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Werk der Woche – Richard Wagner: Rienzi, der Letzte der Tribunen

Leere steinerne Freitreppe mit erhöhter Plattform vor einer historischen Stadtsilhouette unter hellem Himmel. Davor in der rechten Bildhälfte das Profil einer Marmor-Büste von Richard Wagner.

Als Richard Wagner 1842 mit Rienzi, der Letzte der Tribunen  seinen ersten großen Bühnenerfolg errang, war von den späteren Musikdramen des Bayreuther Kanons noch wenig zu ahnen. Die Oper entstand in einer Zeit politischer und gesellschaftlicher Umbrüche und orientierte sich an den großen Vorbildern der französischen Grand Opéra. Chorszenenöffentliche Machtinszenierungen und monumentale Tableaus prägen ein Werk, das Wagner selbst später zunehmend kritisch betrachtete, das jedoch für seine künstlerische Entwicklung von entscheidender Bedeutung blieb. 

Im Zentrum steht der römische Volkstribun Cola di Rienzi, der die Stadt von der Herrschaft rivalisierender Adelsfamilien befreien will. Sein politischer Idealismus verschafft ihm zunächst breite Unterstützungdoch derselbe Anspruch führt schließlich zu Isolation und Untergang. Damit erzählt die Oper nicht nur von historischem Geschehensondern von den Spannungen zwischen Vision, Macht und Verantwortung 

Zwischen Triumphoper und Zukunftsentwurf 

Musikalisch markiert Rienzi, der Letzte der Tribunen einen Übergangspunkt innerhalb von Wagners Schaffen. Das Werk ist noch stark von den Konventionen seiner Epoche geprägtzugleich kündigen sich bereits jene dramatischen und orchestralen Denkweisen an, die später den Ring des NibelungenTristan und Isolde oder Parsifal charakterisieren solltenGerade deshalb eröffnet Rienzi, der Letzte der Tribunen einen Blick auf Wagner als Suchenden, der bestehende Formen nutzt und zugleich über sie hinausweist. 

Der Anlass unterstreicht die besondere Stellung des Werks: Im Jubiläumsjahr der Bayreuther Festspiele wird Rienzi, der Letzte der Tribunen dort erstmals aufgeführt. Die musikalische Leitung übernimmt Nathalie Stutzmann, die Inszenierung stammt von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Zu den Mitwirkenden zählen unter anderem Andreas Schager beziehungsweise Magnus Vigilius in der Titelrolle, Gabriela Scherer als Irene und Jennifer Holloway als Adriano. Die Festspiele verstehen die Produktion ausdrücklich als Wiederbegegnung mit einem Werk, das lange außerhalb des Bayreuther Repertoires stand. Das Aufführungsmaterial entstammt der bei Schott erschienenen Richard-Wagner-Gesamtausgabe 

Die aktuelle Produktion lenkt den Blick damit weniger auf eine vermeintliche Vorstufe der späteren Musikdramen als auf die Eigenständigkeit des Werks. Rienzi, der Letzte der Tribunen erscheint als Oper, die politische Öffentlichkeitpersönliche Tragödie und musikalische Monumentalität auf besondere Weise verbindet – und gerade dadurch neue Fragen an die Gegenwart richtet. 

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Illustration: DEFOTO Dirk Ellmer, Hintergrund erstellt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz

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