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Werk der Woche – Anno Schreier: Der Zauberer von Oz

Am 8. Dezember wird das Theater Aachen Der Zauberer von Oz von Anno Schreier zur Uraufführung bringen. Die Leitung des Sinfonieorchesters Aachen übernimmt Generalmusikdirektor Christopher Ward. Es inszeniert Ute M. Engelhardt.

Ein Wirbelsturm weht die kleine Dorothy aus Kansas in das fantastische Land von Oz. Zusammen mit ihren Freunden – dem  Blechmann, der Vogelscheuche und dem Löwen – sucht sie den Zauberer, der ihr helfen soll, nach Hause zu kommen. Dafür braucht es weniger Magie als die Fähigkeit, an sich selbst zu glauben.

Die Familienoper erzählt die berühmte Geschichte nach dem Roman von Lyman Frank Baum in einer neuen Version, in der sich der Komponist frei beweget. Genau wie auf Dorothys Reise fantastische und unvorhersehbare Dinge passieren, ist auch die Musik voller Überraschungen. So vereinen sich im Zauberland von Oz verschiedenartige Stile von Barockmusik, über Country bis Reggae. Der Zauberer von Oz ist ein Stück über das Erwachsenwerden und darüber, wie mit Fantasie Probleme gelöst werden können.

Anno Schreier – Der Zauberer von Oz: Ein Zauberer nimmt seine Zuhörer auf eine wunderbare Reise
Wenn ich mich selbst mit einer der agierenden Figuren beschreiben müsste, würde ich mich zunächst als mutlosen Löwen bezeichnen, der am Anfang eines Projekts nicht auf seine eigenen Kräfte vertraut. Doch dann werde ich zu Dorothy, die nach Verbündeten sucht und es mit Hexen und Hammerköpfen aufnehmen kann. Als Komponist versuche ich auch ein Zauberer zu sein, der seine Zuhörer mit auf eine wunderbare Reise nimmt.  – Anno Schreier

Am Theater Aachen werden bis zum 12. März 2020 noch neun weitere Aufführungen von Der Zauberer von Oz folgen.

 

Werk der Woche – Hannah Lash: Desire

Am 16. Oktober wird das Miller Theatre in New York zusammen mit dem JACK Quartet die Uraufführung der Kammeroper Desire von Hannah Lash zeigen. Musikalische Leiterin der Produktion ist Daniela Candillari, Regie führt Rachel Dickstein.
Desire ist eine Oper über die Reise der Künstlerin durch Inspiration und Zweifel. Das Stück ist eine Art Metapher, die in einen magischen Garten gesetzt wurde. Darin erntet die Hauptfigur, eine Künstlerin, ihre Pflanzen auf wunderbare Weise, doch genauso schnell können sie sterben und zu Asche werden, wenn die Weltanschauung der Künstlerin ins Wanken gerät.
Wir werden Zeugen davon, wie die Künstlerin sich selbst und das Vertrauen in sich findet, mit ihrem Verhältnis zu Zweifel und Inspiration hadert und letztendlich beides aus ihrer Welt heraus aufbaut und gänzlich selbstsicher wird. Hannah Lash

Eine weitere Aufführung von Desire folgt am 17. Oktober im Miller Theatre. Am 14. November wird ein weiteres Stück von Hannah Lash uraufgeführt: Das Naples Philharmonic Orchestra präsentiert das neue Double Concerto für Klavier, Harfe und Orchester. Soli sind Jeremy Denk und Hannah Lash – die Komponistin tritt regelmäßig als Harfenistin in Erscheinung.

Werk der Woche - Rodion Shchedrin: Lolita

Ab dem 3. Oktober 2019 ist am Prager Ständetheater (Stavovské divadlo) die erste tschechische Produktion von Rodion Shchedrins Oper Lolita zu sehen. Die musikalische Leitung übernimmt dabei Sergey Neller, Regie führte die bekannte slowakische Regisseurin und Performancekünstlerin Sláva Daubnerová, deren Markenzeichen es ist, Opern visuell provokativ zu inszenieren. Gesungen wird auf Russisch; es wird tschechische und englische Übertitel geben.

Lolita ist das bekannteste Werk des russischen Schriftstellers Vladimir Nabokov und Shchedrins fünftes Bühnenwerk, das von der Literatur seines Heimatlandes inspiriert ist. Der Komponist verfasste das Libretto zu der Oper selbst. Eine große Qualität des Werks liegt darin, durch geschickte Dramaturgie und raffinierte Musik – unter anderem mit der Einbeziehung von russisch-orthodoxen Gesängen – die vielen Beziehungsebenen und Reaktionsmöglichkeiten zwischen Kindfrau und reifem Mann zu ergründen.

Rodion Shechdrin – Lolita: Von russischer Literatur inspirierte Oper


Der Literaturprofessor und Feingeist Humbert Humbert verfällt der gerade 12-jährigen vaterlosen Lolita. Er verführt das Mädchen und lebt mit ihm einige Zeit zusammen, nachdem er pro forma dessen Mutter geheiratet hat; diese kommt jedoch bald ums Leben. Nach dem Ende der zunehmend problematischen Beziehung trifft Humbert drei Jahre später erneut auf Lolita, die inzwischen mit einem anderen Mann verheiratet ist und ein Kind erwartet. Humberts Eifersucht wendet sich jedoch nicht gegen Lolita oder ihren Mann, sondern gegen den mephistophelischen Filmregisseur Quilty, der Lolita für Pornofilme missbraucht hat. Humbert nimmt blutige Rache an Quilty – und wird dafür zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilt.
Nur zu wiederholen, was andere schon geschaffen haben, wird für den Zuhörer langweilig. Man muss den Zuhörer im Griff behalten, ihm etwas Neues, Frisches bieten. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe, sollte aber im Idealfall für den, der sich heute dem Komponieren widmet, das Ziel sein. Rodion Shchedrin

Nach der Premiere werden acht weitere Aufführungen bis zum 10. Januar 2020 folgen. Shchedrins Musik ist in nächster Zeit unter anderem in der Philharmonie Berlin und der Philharmonic Hall in Hradec Králové (jeweils Beethovens Heiligenstädter Testament) sowie im Kennedy Center Washington, DC (Two Tangos by Albéniz) zu hören.

Foto: Royal Opera Stockholm

 

Werk der Woche – Georges Bizet: Carmen

Vom ersten Ton an hält die Musik in ihrer Klarheit und tragischen Magie den Zuhörer gefangen: Nicht zuletzt deswegen ist Carmen von Georges Bizet bis heute eine der beliebtesten und meistgespielten Opern überhaupt. Ihre nächste Premiere  erlebt sie am 14. September 2019 am Königlichen Dänischen Theater in Kopenhagen. Die musikalische Leitung übernimmt Alexander Vedernikov, die Inszenierung stammt von Barrie Kosky.



Grundlage der Produktion ist das Aufführungsmaterial der „Edition Meisterwerke – comprehensive & selected“ der Verlagsgruppe Hermann, Wien. Dabei werden alle Fassungen von Carmen in einer einzigen kritischen Neuausgabe gegenübergestellt und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Fassungen aufgezeigt. Das Libretto, zu dem Bizet die Musik komponierte, wurde von Henri Meilhac und Ludovic Halévy auf Grundlage der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée verfasst. Bei der Uraufführung der Oper im März 1875 in Paris reagierte das Publikum eher ablehnend auf die für damalige Zeiten doch sehr kompromittierende Thematik. Erst Jahre später erlangte das Stück den Erfolg, für den es auch heute noch bekannt ist. George Bizet erlebte das nicht mehr mit. Er starb nur drei Monate nach der Uraufführung.

Die Handlung beginnt damit, dass vor einer Zigarrenfabrik in Sevilla einige Soldaten auf die Wachablösung warten, unter ihnen auch Don José. Als die Arbeiterin Carmen dazu kommt, beachtet sie keinen der Männer bis auf ihn und wirft ihm im Weggehen eine Blume zu. Kurz darauf entsteht ein Tumult, weil Carmen eine Kollegin verletzt hat. Don José soll sie verhaften, lässt sich aber durch ein Liebesversprechen davon abbringen. Er lässt sie laufen, wird dafür aber selber mit Arrest bestraft.

Georges Bizet – Carmen: Bühnenklassiker in kritischer Neuausgabe


Einige Zeit später tanzt Carmen mit zwei Freundinnen in der Taverne und trifft dort auf den berühmten Torero Escamillo, was für beide eine schicksalhafte Begegnung darstellt. Carmen lässt ihn jedoch zunächst abblitzen, da sie sich in Don José verliebt hat. Als sie diesen wiedertrifft, ist sie schnell enttäuscht von seinem wiedergefundenen Pflichtbewusstsein, das so gar nicht zu ihrer Freiheitsliebe passen will. Die Situation eskaliert, als der Offizier Zuniga hinzukommt und Interesse an Carmen zeigt. Sie ruft die Schmugglerbande, der sie sich angeschlossen hat, zur Hilfe. Don José bleibt nach der Konfrontation mit seinem Offizier nichts anderes übrig, als sich den Schmugglern anzuschließen.

Auf dem Weg zur Grenze treffen die Schmuggler auf Escamillo, der auf der Suche nach Carmen ist. Statt ihrer begegnet er Don José, welcher ihn zu einem Messerkampf auffordert. Als der eigentlich überlegene Escamillo in einem Moment der Unachtsamkeit zu unterliegen droht, rettet Carmen ihm das Leben. Daraufhin lädt Escamillo sie und alle ihre Gefährten zu seinem nächsten Stierkampf in die Arena von Sevilla ein. Don José warnt sie, doch sie bleibt unbeeindruckt. Während des Stierkampfs lehnt Carmen erneut alle Versuche Don Josés ab, ihr seine Liebe zu beweisen, woraufhin er sie ersticht und verzweifelt zusammenbricht.
Carmen ist vor allem eine sich ihrer Weiblichkeit vollbewusste Frau. Mehr noch: Ich bin überzeugt, dass Mérimée mit dieser Gestalt einen Frauentyp geschaffen hat, in dem sich das Weibliche als vollkommen verwirklicht darstellt – und daher ihr universeller Wert als literarische Schöpfung. Modern gesprochen könnte man sagen, dass Carmen einen Idealtyp der echt emanzipierten Frau verkörpert, das heißt, dass sie frei, sicher und Herrin ihrer Entschlüsse ist. Teresa Berganza

Carmen wird in Kopenhagen noch bis Mitte Februar an vierzehn Terminen gespielt. Im weiteren Verlauf der Spielzeit ist das Werk in kritischen Fassungen auch an den Opernhäusern in Mannheim, Meiningen und Chemnitz zu sehen.

Foto: Det Kongelige Teater

Werk der Woche - Erich Wolfgang Korngold: Das Wunder der Heliane

Erich Wolfgang Korngolds lange vergessene Oper Das Wunder der Heliane wird seit einigen Jahren wiederentdeckt. Das belegen Aufführungen unter anderem in Brno, Gent und Freiburg. Die letztjährige Produktion der Deutschen Oper Berlin wurde von der Zeitschrift Opernwelt sogar als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet und ist seit kurzem auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Der nächste Höhepunkt in der Rezeptionsgeschichte der Oper ist nun ihre amerikanische Erstaufführung am 26. Juli 2019 beim Bard Music Festival in Annadale-on-Hudson im Bundesstaat New York, das unter dem Motto „Korngold and His World“ steht. Es spielt The American Symphony Orchestra unter der Leitung von Leon Botstein, Regie führt Christian Räth.



Mit Das Wunder der Heliane wollte Korngold an seinen Erfolgsoper Die tote Stadt anschließen, die 1920 uraufgeführt wurde und in den Folgejahren viele Aufführungen im euroamerikanischen Raum erlebte. Die Heliane-Uraufführung 1927 in Hamburg war ein Erfolg, jedoch wurden weitere Aufführungen sehr gemischt aufgenommen. Nachdem Korngolds Musik in Deutschland von den Nationalsozialisten mit einem Aufführungsverbot belegt wurde, geriet sie schnell in Vergessenheit.

Heliane ist die Frau eines tyrannischen Herrschers, den sie jedoch nicht liebt. Als sie einen Fremden in der Nacht vor dessen Hinrichtung seiner Todeszelle trösten will, verliebt sie sich in den Gefangenen. Doch diese Liebe wird publik und man verurteilt auch Heliane zum Tod, woraufhin der Fremde Suizid begeht. Heliane wird vor die Wahl gestellt: Sie kann ihre Hinrichtung umgehen, wenn sie ihre Liebe zum Fremden leugnet und ihn als Zeichen dafür zum Leben erweckt. Doch Heliane bleibt bei der Wahrheit und verleugnet ihre Liebe nicht. Als das Volk sie schließlich töten will, erwacht der Fremde mit einem Donnerschlag zum Leben und erlöst fahren beide gemeinsam in den Himmel auf – die Liebe siegt über den Tod und die Herrschaft des Tyrannen ist gebrochen.

Die Figur der Heliane wird in der Oper als Heilige stilisiert, was schon im Titel Die Heilige des der Oper zugrunde liegenden Dramas von Hans Kaltneker angelegt ist. Zusammen mit ihrem Geliebten symbolisiert sie die wahrhaftige, reine Liebe, die in der Lage ist, die Schreckensherrschaft ihres Mannes zu brechen. Zwar ist keines der in der Oper verwendeten Symbole neu auf der Opernbühne, aber mit ihrer mystisch überladenen Handlung bricht Das Wunder der Heliane mit den Konventionen ihrer Entstehungszeit, in der realistische Sujets bevorzugt wurden.

Erich Wolfgang Korngold: Das Wunder der Heliane – Spätromantische Huldigung der Liebe


Orgel, Gitarre und Fanfarentrompeten sind nur einige der selten genutzten Instrumente, die Korngold in die sehr große Orchesterbesetzung eingebaut hat. Diese benötigt er in seiner Oper für eine expressive und hochemotionale Klangsprache, die mit ihren Effekten auf Filmmusik vorausdeutet – Korngolds spätere Karriere in Hollywood mag hier schon vorgezeichnet sein.
Das glaubhafte „Wunder der Heliane“ ist ihre Musik. Sie überflutet das Textbuch, wogt durch die Akte, reißt die Szene mit sich und das Gerümpel der Dramaturgie. Sie schüttet Melodien in die Figuren, dass sie an Gesang überquellen. - Kritikerin Elsa Bienenfeld nach der Wiener Erstaufführung 1927

Nicht zuletzt hat auch Korngolds vielfältige Orchestrierung einen großen Anteil an der Sogwirkung, die das Stück entfaltet. So sind die unterschiedlichen Charaktere und Stimmungen schon in der Orchestrierung abgebildet, die wechselnd hart, schroff und dramatisch oder weich und warm erscheint. Die Harmonik bewegt sich an den Grenzen der Tonalität, etwa wenn Korngold weit entfernte Tonarten verbindet und mit den entstehenden Klangwirkungen arbeitet oder wenn er bitonal mehrere musikalische Ebenen schichtet.

Beim Bard Music Festival des Fisher Center for the Performing Arts wird Das Wunder der Heliane noch an vier weiteren Abenden gespielt. Außerdem werden bei „Korngold and His World“ viele andere Werke des Komponisten zu hören sein, unter anderem Filmmusik, Die tote Stadt, die Symphonie in Fis, das Cello Concerto in C und das Klavierkonzert in Cis. Dazu gibt es Vorträge, Filmvorführungen und Diskussionsrunden.

 

 

Foto: Uraufführung 1927 an der Hamburgischen Staatsoper

Werk der Woche - Ludger Vollmer: The Circle

Dave Eggers‘ Roman The Circle aus dem Jahr 2013, der von einem übermächtigen Internetkonzern handelt, avancierte schnell zu einem Weltbestseller. Ludger Vollmer hat den Roman nun als Oper vertont: The Circle wird am 4. Mai 2019 am Deutschen Nationaltheater in Weimar uraufgeführt. Regie bei der Produktion des dystopischen Musiktheaterwerks führt Andrea Moses, Kirill Karabits hat die musikalische Leitung.

In Vollmers Schaffen nimmt die Gattung der Oper eine zentrale Rolle ein, da sie für ihn alle Bereiche des Lebens anspricht und berührt. Folglich befassen sich seine Opern immer wieder mit dringenden gesellschaftlichen Themen unserer Zeit und suchen gezielt ihre Vorlagen: Gegen die Wand und die Lola rennt basieren auf Filmen von Fatih Akin und Tom Tykwer, Border dagegen adaptiert eine antike Tragödie von Euripides und Schillers Räuber orientiert sich an dem bekannten Drama von Friedrich Schiller, Tschick an dem gleichnamigen Roadmovie-Roman von Wolfgang Herrndorf. Stets sucht Vollmer darin Bezüge zu unserer Lebenswirklichkeit und will mit den Themen aufrütteln. The Circle soll in dieser Weise auf die Gefahren aufmerksam machen, denen unsere freiheitliche Demokratie durch den Verlust der Privatsphäre im Internet gegenübersteht.
Meine große Oper The Circle soll mit ihrer Fähigkeit, durch die Musik eine mächtige Dimension der Emotionalität aufzuspannen, den Plot von Eggers neu beleuchten und somit eine hoch brisante gesellschaftliche Entwicklung reflektieren. Nimmt die Vitalität einer Demokratie proportional zur Fähigkeit ihrer Bürger, äußeren Normativen Widerstand zu leisten (oder leisten zu wollen) ab? – Ludger Vollmer

Die Geschichte der Oper The Circle ist nah an das dystopische Szenario der Romanvorlage angelehnt. Im Zentrum steht der namensgebende gigantische Internetkonzern „The Circle“, der sich zum Ziel gesetzt hat, immer tiefer in das Leben aller Menschen einzudringen und ihnen jegliche Privatsphäre zu nehmen. Die Protagonistin Mae beginnt als einfache Mitarbeiterin bei dem Konzern und steigt schnell in der Hierarchie auf, da sie sich dem freiheitsraubenden System vollkommen unterwirft und ihr ganzes Leben sowie das ihres Umfelds preisgibt.

Ludger Vollmer – The Circle: Weltbestseller auf der Opernbühne


In musikalischer Hinsicht bezieht Vollmer Inspiration unter anderem aus außereuropäischer und Alter Musik. Er kennzeichnet verschiedene Figuren und Situationen mit unterschiedlichen Modi und überlagert diese. Auch Einflüsse der Populären Musik fließen in die Oper ein und zeigen sich in Spielanweisungen wie Spiritual oder Soul und daran angelehnte Rhythmen und Satztechniken.

Nach der Premiere finden in Weimar in diesem Jahr noch neun weitere Aufführungen von The Circle statt. Sayaka Shigeshima singt die Rolle der Protagonistin Mae. In weiteren Rollen sind unter anderem Heike Porstein, Oleksandr Pushniak, Jörn Eichler und Ray Chenez zu sehen. Ab 8. Juni 2019 kommt am Pfalztheater Kaiserslautern Vollmers Oper Border in einer neuen Inszenierung heraus.

 

 

Foto: Deutsches Nationaltheater Weimar / Candy Welz

Werk der Woche - Richard Strauss: Elektra

Eine außergewöhnliche Symbiose von Musikwissenschaft und künstlerischer Praxis suchen die Herausgeber und Forscher der aktuell entstehenden kritischen Ausgabe Richard Strauss Werke (RSW). Anstatt die Ausgabe nur für die musikwissenschaftliche Forschung zu erstellen wird von Anfang an der Bezug zur Aufführungspraxis gesucht. Denn angelehnt an die Gesamtausgabe werden Aufführungsmaterialien erstellt, die die neuen Erkenntnisse aufgreifen. Ein vorläufiges Aufführungsmaterial zur Oper Elektra wird nun erstmals für eine Opernproduktion verwendet: Am 19. Januar 2019 ist Premiere mit neu ediertem Notenmaterial am Landestheater Linz. Die musikalische Leitung übernimmt Markus Poschner, Michael Schulz führt Regie. Die Sopranistin Miina-Liisa Värelä singt die namensgebende Elektra. In weiteren Rollen sind Katherine Lerner als Klytämnestra, Brigitte Geller als Chrysothemis, Matthäus Schmidlechner als Ägisth und Michael Wagner als Orest zu sehen.

Die RSW stellt die erste wissenschaftlich-kritische Ausgabe zum Œuvre des Komponisten dar und wird mehr als 60 Bände umfassen. Die gesamte Edition wird seit 2011 an der Ludwig-Maximilians-Universität München erarbeitet und von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften München in Zusammenarbeit mit dem Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen herausgegeben. Nachdem bereits drei Bände mit Liedern und sinfonischen Dichtungen erschienen sind, wird im April 2019 als erstes Bühnenwerk der Band zu Salome veröffentlicht; darauf folgt dann Elektra.

Eine Vielzahl von Quellen, von der ersten Partiturniederschrift über verschiedene Notenausgaben bis hin zu Briefen, werden im Entstehungsprozess gesichtet, so fließen die neuesten Forschungsergebnisse mit in die Werkausgabe ein. Parallel dazu entsteht Aufführungsmaterial, das seinen Fokus auf die Musikpraxis legt, sich aber dennoch an den Ergebnissen der Werkausgabe orientiert. Das ist bisher einmalig bei der Entstehung von wissenschaftlichen Komponisten-Werkausgaben. Bislang wurde, wenn überhaupt, erst nach der Fertigstellung der gesamten Werkausgabe Aufführungsmaterial dazu veröffentlicht. Neue Erkenntnisse und auch Fehler, die erst bei der Aufführung ausfindig gemacht wurden, konnten dann nicht mehr auf die Werkausgabe übertragen werden. Deshalb wird das Aufführungsmaterial zu Elektra in Linz nun erstmals genutzt und anschließend nochmals überarbeitet, bevor der entsprechende Band zur Oper veröffentlicht werden kann.

Richard Strauss - Elektra: weltbekannte Oper mit neuem Notenmaterial


Das Libretto der Oper von Hugo von Hofmannsthal basiert auf dem gleichnamigen antiken Drama von Sophokles. Protagonistin ist die Außenseiterin Elektra, die den Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen will. Der wurde von seiner Frau Klytämnestra und ihrem Geliebten ermordet. Als Elektras tot geglaubter Bruder Orest auftaucht, sieht sie den Zeitpunkt zur Rache gekommen. Strauss setzt die Handlung mit den extremsten musikalischen Mitteln seiner Zeit um und dringt damit ins Innerste der Gefühlswelten seiner Figuren vor. Die Rachsucht Elektras kennt keine Skrupel und scheut nicht davor zurück, die eigene Mutter Klytämnestra zu töten. Diese wiederum ist dem Wahnsinn verfallen und leidet an Albträumen. Der Mord am Gatten scheint sie nicht loszulassen. Und dann ist da noch Elektras Schwester Chrysothemis, die sich nicht in den Strudel von Schuld und Gewalt ziehen lassen will. Richard Strauss beschreibt seine Motivation zur Komposition von Elektra in seinen "Betrachtungen und Erinnerungen":
„Jedoch der Wunsch, dieses dämonische, ekstatische Griechentum des 6. Jahrhunderts Winckelmannschen Römerkopien und Goethescher Humanität entgegenzustellen, gewann das Übergewicht über die Bedenken, und so ist "Elektra"  [gegenüber der "Salome" - d.Red.] sogar noch eine Steigerung geworden in der Geschlossenheit des Aufbaus, in der Gewalt der Steigerungen.“

Diese Ansichten manifestieren sich in einer ausdrucksstarken Musik, die die Tonalität bis an ihre Grenzen erweitert. Zusammen mit einem groß besetzten Orchester und einer differenzierten Instrumentation schuf Strauss so ein klanggewaltiges Meisterwerk, das nun erstmals mit historisch-kritischem Aufführungsmaterial auf die Bühne kommt. Die Oper Elektra wird am Landestheater Linz noch an elf weiteren Abenden bis April 2019 aufgeführt.

Foto: Staatstheater Nürnberg / Ludwig Olah

Werk der Woche – Toshio Hosokawa: Erdbeben. Träume

Am 1. Juli 2018 feiert die neue Oper Erdbeben. Träume von Toshio Hosokawa in einer Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito ihre Uraufführung an der Oper Stuttgart. Die musikalische Leitung hat Sylvain Cambreling, Bühne und Kostüme stammen von Anna Viebrock. Die neue abendfüllende Oper entstand als Auftragswerk der Oper Stuttgart und ist die letzte Neuproduktion in der Intendanz von Jossi Wieler, bevor Viktor Schoner die Leitung des Opernhauses zur nächsten Spielzeit übernimmt.  

Seit dem großen Tōhoku-Erdbeben im Jahr 2011 hat Hosokawa eine Reihe von Stücken komponiert, die dem Andenken an die Opfer der Katastrophe gewidmet sind, darunter die beiden letzten Bühnenwerke Stilles Meer und Futari Shizuka. In Erdbeben. Träume richtet Hosokawa erstmals wieder stärker den Blick in die Zukunft: Ein Kind lernt die Gegenwart anzunehmen und die Vergangenheit loszulassen.

Toshio Hosokawa – Erdbeben. Träume: Wer bin ich?


Inspiriert von Heinrich von Kleists „Das Erdbeben von Chili“ (1806) schrieb der Büchner-Preisträger Marcel Beyer das präzise und hochmusikalische Libretto zu Erdbeben. Träume. Stumme Hauptperson der Oper ist der Junge Philipp, dessen Eltern ermordet wurden. Als er erfährt, dass er adoptiert wurde, begibt er sich auf die Suche nach seinen wahren Eltern. „Wo sind meine Eltern?“, „Wer bin ich?“ sind die existentiellen Fragen, die sich der Junge auf seinem Weg stellt. Die Geschichte seiner Herkunft und seiner Eltern wird in Rückblenden als Traumsequenz entfaltet.
„Die Reise, mit der er sich auf das Erwachsenwerden vorbereitet, ist alles andere als sicher: Es erwarten ihn die grausame Gewalt der Natur (Erdbeben und Tsunami) und die furchterregende, unbewusste Gewalt, die im Herzen von Menschen verborgen ist. Doch unterwegs entdeckt er auch Solidarität, die Schönheit der Natur und die Liebesgeschichte seiner Eltern.“ – Toshio Hosokawa

In dieser Spielzeit sind fünf weitere Vorstellungen von Erdbeben. Träume in Stuttgart zu sehen.

 

Foto: © Anna Viebrock

Werk der Woche: Gerald Barry – Alice’s Adventures Under Ground

Am 28. November 2016 findet in der Londoner Barbican Hall die europäische Erstaufführung von Gerald Barrys neuer Oper Alice’s Adventures Under Ground statt. Die konzertante Aufführung mit der Britten Sinfonia wird von Thomas Adès geleitet. Dieser dirigierte eine Woche zuvor die Uraufführung in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Die Titelrolle singt Barbara Hannigan.

Barrys vorherige Oper The Importance of Being Earnest (2009-10) nach Oscar Wilde wurde regelmäßig vor ausverkauften Rängen aufgeführt und gilt als Meistwerk der Oper unserer Zeit. Die ähnlich subversiven Literaturklassiker "Alice’s Adventures in Wonderland" und "Alice Through the Looking Glass" von Lewis Carroll waren für Barry eine naheliegende Wahl für sein nächstes Opernsujet.

Alice’s Aventures Under Ground – Folge dem weißen Kaninchen!


Alice’s Aventures Under Ground beginnt wie das Buch mit Alices Sturz in den Kaninchenbau. In der Oper wird dieser Vorfall gesanglich geradezu halsbrecherisch umgesetzt. Virtuose Passagen wie diese wurden vor allem für die bemerkenswert agile Stimme von Barbara Hannigan geschrieben, der Barry bereits mehrfach Werke auf den Leib komponiert hat.
Das Buch ist sehr dramatisch und ein ideales Vehikel für eine Diva, männlich oder weiblich. Es bietet großartiges Material für Angeberei und nimmt das Unglaubliche als gegeben, als selbstverständlich an. – Gerald Barry

Barrys Vokalkompositionen sind oft vom Spiel mit Sprache geprägt. Alice’s Adventure Under Ground ist keine Ausnahme. Der Komponist hat das Libretto selbst geschrieben, nahm den Kern von Carrolls Geschichten und betonte ihre surrealen und witzigen Aspekte. Eine der bekanntesten Passagen Carolls, das Nonsensgedicht "Jabberwocky", wird in nicht weniger als fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen. Für Barry reflektiert der fieberhafte Sprachwirbel seines Librettos die Verrücktheit von Carrolls Vorlage. Er entschied sich auch für den Titel der ersten Fassung statt des gebräuchlichen "Alice in Wonderland", um die etwas dunklere Tönung des Wahnsinns seiner Oper zu betonen.
Ich liebe den Orginaltitel, weil er Licht und Dunkelheit verbindet und die dem Werk zugrundeliegende schwarze und weiße Energie klarer zum Ausdruck bringt. Es ist der rasende Wechsel zwischen ekstatischem Unsinn und Gewalt, der diesen Text zeitlos macht und Generation um Generation fesselt. – Gerald Barry

Alice’s Adventures Under Ground wird seine irische Erstaufführung auf dem New Music Dublin Festival am 4. März 2017 erleben.

Werk der Woche: George Gershwin - Porgy and Bess

Am 13. November wird am Teatro alla Scala in Mailand die Premiere der "folk opera" Porgy and Bess von George Gershwin gefeiert. Alan Gilbert, der Chefdirigent der New York Philharmonic, übernimmt die musikalische Leitung von dem im März 2016 verstorbenen Nikolaus Harnoncourt, dessen Andenken der Premierenabend gewidmet ist. Die Inszenierung stammt von seinem Sohn, Philipp Harnoncourt.

Zum ersten Mal wird an der Mailänder Scala die komplette Orginalversion der Oper gespielt, mit einer Spielzeit von fast 3 Stunden. In vielen Passagen dieser Fassung sind starke Einflüsse der europäischen Avantgarde zu hören. Diese werden oft ausgelassen, verstärken aber den dramatischen Effekt der Oper. Besonders die Begegnung mit Alban Berg gegen Ende der 1920er Jahre hat Gerschwin geprägt. Er bezeichnete Porgy and Bess als "seinen Wozzeck".

Gershwin beweist stilistische Vielseitigkeit: Spätromantische Opernklänge treffen auf Avantgarde-Techniken und schillernde Jazz-Farben der 1930er Jahre. Es gibt wohl keine Oper, die so viele Jazz-Standards hervorgebracht hat: Klassiker wie I Got Plenty O‘ Nuttin‘, I loves you, Porgy und besonders Summertime erfreuen sich sowohl auf der Opernbühne, Galakonzerten als auch in Jazzclubs größter Beliebtheit. Summertime gilt gar als eines der am häufigsten interpretiertesten Musikstücke aller Zeiten.

Porgy and Bess von George Gershwin – And the livin‘ is easy…?


Die beruhigende Melodie von Summertime, mit der Clara am Anfang der Oper ihr Kind in den Schlaf singt, steht in starkem Kontrast zu der gewaltreichen Lebensrealität in der "Catfish Row". In diesem heruntergekommenen, küstennahen Straßenzug in Charleston, South Carolina wohnen einfache Fischersleute neben Drogenabhängigen, Dealern und anderen zwielichtigen Gestalten. Mittendrin verstricken sich der behinderte Bettler Porgy und die schöne, kokainsüchtige Bess in eine aussichtslose Liebesgeschichte. Die Handlung basiert auf dem Roman "Porgy" von DuBose Heyward, der den Stoff für Gershwin auch als Libretto einrichtete.

Die Uraufführung 1935 war ein großer Erfolg. Die Oper wurde jedoch später häufig kritisiert, hauptsächlich wegen des rassenpolitischen Inhalts. Gershwin wollte die Emotionen und Probleme der unterdrückten schwarzen Bevölkerung differenziert zum Ausdruck bringen. Deshalb legte er Wert darauf, dass die Hauptrollen ausschließlich von schwarzen SängerInnen gesungen werden. Sein Ziel war es, dass Porgy and Bess trotz der Einflüsse aus Jazz und Folklore als große durchkomponierte Oper respektiert wird, und nicht als Broadway Musical.
Die einzige Art von Musik, die Bestand hat, ist jene, die im allumfassenden Sinn der Volksmusik Gestalt besitzt. Alles andere geht unter. – George Gershwin

Porgy and Bess wird an der Mailänder Scala bis zum 23. November zu sehen sein. Und ab dem 26. November kann man sich an einem weiteren der größten Opernhäuser der Welt auf das Stück freuen, wenn es in Sydney auf die Bühne kommt.

 

Foto: Lena Obst, Staatstheater Wiesbaden 2013.