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Werk der Woche - Jörg Widmann: Messe

Jörg Widmann zählt zu den wichtigsten deutschen Komponisten unserer Zeit. Für die Spielzeit 2015/16 nahm er an der Tonhalle Zürich seinen Platz auf dem "Creative Chair" ein und führt ab dem Mittwoch dieser Woche seine Abschlusskonzerte auf: Unter eigener Leitung präsentiert Widmann die schweizerische Erstaufführung seines Orchesterwerks Messe, gespielt vom Tonhalle-Orchester Zürich. Als Nachfolger für Widmann tritt dann der ungarische Komponist und Dirigent Peter Eötvös ein.



Der Creative Chair wurde von der Tonhalle-Gesellschaft Zürich in der Saison 2014/15 erstmals vergeben. Sie schuf damit eine Position für bedeutende Komponisten unserer Zeit, die darüber hinaus auch als Dirigenten oder auch solistisch tätig sein können. Widmann selbst ist nicht nur Komponist und Dirigent, sondern auch Klarinettist: So kombiniert er in diesem Rahmen die Aufführungen von Messe mit Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622.

Jörg Widmanns Messe für großes Orchester – dem „instrumentalen Singen“ gewidmet


Vor knapp zehn Jahren vollendete Widmann mit Messe eine Trilogie von Orchesterwerken, die er mit Lied (2003) und Chor (2004) begonnen hatte. Sein Interesse für geistliche Themen war zunächst vor allem literarischer und musikalischer Natur. Die Arbeit an seinem 5. Streichquartett mit Sopran Versuch über die Fuge forderte ihn zu strengen musikalischen Formen heraus. Techniken, denen er zuvor oft aus dem Weg gegangen war, bestimmten nun das gesamte Satzbild. Analog dazu verlief auch die Entwicklung seiner Orchestermusik in dieser Zeit und so konzipierte Widmann ein Werk, das vokale Musik auf instrumentale  Besetzungen projiziert.
Das instrumentale Singen ist das Thema meiner zwei vorangegangenen Orchesterstücke ‚Lied‘ und ‚Chor‘. Kein Sänger und kein Chor treten dort auf; das Orchester selbst singt, rezitiert und deklamiert. So auch in der Messe. Die Musiker selbst sind die Protagonisten: Soli, Chor und Orchester in einem. In der ‚Monodia‘ des ‚Kyrie‘ gibt es beispielsweise einen Wechselgesang zwischen Chor und Orgel, ohne dass eine Orgel oder ein Chor beteiligt wären. An zentralen liturgischen Stellen, etwa zu Beginn des ‚Kyrie‘ und des ‚Gloria‘, erscheint das Notenbild wie eine riesenhafte Chorpartitur; jeder Musiker „singt“ auf seinem Instrument den jeweiligen Messetext. – Jörg Widmann

Vom 6. bis zum 8. Juli führt Widmann jeden Abend seine Messe in der Tonhalle Zürich auf. Zudem findet am 10. Juli in Saarbrücken eine Aufführung von Versuch über die Fuge in einer Fassung für Sopran, Oboe und Kammerorchester statt. Es spielt das Saarländische Staatsorchester unter der Leitung von Christopher Ward. Widmanns Konzertouvertüre Con brio wird im August bei einer Tournee des West-Eastern Divan Orchestra unter der Leitung von Daniel Barenboim aufgeführt, unter anderem in Buenos Aires (4. und 5. August), Salzburg (11. August), Luzern (15. August) und London (17. August).

Werk der Woche - Bernd Alois Zimmermann: Konzert für Oboe und kleines Orchester

Das Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann wird in der kommenden Woche in Buenos Aires gespielt. Diese Aufführung stellt eine Besonderheit in der Geschichte des Stückes dar. Die Werke des deutschen Komponisten wurden in der Vergangenheit eher selten im lateinamerikanischen Raum aufgeführt. Nun aber wird dieses Konzert am 7. April im Teatro Colón zu hören sein. Schon Wilhelm Furtwängler bezeichnete dieses Opernhaus als das beste und schönste der Welt. Unter der musikalischen Leitung von Zhang Guoyong und in Begleitung des Orquesta Teatro Colón übernimmt Néstor Garrote den Part des Solisten.

Das Konzert von Zimmermann, der 2018 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, entstand 1952 und wurde im Oktober desselben Jahres bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt. Zu dieser Zeit arbeitete Zimmermann als Lektor für Musiktheorie am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Köln, was er jedoch zugunsten seiner Tätigkeit als Komponist bald darauf aufgab. Der Zwiespalt zwischen der Sicherheit einer festen Anstellung auf der einen Seite und der verlorenen Freiheit auf der anderen Seite verfolgte den Komponisten zeitlebens. Sein "unruhiger Geist", wie er es selbst bezeichnete, war oft eine Last, inspirierte ihn jedoch auch immer wieder zu neuen musikalischen Werken.

Zimmermanns Hommage an Strawinsky


Das Oboenkonzert besteht aus drei Sätzen: Hommage à Strawinsky, Rhapsodie und Finale. Die Oboenstimme ist virtuos gestaltet und stellt somit hohe Anforderungen an den Solisten. Zimmermann selbst schreibt zu seinem Werk:
In dem ersten Satz, Hommage à Strawinsky, werden Motive und Themen des 1. Satzes der Sinfonie en ut von Strawinsky in offener und versteckter Form zitiert. Dem Konzert liegt eine für alle Sätze verbindliche 12-Tonreihe zugrunde, die so flexibel gehandhabt ist, dass – ein Greuel für superorthodoxe Dodekaphonisten – Themen von Strawinsky ohne „aus der Reihe zu tanzen“ zitiert werden können. Es mag dem Zuhörer überlassen sein, diese kleinen Späßchen hin und wieder zu entdecken. - Zimmermann

Auch in den nächsten Monaten können sich die Zuschauer in Buenos Aires auf die Musik Zimmermanns freuen: Vom 12. bis zum 20. Juli werden Die Soldaten als nationale Erstaufführung in einer Inszenierung von Pablo Maritano, ebenfalls am Teatro Colón, aufgeführt.

Foto: Teatro Colón / HalloweenHJB