Werk der Woche - Richard Strauss: Der Rosenkavalier
- 18.05.2015
Als Hugo von Hofmannsthal im Februar 1909 die Anregung für den Stoff erhielt, war er sofort Feuer und Flamme. Schon im Mai hielt Strauss den Text des ersten Aktes in Händen und brauchte nicht mehr überzeugt zu werden (Strauss: „Schlußszene herrlich, wird sich wie Öl und Butter komponieren“). Im Mittelpunkt der Oper steht die Rosenübergabe zwischen dem jungen Octavian, der der schönen Sophie die Liebesbekundung des Ochs von Lerchenau überbringen soll. Bei dieser Begegnung verlieben sich die beiden augenblicklich ineinander. Es entspinnt sich eine heitere Intrige gegen den „dicken, älteren anmaßenden Freier“ (Hofmannsthal), an deren Ende das Liebespaar glücklich vereint ist.
Hofmannsthal war es auch, der Richard Strauss für die Produktion einer Stummfilm-Adaption durch den hochgefeierten Regisseur Robert Wiene ("Das Cabinet des Dr. Caligari") gewinnen konnte. Die Filmtechnik steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und so sollte der Film nicht die Oper ersetzen, sondern vielmehr den Erfolg der Oper noch vorantreiben. Er sollte, wie Hofmannsthal sich ausdrückt, „auf die Oper Appetit machen“. Der Film ging jedoch verloren und musste aufwändig rekonstruiert werden. Seit 2006 ist er in einer Rekonstruktion des Musikwissenschaftlers Berndt Heller wieder zu sehen. Den Rosenkavalier verstand Hofmannsthal trotz des Rokoko-Sujets als zeitgenössisches Stück:
„Es könnte scheinen, als wäre hier mit Fleiß und Mühe das Bild einer vergangenen Zeit gemalt, doch ist dies nur Täuschung und hält nicht länger dran als auf den ersten flüchtigen Blick.“ – Hugo von Hofmannsthal
In der Stummfilm-Fassung ist Der Rosenkavalier in Regensburg (19.5./30.5.), Münster (21.6./22.6./.24.6.) und beim Richard Strauss Festival in Garmisch-Partenkirchen zu sehen (25.6.).
Foto: Wilfried Hösl, Bayerische Staatsoper
(18.05.2015)