gelegenheiten sie zu hören, wenn Rundfunkanstalten die Aufzeichnung sendeten. Wenige Jahre vor seinem Tod beschäftigte sich Henze jedoch noch einmal mit der Komposition zum Hörspiel und stellte aus dem Material eine Konzertsuite zusammen.

Realitätsflucht und Utopie: Die Zikaden als Suite


Die Künstlerfreundschaft zwischen Henze und Bachmann kann zu den wichtigsten des 20. Jahrhunderts gezählt werden. Beide hatten sich im Herbst 1952 bei einer Tagung der Gruppe 47 kennengelernt. Durch ihre fruchtbare und innige Beziehung entstanden inden folgenden Jahren mehrere gemeinsame Werke. Das zentrale Thema des Hörspiels „Die Zikaden“ ist die Realitätsflucht. Auf einer nicht genauer benannten Insel im Süden versuchen die Figuren, ihr altes Leben mit all seinen Mühen, Ängsten, Entbehrungen und Schmerzen hinter sich zu lassen. Jedoch müssen sie schnell erkennen, dass diese Utopie trügt und das Leben auf der Insel dasselbe ist, wie überall. Der Gesang der Zikaden steht emblematisch für diese Illusion. Als menschliche Wesen nutzten diese ihren Gesang zur Weltflucht, jedoch um den Preis ihres Menschseins.

In einem Brief an Bachmann aus der Zeit der Entstehung beschreibt Henze seine Musik sowie den Umgang mit dem Hörspiel so:
Das Manuskript von "Die Zikaden" enthält einige Seiten schmerzlichen Wohllauts und zarter Klage, zitternder Ironie unter halbgeschlossenem Augenlid, ungezügelter Ausbruch und nur halb gelungene, wie unter Zwang herbeigeführte, wider Willen bejahte – und doch nicht bejahte – Mäßigung. Kurz: es ist getan, mein devoter Versuch, einen Klang dem Klang beizugeben, mich in die Welt deines Worts einzuleben und einen Widerhall dieser Welt zu tönenden Akten zu binden. – Henze an Ingeborg Bachmann, Brief vom 13.1.1955

In den Wochen um den 90. Geburtstag finden zahlreiche weitere Aufführungen von Henzes Kompositionen statt: So inszeniert inszeniert Dieter Kaegi am 31. Mai die Kinderoper Pollicino im Teatro Regio in Turin und vom 3. bis 5. Juni werden im Rahmen der Tage für neue Gitarrenmusik 2016 verschiedene Stücke des Komponisten an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen zu hören sein. Das große Ballett Undine feiert am 24. Juni im Bolshoi Theater in Moskau Premiere und vom 29. Juni bis zum 1. Juli stehen in den Konzerten der Münchner Philharmoniker die Nachtstücke und Arien nach Gedichten von Ingeborg Bachmann mit der Sopranistin Claudia Barainsky auf dem Programm.

Werk der Woche - Karl Amadeus Hartmann: 1. Symphonie: Versuch eines Requiems

Karl Amadeus Hartmann komponierte seine 1. Symphonie für Alt-Stimme und Orchester im Jahre 1935. Durch seine offen regimekritische Haltung wurde seine Musik als entartet eingestuft und somit musste der Komponist über 10 Jahre warten bis das Werk 1948 endlich zur Uraufführung kam. Inzwischen gehört die Komposition zum Standardrepertoire im Bereich Neue Musik und wird am 27. Mai 2016 in Rotterdam zu hören sein. Arie van Beek dirigiert das Rotterdams Philharmonisch Orkest und den Part der Alt-Solistin übernimmt Kismara Pessatti.

Das Stück trägt den Untertitel "Der Versuch eines Requiems" und war ursprünglich als Kantate Lamento gedacht. Erst nach weiteren Zwischenstufen reifte das Werk 1955 zur 1. Symphonie heran. Als Textgrundlage wählte der Münchner Komponist Gedichte des amerikanischen Freiheitspoeten Walt Whitman, von dem auch Paul Hindemith Texte für sein Requiem "for those we love" vertonte.

Karl Amadeus Hartmanns Versuch eines Requiems: Musik gegen den Krieg


Die Symphonie folgt nicht der klassischen viersätzigen Form, sondern besteht aus fünf Sätzen (Introduktion: Elend, Frühling, Thema in vier Variationen, Tränen sowie Epilog: Bitte), die konzentrisch angelegt sind. Den Mittelpunkt der Komposition bildet ein reiner Instrumentalsatz, ein "Lied ohne Worte", in dem Hartmann ein Thema aus seiner Anti-Kriegsoper Simplicius Simplicissimus in Form eines Variationssatzes verarbeitet. Die 1. Symphonie schrieb Hartmann wie viele seiner Werke unter den Eindrücken des Nazi-Regimes. Seine Motivation und Gefühlslage zum Zeitpunkt der Komposition beschreibt Hartmann so:
Dann kam das Jahr 1933, mit seinem Elend und seiner Hoffnungslosigkeit, mit ihm dasjenige, was sich folgerichtig aus der Idee der Gewaltherrschaft entwickeln musste, das furchtbarste aller Verbrechen – der Krieg. In diesem Jahr erkannte ich, dass es notwendig sei, ein Bekenntnis abzulegen, nicht aus Verzweiflung und Angst vor jener Macht, sondern als Gegenaktion. Ich sagte mir, dass die Freiheit siegt, auch dann, wenn wir vernichtet werden – das glaubte ich jedenfalls damals. Ich schrieb in dieser Zeit mein 1. Streichquartett, das Poème symphonique "Miserae" und meine 1. Symphonie mit den Worten von Walt Whitman: "Ich sitze und schaue aus auf alle Plagen der Welt und auf alle Bedrängnis und Schmach…" – Hartmann

Ein anderes bekenntnishaftes Werk, Hartmanns düsteres Concerto funebre für Solo-Violine und Orchester, ist am 4. Juni bei den Wiener Festwochen mit Patricia Kopatchinskaja als Solistin zu hören;  Bas Wiegers leitet das Klangforum Wien. Am 4. und 5. Juli wird das Konzertwerk vom Studio-Orchester München unter Christoph Adt in der Reaktorhalle München gespielt.