• Qualität seit über 250 Jahren
  • Über 350 Partnerhändler weltweit
  • Sicher einkaufen mit Trusted Shop

Tagged with 'Alan Gilbert'

Werk der Woche – Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt

Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt wird am 28. Mai 2019 zum ersten Mal am Teatro alla Scala in Mailand aufgeführt. Die beiden Hauptrollen der psychologisch tiefgründigen Oper sind mit Asmik Grigorian als Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul prominent besetzt. Die musikalische Leitung liegt bei Alan Gilbert, die Inszenierung stammt von Graham Vick.



Die Oper ist an den Roman Bruges-la-morte von Georges Rodenbach angelehnt und von Hans Müller, Korngolds Vater Julius Korngold und dem Komponisten selbst für die Opernbühne bearbeitet. Nach vierjähriger Kompositionsarbeit erlebte Die tote Stadt am Abend des 4. Dezember 1920 ihre Uraufführung, zeitgleich an den Opernhäusern in Hamburg und Köln. Für den gerade einmal 23-jährigen Komponisten wurde das Werk zu einem überwältigenden Erfolg. Unmittelbar nach der Uraufführung wurde es an vielen weiteren Opernhäusern aufgeführt, unter anderem 1921 an der Metropolitan Opera in New York als erste deutschsprachige Oper nach dem Ersten Weltkrieg. Nachdem das Stück von den Nationalsozialisten von den Spielplänen entfernt wurde, geriet es in Vergessenheit; seit den 1960er Jahren wurde die Oper wieder vermehrt aufgeführt.

Die Handlung porträtiert Paul, der in seiner Trauer um seine früh verstorbene Ehefrau Marie immer mehr den Bezug zur Realität verliert. Er flüchtet sich in die Erinnerung an Marie und hat in seiner Wohnung in Brügge dazu sogar einen Schrein mit Erinnerungsstücken errichtet. Als er die Tänzerin Marietta kennenlernt, verliebt er sich in sie, meint er doch, in ihr seine verstorbene Ehefrau wiederzuentdecken. Pauls Trauer wird immer obsessiver und führt in scheinbar unausweichlich in die Katastrophe.

Erich Wolfgang Korngold: Die tote Stadt – Opernerfolg der 1920er Jahre


Die Oper arbeitet mit außergewöhnlichen theatralen Mitteln. So gibt es eine „Oper in der Oper“, in der Marietta in einem Ballett aus Robert le Diable von Giacomo Meyerbeer tanzt. Außerdem verschwimmen in einer Traumsequenz Fiktion und Realität ineinander, was der Oper eine weitere Ebene hinzufügt. All dies verarbeitet Korngold in einer Musik, die die Grenzen der spätromantischen Tonsprache ausreizt. Darin lotet der Komponist die psychischen Abgründe seines Protagonisten aus und hat gleichzeitig Raum für strahlende Melodien wie bei den unsterblichen Nummern „Glück, das mir verblieb“ oder „Mein Sehnen, mein Wähnen“.
Wenn man bedenkt, dass Korngolds Schaffen nach seinem Tod lange Zeit auf sein eindrucksvolles Wirken im Bereich der Filmmusik reduziert wurde, muss man feststellen, dass sich dieselbe kompositorische Meisterschaft, dieselbe meisterhafte Orchestrationskunst und dasselbe theatrale Gespür, das seine Filmmusik kennzeichnet, nicht erst in Hollywood zur Blüte reifte, sondern bereits in seinen Musiktheaterwerken zu finden ist [...]. – Maximilian Hagemeyer in einem Einführungstext zu Die tote Stadt

 Aktuell steht Die tote Stadt am Theater Bremen auf dem Spielplan, Vorstellungen gibt es unter anderem am 29. Mai und am 2. Juni 2019. Ab 31. Mai 2019 wird die Oper an der Semperoper in Dresden wieder aufgenommen und am 16. Juni 2019 feiert eine Neuinszenierung in Wuppertal Premiere. Und auch in der kommenden Saison wird Korngolds Oper mehrfach aufgeführt, feiert im Oktober 2019 in Helsinki und im November 2019 an der Bayerischen Staatsoper Premiere. Ein weiteres Highlight ist die Aufführung am 18. August 2019 im Bundesstaat New York im Rahmen des Bard Music Festival, das sich unter dem Motto "Korngold and His World“ dem Schaffen Erich Wolfgang Korngolds widmet und die Amerikanische Erstaufführung seiner Oper Das Wunder der Heliane auf die Bühne bringt.

 

 

Foto: Teatro alla Scala / Marco Brescia & Rudy Amisano

Werk der Woche – Arnold Schönberg: Moses und Aron

Zu Beginn der neuen Intendanz von Peter Theiler an der Sächsischen Staatsoper interpretiert der Regisseur Calixto Bieito die Oper Moses und Aron neu. Am 29. September 2018 wird die Premiere von Arnold Schönbergs Meisterwerk in der Semperoper Dresden gefeiert. In den Titelrollen werden John Tomlinson als Moses und Lance Ryan als Aron zu sehen sein. Mit ihnen auf der Bühne stehen das Vocalconsort Berlin, der Sächsische Staatsopernchor und der Sinfoniechor Dresden, es spielt die Sächsische Staatskapelle unter der Leitung von Alan Gilbert.

Nach Fertigstellung des Librettos komponierte Schönberg bis 1937 die ersten beiden Akte von Moses und Aron, am dritten Akt arbeitete er zunächst nicht. Viel später, am 6. Juni 1957, wurde das Werk am Opernhaus Zürich unter der Leitung von Hans Rosbaud ohne den 3. Akt szenisch uraufgeführt. Schönberg hatte den Plan für den dritten Akt in seinem Todesjahr 1951 verworfen und vorgeschlagen, dass man diesen auch nur gesprochen und ohne Musik aufführen könne.

Arnold Schönberg – Moses und Aron: zwei Brüder als Führer eines Volkes


Moses wird an einem glühenden Dornenbusch von Gott beauftragt, dem Volk Israel von seiner Begegnung mit Gott zu berichten. Er soll das Volk außerdem von fremden Göttern befreien und aus der Knechtschaft führen. Doch sieht er sich zunächst nicht in der Lage, diesen Auftrag auszuführen, und ruft aus: „Meine Zunge ist ungelenk“.  Deshalb wird ihm sein Bruder Aron an die Seite gestellt, der es versteht die Botschaft Gottes zu vermitteln. Schönberg begegnet den ungleichen Ausdrucksfähigkeiten und Vorstellungen der beiden Brüder, indem er die Partie des Moses fast ausschließlich als schlichten Sprachgesang anlegt, während Aron durchgehend im Belcanto singt und mit tänzelnder Musik in das Stück eingeführt wird. Hauptakteur ist aber vermeintlich der Chor, der die eigentliche Aussage von Moses und Aron für den Zuschauer zu ergründen scheint.
Es geht um die Schwierigkeit oder die Unmöglichkeit Wörter oder Bilder für den Sinn des Lebens zu finden. Diese Unmöglichkeit erzeugt die gesamte Spannung des Stückes. Es ist Musik die ich sehr gerne höre und  mein Ohr hat sich an diese Musik gewöhnt. Die Oper ist perfekt, sie erinnert an „Wozzeck“ oder „Salome“. Es ist eine perfekte Oper, perfekt! - Calixto Bieito

Nach der Premiere am 29. September 2018 spielt die Sächsische Staatsoper vier weitere Vorstellungen von Schönbergs Moses und Aron zwischen dem 3. und 15. Oktober 2018.

 

[embed]https://youtu.be/oo2_1bzhz3g[/embed]

©Semperoper Dresden/ Foto: Ludwig Olah

 

Werk der Woche - Peter Eötvös: Reading Malevich

Am 1. September 2018 gelangt Peter Eötvös‘ Orchesterwerk Reading Malevich zur Uraufführung beim Lucerne Festival. Es entstand im Auftrag des Kulturprogramms Roche Commissions. Matthias Pintscher dirigiert das Lucerne Festival Academy Orchestra.

An die Auftragswerke der Roche Commissions werden besondere Forderungen gestellt: Sie sollen sich nicht nach populären Moden richten, sondern den Komponisten vor eine Herausforderung stellen. Eötvös hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Bild Suprematismus No. 56 von Kasimir Malewitsch zu vertonen. Dabei werden die Form, die Dichte und die Klangfarben durch die Vorlage bestimmt, die Struktur seines Stücks wird von außen durch das Bild vorgegeben.

Peter Eötvös – Reading Malevich: Horizontal und Vertikal


Die beiden Sätze von Reading Malevich sind mit Horizontal und Vertikal betitelt. Eötvös meint damit die Blickrichtungen eines Betrachters auf Malewitschs Gemälde. Der Komponist setzt die Tonhöhen und Längen vor allem mit Farben des Bildes in Beziehung und richtet sich weniger nach den Funktionen von traditionellen musikalischen Formen. Neben den Farben stellt er durch Tonhöhen und die aus ihnen gebildeten Intervalle auch Proportionen und Entfernungen der erkennbaren Formen des Bildes dar. Einzelne Abschnitte der beiden Sätze beziehen sich zusätzlich auf markante visuelle Elemente.
„Hier habe ich viele Aufgaben bekommen, die ich mir selbst nie stellen würde. Ich habe mich oft gezwungen, manchmal wochenlang, eine Lösung zu finden. In der kompositorischen Realisierung der strukturierten Planung entstand dann immer wieder auch freie, ‚malerisch‘ erzählende Gestaltung.“ – Peter Eötvös

Bereits drei Tage zuvor, am 29. August 2018, erfolgt eine weitere Uraufführung eines Orchesterwerks von Eötvös, nämlich Per Luciano Berio. In der Semperoper stellt sich Dirigent Alan Gilbert mit dem 4-Minüter dem Publikum zur Spielzeiteröffnung als Gastdirigent und Peter Eötvös als "Capell-Compositeur" der neuen Saison vor.

 

© Foto: Marco Borggreve

 

Werk der Woche: George Gershwin - Porgy and Bess

Am 13. November wird am Teatro alla Scala in Mailand die Premiere der "folk opera" Porgy and Bess von George Gershwin gefeiert. Alan Gilbert, der Chefdirigent der New York Philharmonic, übernimmt die musikalische Leitung von dem im März 2016 verstorbenen Nikolaus Harnoncourt, dessen Andenken der Premierenabend gewidmet ist. Die Inszenierung stammt von seinem Sohn, Philipp Harnoncourt.

Zum ersten Mal wird an der Mailänder Scala die komplette Orginalversion der Oper gespielt, mit einer Spielzeit von fast 3 Stunden. In vielen Passagen dieser Fassung sind starke Einflüsse der europäischen Avantgarde zu hören. Diese werden oft ausgelassen, verstärken aber den dramatischen Effekt der Oper. Besonders die Begegnung mit Alban Berg gegen Ende der 1920er Jahre hat Gerschwin geprägt. Er bezeichnete Porgy and Bess als "seinen Wozzeck".

Gershwin beweist stilistische Vielseitigkeit: Spätromantische Opernklänge treffen auf Avantgarde-Techniken und schillernde Jazz-Farben der 1930er Jahre. Es gibt wohl keine Oper, die so viele Jazz-Standards hervorgebracht hat: Klassiker wie I Got Plenty O‘ Nuttin‘, I loves you, Porgy und besonders Summertime erfreuen sich sowohl auf der Opernbühne, Galakonzerten als auch in Jazzclubs größter Beliebtheit. Summertime gilt gar als eines der am häufigsten interpretiertesten Musikstücke aller Zeiten.

Porgy and Bess von George Gershwin – And the livin‘ is easy…?


Die beruhigende Melodie von Summertime, mit der Clara am Anfang der Oper ihr Kind in den Schlaf singt, steht in starkem Kontrast zu der gewaltreichen Lebensrealität in der "Catfish Row". In diesem heruntergekommenen, küstennahen Straßenzug in Charleston, South Carolina wohnen einfache Fischersleute neben Drogenabhängigen, Dealern und anderen zwielichtigen Gestalten. Mittendrin verstricken sich der behinderte Bettler Porgy und die schöne, kokainsüchtige Bess in eine aussichtslose Liebesgeschichte. Die Handlung basiert auf dem Roman "Porgy" von DuBose Heyward, der den Stoff für Gershwin auch als Libretto einrichtete.

Die Uraufführung 1935 war ein großer Erfolg. Die Oper wurde jedoch später häufig kritisiert, hauptsächlich wegen des rassenpolitischen Inhalts. Gershwin wollte die Emotionen und Probleme der unterdrückten schwarzen Bevölkerung differenziert zum Ausdruck bringen. Deshalb legte er Wert darauf, dass die Hauptrollen ausschließlich von schwarzen SängerInnen gesungen werden. Sein Ziel war es, dass Porgy and Bess trotz der Einflüsse aus Jazz und Folklore als große durchkomponierte Oper respektiert wird, und nicht als Broadway Musical.
Die einzige Art von Musik, die Bestand hat, ist jene, die im allumfassenden Sinn der Volksmusik Gestalt besitzt. Alles andere geht unter. – George Gershwin

Porgy and Bess wird an der Mailänder Scala bis zum 23. November zu sehen sein. Und ab dem 26. November kann man sich an einem weiteren der größten Opernhäuser der Welt auf das Stück freuen, wenn es in Sydney auf die Bühne kommt.

 

Foto: Lena Obst, Staatstheater Wiesbaden 2013.