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„Mit allen Sinnen lernen“ – Frigga Schnelle über Musikpädagogik, kreative Unterrichtsideen und die Kraft guter Lieder

Frigga Schnelle steht vor einem einfarbigen, grünlich-grauen Hintergrund und spielt Gitarre. Sie trägt eine bunte Bluse mit Blumenmuster und schwarze Hose.

Wie schafft man es, dass Kinder Mozart lieben – und Liedtexte nicht nur auswendig lernen, sondern erleben? Frigga Schnelle kennt die Antwort. Seit Jahrzehnten prägt sie die musikpädagogische Landschaft mit frischen Ideen, praxisnahen Materialien und einem feinen Gespür für die Bedürfnisse von Lehrer:innen und Schüler:innen.

In diesem Interview erzählt sie, warum sie ihr erstes Liederbuch nie vergessen hat („Wir wurden gesungen“) – und wie sie heute Musikunterricht gestaltet, bei dem der Funke wirklich überspringt: „Ein lebendiger Musikunterricht mit vielen unterschiedlichen kreativen Aufgaben ist heute Standard an Grundschulen.“

 

Frigga Schnelle im Porträt

Vom Buchhandel in den Klassenraum: Ein ungewöhnlicher Weg zur Musikpädagogik

Frau Schnelle, Sie blicken auf viele Jahre im Schuldienst und in der musikpädagogischen Praxis zurück. Was hat Sie ursprünglich dazu motiviert, Musikpädagogin zu werden – und was hat Sie dabei bis heute getragen?

Nachdem ich eine Buchhändlerlehre abgeschlossen hatte, verspürte ich den Wunsch, Lehramt zu studieren. Bei der Wahl meiner Hauptfächer entschied ich mich für Musik und Deutsch – Musik, weil ich seit meinem neunten Lebensjahr in zwei Kinder-Bigbands Gitarre und Bass gespielt habe.

Besonders mein Musikstudium in den 1970er-Jahren bei Prof. Küntzel, Volker Schütz und Dieter Lugert hat mich stark geprägt. Viele musikpädagogische Neuerungen – zum Beispiel das nicht abwertende Einbeziehen von Popmusik in den Unterricht – habe ich in Lüneburg miterlebt und sofort in die Praxis umgesetzt, indem ich mit drei Mitstudentinnen eine Frauenrockband gründete. Als Lehramtsanwärterin an einer Hauptschule waren meine Banderfahrungen im Unterricht sehr hilfreich.

Während meiner gesamten Schulzeit habe ich immer handlungsorientiert gearbeitet und versucht, die Interessen und Präferenzen der Schülerinnen und Schüler in den Unterricht einzubeziehen. Beim Unterrichten zu spüren, dass „der Funke überspringt“, gehörte für mich jedes Mal zu den schönsten Momenten, die ich als Lehrerin erleben durfte.

 

Wie alles begann: Die Gründungsgeschichte der MiG

Seit fast 30 Jahren prägen Sie mit Ihrer Arbeit bei „Musik in der Grundschule“ die musikpädagogische Fachwelt. Wie kam es damals zur Gründung der Zeitschrift – und was macht sie für Sie persönlich so besonders?

Gleich nach meinem Studium arbeitete ich im Lugert Verlag mit und war dort für den Versand der Zeitschrift Praxis des Musikunterrichts zuständig. Diese Zeitschrift für Lehrkräfte der Sekundarstufe I bot praxiserprobte Unterrichtsmaterialien an. Da es damals nichts Vergleichbares für die Grundschule gab, entwickelten Bettina Küntzel, Friedrich Neumann, Johannes Bähr und ich die Idee zu einer eigenen Zeitschrift: Musik in der Grundschule. Das erste Heft erschien 1996 im Selbstverlag und wurde uns beim AFS-Kongress (Arbeitskreis für Schulmusik) förmlich aus den Händen gerissen. Kurz darauf bot uns der Schott Verlag eine Herausgeberschaft an, die Friedrich Neumann und ich annahmen. Seitdem erscheint Musik in der Grundschule viermal im Jahr im Schott Verlag. Hunderte praxisnaher Materialien haben wir bis heute darin veröffentlicht.

Während meiner aktiven Grundschulzeit habe ich zahlreiche Lehrerfortbildungen in ganz Deutschland gegeben und dabei die Zeitschrift vorgestellt. Seit meiner Pensionierung mache ich das nicht mehr – umso mehr freue ich mich, dass wir mit Oliver Ehmsen einen jungen Musiklehrer, Liedermacher und Autor als dritten Mitherausgeber gewinnen konnten. Mit seinem Know-how bringt er frische Impulse ein und passt die Zeitschrift sowohl äußerlich als auch inhaltlich an die heutigen Bedürfnisse von Grundschullehrkräften an.

Ihr Liederbuch Grundschule ist eines der Standardwerke im Musikunterricht. Können Sie uns einen Einblick geben, wie dieses Werk entstanden ist? Was war Ihnen bei der Auswahl der Lieder und dem Aufbau des Buches besonders wichtig?

„Können Sie sich vorstellen, ein Liederbuch für die Grundschule herauszugeben?“ – diese Frage stellte mir vor gut zehn Jahren ein Mitarbeiter von Schott. Da ich über viele Jahre als Grundschullehrerin, Mitherausgeberin von MiG und Dozentin bei Lehrerfortbildungen unzählige Lieder kennengelernt und ausprobiert hatte, konnte ich mir das sehr gut vorstellen.

Meine eigene Grundschulzeit in den 1960er-Jahren ist mir als „Wir werden gesungen“ in Erinnerung geblieben: Der Musiklehrer spielte Geige, wir schlugen das Liederbuch auf und sangen. Diese Art von Liedauswahl wollte ich keinesfalls fortsetzen.

Mir war wichtig, dass die Lieder kindgerecht, gut singbar und textlich stimmig sind – und nicht einfach nur kommentarlos gesungen werden. Viele Lieder bieten zusätzliche kreative Gestaltungsmöglichkeiten: einfache Arrangements, rhythmische Begleitungen, Bewegungsanregungen, Übersetzungshilfen, Bastelideen, Arbeitsanweisungen oder kleine Spiele. Außerdem erfahren die Kinder in Kästen mit der Überschrift „Wissen ist cool“ Interessantes zu besonderen Aspekten einzelner Lieder.

Aus meiner Zeit als aktive Grundschullehrerin weiß ich, wie zeitsparend es ist, wenn man Lieder schnell findet. Deshalb hat das Buch eine klare Struktur: zwölf Kapitel mit Farbkennzeichnung und ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis.

 

Klassiker spannend unterrichten

Das Liederbuch Grundschule deckt ein breites Spektrum vom klassischen bis zum modernen Kinderlied in den verschiedensten Genres ab. Was unterscheidet Ihr Buch von anderen Liederbüchern – und wie reagieren Kinder und Lehrkräfte darauf im Unterricht?

Bei der Liedauswahl wurden Kinderwünsche, Empfehlungen von Musiklehrkräften, Anregungen von Autorinnen und Autoren der Zeitschrift, Vorgaben aus Lehrplänen sowie meine eigenen Erfahrungen berücksichtigt. Die musikalische Vielfalt ergab sich daraus ganz von selbst.

Mit über 250 Liedern ist das Buch derzeit nicht nur das umfangreichste, sondern auch eines der vielseitigsten Grundschulliederbücher. Von Kolleginnen und Kollegen höre ich oft, dass sie es besonders schätzen, dass viele einfache afrikanische Lieder enthalten sind, die sich gemeinsam mit deutsch- und nicht deutschsprachigen Schülern gut einstudieren lassen.

Einige Kinder, die das Buch auch zu Hause haben, erzählen mir, dass sie mit Eltern oder Großeltern daraus singen – und dann oft hören: „Das Lied kenne ich auch noch aus meiner Schulzeit!“ oder „Das kenne ich mit einem anderen Text.“

Mit Abenteuer Mozart nehmen Sie Kinder mit auf eine musikalische Zeitreise. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden – und wie gelingt es Ihrer Meinung nach, Mozart spannend und kindgerecht zu vermitteln?

Kindern zu zeigen, wie spannend und hörenswert klassische Musik sein kann, liegt mir besonders am Herzen – nicht nur, weil ich selbst klassische Musik gerne höre, sondern weil ich bereits bei der ersten Unterrichtsstunde mit einem klassischen Stück den Satz hörte: „Die Musik ist langweilig.“ Das wollte ich so nicht stehen lassen – und habe mir viele methodische Zugänge überlegt, um das Gegenteil zu beweisen.

Nach Unterrichtswerken zu Saint-Saëns (Karneval der Tiere), Smetana (Die Moldau), Mussorgsky (Bilder einer Ausstellung) und Grieg (Peer Gynt) fehlte noch ein Werk zu Mozart.

Die abenteuerlichen Reisen Mozarts wecken das Interesse der Kinder, ebenso wie die Mitspielsätze zu bekannten Stücken. Die Vielseitigkeit seiner Musik sollte sich auch in den Unterrichtsmaterialien widerspiegeln. Meine Schülerinnen und Schüler mochten es besonders, wenn sie Arbeitsblätter nicht einfach in einer Mappe abheften, sondern in kreativen Formaten wie kleinen Büchern, Lapbooks, Dosen, Schachteln oder – wie im Deutschunterricht – als Leserolle. So entstand meine Idee der „Mozartrolle“. Eine Musikmappe wird selten aufgehoben – aber eine liebevoll gestaltete Mozartrolle wird kaum weggeworfen.

 

Kreatives Lernen mit Musik

In vielen Ihrer Materialien verbinden Sie Musik mit Geschichten, szenischem Spiel oder kreativen Aufgaben. Warum ist diese Verbindung aus Ihrer Sicht so wirksam für das musikalische Lernen in der Grundschule?

„Lernen mit allen Sinnen“ führt bekanntermaßen zu schnellerem Verstehen und besserem Erinnern. Ein lebendiger Musikunterricht mit vielfältigen kreativen Aufgaben ist heute Standard an Grundschulen. Liedtexte lassen sich besser einprägen, wenn sie mit Gebärden verbunden sind. Wer ein Instrument bastelt, versteht seine Funktionsweise besser. Rhythmusnoten lernt man am schnellsten, wenn man sie direkt umsetzt – und der Aufbau eines Musikstücks wird spielerisch leichter erfasst als nur durch Zuhören.

Sie haben über Jahrzehnte hinweg unzählige Lieder, Projekte und Unterrichtseinheiten entwickelt. Gibt es ein Projekt oder eine Publikation, auf die Sie besonders stolz sind – und wenn ja, warum?

Die Zeitschrift Musik in der Grundschule liegt mir bis heute besonders am Herzen. Im nächsten Jahr wird sie 30 Jahre alt. Der Gedanke, dass wir 120 Themenhefte mit Inhalt und Leben gefüllt haben – stets mit Blick auf die Interessen von Kindern und Lehrkräften – und dabei viele engagierte Autorinnen und Autoren gewinnen konnten, erfüllt mich mit Stolz.

 

Blick auf den Musikunterricht heute

Wie hat sich Ihrer Erfahrung nach der Musikunterricht an Grundschulen in den letzten Jahrzehnten verändert – und welchen Herausforderungen stehen Musiklehrkräfte heute besonders gegenüber?

Die größte Veränderung betrifft das Hörverhalten der Kinder: Der Zugang zu digitalen Medien verändert die Wahrnehmung von Musik – und darf auch im Unterricht nicht ignoriert werden. Im Musikstudium werden angehende Lehrkräfte inzwischen gut darauf vorbereitet, viele schaffen es, Kinder bei ihren Musikerfahrungen abzuholen.

Aus Gesprächen weiß ich: Fast alle Grundschulkinder freuen sich auf den Musikunterricht. Auch Herausforderungen wie Lautstärke beim Musizieren, Inklusion, Lehrplanvorgaben oder gerechte Benotung werden von den meisten Lehrkräften gut gemeistert. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass die Ausbildung praxisnäher geworden ist und es eine Vielzahl guter Materialien gibt, die bei der Unterrichtsvorbereitung entlasten.

Trotz Ihres Ruhestands sind Sie weiterhin als Autorin aktiv. Was treibt Sie an – und worauf dürfen sich Ihre Leserinnen und Leser als Nächstes freuen?

Der Ruhestand fiel mir nicht leicht – ich habe meine Arbeit in der Schule sehr geliebt. Private Veränderungen ließen mir jedoch keine andere Wahl. Als Autorin kann ich weiterhin von zu Hause aus arbeiten. Solange ich Ideen habe und Freude daran empfinde, sie mit Kolleginnen und Kollegen zu teilen, mache ich weiter.

Zurzeit arbeite ich – neben den nächsten Ausgaben von Musik in der Grundschule – an Arbeitsheften für die Schülerhand.

Zum Schluss: Gibt es ein Lied aus dem Liederbuch Grundschule, das Ihnen besonders am Herzen liegt – und wenn ja, warum gerade dieses?

Ich habe zwei Lieblingslieder: Alt wie ein Baum haben meine Klasse und ich oft bei Geburtstagen gesungen. Der Text ist optimistisch, die Melodie eingängig – ein Lied, das die Puhdys fast zu einem Volkslied gemacht haben.

Schule ist mehr als Pauken und Plagen ist in Anlehnung an Rolf Zuckowskis Leben ist mehr vor über 40 Jahren bei uns zu Hause entstanden – als Beitrag zu einem Wettbewerb mit dem Thema „Lieder im Stil von Rolf Zuckowski“. Gewonnen haben wir nicht, aber dank der Unterstützung von Rolf Zuckowski gehört es heute zu den bekanntesten Grundschulhymnen.

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