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Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Konzert für Oboe und kleines Orchester

Das Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann wird in der kommenden Woche in Buenos Aires gespielt. Diese Aufführung stellt eine Besonderheit in der Geschichte des Stückes dar. Die Werke des deutschen Komponisten wurden in der Vergangenheit eher selten im lateinamerikanischen Raum aufgeführt. Nun aber wird dieses Konzert am 7. April im Teatro Colón zu hören sein. Schon Wilhelm Furtwängler bezeichnete dieses Opernhaus als das beste und schönste der Welt. Unter der musikalischen Leitung von Zhang Guoyong und in Begleitung des Orquesta Teatro Colón übernimmt Néstor Garrote den Part des Solisten.

Das Konzert von Zimmermann, der 2018 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, entstand 1952 und wurde im Oktober desselben Jahres bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt. Zu dieser Zeit arbeitete Zimmermann als Lektor für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln, was er jedoch zugunsten seiner Tätigkeit als Komponist bald darauf aufgab. Der Zwiespalt zwischen der Sicherheit einer festen Anstellung auf der einen Seite und der verlorenen Freiheit auf der anderen Seite verfolgte den Komponisten zeitlebens. Sein "unruhiger Geist", wie er es selbst bezeichnete, war oft eine Last, inspirierte ihn jedoch auch immer wieder zu neuen musikalischen Werken.

Zimmermanns Hommage an Strawinsky


Das Oboenkonzert besteht aus drei Sätzen: Hommage à Strawinsky, Rhapsodie und Finale. Die Oboenstimme ist virtuos gestaltet und stellt somit hohe Anforderungen an den Solisten. Zimmermann selbst schreibt zu seinem Werk:
In dem ersten Satz, Hommage à Strawinsky, werden Motive und Themen des 1. Satzes der Sinfonie en ut von Strawinsky in offener und versteckter Form zitiert. Dem Konzert liegt eine für alle Sätze verbindliche 12-Tonreihe zugrunde, die so flexibel gehandhabt ist, dass – ein Greuel für superorthodoxe Dodekaphonisten – Themen von Strawinsky ohne „aus der Reihe zu tanzen“ zitiert werden können. Es mag dem Zuhörer überlassen sein, diese kleinen Späßchen hin und wieder zu entdecken. - Zimmermann

Auch in den nächsten Monaten können sich die Zuschauer in Buenos Aires auf die Musik Zimmermanns freuen: Vom 12. bis zum 20. Juli werden Die Soldaten als nationale Erstaufführung in einer Inszenierung von Pablo Maritano, ebenfalls am Teatro Colón, aufgeführt.

Foto: Teatro Colón / HalloweenHJB

Werk der Woche - Thierry Pécou: Soleil rouge

Soleil rouge heißt das neue Werk von Thierry Pécou, das am 5. Februar 2016 im Auditorium de Radio France in Paris uraufgeführt wird. Das Orchestre Philharmonique de Radio France spielt das Trompetenkonzert unter dem Dirigat von Mikko Franck und mit dem Solisten Håkan Hardenberger (Foto).

Für viele seiner Werke ist Pécous Inspiration außereuropäischen Ursprungs. Begründet ist dies einerseits in seiner persönlichen Verbindung zu den französischen Antillen - von dort wanderten seine Vorfahren einst nach Frankreich aus. Andererseits regen ihn Reisen zu unterschiedlichen Ländern und Völkern immer wieder zu seinen Kompositionen an. So bezieht er sich etwa in seiner großen Symphonie du Jaguar auf die indianische Kultur im präkolumbianischen Amerika, für das Orchesterstück Orquoy ließ er sich von der Musik der alten Zivilisationen in den Anden inspirieren. Die spezielle Verbindung dieser Musikkulturen mit der europäischen Tradition ist eines der Markenzeichen für Pécous Kompositionen.

Soleil rouge: Ein Konzert über Visionen und Träume


Das neue Stück bezieht sich auf die indigenen Kulturen Nordamerikas. Dazu reiste Pécou in die Reservate verschiedener Stämme, wo er die zeremonielle Musik der Eingeborenen kennenlernte. Vor diesem Hintergrund ist sein Konzert für Trompete und Orchester entstanden, wie er selbst beschreibt:
Dieses Konzert entstand während meiner Reise zu den Indianern Nordamerikas. Zwei wichtige Elemente der zeremoniellen Musik dieser Völker, der Gesang und das Pulsieren der Trommel, werden durch die Trompete und die vielfältig gemischten Klangfarben des Orchesters aufgegriffen. Die Trommel begleitet nicht; sie ist die Quelle, das eigentliche Zentrum des Klangs. Auch das Zusammenspiel der Solotrompete mit dem Orchester, dem sie gegenübersteht, ist speziell: Das Orchester ist weder "Verlängerung" des Solisten noch sein "Resonanzkörper", sondern trägt ihn wie ein Energiezentrum, kreiert die Melodien, die Akkorde, die Klangfarben, während die Trompete die Geister beschwört und die Visionen und Träume schildert, die durch die Erweiterung des Bewusstseins hervorgerufen werden. - Thierry Pécou

Hardenberger führt häufig zeitgenössische Trompetenkonzerte aus dem Katalog von Schott Music auf. So hat er schon wiederholt das populäre Konzert Nobody knows de trouble I see von Bernd Alois Zimmermann interpretiert. Dieses Stück spielt er in Kürze auch wieder in Deutschland: Am 27. Februar, 29. Februar und 1. März 2016 präsentiert er es unter der musikalischen Leitung von Andris Nelsons mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden in der Semperoper.

Foto : Marco Borggreve