Werk der Woche – Dobrinka Tabakova: Concerto for Accordion and Orchestra
- 11.05.2025
Am 17. Mai 2025 wird in der Stuttgarter Liederhalle ein neues Werk der bulgarisch-britischen Komponistin Dobrinka Tabakova uraufgeführt: das Concerto for Accordion and Orchestra. Die Solistin ist die lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova, für die das Werk geschrieben wurde. Die Stuttgarter Philharmoniker spielen unter der Leitung von Michał Nesterowicz. Es handelt sich um einen Kompositionsauftrag mehrerer Partner: Neben den Stuttgarter Philharmonikern sind es das Bodenseefestival, Dzintaru Koncertzāle, Sofia Philharmonic and the Royal Liverpool Philharmonic Society for the Royal Liverpool Philharmonic Orchestra.
Ein Instrument zwischen Atem und Atemlosigkeit
Für Tabakova war es eine besondere Herausforderung, ein Werk für Akkordeon und großes Orchester zu schreiben. Das Instrument wirkt gleichzeitig atmend und mechanisch – fast wie eine menschliche Stimme, die durch Technik vervielfacht wird. Diese Spannung spiegelt sich in der Musik: zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Intimität und Weite. Tabakova beschreibt das Concerto for Accordion and Orchestra als einen musikalischen Bogen, der sich langsam öffnet und immer mehr ins Licht zieht. Dabei wird die Musik von Atemfiguren getragen, in denen sich die expressive Kraft des Akkordeons entfaltet.
Das Akkordeon fasziniert mich schon sehr lange: Volksinstrument und fester Bestandteil einer Vielzahl von europäischer und weltweiter Volksmusik einerseits, schwarzer mechanischer Kasten mit einem atmenden Zentrum andererseits. Diese Eigenschaften inspirierten mich bei meiner Studiumskomposition The Accordion, die ich jedoch für ein Ensemble schrieb, in dem das Instrument überhaupt nicht vorkam. „Eine Maschine mit Seele“ war damals mein Arbeitstitel, und diese Zeile inspirierte nun das neue Akkordeonkonzert in einer für unsere Menschlichkeit entscheidenden Zeit. Einer Zeit, in der sich unsere Gesellschaft mit dem Konzept der Technologie auseinandersetzt, die unsere kulturelle Nahrung diktiert, in der Algorithmen und künstliche Intelligenz versuchen, echte Verbundenheit und Neugier zu ersetzen, während sich unsere Seelen nach Zuneigung und Verständnis sehnen. (Dobrinka Tabakova)
Klangbrücken zwischen Ländern
Die Komponistin ist bekannt für ihren farbenreichen, emotional dichten Stil, der westliche und osteuropäische Einflüsse verbindet. Auch das neue Werk greift diese Brückenbildung auf – geografisch wie musikalisch. Tabakova versteht Musik als verbindende Sprache zwischen Kulturen. Dass sie das Akkordeon als zentrales Instrument wählt, ist Ausdruck dieser Haltung: ein Instrument, das in vielen Musiktraditionen zu Hause ist, und in diesem Werk neue, ungewohnte Dimensionen annimmt.
Ein Werk geht auf Reisen
Nach der Uraufführung folgen nationale Erstaufführungen in mehreren Ländern: am 19. Mai 2025 in Dornbirn, Österreich, im Rahmen des Bodensee-Festivals, am 19. Juni in Sofia, Bulgarien, am 18. Juli in Jūrmala, Lettland, sowie in der Spielzeit 2025/2026 mit dem Royal Liverpool Orchestra als Erstaufführung im Vereinigten Königreich. So wird das Concerto for Accordion and Orchestra durch Europa wandern – eine musikalische Reise, die dem interkulturellen Geist des Werks entspricht.
Ihre Meinung zählt
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Weitere Informationen
Komponistinnenprofil Dobrinka Tabakova
Werkdetails zum Concerto for Accordion and Orchestra
Veranstaltungsseite Stuttgarter Philharmoniker
Foto: Benjamin Ealovega