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Entspanntes Handgelenk beim Klavierspielen: So bleibt die Hand beweglich

Zwei Hände spielen auf einem Klavier. Die Finger liegen auf den Tasten, während der Hintergrund und Teile des Instruments unscharf dargestellt sind. Das Bild konzentriert sich auf die Bewegung und Position der Hände beim Musizieren.

Ein entspanntes Handgelenk beim Klavierspielen ist entscheidend für Beweglichkeit, Klang und melodisches Spiel. Ein blockiertes Handgelenk kann dagegen nicht nur die Finger in ihrer Beweglichkeit einschränken, sondern bei längerem Spielen auch zu Schmerzen führen. Der Pianist und Klavierprofessor Ilja Scheps empfiehlt deshalb ein einfaches Grundprinzip: Das Handgelenk sollte beim Spielen immer beweglich bleiben und dem Verlauf der Melodie folgen.

Wie das funktioniert und worauf Pianist:innen dabei achten sollten, erklärt Scheps anhand einiger konkreter Regeln.

 

Warum ist ein entspanntes Handgelenk beim Klavierspielen wichtig?

Wer das Handgelenk beim Spielen fixiert, schränkt damit auch die Beweglichkeit der Finger ein. Das kann sich unmittelbar auf das Klavierspiel auswirken. Nach Scheps wird es mit einem blockierten Handgelenk schwieriger, virtuos zu spielen, einen guten Klang zu erzeugen und einzelne Töne zu einer melodischen Linie zu verbinden.

Auch beim längeren Üben kann eine starre Haltung zum Problem werden: Scheps weist darauf hin, dass ein dauerhaft blockiertes Handgelenk zu Schmerzen in der Muskulatur führen kann. Zudem kann eine solche Haltung ein Gefühl von Anspannung verstärken, beim Üben ebenso wie vor einem Auftritt.

Ein entspanntes Handgelenk bedeutet dabei nicht, dass die Hand vollkommen ruhig bleibt. Im Gegenteil: Für Scheps entsteht Entspannung gerade durch kontinuierliche Beweglichkeit.

 

Tipp 1: Das Handgelenk nicht fixieren

Die wichtigste Regel ist zugleich die einfachste: Das Handgelenk sollte beim Klavierspielen nicht starr werden.

Scheps beschreibt das Prinzip mit einer klaren Anweisung: Das Handgelenk soll sich immer bewegen und niemals vollständig stoppen. Gemeint sind dabei keine großen oder auffälligen Bewegungen. Entscheidend ist vielmehr das Gefühl, dass das Gelenk jederzeit beweglich bleibt.

Achte beim Spielen deshalb darauf, ob du dein Handgelenk unbewusst festhältst. Statt es in einer bestimmten Position zu fixieren, sollte es flexibel der melodischen Linien in beiden Händen folgen.

 

Tipp 2: Mit dem Handgelenk der Melodie folgen

Doch in welche Richtung soll sich das Handgelenk bewegen? Auch dafür gibt Scheps eine konkrete Orientierung: Die Bewegung folgt der Richtung der Melodie.

Steigt die melodische Linie, begleitet das Handgelenk diese Bewegung. Fällt sie wieder ab, folgt auch das Handgelenk dem Verlauf. Daraus entsteht eine kreisförmige Bewegung.

Das Handgelenk wird damit nicht unabhängig von der Musik bewegt. Seine Bewegung ist unmittelbar mit der melodischen Linie verbunden.

 

Tipp 3: Auf die Bewegungsrichtung der Hände achten

Für die beiden Hände beschreibt Scheps unterschiedliche grundlegende Bewegungsrichtungen:

  • Rechte Hand: gegen den Uhrzeigersinn
  • Linke Hand: im Uhrzeigersinn

Dieses Prinzip soll die Bewegung vereinfachen. Pianist:innen müssen so nicht bei jedem Ton neu überlegen, wohin sich das Handgelenk bewegen soll. Die kreisförmige Bewegung begleitet vielmehr den Verlauf der melodischen Linie.

Scheps verwendet in seinem Buch Fit in 15 Minuten Pfeile, um diese Bewegungsrichtungen sichtbar zu machen und beim Üben daran zu erinnern.

 

Tipp 4: Nur so viel bewegen wie nötig

Ein bewegliches Handgelenk bedeutet nicht, möglichst große Bewegungen zu machen. Scheps betont ausdrücklich: Die Bewegung sollte nie größer sein als notwendig.

Beim langsamen Spielen lässt sich die Bewegung deutlicher ausführen und bewusst kontrollieren. Steigt das Tempo, werden die Bewegungen entsprechend kleiner.

Entscheidend ist also nicht, wie deutlich die Bewegung von außen zu sehen ist. Wichtig ist das Gefühl, mit dem Handgelenk der Kontur der Melodie zu folgen und dabei beweglich zu bleiben.

 

Tipp 5: Die Bewegung zunächst langsam kontrollieren

Wer an einem entspannten Handgelenk beim Klavierspielen arbeiten möchte, kann die Bewegung zunächst bei langsamem Spiel beobachten. Scheps demonstriert das Prinzip anhand von Tonleitern: Bei langsamem Tempo lässt sich gut kontrollieren, wie das Handgelenk dem auf- und absteigenden Verlauf folgt.

Mit zunehmendem Tempo muss die Bewegung nicht genauso groß erhalten bleiben. Sie kann kleiner werden, solange das Handgelenk nicht blockiert und das Gefühl der Beweglichkeit bestehen bleibt.

 

Entspanntes Handgelenk beim Klavierspielen: die wichtigsten Regeln

Ilja Scheps fasst die Lösung für ein häufiges Problem beim Klavierspielen bewusst einfach: Das Handgelenk sollte beweglich bleiben. Statt es zu fixieren, folgt seine Bewegung dem Verlauf der Melodie.

Für das Üben lassen sich daraus drei Grundregeln ableiten:

  1. Das Handgelenk nicht blockieren.
  2. Mit der Bewegung dem Verlauf der melodischen Linien folgen.
  3. Nur so große Bewegungen machen, wie sie tatsächlich notwendig sind.

Bei langsamem Spiel können Pianist:innen die Bewegungen zunächst bewusst kontrollieren. Bei schnellerem Spiel werden sie kleiner. Das Ziel bleibt jedoch dasselbe: ein flexibles Handgelenk, das die melodische Gestaltung unterstützt, statt sie zu behindern.

 

„Die Wirksamkeit der Bewegungen sollte immer durch das Hören der melodischen Verbindungen der Töne überprüft werden.“

 

Mehr zu diesem und weiteren Themen rund um Klaviertechnik, Klang und musikalische Gestaltung erläutert Ilja Scheps in seinem bei Schott erschienenen Buch Fit in 15 Minuten.

 

Fit in 15 Minuten - Einstieg ins klangorientierte Klavierspiel

Fit in 15 Minuten

Ilja Scheps

  • Warm-ups und Basisübungen
  • Tag für Tag nutzbar
  • Für Anfänger:innen, Fortgeschrittene und Profis

Wie spielt man virtuos, ausdrucksvoll und dabei frei und entspannt Klavier? Bei der Suche nach Antworten auf diese Fragen stützt sich Prof. Ilja Scheps auf seine Kenntnisse und Erfahrungen aus der Ausbildung am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau sowie auf seine langjährige Konzert- und pädagogische Tätigkeit weltweit. Anfänger:innen, Fortgeschrittene und Profis finden hier neue Anregungen und spielpraktische Tipps, um eine klangorientierte Klavierspieltechnik schon beim Einspielen zu entwickeln.