Die Meininger Hofkapelle feiert 2015 ihr 325-jähriges Bestehen. Bei diesem Orchester hatte Richard Strauss auf Einladung von Hans von Bülow seine erste Stelle als Kapellmeister inne. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum ist am 16. Oktober 2015 letzte Oper des Komponisten
Capriccio in einer Neuinszenierung zu erleben. Regie führt Anthony Pilavachi, am Pult steht GMD Philippe Bach.
Komponisten lieben es, Opern über Musik zu schreiben: über den Sänger Orpheus, die Zauberflöte, über die Meistersinger von Nürnberg, den Troubadour, die Uraufführung des Stücks Ariadne auf Naxos... Und so nutzt Strauss auch in
Capriccio geschickt die musikalischen Möglichkeiten, die sich aus einem solchen Sujet ergeben. Schon das Vorspiel ist Musik in der Musik: Ein Streichsextett spielt der Gräfin Madeleine ein Geburtstagsständchen (das später zu einem der beliebtesten Kammermusikwerke von Richard Strauss wurde). Wir befinden uns hier in einem Schloss in der Nähe von Paris zur Zeit der Opernreform. Ein heftiger Streit zwischen den Anhängern der Komponisten Christoph Willibald Gluck und Niccolò Piccinni tobt. Der Konflikt ist aber nicht nur künstlerischer Natur, es geht auch um die Gunst der schönen Gräfin, um Liebschaften und Eifersüchteleien aller Art.
Strauss zieht in
Capriccio alle Register seiner Bühnenerfahrung: Stilzitate aus der gesamten Operngeschichte, eine Handlung, der nichts Dramatisches fremd ist, keine Spur von Rührseligkeit oder Kitsch, mustergültige Instrumentation, musikalischer Sog, die endgültige Überwindung aller Wagner-Anklänge - alles in allem ein Ausweis vollkommender kompositorischer Meisterschaft. Doch er weiß um die Schwierigkeiten der Zeit, in der er sich seit Beginn der Arbeit an der Oper im Jahr 1939 befindet: Es ist Krieg, der Welt droht die Katastrophe, Strauss selbst ist verstrickt in das nationalsozialistische System. Er verdichtet die Oper zu einem Akt, um Zeit zu sparen. Und vor dem autobiographischen Hintergrund klingen Szenen aus
Capriccio wie ein verdecktes Eingeständnis persönlicher Schuld, etwa der Dialog zwischen Gräfin und Graf im zweiten Bild:
Gräfin: Rameau ist genial..., doch unmanierlich und roh war sein Wesen. Wenn ich dran denke, missfällt er mir gründlich. Mein Genuss ist getrübt.
Graf: Du musst den Menschen vom Werke trennen.
Das komplexe Geflecht der Spannungen im Werk und in seiner Entstehung und Rezeption stellt Regisseure vor eine besondere Hausforderung. So darf die anstehende Premiere mit Spannung erwartet werden, zumal
Capriccio zuletzt vor sechs Jahren in einer neuen Deutung zu sehen war. Über die ganze Spielzeit hinweg bis zum 27. Juni 2015 ist das Stück in Meiningen in insgesamt zehn Vorstellungen zu erleben.
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Foto: © Das Meininger Theater / foto ed