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Kontrabass lernen: Charlotte Mohrs über den idealen Einstieg für Anfänger:innen

Nahaufnahme eines Kontrabasses. Eine Person führt den Bogen über die Saiten, während der warme Holzton des Instruments vor dunklem Hintergrund hervorsticht.

Wer den Kontrabass zum ersten Mal in die Hand nimmt, steht vor einem beeindruckenden Instrument. Seine Größe, sein warmer Klang und seine besondere Rolle im Ensemble machen ihn einzigartig. Gleichzeitig stellt der Einstieg Anfänger vor besondere Herausforderungen: Wie entwickelt man von Anfang an eine gute Haltung? Wie entsteht ein tragfähiger Klang? Und wie bleibt die Freude am Musizieren langfristig erhalten?

Mit ihrer neuen Kontrabassschule möchte die Pädagogin und Autorin Charlotte Mohrs einen zeitgemäßen und motivierenden Weg zum Erlernen des Instruments eröffnen. Die Schule verbindet technische Grundlagen mit musikalischer Praxis und legt besonderen Wert auf Spielfreude, Gehörbildung und individuelle Lernwege.

Im Interview spricht Charlotte Mohrs über ihren pädagogischen Ansatz, typische Anfängerfehler, die Bedeutung früher Auftrittserfahrungen und darüber, warum Melodien für sie der Schlüssel zu nachhaltigem Lernerfolg sind.

 

Warum eine neue Kontrabassschule?

Ihre Kontrabassschule wird im Schott Verlag veröffentlicht. Was bedeutet dieser Moment für Sie persönlich?

Ich spüre viel Freude und etwas Spannung, da nach langen Überlegungen und einer gründlichen Testphase das Heft nun endlich auf Resonanz trifft.

Wie entstand die Idee zu dieser Schule, und was war Ihnen bei der Konzeption besonders wichtig?

Die Schule soll meine bisherigen Veröffentlichungen verbinden. Sie möchte einen zeitgemäßen Einstieg in das Instrument geben. Durch das Konzept wird ein zielgerichteter und zugänglicher Weg zum Erlernen des Kontrabasses geebnet.

 

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Kontrabassschule

Diese Kontrabassschule ist als zweibändiges Unterrichtswerk für Kinder ab 8 Jahren, Jugendliche und Erwachsene konzipiert. Sie verbindet zügige Progression mit gut strukturierten, behutsamen Lernschritten. Der erste Band führt von leeren Saiten und Grundrhythmen über Zupf- und Bogenspiel bis zur Arbeit in der halben bis dritten Lage. Die linke Hand wird systematisch aufgebaut, beginnend mit dem 2. Finger.

Kurze Ausflüge in höhere Lagen, Oktavflageoletts und die Daumenlage ermöglichen frühzeitig einen Überblick über Tonumfang und Klang des Instruments. Ein vielseitiges Repertoire aus Liedern, Folksongs und Melodien verschiedener Epochen sowie Inhalte zu Musiktheorie, Improvisation und Komposition fördern Spielfreude und bereiten auf das Zusammenspiel im Ensemble vor.

 

 

Welche Herausforderungen haben Anfänger:innen?

Der Kontrabass kann auf Anfänger:innen zunächst einschüchternd wirken. Wie schaffen Sie einen leichten und motivierenden Einstieg?

Durch die flexible Kapitelreihenfolge können die Schüler*innen je nach Bedarf sich den einzelnen Themen und Lagen widmen. Mitbestimmung und Wahlmöglichkeiten bei der Stückauswahl helfen dem Lernenden jeden Alters.

Wie würden Sie Ihren pädagogischen Ansatz beschreiben?

Auch wenn der Kontrabass überwiegend ein Begleitinstrument und das Fundament ist, trainiert das Spielen von unterschiedlichen Melodien das Gehör und die intonatorische Sicherheit in der Tiefe. Der Bekanntheitsgrad der ausgewählten Stücke motiviert zum Dranbleiben und Vorwärtskommen.

Was brauchen junge Kontrabassist:innen am Anfang besonders: Technik, Klangvorstellung, Körpergefühl oder Geduld?

Ja, all das zusammen. Ein gutes Körpergefühl ist im Umgang mit diesem etwas sperrigen und raumgreifenden Instrument natürlich besonders wichtig. Im Unterricht brauchen Schüler*innen generell das Gefühl, angesprochen und gefördert zu werden, so wie sie sind. Sie brauchen die Verlässlichkeit und einen guten Kontakt, um später selbstständig zu lernen und einen eigenen Zugang zu finden. Der nötige Fleiß und regelmäßige Einsatz zuhause ist dabei unumgänglich.

 

Typische Fehler beim Kontrabasslernen

Welche typischen Fehler beobachten Sie bei Anfänger:innen, und wie lassen sie sich vermeiden?

Häufig wird der Bogen nicht gerade geführt und die Spitze zeigt nach unten, seltener auch nach oben. Ich verwende hier gerne den Vergleich eines traurigen, hochnäsigen und im besten Falle ausgeglichenen (geraden) Bogens. Rituale zum Anfang der Stunde sind sinnvoll, zum Beispiel, dass der Bogen zuerst ausgepackt wird, damit er nicht alleine im Softcase bleibt und beschädigt wird.

Was ist Ihr wichtigster Übetipp für alle, die gerade mit dem Kontrabass beginnen?

Lieber kleine Einheiten gründlich angehen und der eigenen Intuition und Neugier folgen. Wie kann man auf dem Kontrabass von Anfang an einen schönen, tragfähigen Klang entwickeln? Der Klang des Kontrabasses ist an sich schon warm und voll. Das Zusammenspiel aus liegendem  Armgewicht, einer klaren Ansprache und dem Freilassen des Tones braucht Zeit und kann von Beginn an trainiert werden.

Bei Schott sind bereits mehrere Ausgaben von Ihnen erschienen, zum Beispiel „Best of Double Bass Classics“, „Daumenlage“ oder „Easy Concert Pieces“. Gibt es einen roten Faden, der Ihre Veröffentlichungen verbindet?

Das Spielen von Melodien auf dem Kontrabass, um das Gehör und die Spielfreude zu stärken, verbindet die Editionen. Die Schule möchte darüber hinaus das allgemeine Musikverständnis fördern. Die ausgewählten Stücke sollen eine möglichst breite Zielgruppe erreichen. 

 


Best of Double Bass Classics

 

Daumenlage

 

Easy Concert Pieces

 

 


 

Welche Rolle spielen Konzertstücke und frühe Auftrittserfahrungen im Unterricht? 

Aufführungen von Vorspielstücken schaffen oft bleibende Erinnerungen, geben ein wichtiges Feedback und bestärken auf dem Weg. Mit „Daumenlage“ widmen Sie sich einem besonders anspruchsvollen Bereich. Was raten Sie Schüler:innen für diesen Schritt? Ich finde es sinnvoll finde, lieber etwas früher mit technischen Herausforderungen umzugehen und die Bandbreite des Instrumentes auszuloten. Jüngere Lernende mit ausreichend grundlegendem Verständnis finden schneller einen natürlichen Zugang. Zunächst anhand von gut machbaren und überschaubaren Stücken. Probieren und dranbleiben!

Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich als Kontrabassistin heute geben?

So wie es Ab- und Aufstriche beim Streichen gibt, gibt es auch Ups and Downs auf dem musikalischen Weg - glaube an dich und zögere nicht.

 

 * * *

5 Tipps von Charlotte Mohrs für angehende Kontrabassist:innen

1. Lieber regelmäßig als lange üben
Kleine, konzentrierte Übeeinheiten sind oft effektiver als seltene Marathon-Sessions.

2. Der eigenen Neugier folgen
Interesse und Freude an der Musik sind wichtige Motoren für nachhaltiges Lernen.

3. Auf eine gute Bogenführung achten
Der Bogen sollte möglichst gerade geführt werden – das schafft die Grundlage für einen guten Klang.

4. Früh technische Herausforderungen annehmen
Auch anspruchsvollere Themen wie die Daumenlage dürfen behutsam und früh erkundet werden.

5. Dranbleiben und an sich glauben
Musikalische Entwicklung verläuft nicht geradlinig. Rückschläge gehören dazu – wichtig ist, weiterzumachen.

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