Werk der Woche – Andrew Norman: Play: Levels 1, 2 and 3
- By Christopher Peter
- 26.10.2025
Der amerikanische Komponist Andrew Norman (*1979) gehört zu den aufregendsten und meistgespielten Stimmen der zeitgenössischen Musikszene. Seine Werke, die oft von Architektur und visuellen Medien inspiriert sind, zeichnen sich durch komplexe, aber zugängliche Strukturen und eine spielerische Energie aus. Im Jahr 2025 steht eines seiner zentralen Werke, der Orchesterzyklus Play: Levels 1, 2 and 3, im Fokus: Das Royal Concertgebouw Orchestra bringt das Stück unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Klaus Mäkelä am 29. und 30. Oktober 2025 zur niederländischen Erstaufführung.
Das Spiel mit der Kontrolle
Mit Play: Levels 1, 2 and 3 hat Norman eine Komposition geschaffen, die sich auf tiefgründige Weise mit dem Begriff des Spiels (Play) auseinandersetzt. Für Norman ist "Spielen" nicht nur ein unbeschwerter Zeitvertreib, sondern findet in vielschichtigen Kontexten Anwendung: vom Instrumentenspiel über das Theaterspiel bis hin zu Videogames.
In seiner Komposition verwandelt sich das Orchester in ein Theaterensemble, das aus vielen einzelnen Akteuren besteht, die sowohl harmonisch als auch antagonistisch agieren können ("zusammen oder gegeneinander spielen"). Dabei dient der Dirigent als zentrale, autoritäre Instanz – vergleichbar mit einem Marionettenspieler, der alle Fäden in der Hand hält. Diese extreme Kontrolle verleiht dem Begriff "Spiel" einen düsteren Unterton, da Manipulation und Betrug möglich werden.
Musik, die ins nächste Level aufsteigt
Der Titel Play: Levels 1, 2 and 3 ist eine direkte Anspielung auf die Welt der Videospiele. Der gesamte Zyklus, der 2013 in Boston uraufgeführt wurde, ist in drei aufeinander aufbauende "Levels" unterteilt, die jeweils eigene dramaturgische Herausforderungen darstellen.
Norman beschreibt sein Werk als eine Auseinandersetzung mit der Frage, wer auf wem spielt:
Vieles in diesem Stück befasst sich damit, wer auf wem spielt. Die Schlagzeuger zum Beispiel verwenden einen großen Teil ihrer Zeit darauf, auf dem Orchester zu „spielen“, als wäre es ein Instrument (so, wie sie selbst als Instrument vom Dirigenten „gespielt“ werden. Dieser wird wiederum von der Partitur „gespielt“). Einige Schlaginstrumente übernehmen die Rolle eines Schalters: Sie schalten unterschiedliche Spieler an und auch wieder aus, lassen sie (teils im Spaß, teils im Ernst) lauter oder leiser spielen, vorwärts oder rückwärts, schneller oder langsamer. Sie spulen die Musik zurück und lassen sie nochmals wiederholen; immer darauf bedacht, einen Weg aus dem Labyrinth zu finden und zu einem höheren Level weiterzukommen. (Andrew Norman)
Diese Beschreibung unterstreicht, dass Play: Levels 1, 2 and 3 weit über traditionelle Orchestermusik hinausgeht und das Orchester zu einem sich selbst reflektierenden, virtuellen Mechanismus macht. Das Werk gilt als eines seiner wichtigsten und ambitioniertesten Stücke und hat ihm internationale Anerkennung eingebracht. Es wurde 2016 mit dem bedeutenden Grawemeyer Award ausgezeichnet.
Internationale Aufführungen
Die niederländische Erstaufführung durch das Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Klaus Mäkelä ist Teil einer Reihe hochkarätiger internationaler Aufführungen. Klaus Mäkelä wird Play: Levels 1, 2 and 3 im Mai 2026 auch nach Deutschland bringen und dort mit den Berliner Philharmonikern zur Deutschen Erstaufführung bringen. Bereits 2016 feierte der erste Teil (Play: Level 1) Erfolge auf einer Europa-Tournee des Los Angeles Philharmonic Orchestra unter Gustavo Dudamel
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Werkseite mit Online-Partitur von Play: Levels 1, 2 and 3
Veranstaltungsseite Royal Concertgebouw Orchestra
Komponistenprofil Andrew Norman
Foto Andrew Norman: Craig T. Matthew; Hintergrund mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt