Werk der Woche – Richard Wagner: Das Rheingold
- 23.03.2026
Es gibt Momente in der Musikgeschichte, da spürt man das Beben schon vor dem ersten Takt. Wenn am 27. März 2026 in der Salzburger Felsenreitschule die Tiefen des Rheins musikalisch heraufbeschworen werden, ist das mehr als nur eine weitere Premiere. Es ist ein Gipfeltreffen. Kirill Petrenko am Pult der Berliner Philharmoniker und die bildgewaltige Regie von Kirill Serebrennikov versprechen ein Rheingold, von dem zu sprechen sein wird. Das eigentlich Spannende passiert aber zwischen den Notenzeilen von Wagners Partitur.
Gespielt wird nämlich aus dem Aufführungsmaterial der neuen, quellenkritischen Richard-Wagner-Gesamtausgabe. Alles, was sich über Jahrzehnte an Fehlern oder gut gemeinten Traditionen in die Noten eingeschlichen hat, wurde bereinigt und alle verfügbaren Quellenwurden kritisch betrachtet und einbezogen. Dass zeitgleich auch das Staatstheater Meiningen seine Premiere von Das Rheingold auf Basis dieser Ausgabe feiert, unterstreicht, dass hier ein neuer Standard für die Wagner-Interpretation gesetzt wird.
Wagners Oper: authentisch wie nie zuvor
Diese akribische Arbeit an der Partitur führt uns zurück zu einer der wohl intensivsten Beziehungen der Musikwelt: der zwischen Wagner und dem Verlag Schott. Der erste Kontakt im Jahr 1859 war noch vorsichtig, fast schon förmlich. Doch über die Jahre wurde daraus eine Schicksalsgemeinschaft. Wagner und Franz Schott und besonders dessen Nachfolger Ludwig Strecker als Verleger – das war eine Verbindung aus künstlerischer Vision und verlegerischer Geduld. Dass heute, über 160 Jahre später, diese Gesamtausgabe existiert, ist die Krönung dieser gemeinsamen Reise. Es geht darum, Wagners Klangwelt so pur und unverfälscht wie möglich erlebbar zu machen.
Und der Wagner-März endet nicht mit dem Rheingold. Nur einen Tag später, am 28. März, folgt im Baden-Badener Festspielhaus eine Neuproduktion von Lohengrin, inszeniert von Johannes Erath. Mit Joana Mallwitz am Pult des Mahler Chamber Orchestra steht auch hier eine absolute Ausnahmekünstlerin im Fokus. Wiederum einen Tag später, am 29. März, feiert die Oper Köln die Premiere von Die Walküre, dem zweiten Teil der Ring-Tetralogie. Im Staatenhaus Köln steht Marc Albrecht am Pult der Neuinszenierung von Paul-Georg Dittrich. Und natürlich kommt auch dort die Gesamtausgabe zum Einsatz. Es ist fast so, als würde die Musikwelt gerade kollektiv tief durchatmen, um Wagner genau so klingen zu lassen, wie er es sich damals am Schreibtisch – vielleicht bei einer weiteren dringlichen Nachricht an seinen Verleger – erträumt hat.
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Illustration: Franz Hanfstaengl (Porträt Richard Wagner), Henri Fantin-Latour (Hintergrund)