Werk der Woche – Noriko Koide: Whale
- By Christopher Peter
- 23.11.2025
Die japanische Komponistin Noriko Koide (*1982) gilt als eine der profiliertesten Stimmen ihrer Generation, deren Werk sich durch innovative Orchestrierung, feine musikalische Texturen und eine reiche Klangfarbe auszeichnet. Am 24. November 2025 erlebt ihr neues Orchesterwerk Whale seine Uraufführung in der NTK Hall Forest Hall in Nagoya, aufgeführt vom Nagoya Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Kanade Yokoyama.
Ein Ozean aus Klang: Noriko Koides Whale lässt Kinder mit dem Wal schwimmen
Dieses Auftragswerk des Nagoya Philharmonic Orchestra ist nicht nur ein Beitrag zum zeitgenössischen Orchesterrepertoire, sondern ein kreativer Akt der Inklusion. Koide, die sich seit Jahren aktiv in multidimensionalen Kunstprojekten für Kinder engagiert (u.a. in der Gruppe Doubutsu Ongakutai), hat Whalespeziell für ein Kinderkonzert komponiert und lädt junge Teilnehmer aktiv zur Mitwirkung ein.
Der pädagogische Ansatz ist Kernelement des Werkes: Kurz vor Konzertbeginn veranstaltet die Komponistin einen Workshop, in dem die Kinder selbstgemachte Musikinstrumente – beschrieben als große Gefäße mit vielen Perlen – basteln können. Diese Instrumente dienen nicht nur als Bastelprojekt, sondern werden zu einem integralen Bestandteil der Uraufführung.
Wenn Kinderinstrumente auf das Orchester treffen
Das Orchesterwerk Whale wird so zu einem einzigartigen Gemeinschaftserlebnis: Das Nagoya Philharmonic Orchestra verschmilzt mit den texturreichen Klängen der Kinderinstrumente, um die verschiedenen Eigenschaften des Wals musikalisch darzustellen. Die Hörer werden Zeugen, wie der Wal – dargestellt durch diese ungewöhnliche Kombination von Profis und Laien – durch den Ozean schwimmt.
Noriko Koides Stil ist vielschichtig, verwendet jedoch stets innovative Techniken, um einzigartige Texturen und Farben zu erzeugen. Sie studierte Komposition unter anderem in Tokio, Amsterdam und Den Haag und gewann mehrere wichtige Preise, darunter den Akutagawa Award for Music Composition (2007).
Zwischen Gamelan und Avantgarde
Besonders prägend für Koides Klangwelt ist ihr tiefes Interesse an der traditionellen javanischen Gamelan-Musik, die sie in Indonesien studierte. Sie beschreibt ihre musikalische Sprache als einen Punkt, an dem die westliche Musiksprache und die Gamelan-Sprache – die sich oft entgegengesetzt entwickeln – sich treffen und koexistieren, ähnlich der gleichzeitigen Installation von Mac und Windows.
Werke wie Riverside (ein Fluss der buddhistischen Mythologie) oder Swaddling Silk and Gossamer Rain zeigen Koides Fähigkeit, philosophische Tiefe und poetische Titel in Musik zu übersetzen. Whale reiht sich in diese Tradition ein, indem es die faszinierende Thematik der Meerestiere und die innovative Integration von unkonventionellen Klängen zu einem bedeutenden Werk der Musikpädagogik verbindet.
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Foto Noriko Koide: Jumpeitainaka