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Werk der Woche

Werk der Woche - Richard Strauss: Der Rosenkavalier

Vor etwas mehr als einem Jahrhundert, im Jahr 1911, erlebte Der Rosenkavalier von Richard Strauss seine Uraufführung in Dresden. Seitdem hat die "Komödie für Musik" die Bühnen der Welt erobert. Sie ist aus dem internationalen Opernrepertoire nicht mehr wegzudenken und  allein in Deutschland erlebte sie in den letzten zehn Jahren fast 500 Aufführungen. Aktuell ist das Stück in den Opernhäusern von Stuttgart und Düsseldorf zu sehen. Die Oper Frankfurt feiert am 24. Mai 2015 die Premiere einer Neuproduktion in der Inszenierung von Claus Guth.

Als Hugo von Hofmannsthal im Februar 1909 die Anregung für den Stoff erhielt, war er sofort Feuer und Flamme. Schon im Mai hielt Strauss den Text des ersten Aktes in Händen und brauchte nicht mehr überzeugt zu werden (Strauss: „Schlußszene herrlich, wird sich wie Öl und Butter komponieren“). Im Mittelpunkt der Oper steht die Rosenübergabe zwischen dem jungen Octavian, der der schönen Sophie die Liebesbekundung des Ochs von Lerchenau überbringen soll. Bei dieser Begegnung verlieben sich die beiden augenblicklich ineinander. Es entspinnt sich eine heitere Intrige gegen den „dicken, älteren anmaßenden Freier“ (Hofmannsthal), an deren Ende das Liebespaar glücklich vereint ist.

Hofmannsthal war es auch, der Richard Strauss für die Produktion einer Stummfilm-Adaption durch den hochgefeierten Regisseur Robert Wiene ("Das Cabinet des Dr. Caligari") gewinnen konnte. Die Filmtechnik steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und so sollte der Film nicht die Oper ersetzen, sondern vielmehr den Erfolg der Oper noch vorantreiben. Er sollte, wie Hofmannsthal sich ausdrückt, „auf die Oper Appetit machen“. Der Film ging jedoch verloren und musste aufwändig rekonstruiert werden. Seit 2006 ist er in einer Rekonstruktion des Musikwissenschaftlers Berndt Heller wieder zu sehen. Den Rosenkavalier verstand Hofmannsthal trotz des Rokoko-Sujets als zeitgenössisches Stück:
„Es könnte scheinen, als wäre hier mit Fleiß und Mühe das Bild einer vergangenen Zeit gemalt, doch ist dies nur Täuschung und hält nicht länger dran als auf den ersten flüchtigen Blick.“ – Hugo von Hofmannsthal

In der Stummfilm-Fassung ist Der Rosenkavalier in Regensburg (19.5./30.5.), Münster (21.6./22.6./.24.6.) und beim Richard Strauss Festival in Garmisch-Partenkirchen zu sehen (25.6.).

Foto: Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper

(18.05.2015)

Werk der Woche - Christian Jost: ROTKAMMERTRAUM

Am 15. Mai 2015 führt das Folkwang Tanzstudio in Essen eine Choreographie von Fang Yu Shen auf, die den chinesischen Roman "Der Traum der roten Kammer" von Cao Xuequin (1715-1764) in Tanz überführt. Christian Jost schrieb dafür die Ballettmusik mit dem Titel ROTKAMMERTRAUM.

"Der Traum der roten Kammer" gilt als eines der bedeutendsten Werke chinesischer Literatur und zählt zu den meistverkauften Romanen weltweit. Es ist das einzige bekannte Werk des Autors und behandelt den gesellschaftlichen Abstieg einer Aristokratenfamilie. Das Mammutwerk mit über 400 Figuren und verwickelter Erzählstruktur wurde für die Darstellung auf der Bühne auf fünf Akte verkürzt. Die Essener Tanzproduktion ist eine von zahlreichen Veranstaltungen, die die Beijing Cao Xuequin Society anlässlich des 300. Geburtstages des Schriftstellers weltweit in Auftrag gegeben hat.

Christian Jost trägt der Komplexität des Textes Rechnung, indem er eine Reihe von elektronischen Klangmodulen entworfen hat. Diese sind in sich geschlossen, aber für jede Aufführung neu und individuell kombinierbar. Die Fülle der möglichen musikalischen Realisierungen entspricht der Vielschichtigkeit der Vorlage. Glockenklänge, Trommeln und Gongs prägen den Klang seiner Ballettmusik, die sich insgesamt durch einen sehr sinnlichen, atmosphärischen Charakter auszeichnet.

Josts Beschäftigung mit der chinesischen Kultur reicht bis in die 1990er Jahre zurück. Damals unternahm er viele Reisen in das fernöstliche Land und arbeitete intensiv mit verschiedenen chinesischen Orchestern zusammen. Die Quintessenz seiner Musikästhetik beschreibt Jost in einem Interview mit den Worten:
„In all meinen Stücken suche ich das Surreale, die schmale Linie, wo sich Wahrhaftigkeit und Fantasie begegnen.“ – Christian Jost

Das Bühnenbild der Essener Produktion stammt von Günther Hellweg, die Kostüme entwarf Min Lin. Weitere Aufführungen finden am 16., 22. und 23. Mai 2015 am gleichen Ort statt. Eine Gastspielreise nach China ist in Planung.

 

Werk der Woche - Kurt Weill: Die Verheißung

Der Collegiate Chorale und das Orchestra of St. Luke’s präsentieren am 6. Mai 2015 unter der Leitung von Ted Sperling Die Verheißung von Kurt Weill. 78 Jahre nach der Uraufführung am Broadway kehrt damit die Oper Der Weg der Verheißung als Oratorium nach New York zurück. Die amerikanische Erstaufführung der neuen Fassung ist am 6. Mai 2015 in der Carnegie Hall zu erleben.

Der Musikwissenschaftler und Dirigent Edward Harsh fertigte im Auftrag der Kurt Weill Foundation eine konzertante Fassung in 14 Szenen für Chor, Solisten und Orchester an. Er kürzte das ursprüngliche Bühnenwerk von über vier Stunden Dauer um etwa die Hälfte auf das erzählerische Grundgerüst. Der österreichische Schriftsteller Franz Werfel hatte das Libretto nur wenige Jahre vor seiner Emigration in die USA entworfen: Ein Vater flieht mit seinem 13-jährigen Sohn vor einer Meute, die "ein boshafter Herrscher" aufgestachelt hat. Sie retten sich in eine Synagoge, wo sie zusammen mit der versammelten Gemeinde ausharren. Man beginnt, alttestamentarische Geschichten um Abraham, Jakob, Moses und andere Figuren darzustellen und über sie zu diskutieren. In der Entdeckung der jüdischen Kultur findet der Sohn die eigene Identität und erkennt die ihm verheißene Zukunft.

Weill setzte sich für die Komposition von Der Weg der Verheißung intensiv mit den traditionellen hebräischen Melodien auseinander, die er durch seinen Vater kennenlernte. Auch ihn führte die Arbeit an der Musik zur Auseinandersetzung mit seiner Herkunft. Er wollte nur die ältesten und authentischen Melodien einbeziehen und recherchierte dafür in Bibliotheken. In einem Brief an den Produzenten Max Reinhardt äußerte sich Weill euphorisch:
„Ich glaube, dass es die schönste Musik wird, die ich bisher geschrieben habe.“ – Kurt Weill

Das Konzert in der Carnegie Hall geht über eine rein konzertante Aufführung hinaus: Wendall Harrington hat für das Werk Video-Projektionen entworfen, die dem Text und der Musik eine visuelle Dimension hinzufügen, wie sie in der Oper ursprünglich auch vorhanden war. Eine zweite Aufführung findet am 7. Mai 2015 am gleichen Ort statt.

Foto: collegiatechorale.org

(04.05.2015)

Werk der Woche - Peter Eötvös: Senza sangue

Am 1. Mai 2015 werden die New York Philharmonic unter der Leitung von Alan Gilbert Peter Eötvös neuestes Bühnenwerk Senza sangue uraufführen. Die Oper in einem Akt für zwei Sänger und Orchester basiert auf der gleichnamigen Novelle von Alessandro Baricco. Sie handelt vom Wiedersehen zweier Menschen, die als Täter und Opfer lebenslang miteinander verbunden sind.

Die Vorgeschichte zur Handlung ist die schicksalhafte, sehr kurze Begegnung zwischen einem jungen Mann und einem kleinen Mädchen. Der damals 20-jährige Tito hatte gemeinsam mit zwei weiteren Männern die Familie des jungen Mädchens ermordet, aber ihr Leben verschont. Nach mehr als fünfzig Jahren sucht Nina die Auseinandersetzung mit dem Menschen, der ihr Leben verändert hat. Die Opernhandlung setzt erst bei diesem Wiedersehen ein. Was Nina eigentlich bezweckt, bleibt lange rätselhaft. Es geht ihr nicht um Rache – obwohl sie die anderen beiden Mittäter getötet bzw. deren Tod in Auftrag gegeben hat –, auch nicht darum ein Schuldbekenntnis zu hören. Sie versucht die Wahrheit über die Geschehnisse dieses Tages herauszufinden und Titos Motive zu erfahren. Es zeigt sich, dass auch Tito unter den damaligen Ereignissen leidet und sie „wie eine Krankheit“ mit sich herumträgt. In dem einzigen Monolog der Oper beschreibt Nina ihr Bedürfnis, immer wieder in die Vergangenheit zurückzukehren und den Wendepunkt in ihrem Leben zu verstehen:
So sehr das Leben auch unbegreiflich erscheint, wir durchqueren es einzig mit dem Wunsch, zu dem Feuer zurückzukehren, das uns erschaffen hat. – Nina.

Die konzertante Uraufführung findet im Rahmen des Festivals ACHT BRÜCKEN in der Kölner Philharmonie statt. Die Rolle der Frau übernimmt die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die des Mannes der Bariton Russell Braun. Eine Woche nach der Kölner Uraufführung wird das Werk in New York aufgeführt.

Foto: www.dacapo-records.dk

Werk der Woche - Chaya Czernowin: Slow Summer Stay

Beim Festival Wittener Tage für neue Kammermusik wird am 24. April 2015 erstmals Chaya Czernowins Slow Summer Stay als vollständiger Zyklus aufgeführt. Das Werk setzt sich aus drei separaten Stücken mit den Titeln Streams, Lakes und Upstream zusammen. Sie können auch als Einzelwerke gespielt werden.

Die ersten beiden Stücke sind für ein Oktett, bestehend aus zwei Klarinetten, Fagott, Schlagzeug, Gitarre, Klavier, Viola und Violoncello, komponiert. Das dritte Stück, Upstream, legt beide Oktette buchstäblich übereinander, so dass hier insgesamt 16 Spieler agieren. Der Hörer meint zunächst, eine Wiederholung des zweiten Stückes zu hören, bis plötzlich das erste Stück – um 20 Takte verschoben – simultan erklingt. Der Effekt ist vergleichbar mit zwei Aufnahmen, die man gleichzeitig nebeneinander ablaufen lässt.

Czernowins überaus genau bezeichneten Partituren lassen auch Raum für das Unbestimmte, Improvisatorische, wenn sie zum Beispiel etwas verlangt, was sie selbst "betrunkener Rhythmus" (drunken rhythm) nennt. Dabei spielen die Instrumentalisten gezielt ungleichmäßig, ohne dass sich der gewünschte Rhythmus exakt darstellen ließe. Für die Komposition hat sich Czernowin von zwei musikalischen Grundprinzipien inspirieren lassen: Bewegung und Stille. In der Addition von Bewegung und Stille entsteht schließlich eine neue komplexe Einheit.
Meine Kompositionen benehmen sich, als hätten sie Anfang und Ende, aber vielleicht haben sie ja weder das eine noch das andere. – Chaya Czernowin

Bei der Erstaufführung in Witten wird Slow Summer Stay durch seine kompositorische Anlage zwei Ensembles zusammenführen: œnm. österreichisches ensemble für neue musik unter der Leitung von Johannes Kalitzke bestreitet den ersten Teil, das Ensemble KNM Berlin unter der Leitung von Manuel Nawri den zweiten. Beim dritten Teil sind schließlich beide Klangkörper gemeinsam auf der Bühne zu erleben.

(20.04.15)

Werk der Woche - Arnold Schönberg: Moses und Aron

An der Komischen Oper Berlin feiert am 19. April 2015 Schönbergs größtes und komplexestes Werk Premiere: Moses und Aron. Die Regie übernimmt Barrie Kosky, die musikalische Leitung der russische Dirigent Vladimir Jurowski. Die Oper entstand zwischen 1928 und 1932 in Berlin, blieb jedoch Fragment. Den ursprünglich geplanten dritten Akt hat Schönberg nie vollendet.

Die beiden Protagonisten verkörpern den Grundkonflikt der Oper: Moses erhält zu Beginn von der Stimme aus dem brennenden Dornbusch den Auftrag, das Volk Israel zu befreien und ihm Gottes Wort zu verkünden. Moses fühlt sich der Aufgabe jedoch nicht gewachsen, den göttlichen Gedanken in Worten verständlich zu machen. Er tritt nie als Sänger, sondern nur mit gesprochenem Wort auf. Sein Bruder Aron dagegen ist ein genialer Kommunikator und wird von einem Heldentenor verkörpert. Er versteht das Bedürfnis des Volkes nach klaren, fassbaren Bildern. Als Moses auf den Berg steigt und für 40 Tage verschwindet, droht die Ungewissheit der Wartenden, sich in Gewalt gegen die Priester zu entladen. Daraufhin gibt Aron dem Volk ein Goldenes Kalb, das sie als Gottheit verehren können. Moses gerät bei seiner Rückkehr in Zorn, zerstört die göttlichen Gesetzestafeln und resigniert. „O Wort, du Wort, das mir fehlt“ lautet seine letzte Verszeile.

Ein philosophisches Problem beschäftigt Schönberg in diesem Werk: Der Widerspruch zwischen einem abstrakten Gedanken und dessen Verbildlichung, die ihn unweigerlich verfälscht und reduziert. Manche Interpreten der Zwölfton-Oper haben in Moses den Komponisten Schönberg gesehen, der sich selbst als Wegbereiter der Neuen Musik verstand, aber zeitlebens von vielen unverstanden blieb. Zu seiner herausragenden Rolle in der Avantgarde sagte Schönberg einmal:
Einer hat es sein müssen, keiner hat es sein wollen, also habe ich mich dazu hergegeben. – Arnold Schönberg

Die Oper Moses und Aron wird in ihrer Rezeptionsgeschichte immer vor dem Hintergrund des stärker werdenden Antisemitismus der 1930er Jahre gesehen. Die Aufführung an der Komischen Oper erinnert an den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Der Komponist selbst entging seiner Verhaftung nur knapp: Als Schönberg 1933 von seinen Ämtern enthoben wurde, emigrierte er in die USA, wo er bis zu seinem Tod 1951 lebte.

Foto: Komische Oper Berlin / www.facebook.com/komischeoperberlin/photos/

(13.04.2015)

Werk der Woche - Fazıl Say: Chamber Symphony

Mit neuer Komposition im Gepäck: Das Orpheus Chamber Orchestra bestreitet die Uraufführung der Chamber Symphony von Fazıl Say am 11. April 2015 in der New Yorker Carnegie Hall. Anschließend geht das Ensemble, das grundsätzlich ohne Dirigent auftritt, mit dem Komponisten auf Tour. Als Auftraggeber wünschte sich das Kammerorchester eine Komposition über nationale Identität – eine Thematik, die Say schon lange beschäftigt.

Say beschränkt sich in dem zwanzigminütigen Werk für Streichorchester zwar ganz auf die klassischen Instrumente, entlockt ihnen jedoch mannigfaltige perkussive Effekte. Dazu lässt er etwa einen Spieler mit der Hand auf den Instrumentenkorpus oder das Holz des Bogens gegen die Saiten schlagen. Die drei Sätze Introduction, Nocturne und Finale wechseln in ihrem Charakter zwischen ruhigen, nachdenklichen und schnellen, tänzerischen Passagen. Say verwendet im ersten Satz einen für türkische Musik typischen 7/8-Takt und imitiert im dritten Satz die Tänze der türkischen Roma. Der langsame zweite Satz endet mit einem dramatischen Ausbruch, der den energiegeladenen dritten Satz vorbereitet. Says Musik will das Gemeinsame, Verbindende unterstreichen und Brücken bauen zwischen Ost und West, zeitgenössischer und traditioneller Musik. Auf die Frage, was Heimat für ihn bedeute, antwortet er:
Heimat ist mehr und mehr und immer wieder Musik. Eigentlich habe ich immer gedacht, eine Stadt gehört zu einem Land, ein Land gehört zur Welt, die Welt ist ein Planet und gehört zum Sonnensystem, und das Sonnensystem gehört zur Milchstraße. Alles gehört zu allem. – Fazıl Say

Nach der New Yorker Uraufführung tourt das Orpheus Chamber Orchestra zusammen mit Fazıl Say unter anderem durch Bologna, Köln, Heidelberg, Berlin, Innsbruck und Budapest. Say tritt in den Konzerten als Solist mit Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 in A-Dur auf.

(07.04.2015)

Werk der Woche - Michael Tippett: The Ice Break

Die Birmingham Opera Company schlägt neue Wege ein, um möglichst vielen Menschen den Zugang zur Gattung Oper zu ermöglichen. Auch ungewöhnliche Austragungsorte zählen zum Konzept: Die neue Produktion von Michael Tippetts Oper The Ice Break findet in einer alten Fabrikhalle ihre Spielstätte. Vom 3. bis zum 9. April 2015 ist das Stück in einer Inszenierung von Graham Vick in Birmingham zu erleben. Andrew Gourlay dirigiert das City of Birmingham Symphony Orchestra, das von einem Chor aus 150 Laiensängern unterstützt wird. Neben Workshops und offenen Proben veranstaltet das Ensemble am 9. April 2015 das Symposium "Breaking the Ice" zum Thema soziale Verantwortung der Künste.

Im Jahr 1977 am Royal Opera House in London uraufgeführt, befasst sich The Ice Break mit Identität und zwischenmenschlichen Beziehungen und erforscht die Verpflichtungen eines jeden Menschen zu seinen Mitbürgern und der Gesellschaft. Im Mittelpunkt der Oper stehen vier Protagonisten aus unterschiedlichen ethnischen und sozialen Verhältnissen, die in einen brutalen Konflikt zweier rivalisierender Gangs geraten.

Zu den Charakteren gehören Olympion, ein schwarzer Athlet, dessen musikalische Begleitung von einer E-Gitarre gekennzeichnet ist; Lev, ein Flüchtling und Schriftsteller; seine Frau Nadia, die so singt, als ob sie es allen recht machen wolle; ihr entfremdeter Sohn Yuri; seine fast schon hysterische Freundin Gale; und Hannah, eine schwarze Krankenschwester, deren Seele dem Blues gehört. Das "Eis bricht", als sie schließlich aufeinander zu und gleichzeitig in sich gehen, um die Wahrheit zu entdecken, die sich hinter dem verbirgt, was sie täglich nach außen tragen. Es ist ein gewaltsamer Prozess, der im mittleren Akt in einem Bandenkrieg endet, in dem zwei der Figuren getötet werden und eine schwer verletzt wird. Am Ende jedoch werden in einer brüderlichen Geste alle Grenzen überwunden.
Ein Stück über generationen- und rassenübergreifende Identität, über die Fragmentierung der Gesellschaft und den elementaren Zusammenhalt der Menschheit über alle Grenzen hinweg… es ist Zeit, dass das "Eis bricht"! – Graham Vick, Regisseur

Auch die Birmingham Opera Company möchte Eis brechen: Seit Januar 2015 organisiert sie zahlreiche Projekte in allen zehn Stadtteilen von Birmingham, um ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In Zusammenarbeit mit Schulen, Wohlfahrtsverbänden, Chören und der Flüchtlingshilfe plant das Ensemble Events und Workshops.

Foto: SIMBA / www.utsa.edu

Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne

Mit seiner "ekklesiastischen Aktion" Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne setzte Zimmermann einen fulminanten Schlusspunkt unter sein Spätwerk. Am Freitag, den 27. März 2015, wird sie an der Kölner Oper am Dom zum ersten Mal szenisch zu sehen sein. Die Sprecher Jörg Rätjen und Stephan Rehm sowie Bo Skovhus als Bass-Solist werden vom Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Gabriel Feltz begleitet. Am gleichen Abend ist Luigi Dallapiccolas Einakter "Il Prigionero" zu sehen.

Als Grundlage des von der Hansestadt Kiel in Auftrag gegebenen und 1972 uraufgeführten Stücks dienten zwei sehr unterschiedliche Textvorlagen: Den Versen aus dem 4. Kapitel des Predigers Salomo stellt Zimmermann Passagen aus Dostojewskis Novelle "Der Großinquisitor" aus dem berühmten Roman "Die Brüder Karamasow" gegenüber. Dabei steht die Musik ganz im Dienst der Textvermittlung und verleiht dem Werk einen fast hörspielartigen Charakter. Zimmermanns typisch pluralistischer Stil zeigt sich deutlich bei der Verbindung und Kontrastierung der narrativen und musikalischen Ebenen. Dieses Gemisch der Ebenen versieht der Komponist schon in der Partitur mit konkreten szenischen Anweisungen:
Die beiden Sprecher schreien durcheinander: "Reichtum, Selbstvernichtung, sich gegenseitig ausrotten." Dazu gestikulieren sie und führen akrobatische Aktionen aus. Das gesamte Schlagzeug schlägt wild und chaotisch auf beliebige Schlaginstrumente ein.

Anders als in vielen anderen Werken Zimmermanns, ist nur ein einziges musikalisches Zitat in der Komposition enthalten: Der Choral aus der Bach-Kantate BWV 60 "O Ewigkeit, du Donnerwort" beendet das Stück: "Es ist genug, Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus". Damit schlägt Zimmermann einen Bogen von seinem letzten Werk zum frühen Violinkonzert, das mit der gleichen Passage schließt und 1950 zu seinem ersten größeren Erfolg werden sollte.

Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne ist in weiteren Vorstellungen am 29. März, am 1., 4. und 6. April in Köln zu sehen. Am 17., 18. und 19. Mai bringt das Gürzenich-Orchester in der Kölner Philharmonie außerdem das frühe Violinkonzert zur Aufführung. Am 20. März 2018 hätte Zimmermann seinen 100. Geburtstag gefeiert. In Erwartung des Jubiläums wird das Schaffen des Komponisten schon jetzt mit einer Vielzahl von Aktivitäten gewürdigt.

Werk der Woche - Peter Eötvös: Paradise Reloaded (Lilith)

Die Figur der Lilith, der Legende nach die erste Frau des Stammvaters Adam, beschäftigte Peter Eötvös bereits 2009 in seiner Oper Die Tragödie des Teufels. Sie ließ ihn auch nicht los, nachdem die Arbeit daran abgeschlossen war. Und so erhob er sie zur Protagonistin in dem Werk Paradise Reloaded (Lilith), das am 21. März 2015 zum ersten Mal auf eine deutsche Bühne kommt: Am Theater Chemnitz ist es in der Inszenierung von Helen Malkowsky und unter der musikalischen Leitung von Frank Beermann zu sehen.

Ausgehend vom Libretto zu Die Tragödie des Teufels entwickelten Eötvös und seine Frau Mari Mezei gemeinsam mit dem Librettisten Albert Ostermaier einen neuen Text. Verbannt aus dem Paradies, schließt die rebellische Lilith einen Pakt mit dem Teufel, um Adam zurückzugewinnen und Eva auszustechen. Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Eva die fürsorgliche Ehefrau darstellt, die sich ihrem Mann unterordnet, will sich Lilith mit dieser Rolle nicht abfinden. Sie möchte unabhängig und auf Augenhöhe mit Adam leben. Dafür ist sie auch bereit, Evas Tod in Kauf zu nehmen. Anstatt das im Zusammenhang mit der Lilith-Legende oft bemühte Themengebiet der Emanzipation zu bedienen, wählt Eötvös den philosophischen Weg und stellt die Frage "Was wäre, wenn…":
In meiner Oper geht es nicht um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern um die Hypothese, wie die Gesellschaftsstrukturen unserer Zivilisation sich entwickelt hätten, wäre Lilith statt Eva die Rolle der Urmutter zugefallen. – Peter Eötvös

Bis Ende April ist Paradise Reloaded (Lilith) im Programm des Theater Chemnitz. Schon am 1. Mai 2015 folgt die Uraufführung der neuesten Oper von Peter Eötvös: Die New York Philharmonic zeigt mit ihrem Chefdirigenten Alan Gilbert bei einem Gastspiel in der Kölner Philharmonie eine konzertante Aufführung des Einakters Senza sangue.

Foto: Neue Oper Wien / Armin Bardel

(16.03.2015)