• Qualität seit über 250 Jahren
  • Über 350 Partnerhändler weltweit
  • Sicher einkaufen mit Trusted Shop

Blog

Werk der Woche - Richard Ayres: No. 48 (night studio)



Alltägliche und weniger alltägliche Eindrücke begegnen uns in Richard Ayres‘ neuem Orchesterwerk No. 48 (night studio). Am 8. Oktober wird das Stück vom BBC Symphony Orchestra unter Ilan Volkov in der Barbican Hall London uraufgeführt.

Neben dem großen Orchester setzt Ayres in No. 48 elektronische Zuspielungen ein und gewährt Einblick in bizarre und zugleich wundervolle musikalische Obsessionen. Sample-Einwürfe mit der Stimme des Komponisten und weiteren, scheinbar zufälligen Klangereignissen leiten kurze Musikfragmente ein: ein 15-sekündiges Hornkonzert, eine kaum längere Sinfonie und einen feurigen Kanon, gefolgt von Kanonenfeuer. Längere verbindungsstiftende Passagen, von denen einige an Momente aus seiner Oper Peter Pan erinnern, setzen das Publikum einem Wechselbad der Gefühle aus. Mit dieser Ästhetik kreiert Ayres eine Hommage an den kanadisch-amerikanischen Künstler Philip Guston, einen Wegbereiter der Postmoderne:


Gustons Bruch mit den sehr feinen Malereien seines künstlerischen Umfeldes und die Aneignung eines fast cartoon-artigen Stils waren für mich die Erlaubnis, ein sehr weites Feld der Musik und damit auch meinen eigenen musikalischen Hintergrund zu erforschen. – Richard Ayres

Kurz nach der Uraufführung bringt Peter Eötvös das Stück mit dem SWR Sinfonieorchester am 16. Oktober im Rahmen der Donaueschinger Musiktage erstmals in Deutschland zu Gehör.



(05.10.2015)

Werk der Woche - Gerald Barry: The One-Armed Pianist

Alles andere als konventionell sind Gerald Barrys Kompositionen mit ihren originellen Einfällen und einem Hauch von Skurilität – so auch das Ensemblewerk The One-Armed Pianist, das am 3. Oktober 2015 im Londoner Science Museum uraufgeführt wird. Nicholas Collon leitet das Aurora Orchestra im Rahmen eines Wandelkonzerts, dem Höhepunkt des Austellungsprojektes "Objects at an Exhibition" des Labels NMC. Die Veranstaltung ist Teil der Feiern zum 25-jährigen Jubiläum des Labels. Die Begleit-CD ist bereits seit dem 18. September erhältlich.

Neben Barry wurden fünf weitere Komponisten für das Projekt damit beauftragt, sich von Sammlungsgegenständen oder Räumen des Museums zu neuen Werken inspirieren zu lassen. So bezieht sich Barrys The One-Armed Pianist auf einen künstlichen rechten Arm, dessen drei mittlere Finger unverhältnismäßig klein sind. Der starre Daumen und der kleine Finger sind zum Greifen einer Oktave auf dem Klavier ausgestreckt. Hergestellt wurde der Arm für eine Frau, die ihn 1906 bei einem Auftritt in der Royal Albert Hall einsetzte. Barrys neues Stück weist selbst keinen Klavierpart auf und zieht das Publikum mit auffallend wenigen musikalischen Bausteinen in seinen Bann. Im ersten Teil, den Barry inoffiziell the everyday nennt, verfolgt er einen ideenreichen Ansatz zur Orchestrierung wiederkehrender Akkorde. Daraufhin erklingt im zweiten Teil wiederholt eine Oktave – wie von dem hölzernen Arm gespielt. Ein Freund Barrys schildert seinen Höreindruck:
Man hört die Gedankengänge des Komponisten. Die Rufe am Ende wirken wie die österreichisch-ungarische Monarchie – wie Spuren für immer entschwindenden Glanzes.

Im Anschluss an die Veranstaltung im Science Museum finden im Oktober zwei weitere Uraufführungen neuer Werke von Gerald Barry statt: Midday für Violine und Klavier am 14. Oktober in The Forge, Camden, mit Darragh Morgan und Mary Dullea sowie The Destruction of Sodom für acht Hörner und zwei Windmaschinen am 31. Oktober in Granada, Spanien. Hugh Tinney ist am 30. Oktober in Dublin mit dem RTÉ National Symphony Orchestra als Interpret des Piano Concerto zu erleben.

Foto: Science Museum London
(28.09.2015)

Werk der Woche - Pēteris Vasks: 4. Streichquartett

Am 25. September 2015 findet am Kongelige Teater Kopenhagen eine Ballettpremiere mit Peteris Vasks' 4. Streichquartett statt. Das Stück gehört zu einem dreiteiligen Ballettabend mit dem Titel Short Time Together. In der Choreographie von Natalia Horecna entfaltet sich über das Medium des zeitgenössischen Tanzes eine perspektivreiche Reflexion über die Geschwindigkeit des modernen Lebens.

Das 1999 komponierte und am 21. Mai 2000 am Pariser Théâtre de la Ville durch das Kronos Quartet uraufgeführte 4. Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, die einen weiten dramaturgischen Spannungsbogen bilden: Elegy, Toccata I, Choral, Toccata II und Meditation. Den ersten sich langsam in Trillerfiguren aufbauenden Satz bezeichnet Vasks als „eine Berührung mit der Vergangenheit“. Er bietet reizvolle Anknüpfungsmöglichkeiten für das übergeordnete Thema des Abends. Diesem intimen Satz folgt die grelle Harmonik der rhythmisch pointierten Toccata I. In ihr spiegelt sich laut Vasks die Aggression des 20. Jahrhunderts wider. Im Zentrum steht der sangliche und permanent ins Unbestimmte ausweichende Choral. Symmetrische Bezüge werden durch den im vierten Satz aufgegriffenen Charakter der Toccata I und die Wiederkehr der düsteren Ausgangsstimmung in der Meditation hergestellt.

Die tänzerische Umsetzung des Instrumentalwerkes erregt gleich auf mehreren Ebenen Aufmerksamkeit: Horecna schickt das Publikum an diesem Abend auf eine von Gegensätzen geprägte Reise. Sie lässt die Grenzen der Zeit hinter sich und rückt die menschliche Existenz in den Mittelpunkt. In ihrer Choreographie bezieht sie sich direkt auf die inhaltliche Dimension des Stücks:
Ich blicke in diesem Ballett zurück in die Vergangenheit, auf das, was diese uns überliefert, und betrachte den Tod als einen Neuanfang, von dem lebendige Erinnerungen ausgehen und sich in etwas Neues, Besseres verwandeln.

In zwölf weiteren Aufführungen bis Mitte November besteht die Gelegenheit, den Ballettabend am Kongelige Teater mitzuerleben. Fans der Musik von Peteris Vasks kommen auch am 1. Oktober 2015 auf ihre Kosten, wenn das NDR Sinfonieorchester in Kiel das Konzert Vox amoris für Violine und Streichorchester interpretiert. Es folgen Aufführungen in Hamburg und Wismar.

Foto: Det Kongelige Teater
(21.09.2015)

Werk der Woche - Richard Wagner: Tannhäuser

Am 19. September 2015 feiert die Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg von Richard Wagner in der Pariser Fassung an der Opera Gent in einer Inszenierung des katalanischen Regisseurs Calixto Bieito unter der Leitung von Dmitri Jurowski Premiere. In der Titelpartie ist der Heldentenor Burkhard Fritz zu erleben, daneben Annette Dasch als Elisabeth, Ante Jerkunica als Hermann, Ausrine Stundyte als Venus und Daniel Schmutzhard als Wolfram von Eschenbach. In seiner Inszenierung will sich Bieito auf den Widerspruch zwischen natürlichen Trieben und gesellschaftlichen Konventionen konzentrieren und der Frage nachgehen, wo der Künstler in der Gesellschaft steht.

Tannhäuser existiert in drei Fassungen: in der Dresdner Uraufführungsversion von 1845, die 1860 von Wagner mit Ergänzungen überarbeitet wurde und als "bühnengebräuchliche" Fassung herauskam. 1861 wurde das Werk, stark erweitert vor allem im ersten Akt, in französischer Sprache und mit einer Uminstrumentierung am Théâtre Impérial de l'Opéra in Paris neu herausgebracht. 1867 schließlich fand an der Münchner Hofoper eine "Musteraufführung" statt, in die fast alle Neuerungen der Pariser Fassung übernommen wurden. In dieser Fassung wurde das Werk auch an der Wiener Hofoper 1875 in Anwesenheit Wagners neu einstudiert. Für diese Aufführung änderte Wagner noch einmal den Übergang von der Ouvertüre in die Venusbergszene. Der Tannhäuser ist die einzige Oper, zu der Wagner selbst einen Klavierauszug herstellte. Obwohl alle Fassungen spielbar sind, befand Wagner, dass seine Arbeit am Tannhäuser noch nicht vollendet sei. So schrieb er im Januar 1883, wenige Wochen vor seinem Tod, an seine Frau Cosima:
"Ich bin der Welt noch einen Tannhäuser schuldig."

Im Rahmen der Richard Wagner-Gesamtausgabe haben die Herausgeber Egon Voss, Peter Jost und Reinhard Strohm in mehr als 30-jähriger wissenschaftlicher Arbeit die Entstehungsgeschichte des Werks aufgearbeitet. Auf dieser Grundlage sind bei Schott Music Partitur, Orchestermaterial und Klavierauszug erschienen, die alle Stadien der Werkgestalt des Tannhäusers zu vergleichen erlauben und eine übersichtliche Form der Dresdner, Pariser und Wiener Fassungen bieten.

Der Premiere am 19. September folgen noch drei weitere Aufführungen bis zum 27. September. Daraufhin ist die Produktion vom 4. bis 17. Oktober 2015 an der Opera Vlaanderen Antwerpen zu sehen. Wagnerfreunde kommen in diesen Tagen ganz auf ihre Kosten. Am 16. September wird die Die Walküre am Teatro Campoamer in Oviedo – Spanien zu hören sein. Außerdem kommt derzeit im Rahmen der RuhrTriennale 2015 am 18. September Das Rheingold in der Jahrhunderthalle in Bochum zur Aufführung. Bis zum 22. September 2015 ist Das Rheingold auch in Minden mit der Nordwestdeutschen Philharmonie zu erleben.

[mwi-product sku="156750" align="left" title="false" desc="false" img_width="150" price="false" type="view" btn_color="blue" btn_link="button" cols="1" ]

 

 

Foto: Pierpaolo Ferrari
(14.09.2015)

Werk der Woche: Fazıl Say - Symphonic Dances

Zur seiner Saisoneröffnung hat das schweizerische Orchester Musikkollegium Winterthur Fazıl Say als Komponist eines neuen Werks gewinnen können. Dessen Symphonic Dances wird am 9. September 2015 im Stadthaus in Winterthur unter der Leitung von Douglas Boyd uraufgeführt.

Say steht für die Verbindung zwischen westeuropäischer und türkisch-orientalischer Musiktradition. So zeigen auch die Symphonic Dances starke Einflüsse türkischer Musik. Say verwendet in dem ersten Tanz einen sich typisch abwechselnden 8/8 und 7/8-Takt und stellt die Melodie sehr präsent in den Holzbläsern vor. Der Charakter wird im zweiten Tanz von charakteristischen Glissandi der Streicher geschärft. Nach einem langsamen dritten Satz mit perkussiven Elementen feiert das Werk ein wildes und rauschhaftes Finale. Im Geiste Liszts, Rachmaninoffs und Bartóks hat Say schon häufig Tanzstile seiner Heimat in Klavier- und Kammermusik einfließen lassen; die Symphonic Dances sind jedoch sein erstes reines Orchesterwerk, das sich ausdrücklich mit Tänzen auseinandersetzt. Zur Verbindung von Volks- und Kunstmusik äußert er sich so
Es entspricht meinem Bestreben und Gefühl, durch Musik Menschen ohne Grenzen, auch in der Mentalität, zusammenzubringen. Musik hat eine sehr große Macht. Musik braucht keine Übersetzung. Alle verstehen sie, Chinesen genauso wie Türken und Deutsche. Einen großen Musiker macht aus, dass er die Menschen immer ansprechen kann. Sei es positiv oder dramatisch. Wenn wir über Menschen sprechen, spielt Musik eine große Rolle. – Fazil Say

Der Uraufführung folgt am 10. September 2015 eine weitere Vorstellung im Stadthaus in Winterthur. Am 25. September ist zudem die US-Amerikanische Erstaufführung des Doppel-Klavierkonzerts Gezi Park 1 in Toledo, OH zu erleben. Am selben Tag findet in Mannheim ein Say-Fokus statt, bei dem seine Istanbul-Sinfonie, das Klavierkonzert Water (Su) und Gezi Park 3 für Mezzosopran, Klavier und Streicher auf dem Programm stehen.

 

[mwi-product sku="334112" align="left" title="false" desc="false" img_width="150" price="false" type="view" btn_color="blue" btn_link="button" cols="1" ]

 

 

 
(07.09.2015)

Werk der Woche - Carl Orff: Carmina Burana

Am 6. September 2015 kommt bei den diesjährigen BBC Proms in der Royal Albert Hall in London Carl Orffs Meisterwerk Carmina Burana zur Aufführung. Das BBC Concert Orchestra spielt unter der Leitung von Keith Lockhart. In den Hauptpartien sind die Sopranistin Olena Tokar, der Tenor Thomas Walker sowie der Bariton Banjamin Appl zu erleben.

Carmina Burana erzählt in fesselnder und mitreißender Musik von Liebe und Tod, Höhen und Tiefen des Lebens, Glück und Unglück sowie Werden und Vergehen unter dem sich unaufhörlich drehenden Rad des Lebens. In einem großen Einleitungschor wird die launenhafte Schicksalsgöttin Fortuna besungen. Stets präsent, schafft dieser Chor einen Rahmen für die folgenden Situationen. Das Werk bestehend aus 200 mittelalterlichen Versen und Gesängen kann in drei größere Teile gegliedert werden. Zu Beginn der Gesänge steht die Lobpreisung des Frühlings und der Natur. Der zweite Teil erzählt von irdischen Genüssen aus der Sicht eines Abts, gefasst in groteske Sologesänge. Der letzte Teil ist der Liebe in ihren vielfältigen Erscheinungsformen gewidmet. Der Gesamtanlage entsprechend, gibt es keine das gesamte Stücke hindurch agierende Figuren, sondern Prototypen, wie den Abenteurer, die Mädchen und ihre Gesellen, die Spieler oder auch das Liebespaar. Die Facetten der Menschen und ihre Beziehungen zueinander werden realistisch über träumerisch bis parodistisch dargestellt.
Seine epochale Musik zu Carmina Burana erläutert Orff folgendermaßen:

Ein besonderes Stilmerkmal der Carmina Burana-Musik ist eine statische Architektonik. In ihrem strophischen Aufbau kennt sie keine Entwicklung. Eine einmal gefundene musikalische Formulierung – die Instrumentation war von Anfang an immer mit eingeschlossen – bleibt in all ihren Wiederholungen gleich. Auf der Knappheit der Aussage beruht ihre Wiederholbarkeit und Wirkung.

Das Interesse an diesem Werk hält stetig an, was sich in zahlreichen internationalen Produktionen widerspiegelt. So wird es am 26. September 2015 im Palau de la Música in Barcelona aufgeführt. Außerdem zeigt das Münchner Marionettentheater am 5. September und 24. Oktober 2015 seine erfolgreiche Umsetzung. Desweiteren ist an der Volksoper Wien am 22. Oktober 2015 die Wiederaufnahme der dortigen Ballettproduktion zu sehen.

 

[mwi-product sku="154469" align="left" title="false" desc="false" img="false" price="false" type="view" btn_color="blue" btn_link="button" cols="1" ]

 

 

Foto: Carmina Burana am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin
(31.08.2015)

Werk der Woche - Heinz Holliger: Dämmerlicht (Hakumei)

Am 27. August wird das Tokyo Symphony Orchestra Heinz Holligers neuen Liederzyklus Dämmerlicht (Hakumei) in der Suntory Hall in Tokio uraufführen. Das Werk basiert auf von Holliger selbstgedichteten Haikus, die von der Sopranistin Sarah Maria Sun gesungen werden, der Komponist steht bei der Uraufführung selbst am Dirigentenpult.

Holliger greift mit seinen fünf Haikus auf eine traditionelle japanische Gedichtform zurück, die sich durch das Stilmittel der Kontrastierung von Geräuschen und Stille charakterisiert. Die Sehnsucht nach Ruhe und Besinnung spiegelt sich auch in den Haikus von Holliger, in Motiven wie dem Sonnenuntergang und dem "einsamen Wölkchen" wider. Die Atmosphäre des Zwielichts wird musikalisch durch chromatisch gestreckte Melodien in der Singstimme sowie tonlose Klänge, die auf flirrende Pfeiftöne der Holzbläser und auf- und abschießende Glissandi der Streicher treffen erzeugt. Dadurch entwickelt sich ein komplexes Klanggebilde. Der schwebende Charakter der Unschärfe beim Übergang von Tag und Nacht wird durch ständige Taktwechsel und Haltebögen, die ein unbestimmtes Ende des Klanges ankündigen, nochmals unterstrichen. In Dämmerlicht gelingt es Holliger mittels seiner Haikus in Verbindung mit den musikalisch gestalteten Kontrasten zwischen Stille und Geräuschen einen fließenden atmosphärischen Übergang zu erschaffen.
Einsame Wölkchen
am roten Abendhimmel
Seelen ziehn heimwärts 
- Haiku Nr. 5

Im selben Konzert gelangt überdies Holligers Recicanto für Viola und kleines Orchester zur japanischen Erstaufführung. Die Uraufführung von Holligers Dämmerlicht bildet den Abschluss eines Künstlerportaits in der Suntory Hall in Tokio, bei dem auch Holligers Werke wie Trema, das Trio für Oboe, Viola und Harfe, das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn sowie Increschantüm zu hören waren.

(24.08.2015)

Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter

Das monumentale Requiem für einen jungen Dichter von Bernd Alois Zimmermann erlebt in diesen Tagen seine japanische Erstaufführung. Das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra spielt unter der Leitung von Kazushi Ono am 23. August 2015 in der Suntory Hall in Tokio.

Das Requiem für einen jungen Dichter wurde 1969 fertiggestellt und ist neben der Oper Die Soldaten Zimmermanns zweite großdimensionierte Komposition. Als Untertitel wählte der Komponist die Bezeichnung "Lingual": Sprachstück. In ihm treffen Formen des Hörspiels, des Features, der Reportage auf solche der Kantate, der Messe und des Oratoriums. Es gibt viele Übergänge von der gesprochenen Sprache zum in Musik gesetzten Sprechen bis hin zum gesungenen Wort. Das Requiem für einen jungen Dichter vereint drei Chöre, eine Jazzband, ein Sinfonieorchester sowie Sprecher und Gesangssolisten, die vielfältige Raumebenen erschaffen. Tonbänder mit diversen Einspielungen, darunter von Panzergeräuschen, Düsenjägern, Aufnahmen von James Joyces Ulysses, Reden von Papst Johannes XXIII, Joseph Goebbels und vielen anderen erweitern das Klangerlebnis.
Bei dem Requiem ist nicht an einen bestimmten jungen Dichter gedacht (obwohl drei Dichter, nämlich Majakowski, Jessenin und Bayer in dem Werk besonders hervortreten), sondern gewissermaßen an den jungen Dichter schlechthin, wie wir ihn uns für den Zeitraum der vergangenen fünfzig Jahre vorstellen können, in seinen vielfältigen Beziehungen zu dem, was seine geistige, kulturelle, geschichtliche und sprachliche Situation bestimmt – und damit die unsrige, die europäische von 1920-1970 meint. Bernd Alois Zimmermann

Am 20. März 2018 hätte Zimmermann seinen 100. Geburtstag gefeiert. In Erwartung des Jubiläums wird das Schaffen des Komponisten schon jetzt mit einer Vielzahl von Aktivitäten gewürdigt.

 

(17.08.2015)

Werk der Woche - György Ligeti: Konzert für Klavier und Orchester

Am 16. August 2015 spielt der Pianist Pierre-Laurant Aimard mit dem International Contemporary Ensemble unter der Leitung von George Benjamin das Konzert für Klavier und Orchester von György Ligeti beim Mostly Mozart Festival in der Avery Fisher Hall in New York.

Das Konzert für Klavier und Orchester hat Ligeti in zwei Arbeitsgängen komponiert: Nach der Uraufführung der ersten drei Sätze 1986 in Graz erweiterte er das Klavierkonzert noch um zwei weitere Sätze. In ihnen arbeitete er nun mit Mixturharmonik und Polyrhythmik. Der erste und fünfte Satz bestehen aus minimalistischen Elementen und erkunden die extremen Lagen des Klaviers, das in diesem Konzert solistisch einem Kammerorchester gegenübergestellt ist. Zu dieser Zeit komponierte Ligeti auch seine berühmten Études pour piano. Durch kunstvoll überlagerte afrikanische Rhythmen, verschobene Akzente und unterschiedliche Geschwindigkeiten, lässt er eine neue Hördimension entstehen. Ligeti ließ sich von Fraktalen inspirieren, die sich in den  kaleidoskopartigen Motiven des Orchesters und des Klaviers wiederfinden.

Als Pianist arbeitete Pierre-Laurent Aimard über viele Jahre lang eng mit Ligeti zusammen. Seine Erinnerungen daran fasst er so zusammen:
Als ich in den frühen 1980er Jahren erstmals mit Ligeti arbeitete, war ich Mitglied des Ensemble Intercontemporain. Unsere Zusammenarbeit intensivierte sich, ich spielte regelmäßig seine Musik, wirkte bei Porträtkonzerten mit und brachte Kompositionsaufträge zur Uraufführung. Es war eine faszinierende Erfahrung. Auch wenn Ligeti bereits eine präzise Vision oder Idee von seinem Stück hatte, suchte er immer nach Wegen, wie sich diese Vorstellung in der realen Welt umsetzen ließen. Er suchte nach dem richtigen Tempo, Klang, der Artikulation und dem richtigen Charakter.  Denn er hatte sehr viel Fantasie.

Das Klavier-Festival Ruhr bietet in Zusammenarbeit mit Pierre-Laurant Aimard in dem Online-Projekt explorethescore.org einen spannenden Einblick in die Klavierwerke von Ligeti. Die multimedialen Partituren auf der Webseite umfassen neben Hörbeispielen auch Videoeinspielungen des jeweiligen Werkes. Dabei gibt Aimard Einführungen und Interpretationshinweise sowie einen Einblick in seine Meisterkurse, in denen er sein Wissen vermittelt.

 

(10.08.2015)

Werk der Woche: Die Filmmusik von Joe Hisaishi

Im Mittelpunkt steht diese Woche kein einzelnes Werk, sondern die Filmmusik des populärsten Gegenwartskomponisten für Filmmusik in Japan – Joe Hisaishi. Am 6. August 2015 findet in der Esplanade Concert Hall in Singapur das Konzert My Neighbor Totoro: The Best Of Joe Hisaishi statt, bei dem das Singapore Symphony Orchestra gemeinsam mit vier Solisten einige der musikalischen Highlights Hisaishis präsentieren wird.

Hisaishi komponierte bisher über hundert Werke für Film, TV und Werbung. In enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur Hayao Miyazaki entstanden im Zeichentrickstudio Ghibli einige der erfolgreichsten Animationsfilme Japans, darunter „Das wandelnde Schloss“ und das mit einem Oscar ausgezeichnete „Chihiros Reise ins Zauberland“. Hisaishi arbeitet in seinen Filmmusiken mit atmosphärischen Klängen. Mit sanften, melancholischen Klavierakzenten und der Kraft des großen Orchesters entführt er seine Zuhörer in eine Märchenwelt.

Über die Animationsfilme von Hayao Miyazaki sagt Hisaishi:
Viele seiner Filmszenen beinhalten fliegende Elemente und Fliegen zu können war schon immer ein Traum der Menschen. So versuchte ich mit diesem Gefühl der Hoffnung, die Stimmung in den Szenen einzufangen. Musik die langsamer ist, erlaubt es dem Zuschauer zu erleben was sich in dem Raum zwischen den Bewegungen befindet. Es beginnt immer auf die gleiche Art und Weise – mit einem Klavier.- Ich verwende Technik aber ich verlasse mich nicht ausschließlich darauf. Ich bin der Meinung es sollte ein Teil des Prozesses sein, nicht der ganze Prozess an sich.

 


(03.08.2015)