Neue OMNI-Partituren im Sommer 2026
- 24.07.2026
Wer die Veröffentlichungen von OMNI Music Publishing verfolgt, weiß, dass es hier längst nicht mehr nur um Sammlerstücke geht. Die Bände sind Arbeitsmaterial: Quellen für Analyse, Orchestrationsstudien und einen direkten Blick in die Werkstatt bedeutender Filmkomponist:innen. Mit den seit Ende Juli bei Schott Music erhältlichen Ausgaben von Jerome Moross’ Weites Land (The Big Country, 1958) und Marc Shaimans South Park: Der Film – größer, länger, ungeschnitten (South Park: Bigger, Longer & Uncut, 1999) erweitert OMNI die Reihe um zwei Partituren, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten – die aber beide exemplarisch zeigen, wie prägend Filmmusik für die Identität eines Films werden kann.
Weites Land: Der Western, der den Klang des Westerns veränderte
Kaum eine Filmmusik hat die musikalische Sprache des amerikanischen Westerns so nachhaltig geprägt wie Jerome Moross’ Partitur für William Wylers The Big Country. Während viele Hollywood-Western der 1940er- und 1950er-Jahre noch stark von europäischen Vorbildern beeinflusst waren, entwickelte Moross einen unverwechselbar amerikanischen Tonfall: offene Quinten, pentatonisch gefärbte Melodik, rhythmische Energie und eine orchestrale Weite, die bis heute sofort mit dem Genre assoziiert wird.
Gerade für Filmkomponist:innen ist die Partitur ein faszinierendes Studienobjekt. Viele der Techniken, die später selbstverständlich erscheinen sollten, lassen sich hier in einer frühen und besonders klaren Form beobachten: die motivische Arbeit über große dramaturgische Bögen hinweg, die Verbindung von folkloristisch anmutendem Material mit sinfonischer Entwicklung und die präzise Abstufung zwischen großem Panorama und intimen Charaktermomenten.
Die Ausgabe enthält die vollständige Originalpartitur mit sämtlichen 42 Cues des Films sowie Analysen zentraler Themen und Motive. Für alle, die sich mit der Entwicklung der amerikanischen Filmmusik beschäftigen, gehört dieser Band zu den seltenen Veröffentlichungen, die gleichermaßen historische Quelle und praktisches Lehrmaterial sind.
South Park: Bigger, Longer & Uncut: Mehr als eine rotznasige Musical-Parodie

Dass South Park: Bigger, Longer & Uncut zu den ungewöhnlichsten Filmmusikveröffentlichungen der letzten Jahre gehört, liegt nicht allein am Film selbst. Wer die Partitur aufschlägt, entdeckt schnell, warum sie unter Komponist:innen seit Jahren Kultstatus genießt.
Marc Shaiman kombiniert hier die Tradition des klassischen Broadway-Musicals mit symphonischer Filmmusik und der respektlosen Satire von Trey Parker. Die berühmten Songs – von Mountain Town über Blame Canada bis La Résistance – funktionieren dabei nicht nur als Nummernrevue, sondern sind eng in die dramaturgische Architektur des Films eingebunden.
Besonders interessant ist die handwerkliche Seite: Hinter dem bewusst überzeichneten Humor verbirgt sich eine erstaunlich anspruchsvolle musikalische Konstruktion. Leitmotive werden konsequent weiterentwickelt, Musical-Nummern gehen nahtlos in Underscore-Passagen über, und die Orchestrierung bewegt sich souverän zwischen Broadway, klassischem Hollywood und Parodie. Gerade deshalb eignet sich die Partitur hervorragend als Studienmaterial für alle, die sich mit der Verzahnung von Songwriting und Filmscore beschäftigen.
Die OMNI-Ausgabe enthält die vollständige Filmmusik inklusive aller Songs und Underscore-Cues sowie Essays zur Entstehung des Films, zur musikalischen Satire und zur Zusammenarbeit von Trey Parker und Marc Shaiman.
Zwei Epochen, zwei Lektionen in Filmmusik
Was diese beiden Neuerscheinungen besonders reizvoll macht, ist ihr Kontrast. Auf der einen Seite steht Moross’ stilbildender Western-Score, dessen Einfluss sich bis in die Gegenwart verfolgen lässt. Auf der anderen Seite Shaimans postmoderne Musical-Partitur, die bekannte Traditionen zitiert, kommentiert und zugleich virtuos fortführt.
Für langjährige Sammler:innen der OMNI-Reihe schließen beide Ausgaben zudem Lücken im Katalog: The Big Country ist eine wesentliche Referenz für das Studium klassischer Hollywood-Orchestrierung, während South Park: Bigger, Longer & Uncut einen seltenen tiefen Einblick in die musikalische Konstruktion eines modernen Film-Musicals ermöglicht.
Wer OMNI-Bände nicht nur ins Regal stellt, sondern tatsächlich liest, analysiert und mit Bleistift markiert, wird an beiden Veröffentlichungen lange Freude haben.
