Werk der Woche – Steve Martland: Horses of Instruction
- 27.07.2026
Steve Martland gehörte zu den eigenwilligsten Stimmen der britischen Musik des späten 20. Jahrhunderts. Geprägt durch seine Studien bei Louis Andriessen in Den Haag entwickelte er einen Stil, der die Grenzen zwischen zeitgenössischer Kunstmusik, Rock, Funk und urbanen Klangwelten bewusst infrage stellte. Seine Musik suchte nicht den Rückzug ins Akademische, sondern wollte unmittelbare physische Wirkung entfalten. Im Programmheft eines Tribute-Konzerts wurde Martland als einer der originellsten und kompromisslosesten britischen Komponisten seiner Generation beschrieben.
Horses of Instruction entstand 1994/95 zunächst für die Bang on a Can All-Stars und wurde kurz darauf für die erweiterte Besetzung von Martlands eigener Band überarbeitet. Der Titel geht auf ein berühmtes Zitat William Blakes zurück: „The tigers of wrath are wiser than the horses of instruction.“ Bereits damit deutet sich jene Mischung aus Widerständigkeit, Energie und Unabhängigkeit an, die Martlands Musik prägt.
Rhythmus als Kraftfeld
Das Werk basiert auf einer außergewöhnlichen rhythmischen Architektur. Dialogische Passagen, pulsierende Basslinien, schnelle Ensemblefiguren und ein später drastisch gesteigertes Tempo verbinden sich zu einem musikalischen Organismus von enormer Antriebskraft. Die Programmnotizen des Londoner Tribute-Konzerts beschreiben die Schlusssektion als eine Art riesige rhythmische Maschine, deren Bewegungsenergie das gesamte Ensemble erfasst.
Gleichzeitig erschöpft sich Horses of Instruction nicht im reinen Kraftaufwand. In einer Besprechung des Konzerts wurde hervorgehoben, dass hinter der rauen Oberfläche eine bemerkenswerte Präzision und Sensibilität sichtbar werde. Gerade diese Verbindung von rhythmischer Vehemenz und kompositorischer Kontrolle macht das Werk bis heute zu einem markanten Beispiel für Martlands musikalische Sprache.
Am 31. Juli 2026 kehrt Horses of Instruction zu jenem Ensemble zurück, für das es ursprünglich entstand: den Bang on a Can All-Stars. Das Konzert im Massachusetts Museum of Contemporary Art (MASS MoCA) erhält zusätzliche Aufmerksamkeit dadurch, dass im selben Programm auch Martlands Eternal Delight erstmals in den USA aufgeführt wird. Die Verbindung zweier zentraler Werke macht die Veranstaltung zu einer konzentrierten Wiederbegegnung mit dem Komponisten und seinem bis heute einflussreichen Schaffen.
Nicht zufällig bezeichnete der Schlagzeuger Colin Currie, einer der wichtigsten Fürsprecher Martlands, Horses of Instruction als „perhaps his finest work“ und würdigte insbesondere dessen „brilliant rhythmic complexity and drive“. Dieses Urteil verweist auf die besondere Stellung des Werkes im Gesamtœuvre des Komponisten.
Im selben Programm erklingt im MASS MoCA am 31.07. das Werk Eternal Delight von Steve Martland ebenfalls erstmals in den USA.
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Illustration: Ad Nuis (Foto Steve Martland), Hintergrund KI-generiert