Von Django Reinhardt bis heute – Joscho Stephan über die Kunst des Gypsy Swing
- 06.01.2025
Joscho Stephan gilt als einer der weltweit bedeutendsten Gypsy-Swing-Gitarristen. Er bleibt den Wurzeln des Genres treu, während er gleichzeitig neue Wege beschreitet. Inspiriert durch Django Reinhardts legendäre Aufnahme „Minor Swing“ entdeckte Stephan bereits als Teenager seine Leidenschaft für diesen besonderen Musikstil. Nun erschien gemeinsam mit Dieter Kreidler sein Workshop Gypsy Swing Guitar. Im Interview hat er uns erzählt, wie dieser Band entstanden ist und was seine Besonderheiten sind. Natürlich gab Joscho Stephan auch gleich ein paar praxisnahe Improvisationstipps.
Sie gelten als einer der bedeutesten Gypsy-Swing-Gitarristen weltweit. Was hat Sie ursprünglich zu diesem Genre geführt?
Die Aufnahme “Minor Swing” von Django Reinhardt und dem “Hot Club de France”. Ich war ungefähr 13 Jahre alt, als ich diese Nummer durch Zufall entdeckt habe. Vorher habe ich mich mit Rock, Klassik und auch ein wenig Jazz beschäftigt, allerdings war der “Minor Swing” die Initialzündung für meinen Wechsel zum Gypsy Swing.
Ihr Spiel verbindet Tradition und Moderne. Wie bewahren Sie die Wurzeln des Gypsy Swing, während Sie gleichzeitig neue Elemente integrieren?
Hauptsächlich durch die Instrumentierung. Im Trio spielen wir nur mit Saiteninstrumenten (zwei Gitarren + Kontrabass), d.h. wie schon in den 30ern findet die Musik ohne Schlagzeug statt. Spieltechnisch ist die rechte Hand das große Geheimnis. Der perkussive Anschlag macht den Sound aus.
Können Sie uns von einem Moment erzählen, der Sie in Ihrer musikalischen Karriere besonders geprägt hat?
Mit Sicherheit das erste Zusammentreffen mit Tommy Emmanuel. Wir haben in Dortmund zusammengespielt, da war ich etwa 20 Jahre alt, das hat meine musikalische Entwicklung mit Sicherheit auch in andere Richtung gelenkt.
Die Entstehung von Workshop Gypsy Swing Guitar
Ihr neues Buch Workshop Gypsy Swing Guitar ist gerade bei Schott Music erschienen. Was können Gitarristinnen und Gitarristen von diesem Werk erwarten?
Das Buch sehe ich als Ergänzung zu den vielen Möglichkeiten den Gypsy Swing zu erlernen, bzw. Lehrplattformen wie meine “Gypsy Guitar Academy” richten sich eher an Plektrum-Spieler, bzw. auch an Personen, die sich evtl. schon mit Jazz und improvisierter Musik auseinandergesetzt haben. Tatsächlich ist es für Musiker aus der klassischen Tradition eher schwer einen Zugang zu finden, da mit der rechten Hand gezupft wird, d.h. das komplette Spiel ohne Plektrum stattfindet.
Wie entstand die Zusammenarbeit mit Schott Music und Dieter Kreidler, und wie haben Sie den kreativen Prozess für dieses Buch erlebt?
Dieter ist ein hervorragender Pädagoge, ich selbst habe als Kind aus seiner legendären “Gitarrenschule” einige Titel erlernt. Umso mehr habe ich mich gefreut, als wir uns über 10 Jahren das erste Mal persönlich in Remscheid (bei den Gitarrrentagen) getroffen haben. Da ist direkt eine Freundschaft entstanden, die zu dem Buch “Workshop Gypsy Swing Guitar” geführt hat. Wir haben im “Ping Pong” Verfahren an dem Buch gearbeitet. Ich habe einige Stücke vorgelegt, die Dieter dann akribisch aufgeschrieben- und teilweise für mehrere Gitarren arrangiert hat, außerdem hat er noch eigenen Nummern mit hinzugenommen, so dass es nun endlich eine Schule gibt, die sich auch an die klassischen Gitarristen richtet.
Ihr Workshop Gypsy Swing Guitar richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an Fortgeschrittene. Welche Tipps geben Sie Anfängerinnen und Anfängern, die sich erstmals an Gypsy Swing versuchen möchten?
Ich denke der Bereich Rhythmusgitarre wird immer unterschätzt, ist aber die Basis für den kompletten Gypsy Swing. Das wäre der erste Bereich, mit dem ich mich beschäftigen würde, um ein Gefühl für den Rhythmus und die Akkorde zu bekommen.
Spannender Improvisieren lernen - so geht's
Charakteristisch für den Gypsy Swing ist vor allem die Improvisation mit Arpeggios. Skalen und Arpeggios üben kann aber auch sehr monoton sein. Haben Sie einen Tipp, das etwas spannender zu gestalten?
Tatsächlich gibt es zwei Ansatzpunkte, um das improvisierte Spiel spannender zu gestalten, und ich denke das gilt für jeden Bereich in dem man bestimmte Dinge (Skalen, Arpeggien, Pentatonik etc.) einsetzt. Erstens sollte man versuchen aus den möglichen Tönen eines Arpeggios eine Melodie zu erzeugen, also nicht nur das Arpeggio linear rauf- und runterspielen, sondern die Töne so zu nutzen, dass man am Ende nicht direkt merkt das man ein Arpeggio einsetzt. Das zweite Stilmittel sollte das Verbinden von zwei Akkorden sein, als Bsp.: Wenn man von Dm7 nach G7 spielt, dann klingt es wesentlich schöner zwei Arpeggien zu verbinden, ohne beim Wechsel abzusetzen, das wäre, als wenn man beim Sprechen immer wieder ins Stocken geraten würde. Das Verbinden sorgt für einen gleichmäßigeren Fluss der Musik.
Wenn Sie einem jungen Gitarristen einen einzigen Ratschlag für seinen musikalischen Weg geben könnten, welcher wäre das?
Das man sich bewusst werden muss, dass Musiker zu sein mehr bedeutet als sein Instrument zu beherrschen. Wir leben in sich ständig ändernden Zeiten (auch im Sinne von KI, Social Media etc.), so dass man auch als “Freelancer” mit all diesen Änderungen umgehen muss. Booking, Management, CD-Produktion und Verkauf etc. sind Dinge, um die man sich meist selbst kümmern muss, da gerade im Bereich “Nischenmusik” kaum mehr Unterstützer zu finden sind. Der Ratschlag wäre also in sich hineinzuhören und erstmal rauszufinden, welcher Typ Mensch man ist. Einige sind besser beraten sich als Pädagogen zu betätigen, andere sind Bühnentypen, und wie schon geschrieben auch geschäftliches und organisatorischen Geschick bestimmen darüber, wo man am Ende landen wird. Das man in der heutigen Zeit zusätzlich noch ein kompletter Musiker sein muss (um bestehen zu können) macht die Sache mit Sicherheit nicht einfacher, aber, und das finde ich sehr spannend und positiv, ich sehe unzählige Beispiele junger Musiker, die sich sehr ins Zeug legen Ihren eigenen Weg zu gehen, und ich denke, wenn man an sich glaubt und daran festhält, dann wird der Erfolg sich früher oder später von selbst einstellen.
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