Werk der Woche – Mary Finsterer: Auxilium Christianorum
- By Christopher Peter
- 30.11.2025
Die australische Komponistin Mary Finsterer ist bekannt für einen höchst persönlichen und rigorosen Stil, der historisch informierte Musiksprache mit zeitgenössischer Komplexität verschränkt. Ihre Werke – von Opern über Kammermusik bis hin zu elektroakustischen Arbeiten – zeichnen sich oft durch eine meditative Dichte und raffinierte formale Strukturen aus. Am 2. Dezember 2025 wird in Melbourne, VIC (Australien) ihr neues Werk für gemischten Chor und Orchester, Auxilium Christianorum (Hilfe der Christen), im Rahmen des Australian Catholic Youth Festivals (ACYF) uraufgeführt.
Von Bachs Choral zur zeitgenössischen Hoffnung: Mary Finsterers neues Werk für das australische Jugendfestival
Das monumentale Auftragswerk der Catholic Archdiocese of Melbourne wird vom Trinity College Choir Melbourne und dem Melbourne Youth Orchestra unter der Leitung von Brett Kelly präsentiert.
Finsterer konzipierte Auxilium Christianorum als zweiteilige Feier der Freude, Einheit und des tiefen Glaubens, die das Jugendfestival prägen:Fanfare: Ein strahlender, zeremonieller Anfang, der den Geist der Einheit und Freude des Festivals verkündet. Der lateinische Text lautet Auxilium Christianorum. Processional: Dieser Teil ist andächtig und weitläufig, bestehend aus drei kontinuierlichen Sätzen in Ternärform.
Zwei Teile, eine spirituelle Reise
Der erste und dritte Satz des Processional nehmen das Thema des Bach-Chorals Christus, der uns selig macht auf. Diese Melodie geht auf die altüberlieferte Hymne Patris sapientia, veritas divina zurück. Finsterer extrahiert aus den ersten fünf Akkorden dieser historischen Melodie ein neues Thema, das sie in einer zeitgenössischen harmonischen und orchestralen Sprache neu interpretiert.
Der zentrale, zweite Satz bildet einen Kontrast: Er ist intim und reflektierend. Er basiert auf isolierten Harmonien des Chorals, entwickelt aber völlig neues Material. Besonders herausragend ist hier die expressive Linie eines Solo-Countertenors, dessen Gesang Gebet und Kontemplation evoziert. Der lateinische Text dieses Satzes (O Virgo serena, lux cæli...) reflektiert tiefes Vertrauen in die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria als Schutzpatronin der Kirche.
Das Werk ehrt die Würde der liturgischen Tradition, während es gleichzeitig die Vitalität und Hoffnung des zeitgenössischen Glaubens verkörpert.
Doppel-Uraufführung in Melbourne
Im selben Konzert feiert ein weiteres Chorwerk Finsterers seine Uraufführung: The Lord Ruleth Me (Dominus regit me). Dieses Stück wird von denselben Mitwirkenden (Chor und Orchester) aufgeführt, zusätzlich jedoch unter Einbeziehung des Publikums/der Gemeinde, was seinen inklusiven Charakter unterstreicht. Obwohl Auxilium Christianorum das primäre „Werk der Woche“ ist, ist diese Doppel-Uraufführung ein bedeutendes Zeichen für Finsterers zentrale Rolle in der australischen Musikszene.
Finsterer, die an der Sydney Conservatorium of Music unterrichtet und für ihre Arbeiten mehrfach ausgezeichnet wurde (u.a. mit dem Paul Lowin Award), nutzt dieses öffentliche Format, um die meditative Tiefe und formale Klarheit ihres Stils einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
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Mary Finsterer: Composer Profile
Auxilium Christianorum: Werkdetails und Online-Partitur
Veranstaltungsseite Australian Catholic Youth Festival
Foto Mary Finsterer: Dean Golja