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Werk der Woche

Werk der Woche - Bernard Rands: Concerto for English Horn and Orchestra

 

Am 27. November 2015 bestreitet der Solist Robert Walters mit dem Cleveland Orchestra die Uraufführung des Concerto for English Horn and Orchestra von Bernard Rands. Das Konzert in der Severance Hall steht unter der Leitung von Lionel Bringuier. Rands' Komposition wurde von dem Oberlin College Conservatory of Music für Robert Walters und das Cleveland Orchestra in Auftrag gegeben. Walters hat seit 2004 die Stelle des Solo-Englischhornisten im Cleveland Orchestra inne.

Concerto for English Horn and Orchestra ist ein dreisätziges Stück mit Titeln, die bereits Hinweise auf Charakter und Form geben: Fantasia, Aubade und Hommage. Den dritten und letzten Satz schrieb Rands ganz im Geiste Debussys, dessen Musik ihn im Verlauf seiner Karriere stark beeinflusst hat. Debussys "Jeux" bildet einen bemerkenswerten Subtext zu diesem Satz.
Obwohl keine direkten Zitate aus der Musik Debussys verwendet werden, wird die Stimmung aus "Jeux" hervorgerufen – manchmal ziemlich direkt und an anderer Stelle auf eher geheimnisvolle Art und Weise. – Bernard Rands

Neben Rands' Concerto stehen Debussys "Prélude à l'après-midi d'un faune" und Berlioz' "Symphonie fantastique" auf dem Programm. Weitere Aufführungen finden am 28. und 29. November 2015 statt.

Bernard Rands - Profil
Concerto for English Horn and Orchestra - Werkdetails
The Cleveland Orchestra

Werk der Woche - Chaya Czernowin: Knights of the strange

 

Beim Festival Wien Modern wird am 20. November 2015 Chaya Czernowins Ensemblewerk Knights of the strange uraufgeführt. Am Pult des Konzerthauses Wien steht Simeon Pironkoff. Unter seiner Leitung spielen das Ensemble PHACE sowie die Solisten Yaron Deutsch (E-Gitarre) und Krassimir Sterev (Akkordeon).

Der Titel des Werks für zehn Instrumente ist einem Buch entnommen, das Czernowins Sohn Ko als Vierjähriger geschrieben hat. Dieses besteht vornehmlich aus Zitaten alltäglicher häuslicher Gespräche. Darauf spielt die Komponistin in ihrem Ensemblestück an, in dem die Ausführenden Worte über ihre eigenen Kinder oder Eltern einfließen lassen sollen. Ein eigenständiges Duo für E-Gitarre und Akkordeon, ebenfalls Knights of the strange genannt, ist in die musikalische Textur des Ensemblewerks eingearbeitet. Dabei gehen diese beiden Instrumente eine musikalische Symbiose mit den übrigen Ensembleinstrumenten ein.
Knights of the strange ist musikalische Poesie, bei der wenige Worte die spekulativen und poetischen Verbindungen zwischen Traum, Realität und Reflexion beschreiben. Das Duo ähnelt einer solitären Pflanze, die aus einer anderen Klimazone des Dschungels der Tutti-Version stammt. Welche unerwarteten Wege in unbekannte Territorien gehen Impuls und Reaktion, wenn sie auf Elemente des Zufalls treffen? – Chaya Czernowin

Bereits im Sommer ist die Duo-Version von Knights of the strange im Rahmen eines Portraitkonzerts im Gare du Nord, Basel, der Öffentlichkeit präsentiert worden. Im März 2016 folgt die amerikanische Erstaufführung der Tutti-Version in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Hier wird das Werk von der LA Phil New Music Group unter der Leitung von Mirga Gražinytė-Tyla im Rahmen des Festivals "Green Umbrella" interpretiert.

Werk der Woche - György Ligeti: Concert Românesc

Im Rahmen des "Gershwin-Experiments", eines musikpädagogischen Projektes der Landesrundfunkanstalten, haben sich Schulklassen mit dem Komponisten György Ligeti auseinandergesetzt. Das Abschlusskonzert dieses Projekts mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons können die Schülerinnen und Schüler am 12. und 13. November 2015 im Münchner Herkulessaal erleben. Gespielt wird unter anderem der vierte Satz von Ligetis Concert Românesc. Auch von zu Hause aus kann man die Veranstaltung live über das Bayerische Fernsehen und die ARD-Kulturwellen verfolgen.

Zwanzig Jahre verstrichen bis zur ersten öffentlichen Aufführung des 1951 komponierten Concert Românesc. Während einer Probe in Budapest lieferte eine harmonisch ungewöhnliche Passage den Zündstoff für eine folgenreiche Diskussion – das Werk fiel schließlich der Zensur zum Opfer. Heute ist es in den Konzertsälen der ganzen Welt präsent. In dem Orchesterstück mit Streicher- und Bläsersoli verarbeitete Ligeti ganz im Stil Béla Bartóks Elemente aus der rumänischen Volksmusik. Inspiration schöpfte er nicht zuletzt aus seinem Aufenthalt am Folklore-Institut in Bukarest. Das Konzert besteht aus einer Abfolge von vier Sätzen, die attacca ineinander übergehen. Die musikalische Sprache der Komposition ist eng mit Ligetis Biographie verknüpft:
Ich wuchs in Siebenbürgen im ungarischsprachigen Milieu auf. Die Amtssprache war Rumänisch, doch diese Sprache erlernte ich erst im Gymnasium. So hatte die rumänische Sprache, als ich Kind war, etwas Geheimnisvolles für mich. Schon als Dreijähriger begegnete ich der rumänischen Folklore: Das Alphorn klang ganz anders als "normale" Musik. Heute weiß ich, worauf das beruht: dass das Alphorn ausschließlich Naturtöne erzeugt und die Obertöne fünf und sieben, also die große Terz und die kleine Septime, "falsch" klingen, und zwar niedriger als zum Beispiel auf dem Klavier. Dieses Falsche – das eigentlich das Richtige ist, denn es entspricht der akustischen Reinheit – ist das Wunderbare am Hornklang. – György Ligeti

Auf einer Tournee durch Japan und Taiwan tritt außerdem das Koninklijk Concertgebouworkest unter Gustavo Gimeno am 9. November 2015 im Aichi Prefectural Art Theater in Nagoya und am 13. November in der Suntory Hall in Tokyo mit dem Concert Românesc auf. Auch auf dem Programm des MDR Sinfonieorchesters steht eine Reihe an Schulkonzerten, in denen das Stück erklingt. So war das Orchester bereits am 6. November am Lucas Cranach Gymnasium in Wittenberg zu hören. Am 9. November folgt ein Auftritt am Domgymnasium Merseburg und für den 26. November ist ein Konzert im Kulturhaus Reinsdorf geplant.

 

Ausgewählte Links zum Projekt:

Foto: © Wikimedia Commons / Stbichler (Alt, Porumbacu de Jos)

Werk der Woche - Toshio Hosokawa: Nach dem Sturm

 

Zwei Jubiläen feiert das Toyko Metropolitan Symphony Orchestra mit der Uraufführung von Toshio Hosokawas Nach dem Sturm am 2. November 2015: Sein eigenes 50-jähriges Bestehen und den 60. Geburtstag des Komponisten wenige Tage zuvor. Bei dem Konzert in der Suntory Hall in Tokio stehen die beiden Sopranistinnen Susanne Elmark und Ilse Eerens mit dem Orchester auf der Bühne, geleitet wird es von Kazushi Ono.

Nachdem Hosokawa sich zu seinem Harfenstück Neben dem Fluss und dem Trompetenkonzert Im Nebel durch Texte von Hermann Hesse hat inspirieren lassen, vertont er nun erstmals einen Text des Dichters für Gesang. Dessen Gedicht "Blumen nach einem Unwetter" -- Hesse hatte es mit einem eigenen Aquarell veröffentlicht -- bildet den zweiten Teil des knapp 20-minütigen Werks. Zuvor intoniert das große und mit ausladendem japanischem Schlagwerk besetzte Orchester eine gewaltige Sturmszene. Die Komposition steht wie mehrere jüngere Werke von Hosokawa im Kontext des verheerenden Tohoku-Erdbebens von 2011. Er erklärt dazu:
Musik war für mich stets ein Mittel, die Harmonie zwischen Mensch und Natur zu finden. Nach dem Tohoku-Erdbeben von 2011 begann ich jedoch, neu über Musik nachzudenken. Sie ist eine Form des Schamanismus; Menschen beten mit ihrer Hilfe und besänftigen die Geister der Verstorbenen, indem sie durch sie eine Brücke zwischen dem Hier und dem Jenseits formen. In meinem Stück fungieren die beiden Soprane als Mikos [Frauen, die in Shinto-Schreinen als Mittler zwischen Menschen und Göttern wirken, Anm. d. Red.]. In der ersten Hälfte malt das Orchester allein einen Sturm. Im zweiten Teil singen die Soprane Hermann Hesses Gedicht über eine Blume, die nach einem Sturm langsam wieder das Licht findet. - Toshio Hosokawa

In der zweiten Monatshälfte begibt sich das Toyko Metropolitan Symphony Orchestra auf Europa-Tournee. Auf der Reise präsentiert es Nach dem Sturm am 17. November in der Philharmonie Luxembourg und am 19. November als Deutsche Erstaufführung in der Berliner Philharmonie.

Werk der Woche - Jörg Widmann: Viola Concerto

 

Der Interpret hält das Instrument ans Ohr, spielt ein Pizzicato mit der linken Hand und verzieht sein Gesicht in einer angewiderten Grimasse. Hier muss wohl "nachgestimmt" werden... Am 28. Oktober 2015 wird Jörg Widmanns Viola Concerto in der Philharmonie de Paris uraufgeführt. Antoine Tamestit, für den der Komponist das Konzert geschrieben hat, tritt zusammen mit dem Orchestre de Paris unter Paavo Järvi auf. Widmann und Tamestit haben zuvor bereits häufig gemeinsam als Interpreten Kammermusik gespielt.

Dass es sich bei der Komposition um ein ausgeklügeltes Spiel mit der Gattung des Solokonzerts handelt, kündigt auch Tamestit an, der verspricht, dass das Publikum "ein ungewöhnliches Konzerterlebnis" erwarte. So stößt man gleich zu Beginn des Stücks auf eine Besonderheit: Der Einsatz des Dirigenten bleibt aus. Stattdessen setzt der Solo-Bratschist völlig unvermittelt ein und beginnt zu spielen – ganz ohne Bogen. Originelle Spieltechniken wie die Nachahmung einer indischen Sitar durch "Zitter"-Vibrato und der perkussive Einsatz des Klangkörpers der Viola während des gleichzeitigen Bespielens der Saiten richten den Fokus auf die Vielseitigkeit des Instrumentes. Wiederholt nimmt der Solist die Rolle eines Schauspielers ein, der in einer Mischung aus Stolz und Selbstironie detaillierte Regieanweisungen ausführt. Doch Einfallsreichtum zeigt sich nicht nur in der Solo-Partie, sondern beispielsweise auch im Klavier, das mit einem Scotch-Glas präpariert wird.
Für mich ist die Bratsche in erster Linie immer ein außerordentliches Gesangs-Instrument gewesen. Kammermusik mit Bratsche zu musizieren gehört für mich als Musiker zum Allerschönsten. Allein auf der C-Saite der Bratsche lassen sich Geschichten erzählen, die auf keinem anderen Streichinstrument denkbar wären. In meinem Viola Concerto ist die Szenerie über weite Strecken in ein utopisches Land verlegt: am Anfang in eine fremd-tastende Sphäre, ausschließlich von Bratschen-Pizzicati in allen möglichen und unmöglichen Varianten bevölkert; dann als sehnsüchtiger Gesang aus einem imaginären orientalischen Märchenland; schließlich ein Sturz in artistisch-absurde Virtuositäts-Kaskaden, die das Herzstück des Werkes, eine Aria für Bratsche und extrem gedämpfte Streicher, einleiten; ein schmerzlich-inniger Abgesang auf eine versunkene Welt, die erst auf den letzten Metern in eine grelle Realität gezerrt wird. – Jörg Widmann

Widmanns Konzert wurde von drei Orchestern in Auftrag gegeben – dem Orchestre de Paris, dem Swedish Radio Symphony Orchestra und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. In Schweden und Deutschland finden weitere Aufführungen am 26. und 27. November 2015 in der Stockholmer Berwaldhallen sowie am 3. und 4. März 2016 im Münchener Herkulessaal statt.

Werk der Woche - Hans Werner Henze: The Bassarids

 

In der laufenden Spielzeit wäre Hans Werner Henze 90 Jahre alt geworden. Zu dem Jubiläum am 1. Juli 2016 finden bereits jetzt namhafte Neuinszenierungen seiner Opern statt. Am 23. Oktober etwa feiert sein Musikdrama The Bassarids in englischer Originalsprache am Nationaltheater Mannheim Premiere. Die musikalische Leitung hat Rossen Gergov inne, Frank Hilbrich inszeniert. Uraufgeführt wurde das Werk 1966 bei den Salzburger Festspielen. The Bassarids bildet seitdem einen festen Bestandteil des Musiktheater-Repertoires und zählt zu den wichtigsten der fast 50 Bühnenwerke Henzes.

Stofflich orientiert sich die Handlung an den "Bakchen" des Euripides. Das Libretto entstammt der Feder von W. H. Auden und Chester Kallman. Bei seinem Antritt der Herrschaft über Theben spricht Pentheus zuallererst ein Verbot des Dionysos-Kultes aus. Wie sich später herausstellt, hat Pentheus diese Rechnung jedoch ohne Dionysos gemacht. Dieser kommt nämlich in Gestalt eines Fremden nach Theben und stiftet Pentheus zur heimlichen Beobachtung der nächtlichen Riten an. Dabei wird der Herrscher Thebens von seiner eigenen Mutter, Agaue, erschlagen, die ihn für ein wildes Tier hält. Das grausame Erwachen folgt am nächsten Morgen: Erst jetzt realisiert Agaue ihre Tat. Dionysos zeigt seine wahre Identität, enthüllt den vollzogenen Plan als Racheakt an Pentheus und verlangt vom Volk Theben, bedingungslos verehrt zu werden.

Der Einakter besteht aus zwei Teilen und ist formal an eine viersätzige Symphonie angelehnt. Die große Besetzung, Komplexität des Librettos und vielschichtige musikalische Faktur machen die Aufführung der Bassarids zu einem ambitionierten Projekt. Mit Dionysos und Pentheus stehen sich zwei Pole der menschlichen Existenz gegenüber, die auf der Grundlage des antiken Stoffes zahlreiche Bezüge zur Gegenwart zulassen.
Die Bassariden, die ich heute viel besser verstehe und die ich viel mehr liebe als damals, als ich sie schrieb, für mich bedeuten sie heute mein wichtigstes Theaterwerk. Interessant und modern und uns angehend und eigentlich auch die Jahre um 1968 angehend sind eben die Fragen: Was ist Freiheit, was ist Unfreiheit? Was ist Repression, was ist Revolte, was ist Revolution? All das wird eigentlich bei Euripides gezeigt, angedeutet, angeregt. Die Vielzahl, der Reichtum der Beziehungen, der greifbar-sensuellen Beziehungen zwischen dieser Antike, dieser Archais, und uns wird durch den Auden’schen Text hergestellt, und Euripides wird herangezogen in unsere Zeit, und zwar in einer Weise, wie es auch die brillanteste Regie mit dem griechischen Original nicht machen könnte, bei dem eben immer die Distanz zu einer anderen und lang zurückliegenden Zivilisation sich manifestiert. – Hans Werner Henze

Der Premiere folgen bis zum 10. Dezember vier weitere Aufführungen. Schon ab November ist das Musikdrama außerdem am Teatro dell’Opera Rom in einer Inszenierung von Mario Martone zu sehen.

Foto: © Het Muziektheater Amsterdam / photo ed

Werk der Woche - Richard Strauss: Capriccio

 

Die Meininger Hofkapelle feiert 2015 ihr 325-jähriges Bestehen. Bei diesem Orchester hatte Richard Strauss auf Einladung von Hans von Bülow seine erste Stelle als Kapellmeister inne. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum ist am 16. Oktober 2015 letzte Oper des Komponisten Capriccio in einer Neuinszenierung zu erleben. Regie führt Anthony Pilavachi, am Pult steht GMD Philippe Bach.

Komponisten lieben es, Opern über Musik zu schreiben: über den Sänger Orpheus, die Zauberflöte, über die Meistersinger von Nürnberg, den Troubadour, die Uraufführung des Stücks Ariadne auf Naxos... Und so nutzt Strauss auch in Capriccio geschickt die musikalischen Möglichkeiten, die sich aus einem solchen Sujet ergeben. Schon das Vorspiel ist Musik in der Musik: Ein Streichsextett spielt der Gräfin Madeleine ein Geburtstagsständchen (das später zu einem der beliebtesten Kammermusikwerke von Richard Strauss wurde). Wir befinden uns hier in einem Schloss in der Nähe von Paris zur Zeit der Opernreform. Ein heftiger Streit zwischen den Anhängern der Komponisten Christoph Willibald Gluck und Niccolò Piccinni tobt. Der Konflikt ist aber nicht nur künstlerischer Natur, es geht auch um die Gunst der schönen Gräfin, um Liebschaften und Eifersüchteleien aller Art.

Strauss zieht in Capriccio alle Register seiner Bühnenerfahrung: Stilzitate aus der gesamten Operngeschichte, eine Handlung, der nichts Dramatisches fremd ist, keine Spur von Rührseligkeit oder Kitsch, mustergültige Instrumentation, musikalischer Sog, die endgültige Überwindung aller Wagner-Anklänge - alles in allem ein Ausweis vollkommender kompositorischer Meisterschaft. Doch er weiß um die Schwierigkeiten der Zeit, in der er sich seit Beginn der Arbeit an der Oper im Jahr 1939 befindet: Es ist Krieg, der Welt droht die Katastrophe, Strauss selbst ist verstrickt in das nationalsozialistische System. Er verdichtet die Oper zu einem Akt, um Zeit zu sparen. Und vor dem autobiographischen Hintergrund klingen Szenen aus Capriccio wie ein verdecktes Eingeständnis persönlicher Schuld, etwa der Dialog zwischen Gräfin und Graf im zweiten Bild:
Gräfin: Rameau ist genial..., doch unmanierlich und roh war sein Wesen. Wenn ich dran denke, missfällt er mir gründlich. Mein Genuss ist getrübt.
Graf: Du musst den Menschen vom Werke trennen.

Das komplexe Geflecht der Spannungen im Werk und in seiner Entstehung und Rezeption stellt Regisseure vor eine besondere Hausforderung. So darf die anstehende Premiere mit Spannung erwartet werden, zumal Capriccio zuletzt vor sechs Jahren in einer neuen Deutung zu sehen war. Über die ganze Spielzeit hinweg bis zum 27. Juni 2015 ist das Stück in Meiningen in insgesamt zehn Vorstellungen zu erleben.

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Foto: © Das Meininger Theater / foto ed

Werk der Woche - Richard Ayres: No. 48 (night studio)



Alltägliche und weniger alltägliche Eindrücke begegnen uns in Richard Ayres‘ neuem Orchesterwerk No. 48 (night studio). Am 8. Oktober wird das Stück vom BBC Symphony Orchestra unter Ilan Volkov in der Barbican Hall London uraufgeführt.

Neben dem großen Orchester setzt Ayres in No. 48 elektronische Zuspielungen ein und gewährt Einblick in bizarre und zugleich wundervolle musikalische Obsessionen. Sample-Einwürfe mit der Stimme des Komponisten und weiteren, scheinbar zufälligen Klangereignissen leiten kurze Musikfragmente ein: ein 15-sekündiges Hornkonzert, eine kaum längere Sinfonie und einen feurigen Kanon, gefolgt von Kanonenfeuer. Längere verbindungsstiftende Passagen, von denen einige an Momente aus seiner Oper Peter Pan erinnern, setzen das Publikum einem Wechselbad der Gefühle aus. Mit dieser Ästhetik kreiert Ayres eine Hommage an den kanadisch-amerikanischen Künstler Philip Guston, einen Wegbereiter der Postmoderne:


Gustons Bruch mit den sehr feinen Malereien seines künstlerischen Umfeldes und die Aneignung eines fast cartoon-artigen Stils waren für mich die Erlaubnis, ein sehr weites Feld der Musik und damit auch meinen eigenen musikalischen Hintergrund zu erforschen. – Richard Ayres

Kurz nach der Uraufführung bringt Peter Eötvös das Stück mit dem SWR Sinfonieorchester am 16. Oktober im Rahmen der Donaueschinger Musiktage erstmals in Deutschland zu Gehör.



(05.10.2015)

Werk der Woche - Gerald Barry: The One-Armed Pianist

Alles andere als konventionell sind Gerald Barrys Kompositionen mit ihren originellen Einfällen und einem Hauch von Skurilität – so auch das Ensemblewerk The One-Armed Pianist, das am 3. Oktober 2015 im Londoner Science Museum uraufgeführt wird. Nicholas Collon leitet das Aurora Orchestra im Rahmen eines Wandelkonzerts, dem Höhepunkt des Austellungsprojektes "Objects at an Exhibition" des Labels NMC. Die Veranstaltung ist Teil der Feiern zum 25-jährigen Jubiläum des Labels. Die Begleit-CD ist bereits seit dem 18. September erhältlich.

Neben Barry wurden fünf weitere Komponisten für das Projekt damit beauftragt, sich von Sammlungsgegenständen oder Räumen des Museums zu neuen Werken inspirieren zu lassen. So bezieht sich Barrys The One-Armed Pianist auf einen künstlichen rechten Arm, dessen drei mittlere Finger unverhältnismäßig klein sind. Der starre Daumen und der kleine Finger sind zum Greifen einer Oktave auf dem Klavier ausgestreckt. Hergestellt wurde der Arm für eine Frau, die ihn 1906 bei einem Auftritt in der Royal Albert Hall einsetzte. Barrys neues Stück weist selbst keinen Klavierpart auf und zieht das Publikum mit auffallend wenigen musikalischen Bausteinen in seinen Bann. Im ersten Teil, den Barry inoffiziell the everyday nennt, verfolgt er einen ideenreichen Ansatz zur Orchestrierung wiederkehrender Akkorde. Daraufhin erklingt im zweiten Teil wiederholt eine Oktave – wie von dem hölzernen Arm gespielt. Ein Freund Barrys schildert seinen Höreindruck:
Man hört die Gedankengänge des Komponisten. Die Rufe am Ende wirken wie die österreichisch-ungarische Monarchie – wie Spuren für immer entschwindenden Glanzes.

Im Anschluss an die Veranstaltung im Science Museum finden im Oktober zwei weitere Uraufführungen neuer Werke von Gerald Barry statt: Midday für Violine und Klavier am 14. Oktober in The Forge, Camden, mit Darragh Morgan und Mary Dullea sowie The Destruction of Sodom für acht Hörner und zwei Windmaschinen am 31. Oktober in Granada, Spanien. Hugh Tinney ist am 30. Oktober in Dublin mit dem RTÉ National Symphony Orchestra als Interpret des Piano Concerto zu erleben.

Foto: Science Museum London
(28.09.2015)

Werk der Woche - Pēteris Vasks: 4. Streichquartett

Am 25. September 2015 findet am Kongelige Teater Kopenhagen eine Ballettpremiere mit Peteris Vasks' 4. Streichquartett statt. Das Stück gehört zu einem dreiteiligen Ballettabend mit dem Titel Short Time Together. In der Choreographie von Natalia Horecna entfaltet sich über das Medium des zeitgenössischen Tanzes eine perspektivreiche Reflexion über die Geschwindigkeit des modernen Lebens.

Das 1999 komponierte und am 21. Mai 2000 am Pariser Théâtre de la Ville durch das Kronos Quartet uraufgeführte 4. Streichquartett besteht aus fünf Sätzen, die einen weiten dramaturgischen Spannungsbogen bilden: Elegy, Toccata I, Choral, Toccata II und Meditation. Den ersten sich langsam in Trillerfiguren aufbauenden Satz bezeichnet Vasks als „eine Berührung mit der Vergangenheit“. Er bietet reizvolle Anknüpfungsmöglichkeiten für das übergeordnete Thema des Abends. Diesem intimen Satz folgt die grelle Harmonik der rhythmisch pointierten Toccata I. In ihr spiegelt sich laut Vasks die Aggression des 20. Jahrhunderts wider. Im Zentrum steht der sangliche und permanent ins Unbestimmte ausweichende Choral. Symmetrische Bezüge werden durch den im vierten Satz aufgegriffenen Charakter der Toccata I und die Wiederkehr der düsteren Ausgangsstimmung in der Meditation hergestellt.

Die tänzerische Umsetzung des Instrumentalwerkes erregt gleich auf mehreren Ebenen Aufmerksamkeit: Horecna schickt das Publikum an diesem Abend auf eine von Gegensätzen geprägte Reise. Sie lässt die Grenzen der Zeit hinter sich und rückt die menschliche Existenz in den Mittelpunkt. In ihrer Choreographie bezieht sie sich direkt auf die inhaltliche Dimension des Stücks:
Ich blicke in diesem Ballett zurück in die Vergangenheit, auf das, was diese uns überliefert, und betrachte den Tod als einen Neuanfang, von dem lebendige Erinnerungen ausgehen und sich in etwas Neues, Besseres verwandeln.

In zwölf weiteren Aufführungen bis Mitte November besteht die Gelegenheit, den Ballettabend am Kongelige Teater mitzuerleben. Fans der Musik von Peteris Vasks kommen auch am 1. Oktober 2015 auf ihre Kosten, wenn das NDR Sinfonieorchester in Kiel das Konzert Vox amoris für Violine und Streichorchester interpretiert. Es folgen Aufführungen in Hamburg und Wismar.

Foto: Det Kongelige Teater
(21.09.2015)