Werk der Woche - Gerald Barry: The One-Armed Pianist
- 28.09.2015
Neben Barry wurden fünf weitere Komponisten für das Projekt damit beauftragt, sich von Sammlungsgegenständen oder Räumen des Museums zu neuen Werken inspirieren zu lassen. So bezieht sich Barrys The One-Armed Pianist auf einen künstlichen rechten Arm, dessen drei mittlere Finger unverhältnismäßig klein sind. Der starre Daumen und der kleine Finger sind zum Greifen einer Oktave auf dem Klavier ausgestreckt. Hergestellt wurde der Arm für eine Frau, die ihn 1906 bei einem Auftritt in der Royal Albert Hall einsetzte. Barrys neues Stück weist selbst keinen Klavierpart auf und zieht das Publikum mit auffallend wenigen musikalischen Bausteinen in seinen Bann. Im ersten Teil, den Barry inoffiziell the everyday nennt, verfolgt er einen ideenreichen Ansatz zur Orchestrierung wiederkehrender Akkorde. Daraufhin erklingt im zweiten Teil wiederholt eine Oktave – wie von dem hölzernen Arm gespielt. Ein Freund Barrys schildert seinen Höreindruck:
Man hört die Gedankengänge des Komponisten. Die Rufe am Ende wirken wie die österreichisch-ungarische Monarchie – wie Spuren für immer entschwindenden Glanzes.
Im Anschluss an die Veranstaltung im Science Museum finden im Oktober zwei weitere Uraufführungen neuer Werke von Gerald Barry statt: Midday für Violine und Klavier am 14. Oktober in The Forge, Camden, mit Darragh Morgan und Mary Dullea sowie The Destruction of Sodom für acht Hörner und zwei Windmaschinen am 31. Oktober in Granada, Spanien. Hugh Tinney ist am 30. Oktober in Dublin mit dem RTÉ National Symphony Orchestra als Interpret des Piano Concerto zu erleben.
Foto: Science Museum London