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Werk der Woche – Richard Wagner: Der fliegende Holländer

Am 20. Oktober 2016 feiert an der Vlaamse Opera Antwerpen Tatjana Gürbacas Inszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer Premiere. Bei insgesamt zehn Vorstellungen dirigieren Cornelius Meister und Philipp Pointner. Die große Besonderheit liegt jedoch auf den Notenpulten der Musiker: Zum ersten Mal wird die Oper mit dem neuen Aufführungsmaterial gespielt, das dem Text der Richard Wagner-Gesamtausgabe entspricht.



Die Urfassung des Fliegenden Holländers wurde 1841 fertiggestellt und ist bereits seit zehn Jahren als Orchestermaterial nach der Gesamtausgabe erhältlich. Ab 1842 begann für die „Romantische Oper in einem Akt und drei Aufzügen" eine permanente Bearbeitungsgeschichte. In der so genannten „Fassung 1842-1880" verlegte Wagner den Schauplatz von Schottland nach Norwegen, veränderte entsprechend die Rollennamen, teilte die Oper in drei Akte und nahm Änderungen am Notentext vor, indem er etwa die Ballade der Senta in eine andere Tonart transponierte. Zunächst in dieser Form gedruckt, erfuhr das Werk in den Folgejahren erneut kleinere und größere Änderungen. Unter anderem komponierte Wagner 1860 einen neuen Schluss des 3. Aktes – den so genannten „Erlösungsschluss".

Wagners Plan, nach den zahlreichen kleinen Retuschen eine abschließende Partitur für die Oper fertigzustellen, blieb bis an sein Lebensende unerfüllt. So kommt es, dass Der fliegende Holländer - wie auch der Tannhäuser - bis heute nicht in einer endgültigen Fassung vorliegt.

Der fliegende Holländer - Ein ewiges "Work in Progress"?


Das Fehlen einer endgültigen Partitur bedeutet Arbeit für die Wagner-Forschung. Die Wagner-Gesamtausgabe hat den Anspruch, sämtliche Stadien der Veränderung so genau wie möglich zu rekonstruieren. Der lange herrschenden Auffassung des Vorrangs der „Fassung letzter Hand" wird dabei nicht gefolgt. Schließlich blieb die Oper, die Wagner innerhalb von sieben Wochen niedergeschrieben haben will, bis zum Ende „problematisch" für den Komponisten. Nichtsdestotrotz ist sie heute eine der populärsten Wagner-Opern.
Wenn ich jedoch auch nur bei Wenigen und Einzelnen vollkommen das erreiche, was ich beabsichtige, so soll dieses Gelungene mich für alles sonst Missglückte reichlich entschädigen;  und herzlich drücke ich den wackeren Künstlern im Voraus die Hand, die es nicht verschmähten, mit mir sich näher und inniger zu befassen und zu befreunden, als dies für gewöhnlich in unsrem heutigen Kunstweltverkehre angetroffen wird. - Richard Wagner

Die Holländer-Partitur der Gesamtausgabe und der zugehörige Klavierauszug auf dem neuesten Stand der Forschung werden bereits von vielen Dirigenten und Sängern geschätzt. Mit dem neuen Orchestermaterial der Fassung 1842-1880 liegen nun auch einheitliche, moderne Stimmen für das Orchester vor. In Antwerpen und Gent wird aus ihnen bis zur Dernière am 22. November gespielt. Ab sofort wird das neue Material von Schott an alle Bühnen geliefert, die diese Fassung von Der fliegende Holländer aufführen.

Werk der Woche – Nino Rota: Aladino e la lampada magica

Am 16. Oktober feiert Nino Rotas Aladino e la lampada magica im französischen Saint Etienne Premiere. Unter der Leitung von Laurent Touche spielt das Orchestre Symphonique Saint-Etienne Loire. Die Inszenierung stammt von Julien Ostini. Das Stück wird in der französischen Sprachfassung aufgeführt. In Frankreich war die Märchenoper zum ersten Mal 2009 am Théâtre municipal in Colmar zu erleben.

Seine erste Kinderoper Il principe porcaro („Der Schweinehirt") komponierte Rota, auch „der italienische Mozart" genannt, schon als Kind im Alter von 13 Jahren. Auch im späteren Verlauf seiner Karriere behielt er eine kindlich verträumte Einstellung zur Musik bei. Dies attestiert der Filmemacher Federico Fellini, mit dem Rota heute hauptsächlich assoziiert wird. Die Auseinandersetzung mit Märchenstoffen empfand der Komponist nie als banal oder unzeitgemäß – im Gegenteil: Seit er die Geschichte von Aladin als Kind von seiner Großmutter gehört hatte, sah er in ihr mehr als nur fantastische Unterhaltung. Für ihn verwies sie auf eine tiefere Bedeutung.

Aladino e la lampada magica von Nino Rota – Eine Oper für die ganze Familie


Aladino e la lampada magica ist eine Erzählung aus der orientalischen Märchensammlung „Geschichten aus 1001 Nacht". Sie handelt von dem Jungen Aladin, der arm und auch ein wenig faul ist, aber vom Reichtum träumt. Als sich eines Tages ein böser Zauberer sein Vertrauen erschleicht, um an eine Wunderlampe in einer Höhle voller Schätze zu gelangen, beginnt ein aufregendes und gefährliches Abenteuer, an dessen glücklichem Ende Aladin die schöne Prinzessin Badr-al-Budúr heiratet.

Rota illustriert in seiner 1968 uraufgeführten Kinderoper die bekannte Handlung mit abwechslungsreicher und farbenfroher Musik, die den Zuschauer in eine geheimnisvolle orientalische Welt voller bunter Basare, verschleierter Prinzessinnen und böser Zauberer entführt.
Wenn ich am Klavier sitze und komponiere, versuche ich, glücklich zu sein. Aber wie können wir glücklich sein, wenn andere unglücklich sind? Ich würde alles tun, um jedem Menschen einen Augenblick des Glücks zu schenken – das ist das Wesen meiner Musik. – Nino Rota

In diesem Sinne ist Rotas Aladino e la lampada magica das perfekte Werk, um Kinder ab sechs Jahren mit ihrem ersten Opernerlebnis zu beglücken. Auch erfahrene Musikliebhaber erfreuen sich an der erfrischend tonalen Musiksprache. Sie ist auf eine moderne und ehrliche Art und Weise traditionsgebunden.

Am 28. und 31. Oktober nimmt auch die Oper Leipzig das Stück wieder auf, jedoch in einer Fassung mit reduziertem Orchester von Rainer Schottstädt, mit der die Kinderoper seit der deutschen Erstaufführung in Köln 2002 große Erfolge feiert. Diese Version bewahrt den an Puccini orientierten Orchesterklang und ermöglicht es, das Werk auch in kleineren Spielstätten aufzuführen.

Werk der Woche - Hans Werner Henze: Elegy for Young Lovers

Er war einer der bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. Jahrhunderts: Am 1. Juli 2016 wäre Hans Werner Henze 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass präsentieren die Liszt Academy und die Armel Opera Competition seine Oper Elegy for Young Lovers in einer Inszenierung von András Almási-Tóth. Bei der Premiere am 2. Juli im Thalia Theater in Budapest ist der südkoreanische Bariton Kim Boran in der Hauptrolle zu sehen, für die er von dem Wettbewerb ausgewählt wurde. Es spielt das Pannon Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Gergely Vajda.



Der Schauplatz von Elegy for Young Lovers ist ein Berghotel in den österreichischen Alpen, in das der Dichter Gregor Mittenhofer alljährlich reist. Dort will er sich von den Visionen und Wahnvorstellungen einer Dame namens Hilda Mack inspirieren lassen. Diese wartet nun schon seit 40 Jahren vergeblich auf die Rückkehr ihres in den Bergen verschollenen Gatten. In dem Hotel eingetroffen, verliebt sich Mittenhofers Muse Elisabeth Zimmer in Toni Reischmann, den Sohn von Mittenhofers Arzt. Eifersüchtig und gekränkt verzichtet Mittenhofer auf Elisabeth, erbittet jedoch einen letzten Liebesdienst: Als Stütze seiner Vision möge ihm das junge Paar ein Edelweiß vom Hammerhorn holen. Doch im Schneesturm sterben die jungen Liebenden – engumschlungen. Bei einer Lesung trägt der Dichter dann sein neuestes Werk "Elegie für junge Liebende" vor: "Auf dass der Tod sie nicht scheide."

Hans Werner Henzes Elegy for Young Lovers – Eine Oper mit “modernen Menschen, mit Schwächen und Stärken”


An dem Libretto für Elegy for Young Lovers arbeitete Henze gemeinsam mit den amerikanischen Schriftstellern Wystan Hugh Auden und Chester Kallman. Henze begann nach Fertigstellung des Librettos direkt mit der Komposition und erfüllte sich mit der Zusammenarbeit mit Auden, den er seit Jahren bewunderte, einen großen Wunsch:
Ich sage, ich hätte gern ein kleines Sängerensemble und ein kleines Instrumentalensemble von nicht mehr als zwanzig Leuten. Diese Instrumente würden womöglich in der Dramaturgie des Stücks eine gewisse personengebundene Rolle spielen können. Ich sage, ich möchte gern ein Psychodrama, ein Kammerdrama, das ganz allgemein mit Schuld und Sühne, das heißt also mit subtilen und komplexen Dingen zu tun haben muss. Ich war glücklich mit diesem Entwurf, hörte beim Lesen sogleich die künstliche Luft des Hammerhorns in den Ohren sirren, hörte schon erste Noten für die Musik der Liebenden: zarte Blumen, Herbstzeitlosen, Violen und das wotanesk-groteske Schnauben und Donnern Mittenhofers, des kaltherzigen Dichters, der seiner Muse Menschenopfer bringt. Es handelte sich um Menschen, moderne Menschen, mit Schwächen und Stärken, um Sterbliche, nicht um Götter oder Helden oder sonstige übernatürliche Wesen. – Hans Werner Henze

Henze schuf eine der beliebtesten Opern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach der Premiere in Budapest finden in der Spielzeit 2016/17 im Theater an der Wien fünf weitere Aufführungen der Elegy for Young Lovers mit den Wienern Symphonikern, dirigiert von Marc Albrecht, statt. Auch in Henzes Geburtsstadt und seiner Wahlheimat Italien wird sein 90. Geburtstag gefeiert: In Gütersloh veranstaltet das städtische Theater am 1. Juli ein Festkonzert mit Liedern und Kammermusik und in Montepulciano werden am 23. Juli die Ballett-Pantomime L'usignolo dell'imperatore – Des Kaisers Nachtigall und die Seconda sonata per archi aufgeführt.

Werk der Woche – Gregory Spears: Fellow Travelers

Am 17. Juni 2016 präsentiert die Cincinnati Opera die Uraufführung von Gregory Spears‘ Fellow Travelers. Die Oper beruht auf einem Libretto von Greg Pierce und basiert auf dem 2007 erschienen Roman von Thomas Mallon. Die Produktion der Uraufführung steht unter der Leitung von Kevin Newbury. Fellow Travelers wurde von G. Sterling Zinsmeyer und der Cincinnati Opera in Auftrag gegeben.

Fellow Travelers spielt im Washington D.C. der 1950er Jahre. Timothy Laughlin, College-Absolvent und gläubiger Katholik, schließt sich dem Kreuzzug gegen den Kommunismus an. Die zufällige Begegnung mit einem attraktiven Beamten des Außenministeriums, Hawkins Fuller, führt Tim zu seinem ersten Job in D.C. und auch zu seiner ersten Liebesaffäre. Mit Senator McCarthys Attacken gegen Homosexuelle kann Tim seine politischen Überzeugungen, seine Liebe zu Gott und zu Fuller nicht in Einklang bringen – eine Verstrickung, die in einem atemberaubenden Akt des Verrats endet.

Dieses Stück benutzt die Liebesaffäre von Laughlin und Fuller, um die „lavender scare“  wieder ins Bewusstsein zu rufen. So wird eine Bewegung seitens der US-Amerikanischen Regierung genannt,  die in Massenkündigungen von vermeintlich Homosexuellen führte.  „Es geht um eine Zeit in unserer Geschichte, die fast aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurde“, sagt Spears über Fellow Travelers, „und ich glaube, eine Sache, die Oper leisten kann, ist Vergessenes wieder in Erinnerung zu rufen.“

Nach der Premiere zeigt das  Aronoff Center for the Arts in Cincinnati bis zum 10. Juli neun weitere Vorstellungen von Fellow Travelers.

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Hanjo

Die Oper Hanjo von Toshio Hosokawa ist das zweite musikdramatische Werk des Komponisten. Es entstand als Auftragswerk für das Festival d’Aix-en-Provence im Jahr 2004.  Seitdem wurde das Stück, teils mehrfach, in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Japan inszeniert. Am 22. Mai 2016 findet nun die schweizerische Erstaufführung statt, wenn der Einakter im Kubus des Konzert Theaters Bern in einer Inszenierung von Florentine Klepper zu sehen sein wird.

Die Oper erzählt die Liebesgeschichte zwischen Hanako, einer Geisha und dem jungen Mann  Yoshio. Als sie gezwungen werden, sich zu trennen, tauschen sie ihre Fächer als Versprechen ihres Wiedersehens aus. Seitdem wartet die junge Frau jeden Tag vergeblich mit ihrem Fächer am Bahnhof, um ihren Geliebten irgendwann in Empfang nehmen zu können. Die Zeit des Wartens und Hoffens setzen der Frau mehr und mehr zu und sie entfremdet sich von der Welt. Dann tritt Jitsuko, eine verbitterte, alte Frau, die in ihrem Leben nie die Liebe gespürt hat, auf und kauft Hanako. Die beiden Frauen leben so zusammen bis ein Zeitungsartikel über die „verrückte“ Hanako erscheint, den Yoshio liest und daraufhin die beiden Frauen aufsucht. Es entsteht ein Machtkampf zwischen Yoshio und Jitsuko um Hanako, der von der jungen Frau überraschend aufgelöst wird.

Toshio Hosokawa’s Hanjo: Zwischen Traum und Realität


Hosokawa bezeichnet seine Oper Hanjo als ein Werk zwischen Traum und Realität. Ein Blick in das Libretto verstärkt diesen Eindruck: Es gibt wenig konkrete Angaben zu Raum und Zeit, Türen führen ins Nichts, Fragen bleiben unbeantwortet. Hosokawa wählt diese dramatischen Mittel bewusst. Er versteht sein Stück als Weiterentwicklung des traditionellen japanischen Nô-Theaters, bei dem oft Figuren aus der Phantasie und der Realität aufeinandertreffen.

Seine Motivation dieses Theatergenre zu einer musikdramatischen Gattung weiterzuentwickeln, beschreibt Hosokawa so:
Ich wollte mit der Musik ein Drama illustrieren, das wieder und wieder die Grenze zwischen Traum und Realität überschreitet, zwischen Wahnsinn und Verstand. Es ist möglich, dass eine Sichtweise, die es nur im Universum der Träume gibt, in der Musik intensiver verstanden werden kann als im Theater. Ich wollte die Sichtweise von jemandem zeigen, der zwischen Traum und Realität schwankt: Im Hintergrund wechselt das Orchester langsam die Stimmung, wie ein Bild auf Seide, das man ausrollt. Das Schweigen wird langsam, aber sicher ins Muster dieser Seidenrolle gewoben, wie ein weißer Punkt in der Mitte des Bildes. – Hosokawa

Die Oper Hanjo wird in Bern noch fünf weitere Male im Mai und Juni aufgeführt. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten Hosokawas Musik zu entdecken: Am 14. Juni wird Voyage VII für Solotrompete und Streichensemble, und die Uraufführung des Blockflötenkonzerts Sorrow River in einem Konzert mit  Jeroen Berwaerts (Trompete),  Jeremias Schwarzer (Blockflöte) und dem Ensemble Resonanz unter der Leitung des Komponisten in der Laeiszhalle Hamburg zu hören sein.

Werk der Woche - Paul Hindemith: Mathis der Maler

Am 1. Mai 2016 findet in Dresden an der Semperoper die Premiere der Oper Mathis der Maler von Paul Hindemith statt. Das Künstlerdrama rund um Mathias Grünewald ist in einer Inszenierung von Jochen Biganzoli zu sehen. Am Pult steht Simone Young, die Titelpartie singt Markus Marquardt.

Der Maler Mathis steht im Dienst von Kardinal Albrecht von Brandenburg und trifft auf den Bauernführer Schwalb und dessen Tochter Regina. Er verhilft den Beiden zur Flucht vor dem Bundesheer und bittet Albrecht seinen Dienst beenden zu dürfen, um selbst gegen die verordnete Armut kämpfen zu können. Mathis erkennt jedoch schnell, dass sein Einsatz vergebens ist. Nach dem Tod von Schwalb kümmert er sich um Regina, beide sind auf der Flucht. Bei einer Rast im Odenwald erscheint Mathis der Kardinal Albrecht in Gestalt des heiligen Petrus. Er befiehlt dem Maler, wieder zur Kunst zurückzukehren. Daraufhin vollendet er sein wichtigstes Werk, den Isenheimer Altar. Der Kardinal will Mathis nun wieder in den Dienst stellen, doch dieser lehnt ab und zieht sich resigniert in die Einsamkeit zurück.

Mathis dem Maler und Paul Hindemith: Ein Zeit- und Ideendrama


Stoffwahl und Entstehungsgeschichte von Mathis der Maler, zu dem Hindemith das Libretto selbst verfasste, sind eng mit seiner eigenen Situation seit 1933 verbunden. Die Gedanken und Gefühle des Komponisten mögen denen von Mathis geähnelt haben. Der Maler ist Sinnbild des leiderfüllten schöpferischen Künstlers, der sich zu Zeiten von Reformation und Kriegen fragt, ob seine Kunst noch eine Daseinsberechtigung besitzt. Er schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Nach dem einhelligen Erfolg der vorausgehenden Symphonie "Mathis der Maler" folgte massive Propaganda von NS-Kulturpolitikern gegen Hindemith. Nach Furtwänglers gescheitertem Versuch, den Komponisten in Schutz zu nehmen, zog sich Hindemith schrittweise aus Deutschland zurück und emigrierte 1938 in die Schweiz, wo die Oper in Zürich uraufgeführt wurde. Die Gefühlswelt des Künstlers beschreibt Hindemith so:
Von allen Höllenqualen einer zweifelnden, suchenden Seele geplagt, erlebt Mathis den Einbruch einer neuen Zeit mit ihrem unvermeidlichen Umsturz der bisher geltenden Anschauungen. Er geriet in die damals gewaltig arbeitende Maschinerie des Staates und der Kirche, hielt mit seiner Kraft dem Druck dieser Mächte wohl stand, in seinen Bildern berichtet er jedoch deutlich genug, wie die wildbewegten Zeitläufe mit all ihrem Elend, ihren Krankheiten und Kriegen ihn erschüttert haben. – Hindemith

An der Semperoper ist Mathis der Maler bis zum 20. Mai zu sehen. In der kommenden Spielzeit bringt das Staatstheater Mainz das Stück auf die Bühne.

Foto: Frank Höhler

Werk der Woche - Christian Jost: Angst

Die menschliche Psyche und insbesondere das Gefühl der Angst stehen immer wieder im Mittelpunkt von künstlerischen Produktionen. Sowohl in den darstellenden Künsten, im Film, in der Literatur als auch in musikalischen Kompositionen werden die menschlichen Emotionen dargestellt und verarbeitet. Trotzdem handelt es sich bei der Oper Angst – Fünf Pforten einer Reise in das Innere der Angst von Christian Jost um ein Ausnahmestück. Warum es von so besonderer Bedeutung ist, können die Zuschauer ab dem 21. April 2016  im Staatstheater Darmstadt erleben. Sie dürfen sich auf eine spektakuläre Inszenierung freuen, die von einer Produktion des Nationaltheaters Weimar übernommen wird.

Schon die Besetzung der Oper ist eine Besonderheit: Anders als gewohnt handelt es sich um ein Musiktheaterstück nur für Chor und Orchester. Jost verwirft die klassischen Hierarchien von Opern und erhebt den Chor zum Träger der musikalisch-dramatischen Handlung. Der Komponist verarbeitet in seinem Werk die bereits verfilmten Erlebnisse des Extrembergsteigers Joe Simpson, der im Jahre 1985 in den peruanischen Anden verunglückte und in eine Gletscherspalte stürzte. Sein Partner kappte daraufhin das sie verbindende Seil, um nicht selbst in die Spalte heruntergezogen zu werden und ließ seinen Kameraden zurück. Trotz eines gebrochenen Beines und ohne Wasservorräte schaffte Simpson es, die Gletscherspalte zu durchqueren und ins Basislager zurückzukehren. Die Gedanken, Emotionen und Fragen dieser Bergsteiger inspirierten Jost dazu, ihre Gefühlszustände in einer Oper darzustellen.

Angst ist am Staatstheater Darmstadt in insgesamt sechs Vorstellungen zu sehen. Diese Produktion ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die Musik von Christian Jost kennen zu lernen: Seine erste Oper Death Knocks nach Woody Allen läuft derzeit noch am Stadttheater Gießen.

Foto: Maik Schuck - Szenenfoto der Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar mit dem Opernchor des DNT und der Staatskapelle Weimar, Premiere: 24.09.2015 im E-Werk (Musikalische Leitung: Stefan Solyom, Regie: Karsten Wiegand, Bühne: Bärbl Hohmann, Kostüme: Andrea Fisser, Choreinstudierung: Markus Oppeneiger/Andreas Klippert)

Werk der Woche - Viktor Ullmann: Der Kaiser von Atlantis

Viktor Ullmanns einaktige Kammeroper Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung feiert am 19. Februar 2016 in Dresden Premiere. Die Regisseurin Christiane Lutz inszeniert das Stück an der Semper Zwei, der zweiten Spielstätte der Semperoper, die musikalische Leitung übernimmt Johannes Wulff-Woesten.

Ein grausamer Herrscher kündigt den Krieg aller gegen alle an. Doch der Tod setzt dem Massenmorden ein Ende, indem er seinen Dienst verweigert: Nun leben alle Menschen ewig. So ist der Kaiser zwar entmachtet, aber die Menschen sehnen sich nach Erlösung vom Schmerz des Lebens. Nur der freiwillige Tod des Kaisers kann dem Tod seine eigentliche Bestimmung zurückgeben.

Ullmann verarbeitet die Grauen des Zweiten Weltkrieges


Ullmann komponierte diese Oper 1943 während seiner Internierung im KZ Theresienstadt. Das Kammerensemble des Lagers sollte das Werk spielen, die Uraufführung wurde jedoch nach der Generalprobe verboten. Ein Jahr später übergab der Komponist sein Autograph und das Textbuch einem Freund, bevor er nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. So konnte Ullmanns Musik gerettet werden.
Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, meist um den Bedürfnissen und Wünschen von Dirigenten, Regisseuren, Pianisten, Sängern und damit den Bedürfnissen der Freizeitgestaltung des Ghettos zu genügen [...]. Zu betonen ist nur, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war; und ich bin überzeugt davon, dass alle, die bestrebt waren, in Leben und Kunst die Form dem widerstrebenden Stoffe abzuringen, mir Recht geben werden. – Viktor Ullmann

In Dresden wird Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung vom 19. Februar bis zum 6. März 2016 insgesamt neun Mal aufgeführt. Von dieser Kammeroper sind mehrere Fassungen und Manuskripte erhalten, die das Werk in unterschiedlichen Stadien vor und nach der Zensur dokumentieren. Bei Schott ist nun erstmals eine Studienpartitur der Edition Eulenburg (ETP 8067) erschienen, in der alle überlieferten Varianten des Werkes enthalten und einander gegenübergestellt sind.

Foto: Sächsische Staatsoper

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Stilles Meer

Mit seiner neuen Oper Stilles Meer, die am 24. Januar 2016 in der Staatsoper Hamburg uraufgeführt wird, bringt der japanische Komponist die Trauer über die Opfer des Tsunamis von 2011 und der Atomkatastrophe von Fukushima zum Ausdruck. Das Stück wird von Oriza Hirata inszeniert und steht unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano.

In Stilles Meer trauert die Hauptfigur Claudia um ihren geliebten Sohn, der beim Tsunami in Tôhoku ums Leben gekommen ist. Sie verarbeitet ihren Schmerz in Gesängen und buddhistischen Gebeten. Die japanische Zeremonie des Tôrô nagashi ist ein zentrales Element der Handlung: Papierlaternen werden als Sinnbild für die Seelen der Toten aufs Meer gesetzt und der Quelle des Lebens zurückgegeben.

Stilles Meer: Traditionelles Theater mit aktuellem Bezug


Mehrere Einflüsse haben auf das Libretto der Oper eingewirkt: Der Handlung des Stücks liegt das traditionelle japanische Theaterstück Sumidagwa zugrunde. Diesem Stoff ist Hosokawa in Benjamin Brittens Curlew River begenet, der ihn in einen christlichen Kontext stellt. In Stilles Meer liegt der Schwerpunkt nun aber auf dem ursprünglich buddhistischen Charakter der Geschichte. Weitere Inspiration für sein Werk bezieht Hosokawa aus der Erinnerungskultur seines Heimatlandes und dessen Verarbeitung der traumatischen Ereignisse vor fünf Jahren:
Das Tôhoku-Erdbeben und der Tsunami im Jahr 2011 sowie die dadurch ausgelöste Atomkatastrophe ließen mich erneut über Naturgewalten und die menschliche Arroganz nachdenken. Meine Musik entsteht in tiefem Einklang mit der Natur und soll dazu anregen, einmal mehr zu reflektieren, dass die Menschheit die elementare Kraft der Natur gleichermaßen respektiert wie fürchtet, und wie sie bei dem Versuch, die Natur zu kontrollieren und zu dominieren, diese letztendlich zerstört. - Hosokawa

Stilles Meer ist an der Staatsoper Hamburg vom 24. Januar bis zum 13. Februar 2016 insgesamt fünf Mal zu sehen. Eine enge thematische Verknüpfung besteht zu Hosokawas Komposition Klage für Sopran und Orchester. Hier trauert ebenfalls eine Mutter um ihr Kind, das beim Erdbeben in Japan ums Leben gekommen ist.  Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg spielt das Stück am 10. und 11. April 2016 in der Laeiszhalle. Die Mezzosopranistin Mihoko Fujimura, die in Stilles Meer die Rolle der Haruko übernimmt, wirkt auch in diesem Werk als Solistin mit.

Foto: Staatsoper Hamburg
(23.01.2016)

Werk der Woche - Giuseppe Verdi: Don Carlo

Am 16. Januar 2016 feiert Giuseppe Verdis Don Carlo an den Landesbühnen Sachsen in Radebeul in der Inszenierung von Michael Heinicke Premiere. Die musikalische Leitung hat Jan Michael Horstmann inne. Das Theater verwendet das Aufführungsmaterial der revidierten Neuausgabe der Verlagsgruppe Hermann, das in der Reihe "Edition Meisterwerke" erschienen und bei Schott erhältlich ist. Die Ausgabe zeichnet sich durch einen neuen Notensatz, vereinheitlichte Partituren, Stimmen und Klavierauszüge und umfangreiche Korrekturen gegenüber den Erstausgaben aus.

Die Oper Don Carlo zeigt, wie Liebe und Eifersucht die Politik beeinflussen können. Um das Jahr 1560 stehen Spanien und Frankreich kurz vor einem Friedensschluss, der mit der Hochzeit des spanischen Königs Philipp und der französischen Prinzessin Elisabeth besiegelt werden soll. Diese jedoch ist in den Sohn des Königs, Infant Carlos, verliebt. Pflichtbewusst entscheidet sie sich gegen die Liebe und für die Politik – sie heiratet König Philipp. Dies ist der Ausgangspunkt für die Oper. Im Folgenden prägen Eifersucht und Liebeskummer die Beziehungen der Figuren und ihr Handeln.

Verdis Kompositionsstil in Don Carlo


Verdi hinterließ mehrere Fassungen von Don Carlo. Erstmals vertonte er den Stoff 1867 in fünf Akten für die Opéra in Paris. An unterschiedlichen Aufführungsorten wurden einige Änderungen vorgenommen, bis am 10. Januar 1884 eine kürzere Fassung am Teatro alla Scala in Mailand aufgeführt wurde. Die Landesbühnen Sachsen führen nun die spätere, vieraktige Fassung auf. In Don Carlo verabschiedet sich Verdi vom traditionellen Arien-Typus des Belcanto. Stattdessen komponiert er dramatische Soloszenen, wofür unter anderem König Philipps Monolog "Ella giammai m’amo" ("Sie hat mich nie geliebt") ein Beispiel ist. Die dramatische Stimmung einzelner Szenen wird zudem noch durch eine größere Selbstständigkeit des Orchesters verstärkt.
Nun bin ich also ein perfekter Wagnerianer! Hätten die Kritiker nur ein wenig aufgepasst, so hätten sie gemerkt, dass die gleichen Dinge bereits im Terzett des "Ernani", in der Nachtwandel-Szene des "Macbeth"und in manchem anderen meiner früheren Stücke stehen. Die Frage ist auch nicht, ob Don Carlo in einem bestimmten Stil komponiert ist oder nicht, sondern nur, ob die Musik gut oder schlecht ist. (Verdi in einem Brief vom 1. April 1867 an Léon Escudier)

Nach der Premiere am 16. Januar folgen bis zum 24. April 2016 noch fünf weitere Aufführungen von Don Carlo in Radebeul, Eisleben und Bad Elster.

Foto: Landesbühnen Sachsen / Hagen König