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Werk der Woche – Olli Mustonen: Taivaanvalot

Eine Symphonie für drei Musiker? Der Komponist Olli Mustonen hat sich dieser ungewöhnlichen Herausforderung gestellt. Sein neues Werk Taivaanvalot (Heavenly Lights) trägt in der Tat den Untertitel „Symphonie“ und ist nur für Tenor, Cello und Klavier komponiert. Die Uraufführung findet am 26. September im Muziekgebouw in Amsterdam statt. Mustonen wirkt als Pianist mit und musiziert zusammen mit den bekannten Interpreten Ian Bostridge (Tenor) und Steven Isserlis (Violoncello).



Olli Mustonen: Taivanvaalot – Symphonie zu dritt?

Taivaanvalot basiert auf Textfragmenten aus der Kalevala, einer Sammlung heroischer finnischer Gedichte von Elias Lönnrot (1802–1884). Mustonen hat sich bei der Vertonung für eine englische Übersetzung entschieden, jedoch wird die zentrale Rede des Vänäimoinen in der Originalsprache gesungen. Obwohl auch davon eine Übersetzung von Keith Bosley existiert, hat sich Mostonen bewusst zu dieser Vorgehensweise entschieden. Tatsächlich empfindet er die Komposition als eine Möglichkeit, die Bedeutung der Worte zu vermitteln, ohne dass an dieser Stelle durch eine Übersetzung wesentliche Elemente verloren gehen.
Eine Übertragung in Musik schien mir somit der richtige Weg, die schwierigen, manchmal sogar hypnotisierenden und schamanischen Qualitäten dieser Dichtung einer Zuhörerschaft zugänglich zu machen, die mit unserer ungewöhnlichen Sprache nicht vertraut ist. – Olli Mustonen

Nach dem Konzert in Amsterdam ist Taivaanvalot auch an den Spielstätten der Mitauftraggeber zu erleben: Die Interpreten der Uraufführung präsentieren die kleinbesetzte Symphonie am 30. September in der Wigmore Hall London und am 9. Oktober im Concergebouw Brügge.

Werk der Woche - Ryan Wigglesworth: Piano Concerto

Bei der berühmten Sommerkonzertreihe BBC Proms hat Ryan Wigglesworth in diesem Jahr gleich drei Auftritte als Dirigent. Unter anderem leitet er am 28. August 2019 die Uraufführung seines Piano Concerto. Marc-André Hamelin spielt den Solopart an der Seite der Britten Sinfonia. Das Klavierkonzert wurde von BBC Radio 3 und dem Melbourne Symphony Orchestra in Auftrag gegeben.



Von den choralartigen Figuren im einleitenden Arioso über ein kontrapunktisches Scherzo mit Trio hin zu einem fugierten Finale zeichnet sich Wigglesworths Piano Concerto durch die Integration von klassischen Formen und Stilmitteln in seine eigene zeitgenössische Klangsprache aus.
Der Solopart, weder bravourös noch besonders virtuos, weist oft einen poetischen und intimen Charakter auf. Die vier Sätze des Konzerts sind Charakterstudien. Der erste Satz ist von innig-sanglicher Natur, der zweite ein schnelles Scherzo mit einem zentralen, sanften Trio, der dritte eine Nocturne, die auf einer Volksmelodie beruht und der letzte Satz eine lebhafte, kontrapunktische Gigue. – Ryan Wigglesworth

Im zarten Notturno begleiten nur Harfe und Streicher den Solisten bei einer kleinen Variationsreihe über ein polnisches Volkslied. Wigglesworth hörte dieses Lied zum ersten Mal an einem Lagerfeuer und verbindet die Melodie seither mit einer nächtlichen Stimmung, die er in den träumerischen und manchmal albtraumhaften Passagen des Satzes einfängt.

Ryan Wigglesworth: Piano Concerto – Klassische Form mit zeitgenössischer Klangsprache

In der kommenden Saison erwarten uns weltweit Konzerte mit seinem Piano Concerto, darunter drei Aufführungen mit dem Seattle Symphony Orchestra 27., 28. und 29. Februar 2020.

 

 

Foto: Benjamin Ealovega

 

Werk der Woche - Huw Watkins: The Moon

Die erste bemannte Mondlandung vom 20. Juli 1969 feierte vor wenigen Tagen ihr 50. Jubiläum. Der britische Komponist Huw Watkins ließ sich davon für sein neues Werk The Moon inspirieren, das BBC Radio 3 bei ihm in Auftrag gegeben hatte. Am 8. August findet die Uraufführung bei den BBC Proms in London statt: Tadaaki Otaka dirigiert das BBC National Orchestra und den National Chorus of Wales, dazu tritt die Orgel der Royal Albert Hall.


Das Stück verleiht unserer Empfindung Ausdruck, wenn wir den Mond von der Erde aus betrachten und umgekehrt, wenn man von dort oben zu uns hinuntersieht. - Huw Watkins

The Moon ist eine etwa 20-minütige, durchkomponierter Kantate. Sie handelt nicht konkret von der Mondlandung, sondern erkundet vielmehr das kollektive Gefühl des Erstaunens und auch des unterschwelligen Unbehagens, das mit dem Mond und dem Weltall verbunden wird. Gedichte von Percy B. Shelley, Philip Larkin und Walt Whitman geben dieser Erkundung den textlichen Rahmen.

Huw Watkins: The Moon – Inspiriert von der Mondlandung


Watkins ist Composer in Residence des BBC National Orchestra of Wales. The Moon ist das dritte Stück, das in diesem Rahmen entstand. Bei den BBC Proms 2016 spielte das Orchester unter der Leitung von Thomas Søndergård bereits die Uraufführung von seinem Cello Concerto, das für seinen Bruder Paul Watkins geschrieben wurde. Ein Jahr später führte es zum ersten Mal Spring für Orchester auf.

The Moon
ist nicht Watkins' einziges Werk, das in diesem Monat uraufgeführt wird. Am 30. August 2019 singt der National Youth Choir of Wales unter der Leitung von Tim Rhys Evans die Uraufführung des Chorstücks Hedd Wyn im walisischen Bangor.

 

 

Foto: © B Ealovega

Werk der Woche - Mark-Anthony Turnage: The Silver Tassie

Das BBC Symphony Orchestra führt in seiner Reihe "In Remembrance World War I" am 10. November 2018 Mark-Anthony Turnages Oper The Silver Tassie konzertant auf. Im Barbican Centre London singt Ashley Riches die Hauptrolle des Harry, weitere Solisten sind Sally Matthews, John Tomlinson, Claire Booth, Marcus Farnsworth, Louise Alder und Susan Bickley. Es digiert Ryan Wigglesworth.

The Silver Tassie spielt während des Ersten Weltkriegs in Dublin und ist eine Vertonung von Sean O'Caseys gleichnamigen Theaterstück von 1928. Die Oper wurde von der Dallas Opera und der English National Opera in Auftrag gegeben und im Jahr 2000 uraufgeführt. Der Titel, der sich auf einen Fußballpokal bezieht, stammt aus einem schottischen Songtext von Robert Burns: "Go fetch to me a pint o' wine, an' fill it in a silver tassie; that I may drink before I go, a service to my bonnie lassie".

Mark-Anthony Turnage – The Silver Tassie: Die Tragödie des Krieges


The Silver Tassie handelt von Harry Heagen, einem gutaussehenden bekannten Fussballspieler und Soldaten auf Heimaturlaub. Nachdem Harry den Pokal "The Silver Tassie" für sein Team gewonnen hat, verlässt er seine Familie und seine Freundin Jessie, um an die Front zu ziehen. Dort wird er von seinem besten Freund Barney vor dem Tod gerettet, ist aber fortan querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Harry findet daraufhin heraus, dass Jessie ihn für Barney verlassen hat. Der letzte Akt zeigt einen ergreifenden Abschluss, als Harry sich aufmacht, um sich seiner unsicheren Zukunft zu stellen.
Es sind nicht nur die Worte, sondern auch die Gefühle, die mit schillernder Theatralik anschaulich transportiert werden. Turnage weiß genau, wie er das Interesse des Publikums aufrechterhält, indem er das Timing für jede Szene perfekt trifft ist und eindringliche Melodien wie auch große Operngesten liefert. - Rupert Christiansen, The Telegraph

Bis zum Ende des Jahres ist außerdem Turnages erste Oper Greek vom 5. bis zum 9. Dezember 2018 in der Brooklyn Academy of Music in New York zu sehen.

 

© Foto: Keith Saunders

Werk der Woche: Gerald Barry – Canada

Ludwig van Beethoven und Kanada. Wie passt das zusammen? Bei den diesjährigen BBC Proms feiert Gerald Barrys Werk Canada für Singstimme und Orchester am 21. August 2017 in der Royal Albert Hall seine Uraufführung.



Mirga Gražinytė-Tyla dirigiert das City of Birmingham Symphony Orchestra mit Tenor Allan Clayton als Solisten.

Für Barry ist Beethoven der größte aller Komponisten. Deshalb stehen viele seiner Stücke im Zusammenhang mit dessen Schaffen. Dazu gehören auch Schott and Sons, Mainz für Bass-Solo und gemischten Chor auf Briefe zwischen Beethoven und seinem Verlag und Beethoven für Bass und Ensemble. Darin verarbeitet Barry Ausschnitte aus Beethovens persönlichen Briefen an seine "Unsterbliche Geliebte“.

Gerald Barrys Canada – Eine Hommage an Beethoven


Der Text zu Canada auf Englisch, Deutsch und Französisch enthält die Zeilen "Sprecht leise! Haltet euch zurück! Wir sind belauscht mit Ohr und Blick" aus Beethovens Oper Fidelio. Barry wurde auf dem Rückweg nach Dublin am Flughafen in Toronto dazu inspiriert. Während er an der Sicherheitskontrolle wartete, dichtete er in Gedanken den berühmten Gefangenenchor aus der Oper um:
"Kanada! Oh welche Lust in freier Luft! / Den Atem leicht zu heben! / Nur hier ist Leben! / Wir sind belauscht mit Ohr und Blick.” – Kanada, der Name und das Land kommen mir seit jeher komisch vor, irgendwie exotisch normal. – Gerald Barry

Barrys nächstes Projekt in der neuen Spielzeit wird ein Orgelkonzert für den Organisten Thomas Trotter sein, das das Birmingham Symphony Orchestra, das London Philharmonic Orchestra und das RTÉ National Symphony Orchestra in Auftrag gegeben haben.

Wenn Sie anlässlich Beethovens 250. Geburtstags in drei Jahren noch Programm-Anregungen suchen, finden Sie Inspirationen dafür im aktuellen Schott Journal.

Werk der Woche - Krzysztof Penderecki: Quartetto per archi no. 4

Am 11. Dezember 2016 gelangt in der Londoner Wigmore Hall das Quartetto per archi no. 4 von Krysztof Penderecki zur Uraufführung. Das Stück wurde für das in London von der rumänischen Geigerin Corina Belcea gegründete Belcea Quartet geschrieben. Unter den Auftraggebern finden sich neben der Wigmore Hall Konzerthäuser in Brüssel, Madrid und Warschau mit Unterstützung mehrerer Stiftungen.

Das Komponieren für Streichquartett ist in Pendereckis Werdegang von eigentümlichen Unterbrechungen gekennzeichnet: Die ersten beiden – experimentell-improvisatorischen – Quartette schrieb er kurz hintereinander in den 1960er Jahren. Nummer drei und vier folgten lange Zeit später, aber ebenfalls recht nahe beieinanderliegend 2008 und 2016. So stehen die Quartette paradigmatisch für die zwei großen Schaffensphasen bei Penderecki mit einem Stilwandel, der in der Musikgeschichte seinesgleichen sucht. Wie ein Kommentar dazu erscheint das sehr kurze, nicht nummerierte Streichquartett aus der Mitte der "Quartettpause" 1988 mit dem Titel Der unterbrochene Gedanke. Jedoch lassen sich nahezu alle Werke von Penderecki als "Frühwerke" bezeichnen:
Vor dem Frühstück zu komponieren ist die beste Zeit - man ist dann frisch. Ich stehe normalerweise um 6 Uhr auf, wenn alle noch schlafen, und beginne zu schreiben. Mich auszudrücken in der Musik ist vielleicht die einzige Möglichkeit für mich, mit der Außenwelt Kontakt zu haben. Aber es macht mir vor allem auch Spaß, sonst hätte ich nicht so viel geschrieben. - Krzysztof Penderecki

Wenige Tage nach der Uraufführung folgen Erstaufführungen des Quartetto per archi no. 4 in Spanien (Madrid, 13.12.) und Belgien (Brüssel, 15.12.), ebenfalls mit dem Belcea Quartet.

Werk der Woche: Gerald Barry – Alice’s Adventures Under Ground

Am 28. November 2016 findet in der Londoner Barbican Hall die europäische Erstaufführung von Gerald Barrys neuer Oper Alice’s Adventures Under Ground statt. Die konzertante Aufführung mit der Britten Sinfonia wird von Thomas Adès geleitet. Dieser dirigierte eine Woche zuvor die Uraufführung in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Die Titelrolle singt Barbara Hannigan.

Barrys vorherige Oper The Importance of Being Earnest (2009-10) nach Oscar Wilde wurde regelmäßig vor ausverkauften Rängen aufgeführt und gilt als Meistwerk der Oper unserer Zeit. Die ähnlich subversiven Literaturklassiker "Alice’s Adventures in Wonderland" und "Alice Through the Looking Glass" von Lewis Carroll waren für Barry eine naheliegende Wahl für sein nächstes Opernsujet.

Alice’s Aventures Under Ground – Folge dem weißen Kaninchen!


Alice’s Aventures Under Ground beginnt wie das Buch mit Alices Sturz in den Kaninchenbau. In der Oper wird dieser Vorfall gesanglich geradezu halsbrecherisch umgesetzt. Virtuose Passagen wie diese wurden vor allem für die bemerkenswert agile Stimme von Barbara Hannigan geschrieben, der Barry bereits mehrfach Werke auf den Leib komponiert hat.
Das Buch ist sehr dramatisch und ein ideales Vehikel für eine Diva, männlich oder weiblich. Es bietet großartiges Material für Angeberei und nimmt das Unglaubliche als gegeben, als selbstverständlich an. – Gerald Barry

Barrys Vokalkompositionen sind oft vom Spiel mit Sprache geprägt. Alice’s Adventure Under Ground ist keine Ausnahme. Der Komponist hat das Libretto selbst geschrieben, nahm den Kern von Carrolls Geschichten und betonte ihre surrealen und witzigen Aspekte. Eine der bekanntesten Passagen Carolls, das Nonsensgedicht "Jabberwocky", wird in nicht weniger als fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen. Für Barry reflektiert der fieberhafte Sprachwirbel seines Librettos die Verrücktheit von Carrolls Vorlage. Er entschied sich auch für den Titel der ersten Fassung statt des gebräuchlichen "Alice in Wonderland", um die etwas dunklere Tönung des Wahnsinns seiner Oper zu betonen.
Ich liebe den Orginaltitel, weil er Licht und Dunkelheit verbindet und die dem Werk zugrundeliegende schwarze und weiße Energie klarer zum Ausdruck bringt. Es ist der rasende Wechsel zwischen ekstatischem Unsinn und Gewalt, der diesen Text zeitlos macht und Generation um Generation fesselt. – Gerald Barry

Alice’s Adventures Under Ground wird seine irische Erstaufführung auf dem New Music Dublin Festival am 4. März 2017 erleben.

Werk der Woche - Peter Eötvös: The Sirens Cycle

Homer, James Joyce und Franz Kafka - Texte dieser so unterschiedlichen Autoren vertont Peter Eötvös in seinem neuen Werk The Sirens Cycle. Am 1. Oktober 2016 ist das Streichquartett mit Koloratursopran zum ersten Mal zu hören. Piia Komsi und das Calder Quartet bringen es in der Wigmore Hall London zur Uraufführung.



Als Arnold Schönberg in seinem 2. Streichquartett erstmals eine Sopranstimme notierte, entstand eine folgenreiche Besetzungsvariante des modernen Streichquartetts. Alban Bergs Lyrische Suite und Egon Welesz' Sonnets for Elizabeth Barrett Browining trugen zur ihrer Etablierung bei, jüngere Beiträge stammen unter anderem von Brett Dean (String Quartet No. 2) und Jörg Widmann (Versuch über die Fuge).

The Sirens Cycle: Das Schweigen der Sirenen


Eötvös wählt drei literarische Versionen des mythologischen Odysseus und dessen Begegnung mit den Sirenen. Jede lässt er in der originalen Sprache von der Sopranistin in einem eigenen Abschnitt singen. Der erste Teil, "Joyce", nimmt mit seinen sieben Sätzen den größten Raum ein. Aus dem ohnehin lose zusammenhängenden Stream-of-consciousness-Roman Ulisses wählt Eötvös einzelne Gedanken, Phrasen, Worte. Aus Homers Odýsseia folgt hingegen ein zusammenhängender Abschnitt, ebenso aus Kafkas Das Schweigen der Sirenen. Musikalisch verleiht Eötvös dem Joyce-Teil einen arios-expressiven Charakter, während er bei Homer zu einem liedhaften und bei Kafka zu einem rezitativischen Gestus greift.

The Sirens Cycle existiert auch in einer Fassung mit Zwischenspielen aus elektronischen Klängen. Dabei wurden vom Pariser IRCAM/Centre Pompidou, Mitauftraggeber des Stücks, die Texte mit Spektralanalysen in Tonhöhen, -dauern und -farben übersetzt.
Die Negation des Gesanges in Franz Kafkas Das Schweigen der Sirenen inspirierte mich, ein Stück zu schreiben, das über das Singen an sich reflektiert. Ich sah mich in der Musikliteratur nach Beispielen für die Verbindung von Sopran und Streichquartett um und fand, dass sowohl Arnold Schönberg als auch Jörg Widmann überzeugende Lösungen gefunden haben. Peter Eötvös

Nach der Uraufführung in London begibt sich das Calder Quartet mit der Sopranistin Audrey Luna auf Tour mit The Sirens Cycle. Es folgen Erstaufführung in der Schweiz (2. Oktober, Zürich), Spanien (3. Oktober, Madrid) und Deutschland (5. Oktober, Frankfurt am Main). Die Fassung mit Elektronik ist erstmals am 12. Oktober in Paris zu hören und ist am 15. Oktober Teil des Programms der Donaueschinger Musiktagen.

Werk der Woche – Julian Anderson: Incantesimi

Unter der Leitung von Sir Simon Rattle finden diese Woche in gleich zwei Ländern Erstaufführungen von Julian Andersons Incantesimi statt: Am Mittwoch, den 31. August, spielen die Berliner Philharmoniker beim Lucerne Festival das erst kürzlich in Berlin uraufgeführte Orchesterwerk. Drei Tage später präsentieren sie es in der Royal Albert Hall in London im Rahmen der BBC Proms.



In dem von den Berliner Philharmonikern in Auftrag gegebenen Werk gelingt es Anderson in bloß acht Minuten fünf musikalische Gedanken, die sich in unterschiedlichen Konstellationen umkreisen, unterzubringen. Er komponierte Incantesimi ganz im Sinne der besonderen Fähigkeit dieses Orchesters, langsame Musik farbenreich zu gestalten.

Julian Andersons Incantesimi – Ein Zauber in acht Minuten


Die fünf musikalischen Gedanken in Incantesimi erscheinen zunächst im Hintergrund und gewinnen im nächsten Moment an Präsenz. Mit seinen wiederkehrenden Soli spielt vor allem das Englischhorn eine besondere Rolle in dem Stück. Streicher in langen Bögen und tiefe Akkorde kombiniert mit Glockendreiklängen im Mittelteil und Flöten in hohen Lagen versetzen in einen „fast hypnotischen Zustand“, so der Komponist. Auch der Titel Incantesimi, was übersetzt "die Zauber" oder "Zaubersprüche" bedeutet, lehnt daran an. Zum Ende des Orchesterwerks zieht das Tempo rapide an und mündet in einen dramatischen Klangausbruch - nur um schließlich wieder in die Ruhe des Beginns zurückzukehren.
Als Sir Simon Rattle mich um eine neue Komposition für die Berliner Philharmoniker bat, entschied ich mich für ein Werk mit sich langsam entfaltenden Klangfarben. Ich bewunderte stets die Fähigkeit Rattles und der Berliner Philharmoniker, lange fließende musikalische Linien in einmaliger Klangschönheit darzubieten. – Julian Anderson

Mit der Erstaufführung in den USA setzt Incantesimi seine Reise durch die Konzertsäle der Welt fort: Das Orchesterwerk, das gemeinsam von den Berliner Philharmonikern mit der Royal Philharmonic Society und dem Boston Symphony Orchestra in Auftrag gegeben wurde, wird vom 26. bis 28. Januar 2017 vom Boston Symphony Orchestra unter der Leitung von Christoph von Dohnányi in Boston aufgeführt.

Werk der Woche – Thomas Larcher: Symphony No. 2

Am 28. August findet die britische Erstaufführung von Thomas Lachers Symphony No. 2 ‚Kenotaph’ im Rahmen der BBC Proms in der Royal Albert Hall in London statt. Es spielt das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Semyon Bychkov. Ihm widmete Larcher das Werk, das erst vor wenigen Monaten unter Bychkovs Leitung in Wien uraufgeführt wurde.



Obwohl seine früheren Kompositionen vor allem von seinen Erfahrungen als Kammermusiker geprägt sind, setzt sich Larcher zunehmend mit dem Komponieren von größeren Orchesterwerken auseinander. Er begann damit in Red and Green (2010), das Larcher als kreative Grundlage für seine erste Symphonie Alle Tage für Bariton und Orchester (2015) diente.

Thomas Larchers Symphony No. 2 – „Ein Grab für verlorene und vergessene Seelen“


Symphony No. 2 war ursprünglich als Konzert für Orchester geplant, nahm dann aber die Gestalt einer klassischen Symphonie an. Das  Klangspektrum reicht von der Intimität eines Kammerensembles bis hin zu der Vielfalt eines vollen Orchesters, in dem vor allem die Schlaginstrumente herausstechen. So behält Larcher in seinen vier Sätzen Elemente der anfänglichen Idee bei, stellt jedoch Tonalität und klassische Strukturen den heutigen musikalischen Entwicklungen experimentell gegenüber. Mit dem Untertitel der Symphonie ‚Kenotaph‘ möchte Larcher den im Krieg Getöteten gedenken oder, um es in den Worten des Komponisten auszudrücken, „Gräber für verlorene und vergessene Seelen“ in Musik setzen. In seinem Werk lässt er seine Besorgnis und Emotionen in Bezug auf die andauernde Migrantenkrise einfließen.
Tausende und Abertausende von Menschen ertranken im Mittelmeer, während ganz Europa untätig am Rand stand, diese Tragödie beobachtete oder sogar wegschaute. [Die Symphonie] ist ein Symbol für das, was inmitten Europas geschehen ist und auch gerade noch geschieht. – Thomas Larcher

In den nächsten Wochen werden auch andere Werke Larchers zu hören sein, darunter Ouroboros für Cello und Kammerorchester am 13. September mit dem Norwegischen Kammerorchester und dem Cellisten Jean-Guihen Queyras unter der Leitung von Per Kristian Skalstad. Das gleiche Stück spielt die BBC Philharmonic mit dem Dirigenten Ben Gernonin und dem Cellisten Matthew Barley am 13. Oktober in Salford. Der Tenor Mark Padmore wird am 6. Oktober in A Padmore Cycle zu hören sein, begleitet vom Bergen Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Edward Gardner. Vom 7. bis 10. Oktober spielt das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich Red and Green in Wien, Grafenegg und St. Pölten, dirigiert von Yutaka Sado.
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