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Werk der Woche - Jacques Offenbach: Les Contes d'Hoffmann

Am 23. Juli 2015 feiert die Oper Les Contes d‘Hoffmann („Hoffmanns Erzählungen“) von Jacques Offenbach bei den Bregenzer Festspielen in einer Inszenierung des norwegischen Opernregisseurs Stefan Herheim unter der Leitung von Johannes Debus Premiere. In der Titelpartie der fünfaktigen Oper ist Daniel Johansson zu erleben, daneben Kerstin Avemo als Olympia, Bengt-Ola Morgny als Spalanzani und Rachel Frenkel in der Doppelrolle als Muse und Niklausse. Bereits vor der Vollendung der Opéra fantastique starb der Komponist. Der Schott-Verlag hat es mit den Offenbach-Forschern Michael Kaye und Jean-Christophe Keck ermöglicht, die umfangreichste Edition mit allen heute bekannten und verfügbaren autographen Quellen zu den Contes d‘Hoffmann zu erstellen. Außerdem rekonstruiert die Edition die Fassung letzter Hand, so weit sie vor Offenbachs Tod fertig war. Auf dieser baut auch die Bregenzer-Aufführung auf.

Bei Wein und Gesang wartet der Dichter Hoffmann auf seine Angebetete – die Operndiva Stella – und erzählt in seinem fortschreitenden Rausch über seine amourösen Liebesabenteuer, die allesamt gescheitert sind. Er war dem Trugbild der mechanischen Puppe Olympia verfallen, die er für eine reale Frau hielt und während eines wilden Tanzes zerstörte. Er liebte die Sängerin Antonia, die zum Schweigen verurteilt war und im Trio mit Crespel und Hoffmann sterben musste. Er stürzte sich ins sinnliche Vergnügen bei der Kurtisane Giulietta, die ihm sein Spiegelbild raubte und ihn zum aus Leidenschaft rasenden Mörder machte. Am Ende seiner Erzählungen muss Hoffmann erkennen, dass auch seine Beziehung zu Stella scheitert, und flüchtet sich in seine Kunst. Er folgt der Muse - als einzig wahrer Freundin des Dichters.
Vor allem habe ich einen schrecklichen, unüberwindlichen Fehler, nämlich immer zu arbeiten. Ich bedauere das im Namen derer, die meine Musik nicht lieben, denn ich werde sicher noch mit einer Melodie unter der Feder sterben. – Jacques Offenbach

Die Vorstellung wird am 26. Juli auf ORF3 übertragen. Der Premiere am 23. Juli 2015 folgen noch vier weitere Vorstellungen bis zum 6. August 2015. Die Komische Oper Berlin zeigt das Werk ab dem 2. Oktober 2015 in einer Inszenierung des australischen Opern- und Theaterregisseurs Barrie Kosky.

 

Foto: bregenzerfestspiele.com
(20.07.2015)

Werk der Woche - Atsuhiko Gondai: Vice Versa

Vice Versa, das neue Orchesterwerk von Atsuhiko Gondai, wird am 18. Juli 2015 durch das Orchestra Ensemble Kanazawa unter der Leitung von Michiyoshi Inoue in der Ishikawa Ongakudo Concert Hall im japanischen Kanazawa zur Uraufführung gebracht.

Ein Kompositionsmerkmal des japanischen Komponisten Gondai ist das Vereinen von Gegensätzen neuester Kompositionstechniken und alter Musikideale. Die beiden Sätze des Werks Vice Versa sind kompositorisch so gegensätzlich wie möglich angelegt. In diesen Gegen-Sätzen wird man den jeweils anderen im wörtlichen sinne vice versa, also in umgekehrter Weise erleben. Vom Orchestra Ensemble Kanazawa, für das Gondai bereits 2005 ein Werk geschrieben hatte, erhielt der Komponist nun einen weiteren Auftrag für ein Orchesterwerk. Am Pult in der Concert Hall in Kanazawa steht mit Michiyoshi Inoue der mehrfach ausgezeichnete Chefdirigent des Orchesters, der seine Zuschauer auf weltweiten Konzertreisen in Deutschland, Frankreich, Südamerika, Japan, Australien und vielen anderen Ländern begeistert. Zu seinem neuen Werk erklärt der Komponist:
Ziel dieser Komposition war es, jedes erkennbare musikalische Element auf seine Gegensätzlichkeit hin zu untersuchen, beginnend mit der Abstoßung der beiden Sätze untereinander. Die Musik strebt danach, diese Sphäre der Abstoßung zu überwinden und im streitenden Zwiegespräch der Instrumente zu einer neuen Form der Vereinigung und Verbindung zu kommen, so als schaue man von einem Gipfel nach unten und gleichzeitig von unten nach oben.  - Atsuhiko Gondai.

In Europa wird es von Gondai am 4. und 5. November 2015 Neues zu hören geben: In der Alten Oper in Frankfurt am Main wird das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada ein weiteres neues Orchesterwerk präsentieren.

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(13.07.2015)

Werk der Woche - Richard Strauss: Arabella

Anja Harteros war in der vergangenen Spielzeit in der Rolle der Arabella an der Semperoper Dresden zu erleben. Hier mit Thomas Hampson als Mandryka. (Foto: Matthias Creutziger)


Die Münchner Opernfestspiele stellen traditionell den krönenden Abschluss der Spielzeit dar und befinden sich derzeit in vollem Gange. In diesem Rahmen feiert die vergleichsweise selten zu hörende Oper Arabella von Richard Strauss am 6. Juli 2015 Premiere. In prominenter Besetzung wird sie von dem Theater- und Filmregisseur Andreas Dresen neu inszeniert. Der Musikchef der Pariser Oper Philippe Jordan steht am Pult im Nationaltheater. Mit Anja Harteros ist eine Sopranistin von Weltrang in der Titelpartie zu erleben, neben ihr stehen Kurt Rydl (Graf Waldner), Doris Soffel (Adelaide), Hanna-Elisabeth Müller (Zdenka), Joseph Kaiser (Matteo) und Thomas J. Mayer (Mandryka) auf der Bühne.


Arabella ist das letzte Werk, das Strauss mit seinem Librettisten Hugo von Hofmannsthal konzipierte. Fast 25 Jahre zuvor begann mit der Oper Elektra ihre Zusammenarbeit. Mit Arabella wollten beide an ihren größten Erfolg – den Rosenkavalier – anknüpfen, jedoch "ohne dessen Fehler und Längen", so Strauss. Noch vor Vollendung der Oper verstarb von Hofmannsthal und Strauss komponierte eng am Text entlang. Aus Ehrfurcht nahm er keine Änderungen am Libretto vor. Wie schon im Rosenkavalier bestimmen Adelskreise in Wien, Walzer und eine melancholische Grundstimmung die operettennahe Handlung. Im Zentrum steht Arabella, die spröde Schöne. Sie soll nach Plänen der Eltern reich verheiratet werden. Nach zahlreichen amourösen Verwicklungen kommt es für Arabella mit dem reichen Gutsbesitzer Mandryka und für ihre Schwester Zdenka mit Matteo zu einer glücklichen Wendung.



Man muss daran arbeiten, dass die Walzer weniger brillant, weniger klassisch klingen, weniger spritzig, dafür aber mehr Wehmut besitzen. Sie müssen in all ihrer Doppelbödigkeit, Dekadenz und Patina schillern, zumal der Walzer – anders als im Rosenkavalier – hier historisch an seinem richtigen Platz steht. - Philippe Jordan.


Arabella wurde kein zweiter Rosenkavalier. Sie besitzt eigene unverwechselbare und facettenreiche Qualitäten und das Interesse an dieser Oper nimmt in den letzten Jahren stetig zu. Wie die zur Walzermusik sich drehende Welt aus den Fugen gerät und wie schwer es ehrliche Gefühle und feste Überzeugungen in dieser Welt des schönen Scheins haben, ist bis zum 17. Juli 2015 und in drei weiteren Vorstellungen vom 13. bis 19. Januar 2016 an der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Während der Festspielzeit 2015 präsentiert die Bayerische Staatsoper mit Elektra und Die Schweigsame Frau noch zwei weitere Opern von Strauss.



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(06.07.2015)

Werk der Woche - Mark-Anthony Turnage: Blood on the Floor

An der Opéra Bastille in Paris begeistert zur Zeit das Ballett  "L'anatomie de la Sensation (pour Francis Bacon)" mit der Musik Blood on the Floor von Mark-Anthony Turnage die Zuschauer. In der Choreographie von Wayne McGregor wurde das Ballett 2011 uraufgeführt. Peter Rundel dirigiert das Ensemble Intercontemporain und die vier Jazz-Solisten, für die das Stück geschrieben wurde: Peter Erskine (Schlagzeug), Martin Robertson (Saxophon), John Parricelli (Gitarre) und Michel Benita (Bass-Gitarre).



Blood on the Floor ist nach einem Gemälde von Francis Bacon benannt, der bereits mehrere Frühwerke von Turnage inspiriert hatte. Obwohl Turnage seit seiner Jugend ein Fan des Jazz ist, war es das erste Werk, das er für Jazzmusiker schrieb. Das Einbauen von Improvisation und dem teilweise daraus resultierenden Verlust der kreativen Kontrolle war für Turnage eine neue Erfahrung, der immer stark auskomponiert und sorgfältige Partituren erstellt. Bei der Umwandlung in ein Bühnenwerk wird den Tänzern ebenfalls diese improvisatorische Freiheit gewährt.


Die Partitur ist sehr gefühlsbetont, da sie in der Zeit niedergeschrieben wurde, in der Turnages Bruder Andrew an einer Überdosis Drogen verstarb. In der sechsten der neun Sätze, Elegie to Andy, basiert die Musik auf einer eindringlichen Melodie, die auch bei Andrews Beerdigung gespielt wurde. - Brian Morton


Wenn man fragt, ob das Bacon-Gemälde  als Ausgangspunkt zu sehen ist, möchte Turnage nicht, dass eine Familientragödie den einzigen Fokus des Werkes bildet. Es ist jedoch sein Dreh- und Angelpunkt und gleichzeitig das emotionale Zentrum einer komplexen Arbeit, die ihn in nicht vorher erkundete Bereiche der Tonalität bringt. - Brian Morton


Die Produktion wird im Juli in weiteren sieben Aufführungen zu erleben sein.




(06.07.2015)

Werk der Woche - Huw Watkins: In the Locked Room

Am 4. Juli 2015 findet in der Spielstätte Opera stabile der Hamburgischen Staatsoper die Premiere von Huw Watkins' Kammeroper In the Locked Room statt. Regie führt Petra Müller. Unter der musikalischen Leitung von Daniel Carter stehen Christina Gansch (als Ella Foley), Benjamin Popson (als Stephen Foley), Maria Markina (als Susan Wheeler) und Vincenzo Neri (als Ben Pascoe) auf der Bühne. 2012 wurde der Einakter in Kooperation des Music Theatre Wales mit der Scottish Opera uraufgeführt. Der Librettist und Dichter David Harsent, mit dem Watkins bereits an Crime Fiction (2009) zusammenarbeitete, verfasste auch das Libretto zu In the Locked Room.

In the Locked Room geht auf eine Erzählung von Thomas Hardy zurück und handelt von Ella, die mit ihrem karrierebesessenen Ehemann Stephen in einem Ferienhaus an der Küste ein Zimmer mietet. Dabei entdeckt Ella eine abgesperrte Kammer ("Locked Room"), die der Dichter Ben Pascoe angemietet hat. Sie ist von dessen Arbeit begeistert und gibt sich ihm in Gesprächen immer mehr hin. Da der Poet aber so gut wie nie anwesend ist, beginnt sie sich vorzustellen, wie sie sich mit ihm in dem abgeschlossenen Zimmer trifft. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmt immer mehr. Am Ende gerät die Situation außer Kontrolle, und Ella entschließt sich in ihrer neuen Welt zu bleiben.

Ella



A loose door knocking in an empty house.
A room within a room.
I know the place… I go to it in dreams…


Ella

Eine Tür klappert in einem leeren Haus.
Ein Raum in einem Raum.
Ich kenne diesen Ort… Ich besuche ihn in meinen Träumen.

Huw Watkins beschreibt die Musik in seinem Werk In the Locked Room als
nach innen gerichtet, reflektierend und von tiefen Gefühlen bewegt. Es gibt isolierte Ausbrüche und ich hoffe, dass sie gewaltiger wirken, indem sie zurückgehalten werden. Die Gesamtstimmung ist eine von Wehmut und Melancholie.

Der Premiere an der Hamburger Opera stabile am 4. Juli 2015 folgen weitere vier Aufführungen bis zum 10. Juli 2015.

foto: Benjamin Ealovega
(29.06.2015)

Werk der Woche - Hans Werner Henze: Il re Teodoro in Venezia

Komposition und Interpretation müssen nicht zweierlei sein. Wenn der Komponist als Bearbeiter eines fremden Werks auftritt, wird er zum Interpreten. Hans Werner Henze komponierte zwischen 1990 und 1991 seine Neufassung der Oper Il re Teodoro in Venezia von Giovanni Paisiello. Mit der Bearbeitung erweist der Komponist dem Vorbild seine Reverenz und entwirft eine persönliche Perspektive auf das Werk. Am 24. Juni 2015 feiert die Oper in der Inszenierung von Lenka Horinkovás ihre nationale Erstaufführung am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava.

Das "heroisch-komische Drama" aus dem Jahr 1784 erzählt die Geschichte des westfälischen Barons und Abenteurers Theodor Neuhoff. Nach wenigen Monaten als König von Korsika geht ihm das Geld aus und er muss vor seinen Gläubigern nach Venedig fliehen. Dort findet er bei dem Wirt Taddeo Unterschlupf und verliebt sich in dessen Tochter Lisetta. Es beginnt ein lustiges Spiel von Verwechslungen und Intrigen, mit denen Teodoro so lange wie möglich verheimlichen will, dass er entthront wurde und völlig mittellos ist. Als er letztendlich im Londoner Schuldturm landet, resümiert der entlarvte Hochstapler: "Wie ein Rad ist diese Welt: wer unten war, kommt irgendwann wieder nach oben".

Nach eigener Aussage wollte Henze dem Publikum ein Neu-Lesen und Neu-Entdecken der Oper ermöglichen. Seine zahlreichen "mit viel Liebe und Respekt" vorgenommenen Änderungen äußern sich in harmonischen Schärfungen, eingefügten Belcanto-Zitaten, rhythmischen Eingriffen und einer neuen Instrumentierung. Den Kern der Besetzung machen zwölf Bläser und ein Streichsextett aus, ergänzt von Mandoline, Gitarre, Schlagzeug und Klavier.
Alte Formen erscheinen mir wie klassische Schönheitsideale, nicht mehr erreichbar, aber doch in großer Ferne sichtbar. Der Weg zu ihnen ist das Schwerste und Unmöglichste. Mir erscheint er als die einzige Narretei, für die es sich lohnt zu leben. – Hans Werner Henze

Der Premiere am 24. Juni 2015 folgen weitere Aufführungen am 28. Juni, 24. September, 8. Oktober, 12. November und 17. Februar.

photo: Slovak National Theatre
(22.06.2015)

Werk der Woche - Krzysztof Penderecki: Ubu Rex

Mit einem "Duett von Schlafgeräuschen" beginnt Pendereckis erste und bislang einzige komische Oper Ubu Rex. Sie basiert auf dem Schauspiel "Ubu Roi" von 1896, mit dem der damals 23-jährige Autor Alfred Jarry einen Skandal provozierte. Es gilt als eines der ersten Stücke des absurden Theaters. 1991 fand die Uraufführung der Oper an der Bayerischen Staatsoper in München statt. Am 20. Juni 2015 ist das Werk bei der Opera Baltycka in Gdańsk (Danzig) unter dem Dirigat von Wojciech Michniewski zu sehen.

Ubu Rex gliedert sich in zwei Akte zu jeweils fünf Szenen. Im ersten Akt wird der dumme, feige, geldgierige und verfressene Hauptmann Ubu von seiner Frau dazu angestachelt, den König Wenzel zu ermorden und  sich selbst auf den Thron zu setzen. Die Verschwörung gelingt, Ubu lässt Fleisch und Gold an das Volk verteilen und wird als König akzeptiert (Regiehinweis: "Alle tanzen und fressen. Großes Volksfest"). Als ersten Staatsakt lässt Ubu die Adligen, die Richter und die Finanzverwalter ermorden (5. Szene: "Enthirnung"). Seine Politik erschöpft sich in dem Anhäufen eines gewaltigen Vermögens durch maßlose Steuern. Nachdem der wahnsinnige Tyrann von der Armee des russischen Zaren besiegt wird, segelt er mit seiner Frau und dem Rest seiner Gefolgschaft zu einem neuen Land, das "ihrer würdig" ist.

Penderecki bezieht sich mit der Gattungsbezeichnung "Opera buffa" auf die großen Meister des Genres, besonders auf Rossini, den er für unübertroffen hält. Als Penderecki die Oper in den Jahren 1990 und 1991 komponierte, befreite er sich von dem zuvor verspürten Zwang, immer neu und radikal komponieren zu müssen. Alles sei erlaubt, alles sei zeitgemäß.
Um eine komische Oper zu komponieren, muss man wirklich viel erlebt  und zu dem Erlebten Abstand haben. Man muss über sich selbst lachen können, was man mit 30 noch nicht kann. – Krzysztof Penderecki

Die Danziger Produktion, die 2013 anlässlich von Pendereckis 80. Geburtstag Premiere feierte, wird als Gastspiel der Opera Baltycka bei den Musikfestspielen Saar in Kaiserslautern (27.6.) und in Saarbrücken (29.6.) zu sehen sein.

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Foto: Sebastian Cwikla

 
(15.06.2015)

Werk der Woche - Olli Mustonen: Piano Quintet

Am 12. Juni 2015 findet beim Festival SPANNUNGEN im RWE-Kraftwerk Heimbach die Uraufführung von Olli Mustonens Piano Quintet statt. Die Komposition ist ein Auftragswerk dieses Festivals, der Wigmore Hall London und des schwedischen O/Modernt Festival. Die Uraufführung ist hochkarätig besetzt mit Christian Tetzlaff, Florian Donderer, Hartmut Rohde, Gustav Rivinius und dem Komponisten selbst. Konzertmitschnitte werden von Deutschlandfunk ausgestrahlt.

Als Universaltalent widmet sich Mustonen dem Komponieren, dem Konzertieren als Pianist, dem Dirigieren und Unterrichten. Schon als Zwölfjähriger führte er ein eigenes Klavierkonzert auf. Mustonens Schaffen ist nicht auf eine bestimmte Kompositionsrichtung einzugrenzen, sondern vereinigt die verschiedensten Stilelemente zu einer individuellen Musiksprache. Seine Ausdrucksmittel reichen dabei "vom Barock zum Minimalismus", "von der späten Romantik zu einer neuen Spiritualität"(Susanna Välimäki). Kennzeichnend für ihn ist die tiefe Naturverbundenheit, die sein Musikverständnis prägt. Er selbst vergleicht das "Erleben von großer Musik" mit dem "Aufgehen in unberührter Natur".

Das Piano Quintet ist dreisätzig angelegt: Auf den ersten spannungsgeladenen Satz (Drammatico e passionato) folgt ein nachdenkliches Andantino, das in polyphonen Variationen den Klängen eines chromatischen Clusters nachspürt (Quasi una passacaglia). Der dritte Satz (Finale: Misterioso) greift die Themen der vorangegangenen Sätze auf. Sie erscheinen zunächst diffus und unzusammenhängend bis Anklänge an eine Hymne hervortreten, die den Satz ekstatisch-jubilierend beschließt. Die finnische Musikwissenschaftlerin Susanna Välimäki beschreibt ihre eigene Hörerfahrung:
In Mustonens Werken wird mit einem Wimpernschlag, einem Akkord, einem kurzen Lichtflackern das Alltägliche heilig, das Gewöhnliche geheimnisvoll. Jedes Stück von Mustonen ist eine Reise ins Innere. – Susanna Välimäki

Auf die Uraufführung in Heimbach folgt wenige Tage später die schwedische Erstaufführung am 17. Juni 2015 in Stockholm. Die britische Erstaufführung in der Wigmore Hall ist für 2017 geplant.

(08.06.2015)

Werk der Woche - Paul Hindemith: Cardillac

Paul Hindemith war die Titelfigur seiner Oper Cardillac sofort sympathisch: Ein begnadeter Goldschmied in Paris um 1680, der dem Wahnsinn verfallen ist. Er kann sich von seinen herrlichen Schmuckstücken ("zu schön für Menschenaugen") nicht trennen. In der Nacht ermordet Cardillac die Käufer seines Schmuckes und nimmt wieder an sich, was er geschaffen hat. Seine Taten bereut er nicht. Selbst als das Volk auf ihn einstürmt und Anstalten macht, ihn zu töten, hält der habsüchtige Schmied an seiner Überzeugung fest: "Was ich erschuf, ist mein!"

Mit der Musik ging Hindemith gegen die Klischees der Oper an. Sie macht einen kühl-distanzierten Eindruck, der mitunter verstören kann. Wenn am Ende des ersten Aktes auf der Bühne einer der  Morde Cardillacs geschieht, erklingt im Orchestergraben ein hübsches Flötenduett. 1952 komponierte Hindemith eine zweite Fassung, die stärkeres Gewicht auf Cardillacs Schuld legt. Hindemith hatte lange nach einem geeigneten Stoff gesucht. Mit seinen drei Einaktern Sancta Susanna, Das Nusch-Nuschi und Mörder, Hoffnung der Frauen hatte er bereits erste Bühnenerfolge gefeiert. Die Vorschläge seines Verlegers Willi Strecker für einen Opernstoff wies er zurück. Gleichzeitig brannte er aber darauf, eine neue Oper zu schreiben:
Wenn ich einen Operntext hätte, würde ich in einigen Wochen die größte Oper herstellen. Mir ist das Problem der neuen Oper klar und ich bin sicher, es jetzt sofort restlos lösen zu können – soweit das menschenmöglich ist. – Paul Hindemith

Als Hindemith E.T.A. Hoffmanns Novelle "Das Fräulein von Scuderi" kennenlernte, hatte er seinen Stoff gefunden. Er komponierte die Musik so schnell, dass der Librettist Ferdinand Lion mit der Adaption des Textes kaum hinterher kam.

Am 6. Juni 2015 feiert Cardillac am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Flensburg Premiere. Die Inszenierung stammt von Markus Hertel, dem aktuellen Operndirektor des Theaters. Die Wiener Staatsoper gibt diesen Monat drei Vorstellungen der Oper in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf (22.06./25.06./29.06.).

Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn
(01.06.2015)

Werk der Woche - Christopher Cerrone: The Pieces That Fall to Earth

Am 26. Mai 2015 wird die Los Angeles Philharmonic den Liederzyklus The Pieces That Fall to Earth für Sopran und Kammerorchester von Christopher Cerrone in der Walt Disney Concert Hall uraufführen. Hila Plitmann übernimmt den vokalen Solopart, während John Adams als Dirigent und Kurator des Konzerts fungiert.

Cerrone ließ sich für die Komposition von The Pieces That Fall to Earth von sieben Gedichten der in Los Angeles lebenden Dichterin Kay Ryan inspirieren. Die Kürze der meisten Gedichte war kompositorisch eine große Herausforderung. Cerrone stellte sich die Aufgabe, statt einer Sammlung von Miniaturen eine großformatige Struktur zu schaffen. Dafür ließ er die Musik nicht nur die Gedichte selbst, sondern auch seinen eigenen Leseprozess widerspiegeln. Manche Gedichte lassen sich beim ersten Lesen verstehen, bei anderen gingen dem Komponisten einzelne Zeilen wie ein Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf. Cerrone wählte Gedichte aus, die „eine Art Monodram“ bilden, das „in seinem Verlauf immer persönlicher wird.“ Hila Plitmanns außergewöhnlicher Stimmumfang und ihre Virtuosität haben Cerrone dazu angeregt, mit der Sopranstimme auch Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren:
„Ich habe bewusst versucht, mein Vokabular zu erweitern, so dass es melismatische Passagen und  Extreme der Tonhöhe und der Virtuosität einschließt.“ – Christopher Cerrone

The Pieces That Fall to Earth ist Hila Plitmann, John Adams und einigen Komponistenkollegen gewidmet, die Cerrone tief inspiriert haben. Seit kurzer Zeit werden die Werke von Christopher Cerrone bei Schott Music Corporation, New York veröffentlicht. Neben dem neuen Liederzyklus ist das Konzert High Windows für Streichquartett und Streichorchester erhältlich.

(25.05.2015)