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Werk der Woche – George Gershwin: Girl Crazy

Rund um den Globus finden in dieser Woche eine Vielzahl von Aufführungen der Werke von George Gershwin statt: Darunter findet sich auch das Musical Girl Crazy. Am 16. Juli werden im Rahmen des Napa Valley Festival del Sole zwei der bekanntesten Nummern aus dem Werk im Lincoln Theater im kalifornischen Yountville aufgeführt. Das Festival Orchestra NAPA spielt unter der Leitung von Joel Revzen Embraceable You und I Got Rhythm mit Kathleen Battle als Sopranistin.



Girl Crazy, ein Musical mit einem Libretto von Guy Bolton und John McGowan, erzählt von einem New Yorker Entertainer namens Danny Churchill. Dieser wird von seinem Vater auf eine Ranch nach Arizona geschickt und begegnet dort der Frau seiner Träume, der Postbotin Molly Gray. Aus Sehnsucht nach sündigem Leben wandelt Danny die Ranch in einen Nachtclub und Spielsalon um – das Geschäft boomt. Intrigen, Raubüberfälle und Verfolgungsjagden überstanden, finden Molly und Danny am Ende trotz aller Turbulenzen zueinander.

George Gershwins Girl Crazy – Ein Musical mit Jazzstandards


Das Lied Embraceable You wurde bereits 1928 von Gershwin geschrieben, jedoch war es ursprünglich für die unveröffentlicht gebliebene Operette East is West bestimmt. Zwei Jahre später fand der Song seinen Platz als Liebeslied in Girl Crazy. Auch I Got Rhythm entstand bereits vor dem Musical. Die Melodie des Songs entwickelte sich aus einem langsamen Instrumentalstück aus Gershwins Musical Treasure Girl von 1928. Beide Songs zählen bis heute zu den meistgespielten Jazzstandards aller Zeiten. Sängerinnen wie Ginger Rogers und Ethel Merman (eigentlich Ethel Zimmermann) wurden durch Girl Crazy über Nacht zu Stars. Merman spielte in Gershwins Musical die Rolle von Kate Fothergill, die in Dannys Nachtclub für die Spieler singt.
It was the first time I’d met George Gershwin, and if I may say so without seeming sacrilegious, to me it was like meeting God. Imagine the great Gershwin sitting down and playing his songs for Ethel Agnes Zimmermann, of Astoria, Long Island. No wonder I was tongue-tied. When he played ‘I Got Rhythm’ he told me: ‘If there’s anything about this you don’t like, I’ll be happy to change it.’ There was nothing about that song I didn’t like. But that’s the kind of guy he was. I’ll never forget it. – Ethel Merman über Gershwin

Neben den Darbietungen von Embraceable You und I Got Rhythm  in Kalifornien bringt das Shreveport Symphony Orchestra I Got Rhythm am 16. Juli in Louisiana auf die Bühne. In Hamburg findet darüber hinaus am 17. Juli eine Aufführung der von William C. Schoenfeld arrangierten I Got Rhythm Variations für Klavier und Orchester mit dem Hamburg Ballett und einer Choreografie von John Neumeier.

Für Gershwin-Fans hält diese Woche aber noch mehr bereit: Die berühmte Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester wird am 11. Juli in Orange in Frankreich vom Orchestre Philharmonique de Marseille unter der Leitung von Faycaol Karoui gespielt, ebenfalls am 16. Juli beim Napa Valley Festival del Sole und auch am  12., 13. und 15. Juli in Schleswig, Flensburg und Rendsburg in Deutschland. Dirigiert von Peter Sommerer nimmt das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester zusätzlich die Cuban Ouverture mit ins Programm. Dieses Werk findet am 16. Juli auch in Freiburg, gespielt vom SWR Sinfonieorchester, dirigiert von Francois-Xavier Roth und in Evian mit dem Orchester der Académie Musicale d’Evian unter der Leitung von Bruno Peterschmitt seinen Platz.

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Hanjo

Die Oper Hanjo von Toshio Hosokawa ist das zweite musikdramatische Werk des Komponisten. Es entstand als Auftragswerk für das Festival d’Aix-en-Provence im Jahr 2004.  Seitdem wurde das Stück, teils mehrfach, in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Italien und Japan inszeniert. Am 22. Mai 2016 findet nun die schweizerische Erstaufführung statt, wenn der Einakter im Kubus des Konzert Theaters Bern in einer Inszenierung von Florentine Klepper zu sehen sein wird.

Die Oper erzählt die Liebesgeschichte zwischen Hanako, einer Geisha und dem jungen Mann  Yoshio. Als sie gezwungen werden, sich zu trennen, tauschen sie ihre Fächer als Versprechen ihres Wiedersehens aus. Seitdem wartet die junge Frau jeden Tag vergeblich mit ihrem Fächer am Bahnhof, um ihren Geliebten irgendwann in Empfang nehmen zu können. Die Zeit des Wartens und Hoffens setzen der Frau mehr und mehr zu und sie entfremdet sich von der Welt. Dann tritt Jitsuko, eine verbitterte, alte Frau, die in ihrem Leben nie die Liebe gespürt hat, auf und kauft Hanako. Die beiden Frauen leben so zusammen bis ein Zeitungsartikel über die „verrückte“ Hanako erscheint, den Yoshio liest und daraufhin die beiden Frauen aufsucht. Es entsteht ein Machtkampf zwischen Yoshio und Jitsuko um Hanako, der von der jungen Frau überraschend aufgelöst wird.

Toshio Hosokawa’s Hanjo: Zwischen Traum und Realität


Hosokawa bezeichnet seine Oper Hanjo als ein Werk zwischen Traum und Realität. Ein Blick in das Libretto verstärkt diesen Eindruck: Es gibt wenig konkrete Angaben zu Raum und Zeit, Türen führen ins Nichts, Fragen bleiben unbeantwortet. Hosokawa wählt diese dramatischen Mittel bewusst. Er versteht sein Stück als Weiterentwicklung des traditionellen japanischen Nô-Theaters, bei dem oft Figuren aus der Phantasie und der Realität aufeinandertreffen.

Seine Motivation dieses Theatergenre zu einer musikdramatischen Gattung weiterzuentwickeln, beschreibt Hosokawa so:
Ich wollte mit der Musik ein Drama illustrieren, das wieder und wieder die Grenze zwischen Traum und Realität überschreitet, zwischen Wahnsinn und Verstand. Es ist möglich, dass eine Sichtweise, die es nur im Universum der Träume gibt, in der Musik intensiver verstanden werden kann als im Theater. Ich wollte die Sichtweise von jemandem zeigen, der zwischen Traum und Realität schwankt: Im Hintergrund wechselt das Orchester langsam die Stimmung, wie ein Bild auf Seide, das man ausrollt. Das Schweigen wird langsam, aber sicher ins Muster dieser Seidenrolle gewoben, wie ein weißer Punkt in der Mitte des Bildes. – Hosokawa

Die Oper Hanjo wird in Bern noch fünf weitere Male im Mai und Juni aufgeführt. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten Hosokawas Musik zu entdecken: Am 14. Juni wird Voyage VII für Solotrompete und Streichensemble, und die Uraufführung des Blockflötenkonzerts Sorrow River in einem Konzert mit  Jeroen Berwaerts (Trompete),  Jeremias Schwarzer (Blockflöte) und dem Ensemble Resonanz unter der Leitung des Komponisten in der Laeiszhalle Hamburg zu hören sein.

Werk der Woche - Peter Eötvös: Senza sangue

In seiner Oper Senza sangue behandelt Peter Eötvös die Themen Mord, Rache, Vergebung und Sehnsucht. Eine Mischung, die viele psychologische Fragen aufwirft. Wie diese Elemente in der Oper verknüpft werden und ob Antworten gegeben werden, können die Zuschauer am 15. Mai 2016 bei der szenischen Uraufführung selbst erleben. Das Werk wird an der Opéra Grand Avignon aufgeführt und Eötvös wird bei der Inszenierung von Róbert Alföldi die musikalische Leitung übernehmen. Im vergangenen Jahr wurde Senza sangue konzertant uraufgeführt und war bereits in Köln, New York, Göteborg und Bergen zu hören.

Die Oper basiert auf der gleichnamigen Novelle des italienischen Autors Alessandro Baricco, die 2002 veröffentlicht wurde. Zur Handlung gibt es eine Vorgeschichte: Während des Spanischen Bürgerkriegs tötet ein junger Mann mit seinen Kameraden die Familie eines kleinen Mädchens. Die Blicke des Mannes und des Mädchens treffen sich und er entschließt sich, sie zu verschonen. Der Zuschauer erlebt nun, wie sich die inzwischen erwachsene Frau und der Mann erneut begegnen. Anders als erwartet ist die Frau nicht gekommen, um Rache zu nehmen, wie sie es bei seinen Kameraden getan hatte, sondern in der Hoffnung auf seelische Erlösung. Der Blick, der vor langer Zeit ihr Leben verändert hatte, solle sie nun retten.

Peter Eötvös' Weg zu seiner Oper Senza sangue


Eötvös ließ sich bei seiner Oper nicht nur von Bariccos Novelle inspirieren, sondern auch durch Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Mit der Absicht, ein Kopplungswerk für einen Doppelabend mit Bartóks Einakter zu schaffen, übernahm Eötvös dessen Instrumentierung mit Ausnahme der Orgel. Es bleibt aber nicht bei dieser Gemeinsamkeit: Auch die Personenkonstellation und die Dramaturgie in Form der allmählichen Enthüllung seelischer Abgründe orientiert sich an Herzog Blaubarts Burg.

Eötvös beschreibt seinen Kompositionsprozess so:
Senza Sangue ist meine zehnte Oper. Ich habe mich auf sie vorbereitet wie ein Filmregisseur, der seinen nächsten Film in Schwarzweiß drehen will. In meinen früheren Opern habe ich mich um farbige Klangpaletten bemüht; hier suche ich dagegen scharfe Kontraste und Schattierungen in Schwarz, Grau und Weiß. In der Orchesterpartitur habe ich den Akzent auf Klangballung statt auf Eigenständigkeit der Stimmen gelegt: Viele Instrumente spielen gleiche Melodieverläufe und erzeugen so einen kräftigen Klang, ähnlich wie in der japanischen Kalligrafie mit einem Strich eines dicken Pinsels eine einzige schwarze Linie gezogen wird. – Peter Eötvös

Die Oper Senza sangue wird in diesem Jahr szenisch noch beim Armel Opera Festival in Budapest (Regie: Robert Alföldi) und an der Hamburgischen Staatsoper (Regie: Dmitri Tcherniakov) zu sehen sein. 2017 folgt konzertant die britische Erstaufführung mit Simone Young und dem BBC Symphony Orchestra in der Londoner Barbican Hall.

Foto: Klaus Rudolph

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Stilles Meer

Mit seiner neuen Oper Stilles Meer, die am 24. Januar 2016 in der Staatsoper Hamburg uraufgeführt wird, bringt der japanische Komponist die Trauer über die Opfer des Tsunamis von 2011 und der Atomkatastrophe von Fukushima zum Ausdruck. Das Stück wird von Oriza Hirata inszeniert und steht unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano.

In Stilles Meer trauert die Hauptfigur Claudia um ihren geliebten Sohn, der beim Tsunami in Tôhoku ums Leben gekommen ist. Sie verarbeitet ihren Schmerz in Gesängen und buddhistischen Gebeten. Die japanische Zeremonie des Tôrô nagashi ist ein zentrales Element der Handlung: Papierlaternen werden als Sinnbild für die Seelen der Toten aufs Meer gesetzt und der Quelle des Lebens zurückgegeben.

Stilles Meer: Traditionelles Theater mit aktuellem Bezug


Mehrere Einflüsse haben auf das Libretto der Oper eingewirkt: Der Handlung des Stücks liegt das traditionelle japanische Theaterstück Sumidagwa zugrunde. Diesem Stoff ist Hosokawa in Benjamin Brittens Curlew River begenet, der ihn in einen christlichen Kontext stellt. In Stilles Meer liegt der Schwerpunkt nun aber auf dem ursprünglich buddhistischen Charakter der Geschichte. Weitere Inspiration für sein Werk bezieht Hosokawa aus der Erinnerungskultur seines Heimatlandes und dessen Verarbeitung der traumatischen Ereignisse vor fünf Jahren:
Das Tôhoku-Erdbeben und der Tsunami im Jahr 2011 sowie die dadurch ausgelöste Atomkatastrophe ließen mich erneut über Naturgewalten und die menschliche Arroganz nachdenken. Meine Musik entsteht in tiefem Einklang mit der Natur und soll dazu anregen, einmal mehr zu reflektieren, dass die Menschheit die elementare Kraft der Natur gleichermaßen respektiert wie fürchtet, und wie sie bei dem Versuch, die Natur zu kontrollieren und zu dominieren, diese letztendlich zerstört. - Hosokawa

Stilles Meer ist an der Staatsoper Hamburg vom 24. Januar bis zum 13. Februar 2016 insgesamt fünf Mal zu sehen. Eine enge thematische Verknüpfung besteht zu Hosokawas Komposition Klage für Sopran und Orchester. Hier trauert ebenfalls eine Mutter um ihr Kind, das beim Erdbeben in Japan ums Leben gekommen ist.  Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg spielt das Stück am 10. und 11. April 2016 in der Laeiszhalle. Die Mezzosopranistin Mihoko Fujimura, die in Stilles Meer die Rolle der Haruko übernimmt, wirkt auch in diesem Werk als Solistin mit.

Foto: Staatsoper Hamburg
(23.01.2016)