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Im Chor singen – Vorbereitung, Selbstverständnis und warum jede Probe zählt

Ein Jugendchor singt gemeinsam in einem hellen Probenraum, während eine dirigierende Person im Vordergrund den Chor mit erhobener Hand anleitet.

In Deutschland singen ca. 5 Millionen Menschen regelmäßig in einem der über 55.000 weltlichen und kirchlichen Chöre. Viele davon gehen seit Jahrzehnten in die wöchentliche Probe, veranstalten Konzerte, organisieren Chorfahrten oder singen an Feiertagen in Kirchen und auf Volksfesten. Und alle sind sich einig: Der Aufwand lohnt sich. Aber warum singen Menschen im Chor, wie kann man sich auf die Proben vorbereiten und welchen Sinn stiftet das Singen im Chor über die bloße Freude an der Musik hinaus?


Warum singt man im Chor? 

Jedes Chormitglied hat seine ganz eigenen Gründe, im Chor zu singen. So zahlreich wie die einzelnen Individuen ist auch die unterschiedliche Motivation, Woche um Woche in der Probe zu erscheinen. Dazu gehören:

  • weil ich Geselligkeit suche
  • weil mir Singen unglaublich Spaß macht.
  • weil ich künstlerisch Gleichgesinnte treffen möchte.
  • weil ich bedeutende Musikwerke aufführen will.
  • weil ich das Bad im Klang liebe.
  • weil ich für den Erhalt der Kultur vor Ort etwas tun will.
  • weil ich (fetzige) Chormusik mag.
  • weil es mir gesundheitlich guttut.
  • weil es mein schönstes Hobby ist.

Dabei stehen alle Gründe gleichwertig nebeneinander, ganz gleich, wie hoch die eigenen sängerischen Ambitionen sind.
Aber hinter der Frage, warum man singt, verbirgt sich noch viel Wesentlicheres:

  • Singen bedeutet, sich aus dem ganz gewöhnlichen Alltag herausheben zu können und für den Moment all das Alltägliche zu vergessen.
  • Man erfährt den eigenen Körper als Voraussetzung und Mittel für einen individuellen Ausdruck.
  • Atmen, Singen, Sich-aufgehoben-Fühlen: Gutes für Leib und Seele.

 

Wie bereitet man sich auf eine Chorprobe vor? 

Wichtig ist, dass sich nicht nur in den Proben mit den Noten befasst wird, sondern auch in der Zeit dazwischen. 
Für Chöre mit hohem musikalischem Anspruch oder gar professionelle Ensembles kann die wertvolle Probenzeit nicht darauf verwendet werden, erst einmal die Töne einzuüben. Das müssen die Mitsingenden zu Hause vorbereiten. 
In der Probe wird dann das gemeinsame sprachliche Agieren innerhalb des Notentextes oder die Verwendung gruppenfähiger Vokalfarben erarbeitet. Man übt die Homogenität der Gruppe, man lernt das gegenseitige Aufeinanderhören und man arbeitet an der gemeinsamen musikalischen Aussage des Affekts.
Doch auch wer in einem Laienchor singt, bei dem das gemeinsame Erlernen der Töne einen zentralen Anteil an der Probenarbeit hat, kann sich privat bestmöglich auf die Probe vorbereiten:

 

Texte lesen und sprechen

Auch wenn man von sich selbst behauptet, keine Noten lesen zu können, kann man den Liedtext so gut anschauen, dass dieser in der nächsten Probe keine Schwierigkeiten mehr bereiten wird – gerade bei fremdsprachigen Texten kann eine solche Vorbereitung Wunder wirken. 
Man kann sich dabei auch nochmals in der Probe vereinbarte Details anschauen, z.B. die Lautstärke oder den Rhythmus sprechen.

 

Töne üben

Wenn man im ‚Vom-Blatt-Singen‘ nicht sonderlich versiert und sicher ist, kann das private Üben der Töne eine Herausforderung darstellen. 
Wer ein Instrument spielt, kann sich Melodiepassagen vorspielen und nachsingen. Dafür muss man kein Profi sein – auch die Blockflöte aus der Kindheit oder ein altes Keyboard können helfen.
Wer kein Instrument spielt, kann auf vorgefertigte Übeaufnahmen zurückgreifen, bei denen die eigene Stimme hervorgehoben ist. Diese sind teilweise professionell aufgenommen im Internet verfügbar oder werden gegebenenfalls von der Chorleitung bzw. engagierten Chormitgliedern bereitgestellt.

 

Alles für die Probe einpacken

Was muss man zur Probe mitbringen?

  • alle aktuellen Noten – sortiert und ggf. lose Blätter geordnet, am besten eingeheftet
  • ein gespitzter Bleistift samt Radiergummi
  • eine Wasserflasche für die Pausen
  • gute Laune

 

Gute Laune

Es mag merkwürdig klingen, aber die eigene Miesepeter-Stimmung kann sich auf den ganzen Chor übertragen und ihn musikalisch beeinflussen:

  • die Konzentration nimmt ab
    • die Lust, sich auf die Sangesnachbarn einzulassen, schwindet
      • die vokale Homogenität der Stimmgruppe nimmt ab
        • Der ganze Chor bekommt ein Intonationsproblem.

Daher gilt das Motto: Schlechte Laune trage ich nicht über die Schwelle des Probenraums!

 

Muss man bei jeder Chorprobe anwesend sein? 

Reicht es aus, nur gelegentlich zur Probe zu gehen, wenn man seine Stimme zu Hause übt? 
Die klare Antwort lautet: Nein.
Denn in der Probe geht es um weit mehr als nur um das Finden der richtigen Töne. Es wird an Klangfarben, musikalischen Effekten und gemeinsamer Artikulation gearbeitet – Dinge, die allein nicht geübt werden können.
Darüber hinaus leistet jedes Chormitglied einen wichtigen Beitrag zum Gesamtklang. Durch die eigene Anwesenheit:

  • stabilisiere ich meine Stimmnachbarn durch meinen vertrauten Klang 
  • übernehme ich Verantwortung gegenüber der Stimmgruppe 
  • trage ich zur klanglichen Fülle bei 
  • verhindere ich eine Schieflage der Chorbalance 

 

Außerdem bleibe ich auf dem aktuellen Stand der Probenarbeit und verhindere, dass der Chor durch Nacharbeit aufgehalten wird.

 

Hat das Singen im Chor einen größeren Sinn? 

Wer in einem Chor singt, tut dies oft nicht nur aus Freude an der Musik, sondern auch aus idealistischen Gründen.

 

Beitrag zum Ensemble

Wer in einem Chor singt, trägt wesentlich zum Erhalt und zur Stabilität des Ensembles bei. Eine stabile Besetzung ist die Grundlage für künstlerische Qualität – und damit für die Attraktivität eines Chores. Und ein attraktives Ensemble wird eher Menschen gewinnen können, die sich entschließen wollen, einem Chor beizutreten.

 

Verbindung von Menschen und Kultur

Ein attraktiver Chor sorgt aber nicht nur für eine gute künstlerische Performance auf der Bühne, sondern auch dafür, dass auch morgen noch Menschen vor der Bühne sitzen. Denn ein Chor bringt Menschen mit Kultur in Kontakt – unabhängig von Vorwissen oder Bildung. Er schafft niedrigschwelligen Zugang zur Musik.

 

Beitrag zur Region

Chöre sind wichtige Kulturträger. Sie organisieren Konzerte, entwickeln Formate und bringen Musik auch in ländliche Regionen. Damit erhöhen sie die Attraktivität von Städten und Regionen – sowohl für Menschen als auch für Unternehmen.

 

Persönliche Entwicklung

Wer im Chor singt, lernt ständig dazu:

  • Stimmbildung und Atemtechnik
  • musikalisches Verständnis
  • unterschiedliche Stilistiken (z. B. Jazz, Gospel oder Klassik)
  • Teamfähigkeit und Sozialkompetenz
  • Stressabbau

 

Und nun?

Noten sortiert, Bleistift gespitzt, Tasche gepackt – auf zur nächsten Chorprobe!

 


 

Grundlage dieses Artikels ist:

Reiner Schuhenn

Lust am Singen

 

"Singe fleißig im Chor mit, namentlich in den Mittelstimmen. Das macht dich musikalisch." schrieb einst Robert Schumann. Nun stellt Reiner Schuhenn mit diesem kleinen Buch eine kurzweilige Hilfestellung vor: Warum singe ich im Chor oder sollte damit anfangen? Wie finde ich einen passenden Chor und wie lerne ich diese ganzen Fachbegriffe? Und überhaupt: Muss ich in einer Chorprobe anwesend sein und wie geht das mit dem Üben? Ein Buch für Einsteiger:innen und alte Hasen, die ihr Tun hinterfragen möchten. 

 

Weitere Bücher vom Autor:

Reiner Schuhenn

Das alternative Chorleitungsbuch

 

Reiner Schuhenn

Chorleitung konkret

 

 

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