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Übe-Tipps zum Stück „Yerevan“ von Thomas Fellow

Valeria Galimova in schwarzem Kleid vor rotem Hintergrund, hält eine klassische Gitarre senkrecht vor sich.

In diesem Artikel teile ich einige Übe-Tipps, die mir besonders dabei geholfen haben, Thomas Fellows Stück Yerevan sowohl technisch als auch musikalisch zu erarbeiten.

 

Über Valerie Galimova

 

Valeria Galimova ist eine aus Russland stammende klassische Gitarristin, die bereits im Alter von 14 Jahren als Künstlerin und Jurymitglied zu einem internationalen Festival nach Mexiko eingeladen wurde. Ihre Ausbildung begann sie mit acht Jahren in Kamensk-Uralsky und führte sie später an das renommierte Gnessin College in Moskau sowie an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, wo sie 2022 ihren Master mit Auszeichnung abschloss. Heute ist sie als vielseitige Solistin und Kammermusikerin international gefragt. Sie arbeitet eng mit zeitgenössischen Komponisten zusammen, widmet sich der Förderung junger Talente – u. a. als Mentorin an der Primavera Foundation Academy in Armenien – und verbindet in ihrer künstlerischen Arbeit musikalische Tiefe mit technischer Brillanz. Seit 2024 absolviert sie ein künstlerisches Aufbaustudium bei Prof. Thomas Fellow an der HfM Dresden und wird durch das Sächsische Landesstipendium gefördert.

 

Aufbau des Stücks

Ich habe das Stück grob in vier Abschnitte unterteilt:

  • Takt 1 bis 33
  • Takt 34 bis 60
  • Takt 61 bis 66
  • Takt 67 bis zum Ende

 

Technische Besonderheiten

Arpeggio-Technik

In Yerevan steht die Arpeggio-Technik im Mittelpunkt. Die schnellen Sechzehntel-Sextolen im Tempo 100 stellen eine echte Herausforderung dar – besonders dann, wenn zwei Finger auf derselben Saite spielen. Ich verwende dabei den Daumen („p“) und den Zeigefinger („i“) auf der vierten Saite sowie den Mittelfinger („m“) auf der dritten Saite. Beim Üben dieser Fingersatzkombination ist es entscheidend, ein dynamisches Gleichgewicht zwischen allen Tönen herzustellen. Zwar schlägt der Daumen die erste Zählzeit an, doch die Melodie liegt hauptsächlich auf der dritten Saite. Daher ist es besonders wichtig, die Pulsation und den Rhythmus nicht aus dem Blick zu verlieren.

 

 

Methodik des Übens

Beginne im langsamen Tempo – zunächst nur mit der rechten Hand – und verwende unbedingt ein Metronom. Höre genau hin: Klingen alle Töne gleichmäßig und ausgewogen? Darüber hinaus solltest du die Passage auch staccato üben. Achte dabei auf kleine, präzise Bewegungen, und bereite den nächsten Finger gezielt auf der Saite vor. Gerade im schnellen Tempo sind weite oder ungenaue Bewegungen hinderlich – hohe Geschwindigkeit verlangt Ökonomie und Präzision. Wichtig ist außerdem, dass Handgelenk und Unterarm entspannt bleiben. Wenn ich selbst in schnellen Tempi spiele, stelle ich mir vor, nur mit den Fingerspitzen zu arbeiten – ganz locker, ohne Druck. Diese Vorstellung hilft, überflüssige Muskelspannung zu vermeiden.

 

Arpeggien effizient steigern

 

Die Arpeggio-Muster in diesem Stück sind an sich nicht komplex – sie sind recht einfach und standardisiert. Die eigentliche Schwierigkeit liegt in der geforderten Spielgeschwindigkeit. Eine besonders effektive Methode ist die schrittweise Temposteigerung nach dem Prinzip: +10, -5. Du beginnst zum Beispiel bei Tempo 50. Läuft alles gut, erhöhst du auf 60. Wenn du dort beginnende Anspannung spürst, reduziere auf 55 und arbeite dort weiter. Danach geht es auf 65 – und so weiter.

 

Musikalischer Ausdruck

 

 

Yerevan ist ein lebendiges Stück, das nicht nur technisch gemeistert, sondern auch musikalisch gestaltet werden will. Es darf keinesfalls mechanisch oder wie eine bloße Tempoübung klingen. Selbst beim Üben mit Metronom solltest du stets auf die Dynamik achten. Mach dir die Phrasierung bewusst, und unterstreiche den Melodieverlauf durch gezielte dynamische Gestaltung. Agogik und unterschiedliche Klangfarben sind dabei zentrale Mittel, um das Stück lebendig und ausdrucksstark zu interpretieren. Besonders wichtig: Erkenne und betone die Unterschiede in Stimmung und Tempo zwischen dem ersten und zweiten Abschnitt. So wird die musikalische Erzählung nachvollziehbar und spannend. Auch beim langsamen Üben lohnt es sich, bereits dynamische Nuancen einzubauen. An den von dir selbst definierten Höhepunkten der Phrasen kannst du den Klang gezielt anheben, um die musikalische Linie zu formen.

 

Spezielle Techniken

Sprünge und Strumming

Der Abschnitt von Takt 60 bis 66 ist ein besonderer Einschub, in dem Techniken wie Sprünge und Strumming eingesetzt werden. Zwei Aspekte sind beim Strumming besonders wichtig:

  1. Lockerheit im Handgelenk
    Das Handgelenk sollte entspannt bleiben, damit die Bewegung natürlich und rhythmisch wirkt. Die Hand schlägt die Saiten nicht, sondern gleitet locker darüber – eher wie eine Wischbewegung. Ich spiele den Abschlag mit „ma“ und den Aufschlag mit „p“. Diese Fingersätze ermöglichen eine Rotation des Handgelenks und sorgen für Lockerheit.
  2. Gleichmäßiger Rhythmus
    Strumming basiert auf einem konstanten Puls. Auch wenn du Akzente setzt, sollte der Grundrhythmus stets gleichmäßig bleiben.

 

 

Sprünge gezielt üben 

Sprünge auf der Gitarre erfordern eine systematische Herangehensweise: Zunächst solltest du die Positionen ohne Klang „trocken“ durchgehen, bevor du sie im Tempo mit Metronom übst. Achte dabei besonders auf die Blickführung: Die Augen sollten dem Zielpunkt stets voraus sein. Ziel ist es, die Bewegungsabläufe bis zur Automatisierung einzuüben. Denn in schnellen Passagen bleibt keine Zeit zum Nachdenken – nur automatisierte Bewegungen funktionieren verlässlich.

 

Valeria Galimova spielt Yerevan von Thomas Fellow

 

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