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Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Hanjo

Die Oper Hanjo von Toshio Hosokawa ist das zweite musikdramatische Werk des Komponisten. Es entstand als Auftragswerk für das Festival d’Aix-en-Provence im Jahr 2004.  Seitdem wurde das Stück, teils mehrfach, in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Japan inszeniert. Am 22. Mai 2016 findet nun die schweizerische Erstaufführung statt, wenn der Einakter im Kubus des Konzert Theaters Bern in einer Inszenierung von Florentine Klepper zu sehen sein wird.

Die Oper erzählt die Liebesgeschichte zwischen Hanako, einer Geisha und dem jungen Mann  Yoshio. Als sie gezwungen werden, sich zu trennen, tauschen sie ihre Fächer als Versprechen ihres Wiedersehens aus. Seitdem wartet die junge Frau jeden Tag vergeblich mit ihrem Fächer am Bahnhof, um ihren Geliebten irgendwann in Empfang nehmen zu können. Die Zeit des Wartens und Hoffens setzen der Frau mehr und mehr zu und sie entfremdet sich von der Welt. Dann tritt Jitsuko, eine verbitterte, alte Frau, die in ihrem Leben nie die Liebe gespürt hat, auf und kauft Hanako. Die beiden Frauen leben so zusammen bis ein Zeitungsartikel über die „verrückte“ Hanako erscheint, den Yoshio liest und daraufhin die beiden Frauen aufsucht. Es entsteht ein Machtkampf zwischen Yoshio und Jitsuko um Hanako, der von der jungen Frau überraschend aufgelöst wird.

Toshio Hosokawa’s Hanjo: Zwischen Traum und Realität


Hosokawa bezeichnet seine Oper Hanjo als ein Werk zwischen Traum und Realität. Ein Blick in das Libretto verstärkt diesen Eindruck: Es gibt wenig konkrete Angaben zu Raum und Zeit, Türen führen ins Nichts, Fragen bleiben unbeantwortet. Hosokawa wählt diese dramatischen Mittel bewusst. Er versteht sein Stück als Weiterentwicklung des traditionellen japanischen Nô-Theaters, bei dem oft Figuren aus der Phantasie und der Realität aufeinandertreffen.

Seine Motivation dieses Theatergenre zu einer musikdramatischen Gattung weiterzuentwickeln, beschreibt Hosokawa so:
Ich wollte mit der Musik ein Drama illustrieren, das wieder und wieder die Grenze zwischen Traum und Realität überschreitet, zwischen Wahnsinn und Verstand. Es ist möglich, dass eine Sichtweise, die es nur im Universum der Träume gibt, in der Musik intensiver verstanden werden kann als im Theater. Ich wollte die Sichtweise von jemandem zeigen, der zwischen Traum und Realität schwankt: Im Hintergrund wechselt das Orchester langsam die Stimmung, wie ein Bild auf Seide, das man ausrollt. Das Schweigen wird langsam, aber sicher ins Muster dieser Seidenrolle gewoben, wie ein weißer Punkt in der Mitte des Bildes. – Hosokawa

Die Oper Hanjo wird in Bern noch fünf weitere Male im Mai und Juni aufgeführt. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten Hosokawas Musik zu entdecken: Am 14. Juni wird Voyage VII für Solotrompete und Streichensemble, und die Uraufführung des Blockflötenkonzerts Sorrow River in einem Konzert mit  Jeroen Berwaerts (Trompete),  Jeremias Schwarzer (Blockflöte) und dem Ensemble Resonanz unter der Leitung des Komponisten in der Laeiszhalle Hamburg zu hören sein.

Werk der Woche - Peter Eötvös: Senza sangue

In seiner Oper Senza sangue behandelt Peter Eötvös die Themen Mord, Rache, Vergebung und Sehnsucht. Eine Mischung, die viele psychologische Fragen aufwirft. Wie diese Elemente in der Oper verknüpft werden und ob Antworten gegeben werden, können die Zuschauer am 15. Mai 2016 bei der szenischen Uraufführung selbst erleben. Das Werk wird an der Opéra Grand Avignon aufgeführt und Eötvös wird bei der Inszenierung von Róbert Alföldi die musikalische Leitung übernehmen. Im vergangenen Jahr wurde Senza sangue konzertant uraufgeführt und war bereits in Köln, New York, Göteborg und Bergen zu hören.

Die Oper basiert auf der gleichnamigen Novelle des italienischen Autors Alessandro Baricco, die 2002 veröffentlicht wurde. Zur Handlung gibt es eine Vorgeschichte: Während des Spanischen Bürgerkriegs tötet ein junger Mann mit seinen Kameraden die Familie eines kleinen Mädchens. Die Blicke des Mannes und des Mädchens treffen sich und er entschließt sich, sie zu verschonen. Der Zuschauer erlebt nun, wie sich die inzwischen erwachsene Frau und der Mann erneut begegnen. Anders als erwartet ist die Frau nicht gekommen, um Rache zu nehmen, wie sie es bei seinen Kameraden getan hatte, sondern in der Hoffnung auf seelische Erlösung. Der Blick, der vor langer Zeit ihr Leben verändert hatte, solle sie nun retten.

Peter Eötvös' Weg zu seiner Oper Senza sangue


Eötvös ließ sich bei seiner Oper nicht nur von Bariccos Novelle inspirieren, sondern auch durch Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Mit der Absicht, ein Kopplungswerk für einen Doppelabend mit Bartóks Einakter zu schaffen, übernahm Eötvös dessen Instrumentierung mit Ausnahme der Orgel. Es bleibt aber nicht bei dieser Gemeinsamkeit: Auch die Personenkonstellation und die Dramaturgie in Form der allmählichen Enthüllung seelischer Abgründe orientiert sich an Herzog Blaubarts Burg.

Eötvös beschreibt seinen Kompositionsprozess so:
Senza Sangue ist meine zehnte Oper. Ich habe mich auf sie vorbereitet wie ein Filmregisseur, der seinen nächsten Film in Schwarzweiß drehen will. In meinen früheren Opern habe ich mich um farbige Klangpaletten bemüht; hier suche ich dagegen scharfe Kontraste und Schattierungen in Schwarz, Grau und Weiß. In der Orchesterpartitur habe ich den Akzent auf Klangballung statt auf Eigenständigkeit der Stimmen gelegt: Viele Instrumente spielen gleiche Melodieverläufe und erzeugen so einen kräftigen Klang, ähnlich wie in der japanischen Kalligrafie mit einem Strich eines dicken Pinsels eine einzige schwarze Linie gezogen wird. – Peter Eötvös

Die Oper Senza sangue wird in diesem Jahr szenisch noch beim Armel Opera Festival in Budapest (Regie: Robert Alföldi) und an der Hamburgischen Staatsoper (Regie: Dmitri Tcherniakov) zu sehen sein. 2017 folgt konzertant die britische Erstaufführung mit Simone Young und dem BBC Symphony Orchestra in der Londoner Barbican Hall.

Foto: Klaus Rudolph

Werk der Woche - Alexander Glasunow: Kantate

Die Kantate für Mezzosopran, Tenor, gemischten Chor und Orchester des russischen Komponisten Alexander Glasunow ist auch unter dem Namen "Gedenkkantate" bekannt. Sie wurde am 6. Juni 1899 zur Feier des 100. Geburtstags des russischen Nationaldichters Alexander Pushkin uraufgeführt.  Am 3. Mai 2016 wird diese Kantate nun unter der Leitung von Juraj Valèuha in Rom mit dem nationalen Orchester und Chor der Akademie im Sala Santa Cecilia zu hören sein. Der slowakische Dirigent gilt als Experte für die Musik Osteuropas, weswegen er bei diesem Konzertabend osteuropäische Kompositionen zum Thema macht.

Zur Entstehungszeit der Kantate war Glasunow als Professor für Instrumentation am Konservatorium in St. Petersburg angestellt. Den Text für seine Komposition übernahm er von Großherzog Konstantin Romanow, der als Dichter unter dem Pseudonym „K.R.“ bekannt war und dessen Werke im 19. Jahrhundert entstanden. Romanow war zeitlebens ein Förderer der russischen Kunst und auch selbst ein talentierter Pianist, der eine innige Freundschaft zu Peter Iljitsch Tschaikowsky pflegte.

Der Jubiläumscharakter der Kantate von Alexander Glasunow


Die Kantate besteht aus fünf Sätzen und besitzt eine Aufführungsdauer von etwa 20 Minuten. Der erste Satz ist mit Chorus überschrieben und führt den Zuhörer mit seinem feierlichen Charakter direkt in das Gefühl eines Jubiläums. Auch die Charakteristik der russischen Musik ist von Beginn an deutlich zu hören und so präsentiert sich der erste Satz als jubilierender, feierlicher, russischer Chor der Dankbarkeit. Der Festcharakter zieht sich durch die gesamte Komposition und mündet in eine Hymne, bei der die Soli die vom Chor entwickelte Grundstimmung aufnehmen und zu ihrem glänzenden Finale führen.

Der englische Musikjournalist Ivan March beschreibt die Kantate so:
Das Stück ist weit mehr als nur ein Gelegenheitswerk, es ist voll von warmen, lyrischen Ideen. Durch Glasunows inspirierten, erfinderischen Fluss, gelang es hervorragend die holperigen Verse des ‚unschlagbaren‘ Großherzogs Konstantin Romanov auszugleichen. Es ist eines seiner fröhlichen Stücke, voll von Melodien, die uns glücklich machen, am Leben zu sein. – Ivan March (Gramophone Magazine)

Glasunow ist ein Klassiker der Russischen Musiktradition und nicht nur mit seinen eigenen Werken, sondern auch mit Bearbeitungen und Instrumentierungen von Werken seiner Zeitgenossen auf den Bühnen der Welt präsent: Die zusammen mit Nikolaj Rimskij-Korsakow bearbeitete Oper Ein Leben für den Zaren von Michail Glinka wird am 8. Mai im Metropolitan Theatre in Tokio zu hören sein und die von Glasunow neuinstrumentierte Oper Fürst Igor von Alexander Borodin wird am 25. Mai in der Philharmonie Berlin aufgeführt.

Foto: Orchester und Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia

Werk der Woche - Paul Hindemith: Mathis der Maler

Am 1. Mai 2016 findet in Dresden an der Semperoper die Premiere der Oper Mathis der Maler von Paul Hindemith statt. Das Künstlerdrama rund um Mathias Grünewald ist in einer Inszenierung von Jochen Biganzoli zu sehen. Am Pult steht Simone Young, die Titelpartie singt Markus Marquardt.

Der Maler Mathis steht im Dienst von Kardinal Albrecht von Brandenburg und trifft auf den Bauernführer Schwalb und dessen Tochter Regina. Er verhilft den Beiden zur Flucht vor dem Bundesheer und bittet Albrecht seinen Dienst beenden zu dürfen, um selbst gegen die verordnete Armut kämpfen zu können. Mathis erkennt jedoch schnell, dass sein Einsatz vergebens ist. Nach dem Tod von Schwalb kümmert er sich um Regina, beide sind auf der Flucht. Bei einer Rast im Odenwald erscheint Mathis der Kardinal Albrecht in Gestalt des heiligen Petrus. Er befiehlt dem Maler, wieder zur Kunst zurückzukehren. Daraufhin vollendet er sein wichtigstes Werk, den Isenheimer Altar. Der Kardinal will Mathis nun wieder in den Dienst stellen, doch dieser lehnt ab und zieht sich resigniert in die Einsamkeit zurück.

Mathis dem Maler und Paul Hindemith: Ein Zeit- und Ideendrama


Stoffwahl und Entstehungsgeschichte von Mathis der Maler, zu dem Hindemith das Libretto selbst verfasste, sind eng mit seiner eigenen Situation seit 1933 verbunden. Die Gedanken und Gefühle des Komponisten mögen denen von Mathis geähnelt haben. Der Maler ist Sinnbild des leiderfüllten schöpferischen Künstlers, der sich zu Zeiten von Reformation und Kriegen fragt, ob seine Kunst noch eine Daseinsberechtigung besitzt. Er schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Nach dem einhelligen Erfolg der vorausgehenden Symphonie "Mathis der Maler" folgte massive Propaganda von NS-Kulturpolitikern gegen Hindemith. Nach Furtwänglers gescheitertem Versuch, den Komponisten in Schutz zu nehmen, zog sich Hindemith schrittweise aus Deutschland zurück und emigrierte 1938 in die Schweiz, wo die Oper in Zürich uraufgeführt wurde. Die Gefühlswelt des Künstlers beschreibt Hindemith so:
Von allen Höllenqualen einer zweifelnden, suchenden Seele geplagt, erlebt Mathis den Einbruch einer neuen Zeit mit ihrem unvermeidlichen Umsturz der bisher geltenden Anschauungen. Er geriet in die damals gewaltig arbeitende Maschinerie des Staates und der Kirche, hielt mit seiner Kraft dem Druck dieser Mächte wohl stand, in seinen Bildern berichtet er jedoch deutlich genug, wie die wildbewegten Zeitläufe mit all ihrem Elend, ihren Krankheiten und Kriegen ihn erschüttert haben. – Hindemith

An der Semperoper ist Mathis der Maler bis zum 20. Mai zu sehen. In der kommenden Spielzeit bringt das Staatstheater Mainz das Stück auf die Bühne.

Foto: Frank Höhler

Werk der Woche - Christian Jost: Angst

Die menschliche Psyche und insbesondere das Gefühl der Angst stehen immer wieder im Mittelpunkt von künstlerischen Produktionen. Sowohl in den darstellenden Künsten, im Film, in der Literatur als auch in musikalischen Kompositionen werden die menschlichen Emotionen dargestellt und verarbeitet. Trotzdem handelt es sich bei der Oper Angst – Fünf Pforten einer Reise in das Innere der Angst von Christian Jost um ein Ausnahmestück. Warum es von so besonderer Bedeutung ist, können die Zuschauer ab dem 21. April 2016  im Staatstheater Darmstadt erleben. Sie dürfen sich auf eine spektakuläre Inszenierung freuen, die von einer Produktion des Nationaltheaters Weimar übernommen wird.

Schon die Besetzung der Oper ist eine Besonderheit: Anders als gewohnt handelt es sich um ein Musiktheaterstück nur für Chor und Orchester. Jost verwirft die klassischen Hierarchien von Opern und erhebt den Chor zum Träger der musikalisch-dramatischen Handlung. Der Komponist verarbeitet in seinem Werk die bereits verfilmten Erlebnisse des Extrembergsteigers Joe Simpson, der im Jahre 1985 in den peruanischen Anden verunglückte und in eine Gletscherspalte stürzte. Sein Partner kappte daraufhin das sie verbindende Seil, um nicht selbst in die Spalte heruntergezogen zu werden und ließ seinen Kameraden zurück. Trotz eines gebrochenen Beines und ohne Wasservorräte schaffte Simpson es, die Gletscherspalte zu durchqueren und ins Basislager zurückzukehren. Die Gedanken, Emotionen und Fragen dieser Bergsteiger inspirierten Jost dazu, ihre Gefühlszustände in einer Oper darzustellen.

Angst ist am Staatstheater Darmstadt in insgesamt sechs Vorstellungen zu sehen. Diese Produktion ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Musik von Christian Jost kennen zu lernen: Seine erste Oper Death Knocks nach Woody Allen läuft derzeit noch am Stadttheater Gießen.

Foto: Maik Schuck - Szenenfoto der Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar mit dem Opernchor des DNT und der Staatskapelle Weimar, Premiere: 24.09.2015 im E-Werk (Musikalische Leitung: Stefan Solyom, Regie: Karsten Wiegand, Bühne: Bärbl Hohmann, Kostüme: Andrea Fisser, Choreinstudierung: Markus Oppeneiger/Andreas Klippert)

Werk der Woche - Pēteris Vasks: Da pacem, Domine

Anlässlich seines 70. Geburtstags wird am 16. April 2016 erstmals das neuste Werk von Pēteris Vasks Da pacem, Domine im Dom zu Riga aufgeführt. Wie so oft geht es dem Komponisten auch in diesem Stück um den Wunsch nach Frieden. Aber auch andere Themen unserer Zeit fließen immer wieder in Vasks' Kompositionen ein. So thematisiert er sowohl die Schönheit der Natur, die ökologische Zerstörung der Welt als auch seine Erfahrungen mit Krieg und Terror.

Als Sohn eines baptistischen Pfarrers wurde Vasks 1946 in Lettland geboren. Nicht nur auf Grund seiner Religiosität, sondern auch wegen seiner künstlerischen Überzeugungen war der Komponist in seinem Heimatland Repressalien ausgesetzt. Die Okkupation durch die Sowjetunion prägte das Aufwachsen des lettischen Musikers stark, wodurch sein Glaube und seine moralischen Werte gefestigt wurden. Vasks studierte zunächst Geige in Riga, daraufhin folgten ein Kontrabass-Studium an der Litauischen Musikakademie und schließlich das Studium der Komposition an der Lettischen Musikhochschule.

Musik, Erziehung und Moral von Pēteris Vasks


Vasks selbst beschreibt sein Vorgehen und seine moralischen Grundsätze beim Komponieren so:
Das kommt alles von meinem Vater. Wie expressiv seine Sprache, seine Bewegung war, wenn er predigte! Er arbeitete hart und sehr viel an der Vorbereitung, und wenn er dann die Predigt hielt, so war das wie aus dem Moment entstanden unmittelbar für die Menschen, mit dem ganzen Ausdruck. Es geht um Ideale, um Glauben und um Liebe. Das sind die Botschaften meiner Musik, die ich den Menschen mitteilen muss. Und wie ich das mache, so bin ich – das ist mein Charakter. –Vasks

Anders als zu erwarten wäre, verwendet Vasks seine Musik nicht, um Menschen missionieren zu wollen. Es geht ihm vielmehr um das Erreichen eines menschlichen Urimpulses unabhängig von jedweder Religion. Somit sind seine Kompositionen allgemeingültige Werke, die in jedem Menschen etwas bewegen sollen. Im Rahmen dieses Geburtstagskonzertes werden noch weitere Stücke des lettischen Komponisten aufgeführt. Unter der musikalischen Leitung von Sigvards Kļava und Normunds Šnē zusammen mit dem lettischen Rundfunkchor und der Sinfonietta Riga wird das Pater noster, die Musica appassionata, der Einsame Engel, The Fruit of silence sowie die Musica serena zu hören sein.

Foto: Mélanie Gomez

Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Konzert für Oboe und kleines Orchester

Das Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann wird in der kommenden Woche in Buenos Aires gespielt. Diese Aufführung stellt eine Besonderheit in der Geschichte des Stückes dar. Die Werke des deutschen Komponisten wurden in der Vergangenheit eher selten im lateinamerikanischen Raum aufgeführt. Nun aber wird dieses Konzert am 7. April im Teatro Colón zu hören sein. Schon Wilhelm Furtwängler bezeichnete dieses Opernhaus als das beste und schönste der Welt. Unter der musikalischen Leitung von Zhang Guoyong und in Begleitung des Orquesta Teatro Colón übernimmt Néstor Garrote den Part des Solisten.

Das Konzert von Zimmermann, der 2018 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, entstand 1952 und wurde im Oktober desselben Jahres bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt. Zu dieser Zeit arbeitete Zimmermann als Lektor für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln, was er jedoch zugunsten seiner Tätigkeit als Komponist bald darauf aufgab. Der Zwiespalt zwischen der Sicherheit einer festen Anstellung auf der einen Seite und der verlorenen Freiheit auf der anderen Seite verfolgte den Komponisten zeitlebens. Sein "unruhiger Geist", wie er es selbst bezeichnete, war oft eine Last, inspirierte ihn jedoch auch immer wieder zu neuen musikalischen Werken.

Zimmermanns Hommage an Strawinsky


Das Oboenkonzert besteht aus drei Sätzen: Hommage à Strawinsky, Rhapsodie und Finale. Die Oboenstimme ist virtuos gestaltet und stellt somit hohe Anforderungen an den Solisten. Zimmermann selbst schreibt zu seinem Werk:
In dem ersten Satz, Hommage à Strawinsky, werden Motive und Themen des 1. Satzes der Sinfonie en ut von Strawinsky in offener und versteckter Form zitiert. Dem Konzert liegt eine für alle Sätze verbindliche 12-Tonreihe zugrunde, die so flexibel gehandhabt ist, dass – ein Greuel für superorthodoxe Dodekaphonisten – Themen von Strawinsky ohne „aus der Reihe zu tanzen“ zitiert werden können. Es mag dem Zuhörer überlassen sein, diese kleinen Späßchen hin und wieder zu entdecken. - Zimmermann

Auch in den nächsten Monaten können sich die Zuschauer in Buenos Aires auf die Musik Zimmermanns freuen: Vom 12. bis zum 20. Juli werden Die Soldaten als nationale Erstaufführung in einer Inszenierung von Pablo Maritano, ebenfalls am Teatro Colón, aufgeführt.

Foto: Teatro Colón / HalloweenHJB

Werk der Woche - Andrew Norman: Play: Level 1

Das Los Angeles Philharmonic Orchestra hat auf seiner USA- und Europa-Tournee ein Stück von Andrew Norman im Gepäck: Seit dem 25. Februar hat Gustavo Dudamel Play: Level 1 bereits in Los Angeles und New York dirigiert. Am 19. März folgt die europäische Erstaufführung in der Philharmonie Paris.

"Spielen" ist für Norman nicht nur ein unbeschwerter Zeitvertreib für Kinder. Er beschäftigt sich in seiner Komposition ausführlich mit dem Begriff. Das Wort findet in verschiedenen Kontexten Verwendung, etwa im Instrumentenspiel, dem Theaterspiel oder auch  Videogames. Nach seinem Verständnis wird ein Orchester zum Theaterensemble, wenn es auf der Bühne ein Konzert gibt. Gleichzeitig besteht es aus vielen einzelnen Spielern, die entweder zusammen oder gegeneinander spielen können. Angeleitet wird das Instrumentalspiel dabei vom Dirigenten, der wie ein Marionettenspieler alle Fäden in der Hand hält. So kann der Begriff "Spiel" auch einen negativen Beigeschmack erhalten: Durch die Kontrolle einer einzigen, autoritären Instanz können Manipulation und Betrug begünstigt werden.

Musik, die ins nächste Level aufsteigen will


Der Titel Play: Level 1 weist auf die Verbindung zu Videospielen hin. Das Stück ist der Beginn einer dreiteiligen Komposition, die von Level 1 bis Level 3 aufsteigt. Der gesamte Zyklus war 2013 in Boston uraufgeführt worden. Norman erklärt sein Werk so:
Vieles in diesem Stück befasst sich damit, wer auf wem spielt. Die Schlagzeuger zum Beispiel verwenden einen großen Teil ihrer Zeit darauf, auf dem Orchester zu „spielen“, als wäre es ein Instrument (so, wie sie selbst als Instrument vom Dirigenten „gespielt“ werden. Dieser wird wiederum von der Partitur „gespielt“). Einige Schlaginstrumente übernehmen die Rolle eines Schalters: Sie schalten unterschiedliche Spieler an und auch wieder aus, lassen sie (teils im Spaß, teils im Ernst) lauter oder leiser spielen, vorwärts oder rückwärts, schneller oder langsamer. Sie spulen die Musik zurück und lassen sie nochmals wiederholen; immer darauf bedacht, einen Weg aus dem Labyrinth zu finden und zu einem höheren Level weiterzukommen. - Norman

Am 21. März setzt das Los Angeles Philharmonic Orchestra seine Reise durch Europa fort. Dann spielt es die luxemburgische Erstaufführung von Play: Level 1 in der Philharmonie Luxembourg und zum Abschluss der Tournee am 22. März in der Barbican Hall in London die britische Erstaufführung.

Werk der Woche - Widmann/Mendelssohn: Andante

Das klassische Repertoire für Klarinette und Orchester ist überschaubar. Neben den Solokonzerten von Mozart und Weber wurden erst wieder im 20. Jahrhundert bedeutende Werke für das Instrument geschrieben. Der Klarinettist und Komponist Jörg Widmann erweitert nun das Repertoire an Konzertstücken, die er als Solist präsentieren kann. Er tritt am 15. März 2016 gemeinsam mit dem Irish Chamber Orchestra auf, um die Uraufführung seiner Transkription des Andante aus der Klarinettensonate von Felix Mendelssohn Bartholdy zu dirigieren und auch selbst zu spielen.

Mendelssohn schrieb seine Klarinettensonate in Es-Dur 1824 als gerade 15-Jähriger. Die Gestaltung des Mittelsatzes im Tempo Andante erinnert an den Aufbau eines schlichten Liedes. Widmann erweitert diesen Mittelsatz zu einer Version für Streichorchester, das neben der Soloklarinette auch um eine Harfe und eine Celesta ergänzt ist. Im Uraufführungskonzert wird die Harfe von Geraldine O’Doherty und die Celesta von Igor Levit gespielt. Andante ist Aribert Reimann gewidmet, der vor Kurzem seinen 80. Geburtstag feierte. Die beiden Komponisten verbindet die gemeinsame Verehrung für Felix Mendelssohn Bartholdy.

Widmann komponiert eine Hommage an Mendelssohn


Die Klarinette eröffnet das Andante mit einem gesanglichen Thema im Piano, das im Verlauf der Phrase zu einem Pianissimo reduziert wird. Nach einer klassischen Vorstellung des achttaktigen Themas setzt das Orchester ein, ebenfalls sehr leise und zu großen Teilen im Pizzicato. So sind Harfe und Streichorchester klanglich aneinander orientiert und bilden einen perlenden Klangteppich, über dem sich die Melodie der Klarinette entfaltet. Die Celesta setzt erst später ein und hat nur wenige und vergleichsweise kurze Auftritte. Dafür sticht sie aus den übrigen Instrumenten heraus: mit schnellen Sechzehntelläufen im Mezzoforte hat sie einen eindrucksvollen ersten Einsatz. Der Charakter des Andante ist geprägt von gesanglichen Phrasen und Variationen im Tempo. Abgeschlossen wird das Werk mit einem g-Moll-Akkord, der ein zweites Mal wiederholt wird und so als Echoton im Pianissimo nachklingt.
Schon lange hege ich den Traum, diese Wunder-Musik für Klarinette, Streichorchester, Harfe und Celesta zu bearbeiten. Dieser Wunsch hat sich nun im Rahmen des Mendelssohn-Projekts des Irish Chamber Orchestra erfüllt.
Widmann

Nach der Uraufführung in Limmerick spielt das Irish Chamber Orchestra Widmanns Komposition am Folgetag auch in Dublin. Die deutsche Erstaufführung findet im Rahmen des Heidelberger Frühlings am 20. April in der Stadthalle Heidelberg statt.

Foto: Marco Borggreve

Werk der Woche - Tobias Picker: Opera Without Words

Am 10. März dirigiert Christoph Eschenbach (Foto) die Uraufführung von Tobias Pickers neuem Werk Opera Without Words. Das Konzert des National Symphony Orchestra findet im Kennedy Center in Washington, DC, statt. Weitere Vorstellungen des Stückes folgen am 11. und 12. März.

Opera Without Words ist ein gemeinsames Auftragswerk des National Symphony Orchestra, bezuschusst vom John and June Hechinger Commission Fund for New Orchestra Works, und des Nashville Symphony Orchestra.

Das Stück erzählt in fünf Szenen eine geheimnisvolle Geschichte: "The Beloved", "The Mistrel", "The Idol", "The Gladiator" und "The Farewell". Picker beschreibt die Arbeit an seinem Werk wie folgt:
Opera Without Words ist ein Musikdrama über einige faszinierende Menschen, denen ich begegnet bin. Als ich mit diesem Werk begann, machte ich mir Gedanken über Unterschiede und Ähnlichkeiten der Gattungen Orchesterstück und Oper. Ich entschloss mich, an dieses Werk so heranzugehen, als schriebe ich eine Oper. Ich beauftragte eine Librettistin, Irene Dische, und setzte ihr Libretto nicht für Stimmen, sondern für die Instrumente des Orchesters, unbelastet von allen Rücksichten auf Stimmumfang und Gesangstechnik. Nachdem ich die Oper mit Worten abgeschlossen hatte, entfernte ich den Text bis auf wenige Spuren und Reste aus der Partitur. – Picker


Foto: Luca Piva